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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-24 · 30 (24.7.1896) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
30 (24.7.1896)
Date
1896-07-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 592 Dr. Blortz's Wochenschrift Nr. 30 ihn lieber gehabt hätte, als den Bruder. Endlich ernannten sie mich zum Schiedsrichter. Allein ich war umsoweniger in der Lage, ihnen einen befriedigenden Bescheid zu ertheilen, als ich nie im Leben solche täuschend ähnliche prachtvolle Edelsteine gesehen habe. Als sie jedoch ungestüm auf mich eindrangen, ihnen zu sagen, welcher von den Ringen der kostbarste sei, gab ich ihnen folgende Antwort: „Euer Vater, der sie euch zum Geschenke gegeben, der allein weiß sicher, welcher der kostbarste sei, daher gehet hin und fraget ihn." In Folge dessen geriethen sie in solche Wuth, daß sie mich jämmerlich schlugen und verwundeten". „So nenne mir diese Elenden, damit ich sie züchtige", rief der König erzürnt ans. „Großer, erhabener Fürst", entgegnete Esraini, „die beiden um den Werth ihrer Ringe streitenden, sich stets befehdenden und bekämpfenden Brüder sind der Christ und der Jude Der Vater Beider hat jeden von ihnen einen Glauben, also einen kostbaren Edelstein, zum Geschenk gegeben, und nur er allein weiß, welcher der vorzüglichste ist. Und sollte thatsächlich einer weniger werth sein als der andere, so besitzt n u r Er, der Vater aller Menschen, das Recht, hierüber zu Entscheiden und kein Anderer auf Erden". Der König war von dieser Rede entzückt und versprach dem Afraim kein Feind der Juden zu sein. Und so lange dieser König lebte, wurden die Juden in seinem Reiche geschützt. Es unterliegt daher keinem Zweifel, daß Lessing seine schöne Erzählung von den drei Ringen dieser hier reproducirten Legende entnommen hat. Pisek, 16. Juli 1896. Dr. Friedländer. Correspondenzen. Wien. Mcolaus Dumba zieht sich vom politischen Leben zurück. In einer Wählerversammlung in Wiener-Neustadt hat er diesen seinen Entschluß den Wählern mitgetheilt, und wenn schon die Thatsache allein Beachtung und Würdigung verdient, weil man nur ungern und mit innigem Bedauern eine so sympathische Figur, wie es Mcolaus Dumba ist, aus der politischen Arena scheiden sieht, so erheischt die Form, so erheischen die Motive dieses politischen Abschiedes ein ganz besonderes Interesse. Mit allem Freimuth hat Dumba seinen Wählern die Gründe seines Rücktritts von der Bewerbung um ein Landtagsmandat auseinandergesetzt. „Ich bin jetzt 66 Jahre alt und war während meiner sechsundzwanzigjährigen Thätigkeit im Landtage immer ehrlich bestrebt und bemüht, meine Pflicht und Schuldigkeit zu thun. Ich habe stets ruhig und sachlich mein Mandat ausgeübt, aber heute, wo nur Zank und Streit die Oberhand haben, wo die Massen durch un erfüll b are V e rh e iß u n g ins Garn gelockt werden, wo die giftigen Waffen der Verleumdung und Verhetzung ihre Orgien feiern, ist es unmöglich, sachlichen Erörterungen Geltung zu verschaffen, und man muß daher des Wirkens im öffentlichen Leben überdrüssig werden." So sprach Mcolaus Dumba vor seinen Wählern in Wiener- Neustadt, und in seinen Worten liegt ein vernichtendes Urtheil über die immer kühner vordringende Partei der Antiliberalen im niederösterreichischen Landtag. Das ist dieselbe Partei, welche dermalen die Verwaltung der Reichshauptstadt an sich gerissen hat, das ist dieselbe Partei, welche den-Terrorismus der Rohheit und der Verleumdung auch im Reichsparlament einzubürgern unternommen hat, welche überall im Reiche ihre böse Saat ausstreut, in Wirthshäusern und auf allen Straßen und Plätzen das Evangelium des Racenhasses, des Bürgerkrieges predigt. Wi^n. („Aus der Redaction eines Börsenblattes".) Unter diesem verheißungsvollen Titel bringt das „Vaterland" einen langen Bericht über eine umfangreiche Verhandlung, in welcher der Chefredacteur der „Bank- und Handelszeitung" Walther Mauke, der die großartigsten Erpresserstückchen ausführte, als Angeklagter fungirte. Das „Vaterland" läßt sich aber vielleicht absichtslos eines der interessantesten Momente entgehen: es vergißt zu erwähnen, daß der Herr Chefredacteur Mauke einer der berüchtigsten Antisemiten ist. Oder sollte das biedere „Vaterland" dies nicht ganz absichtslos gethan haben? Fast möchte man das glauben, wenn man die ganze Adjustirung des Berichtes bedenkt, die ganz dazu angethan ist, den Anschein zu erwecken, als ob es sich da um ein „jüdisches" Börsenblatt handelte und der brave Herr Mauke