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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-24 · 30 (24.7.1896) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
30 (24.7.1896)
Date
1896-07-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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V Vr »lqch's WochenIchrM_Seite 593 „Meine lieben Kinder! Der Verein „Ferienheim" hat sich auch Heuer wieder alle erdenkliche Mühe gegeben, um recht viel schwächliche Kinder zur Erholung aufs Land zu schicken. Nun wäre es bald geschehen, daß Ihr hier und Eure nachfolgenden Kameraden, also 120 Kinder, hätten in Wien bleiben müssen, wenn nicht eine edle Frau, eine bekannte Wohlthäterin, sich zur guten Stunde Euer erbarmt und dem Vereine die Räume dieses Schlosses für Eure Unterkunft überlassen hätte. Ihr seid demnach gewissermaßen Gäste und Schützlinge dieses Schlosses und habt Euch durch artiges, höfliches Betragen, anständiges Benehmen nicht nur dankbar zu erweisen, sondern auch dem Vereine „Ferienheim" als Wiener Kinder Ehre zu machen! Nunmehr wünsche ich Euch beste Erholung, damit Ihr gekräftigt zu Euren Eltern, zur Schule zurückkehren wöget! Bevor Ihr nun Euer neues Heim betretet, bringet auf Eure großmüthige Wohlthäterin, Frau Baronin Clara Hirsch, ein „Hoch!" aus!" Ein begeistert ausgebrachtes „Hoch!" folgte diesen Worten. Herr Centraldirector S w o b o d a begrüßte die Kinder wärmstens und wünschte ihnen recht gute Erholung, worauf der Leiter der Colonie, Herr A. L öwy, einige ermahnende Worte an die Kinder richtete, sich durch sittliche Aufführung der erwiesenen Wohlthaten würdig zu zeigen. Das bereitstehende Abendessen mundete den Kleinen begreiflicherweise recht gut. Nach Absingung einiger Lieder wurden dieselben in ihre Schlafräume geleitet. Die anwesenden Gäste, welche die Räumlichkeiten besichtigten, sprachen sich über die getroffenen Einrichtungen rc. in der lobendsten Weise aus. Die Colonie ist unter eigene Regie gestellt und besitzt 4 Schlafsäle, 1 Bureau, 1 Jnspectionszimmer, 1 große Küche, 1 Waschzimmer für die Knaben rc. Die täglich erscheinenden Gäste sind des Lobes voll über die musterhafte Organisation. Schon heute — 8 Tage seit der Ankunft — läßt sich erfreulicherweise eine Kräftigung der vom Elend und Krankheit heimgesuchten Kinder constatiren, und so möge denn die volle Gesundung derselben der schönste Lohn für alle jene sein, die an diesem Werke der Nächstenliebe mithalfen. St. Pölten. (C h r i stl i ch - S o c i a l e ü b e r P f i st e r.) Samstag fand hier eine Volksversammlung statt, die einen zeitweite stürmischen Verlauf nahm. Arbeiterführer Hofer aus Wien sprach über das Wahlrecht aus der fünften Curie. Der Christlich-Sociale Schmied warf den Svcialdemokraten Cvrruption vor (stürmischer Widerspruch), gab jedoch zu, daß der F a l l P s i st e r eine Schande f ü r d i e W i e n e r G em eind er ath s m aj o rit üt und der Proceß Feichtinger eine Schmach für die ganze christlich-sociale Partei sei. (Beifall.) Im weiteren Verlaufe der Versammlung griff der Redner wiederholt die Socialdemokraten unter dem stürmischen Widerspruch der Versammlung an und nieinte, daß der Strike in Neunkirchen nur zu dem Zwecke inscenirt worden sei. um die Arbeiterführer populär zu machen. Schließlich wurde eine Resolution angenommen, welche die Unterstützung der noch im Strike stehenden Arbeiter Neunkirchens fordert. Brünn. Es ist unbestrittene Thatsache, daß das Deutschthum in Oesterreich in den letzten 20 Jahren stetig, aber sicher zurückgedrängt wurde, was wohl erst in den letzten Jahren mehr fühlbar ward. Nach den Ursachen ist nicht lange zu forschen — die ursprüngliche große deutsche' Partei ist heute in Clericale, Liberale, Deutschnationale und Antisemiten zertheilt, überdies zerfällt jede einzelne dieser Parteien wieder in Fractionen als da sind: rechter Flügel, linker Flügel, Centrum rc. je nach den verschiedenen Tonarten der betreffenden Abgeordneten, und ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß die den Deutschen in Oesterreich rechtlich gebührende, führende Stellung für lange Zeit verloren ist. Mit dieser vollzogenen Thatfache werden die Juden in Oesterreich bei den nächsten Reichsraths- und Landtagswahlen rechnen müssen, und ist strenge darauf zu sehen, daß in rein deutschen Wahlbezirken, wirklich liberale Candidaten unterstützt werden. 