eigentlich ein „jüdischer" Zeitungsmann fei. Da dies beim „Vaterland" so zwischen den Zeilen zu lesen ist, wollten wir es deutlich heraussagen, wer eigentlich der Herr Mauke ist. Wien. (Eine S elbstp h oto gr aP h ie). Wir lesen in einem Ariikel, den das „Deutsche Volksblatt" gelegentlich des Neunkirchner Strikes veröffentlichte, buchstäblich Folgendes: „Dr. B e r st l hat die gewöhnliche Karriere der socialdembkratischen Koryphäen durchgemacht. Jede radicale Beweg u n g -w e i st ä h n l i ch e E r s ch e i n u n g e n auf: die Menge wird durch Einzelne auf neue Ziele angewiesen und zu deren Erreichung angeeifert. Darin liegt an und für sich nichts Unmoralisches, so lange die M a f s e d a d u r ch nicht den persönlichen Interessen Einzelner dienstbar gemacht und das Volk in Kämpfe hineingehetzt wird, deren Zweck kein anderer ist, als die Befr iedigung der Eitelkeit und des Ehrgeizes der Führer". Glaubt man nicht, daß das „Deutsche Volksblatt" da von der antisemitischen Partei und deren Führer spricht? Freilich fehlte uns da Eines: es handelt sich beim Antisemitismus nicht blos um die Eitelkeit und den Ehrgeiz der Führer, sondern auch um die Befriedigung ihrer — Taschen. Beim „Deutschen Volksblatt" wußte man am allerbesten von einem Manne zu erzählen, dem der Antisemitismus hauptsächlich dazu diente, einen dem Bankerotte nahen Menschen, dem a«ch schon von Freunden und Gönnern ein Strick nahegelegt wurde, zu Reichthümern zu verhelfen. Dieser eine Moment fehlt, sonst aber ist das, was das „Deutsche Volksblatt" von Anderen sagt, die treffende Selbstphotographie. Wien. Sehr geehrter Herr R e d a c t e u r! Der famose Beschluß des Gaues IV des Bundes deutscher Radfahrer Oesterreichs hatte, wie vorauszusehen, den „fraglichen" Erfolg, daß in den Kreisen der israelitischen Radfahrer eine arge Mißstimmung platzgriff, und viele derselben, ebenso wie einzelne größere Clubs haben beschlossen, ihren Austritt anzumelden. In einer Bundessitzung, welche vergangene Woche stattfand, wurde zwar beschlossen, (freilich erst nach fünf Wochen), daß der Beschluß des Gaues IV zu sistiren sei, jedoch findet die Leitung nicht den Muth, dies in ihrem officiellen Organ zu publiciren, wahrscheinlich um sich's mit der Gegenpartei nicht zu verderben. So lange der Bund nicht offen erklärt, wie seine Gesinnung ist, wird seine Mitgliederzahl immer mehr schwinden. R. S., Ein Rad fahr er. Budapest, 19. Juli. Die Thatsache, daß Justizminister E r d e l y i bei seiner gestrigen Anwesenheit in M u n k a c s keine Deputation der israelitischen Confession . empfing, gibt zu allerhand Gerüchten und Ausstreuungen Anlaß. Thatsache ist nur, daß der Minister die Juden nicht empfing, weil sich die N e o l o g e n und die Orthodoxen nicht zu einer gemeinsame n Deputation vereinigen konnten und sich der Minister auf den Standpunkt stellte, daß es nur eine jüdische Confession gebe und er zwei Deputationen nicht empfangen könne. Rossitz, 14. Juli. (Ferienheim.) Die von diesem Vereine am Montag, den 6. Juli, um y23 Uhr Nachmittags . entsandte Kolonie, bestehend aus 60 Knaben und 3 Lehrpersonen, langte wohlbehalten «nt Vs 6 Uhr Abends in Rossitz an, wo durch die Munificenz der Frau Baronin Hirsch in dem Schlosse ‘ derselben je 60 Knaben einen Monat Landaufenthalt genießen können. Die Schriftführerin des Vereines, Frau Antonie Graf, ' und Fräulein Caroline Schneider, Schwester der Präsidentin des Vereines — die beiden Damen hatten in der selbstlosesten und aufopferungsvollsten Weise die Vorarbeiten zur Unterbringung und Organisation der Colonie übernommen — waren der Kolonie bis nach Brünn entgegengefahren. In der Station Rosfitz hatten sich Herr David Kellner, Dampfmühlenbesitzer, und Baumeister R e j t h a r zum Empfange eingefunden. Nachdem die Knaben im Stationsgebäude abgewogen worden waren, nahm der Zug der Kolonisten, welche alle mit blauer Blouse und Kappe adjustirt find und den Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit seitens der Bewohner des Ortes bildeten, seinen Weg nach dem Schlosse der Frau Baronin Hirsch, an dWn Eingänge Herr Centraldirector S w o b o d a an der Spitze der Verwaltungsbeamten die erholungsbedürftigen Kinder erwartete. Der Zug nahm im Schloßhofe, in welchem ferner Bürgermeister Sv ietlik, Gemeinderath W i c e n i k sammt Frau, Herrschastsarzt Dr. Franz rc. zur Begrüßung der Kleinen erschienen waren, Aufstellung. Frau Antonie Graf richtete nun folgende Ansprache an die Knaben:

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