'Nun gibt es aber in Oesterreich, speciell in Mähren, zumeist deutsch-böhmische Wahlbezirke. In diesen mährischen Städten haben die Juden immer zu Gunsten der deutschen Candidaten bei den Wahlen den Ausschlag gegeben. Es wird also jedem billig denkenden Menschen einleuchten, was diese Juden in den mährischen Städten dem Deutschthum für Opfer brachten, wenn dieselben immer gegen ihre czechischen Mitbewohner deutsch wählten. Man kann ruhig sagen, die : mährischen Juden haben Gut und' Blut für das Deutschthum geopfert. Und was haben diese von Juden gewählten, sogenannten deutschliberalen Abgeordneten für die Juden geleistet? Mir ist nichts bekannt. Wenn diese Abgeordneten schon nichts leisten wollten, da die Juden überhaupt nichts verlangen dürfen, hätte da nicht einer oder der andere dieser Abgeordneten dagegen Stellung nehmen müssen, wenn die ganze Judenschaft beschimpft, verhöhnt und verspottet wurde? Hätte es in den Vertretungskörpern überhaupt so weit kommen können, wenn nur der dritte Theil unserer sogenannten liberalen Abgeordneten, wirklich liberal gewesen wäre? Sollten sich die Juden immer an die Rockschöße solcher Liberalen hängen, um nach den Wahlen mit aller Vehemenz wieder abgeschüttelt zu werden? Oder dünken sich die Juden wirklich geborene Germanen zu sein und demnach aus Ueberzeugung deutsch wählen zu müssen? Meiner Ansicht nach sollten die Juden in erster Linie Juden und dann erst, mit den jeweiligen Ortsbewohnern, national sein aus dem ganz einfachen Grunde, weil die Juden eine kleine Minorität der gefammten Einwohnerschaft bilden und als solche der Ortsmajoritüt bei den Wahlen nicht entgegentreten sollen. Einen solchen Vorgang, wird den Juden gemischter Wahlbezirke Niemand verargen, sie bleiben mit der böhmischen Mitbewohnerschaft auf gutem Fuße und ist damit den breitenSchichten der Bevölkerung die Gelegenheit benommen, ihnen feindlich entgegentreten zu müffen. Ich rathe also vorderhand nicht dazu, daß die Juden in gemischten Wahlbezirken direct böhmisch wählen, aber jeder Jude leistet der Gesammtjudenschaft, speciell aber sich selbst, einen großen Dienst, wenn er sich in gemischten Wahlbezirken bei den kommenden Wahlen von denselben gänzlich ferne hält. Ein mährischer Jude. Ueber den Antisemitismus der Bolkspartei äußert sich der Prager „Cas", das Organ der Realisten, folgendermaßen : „Die Mährische Volkspartei hat den Antisemitismus in ihr Programm ausgenommen. Das ist eine völlige und eigenwillige Aenderung des Volksprogrammes. Diesejbe ist auch nicht nach reifen Erwägungen, sondern als ein momentaner Einfall und mehr zur taktischen Uebertrumpfung der clericalen Partei in Mähren vorgenommen worden. Dort werden unüberdachte Paradeeongresse abgehalten, bei denen in! wenig Stunden vom Hundertsten ins Tausendste debattirt wird» Niemand die Stimmung der Mehrheit beherrscht und nicht einmal die Führer ahnen, welches der Ausgang der aufgeregten, kopfüber geführten Verhandlung sein wird. In solcher Gedankenlosigkeit werden blindlings andere Parteien copirt, und da jetzt die Deutschnationalen sich an den Antisemitismus gehängt haben, so hängt sich auch die mährische Volkspartei an denselben. Der Antisemitismus ist auch mit dem Programme der Jungczechenpartei aus dem Jahre 1391 im Widerspruchs. Wir sind begierig, wie sich der Prager (jungczechische) Execmivausschuß zu dieser Programmversammlung verballen wird." Dagegen wird die Aufnahme des Antisemitismus in das Programm der mährischen Bol'spartei von dem jungczechischen „Bysehrad" gutgeheißen. Derselbe verlangt die Einberufung der jungczechischen Vertrauensmänner in Böhmen, damit das jung czechische Programm „ergänzt" werde, namentlich vom antisemitischen Standpunkte -- Am Sonntag den 12. d. M. hielt der neue christlich-sociale Verein, welcher sich unter der czechischen Bewohnerschaft von Prag und Umgebung constituirt hat, eine stark besuchte Versammlung ab und seither wurde conftattrt, daß die antisemittsche Strömung in Prag zugenommen hat. Es ist nicht unmöglich, daß der „Bysehrad" durch seinen Vorschlag bezweckt, eine Abschwenkung jungczechischer Anhänger zu den czechischen Christlich-Socialen zu verhindern. Brünn, 3. Juli. Der gestern hier unternommene Versuch, durch Wiener antisemitische Agitatoren auch in Brünn Verhetzung in die Bevölkerung zu tragen, ist kläglich gescheitert. Der Deutschnattonale Verein hatte für gestern Abends in Neuwirth's Gasthaus in Alt-Brünn eine Versammlung einberufen, zu welcher J-d?''- mann Zutritt hatte und in welcher der Redacteur eines c .v. antisemitischen Blattes, K. H. Wolf, über das %" f uns Deutschen in Oesterreich fehlt und was wir w sollte. Mit ihm war muf) Landtags abgeordneter.., kommen, der Herrn Wolf, welcher heiser war, in^ ... -,.*>■ » r lösen sollte. Zur Versammlung hatten sich nebst -S. nationalen auch etwa 250 Socialdemokraten und , u. :? eingefunden und der Vereinsobmann, Herr Bi. : richtete nach seiner Begrüßungsansprache an die Sr . , 'ir •/ den Appell, die Versammlung nicht zu stören. (v: - u wir nicht provocirt werden!") Kaum hatte ij.» Wolf das Wort ergriffen, als er beleidigende T:v. die Juden richtete, womit er auf entschiedenen W - u

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