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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-24 · 30 (24.7.1896) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
30 (24.7.1896)
Date
1896-07-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Dr. Vlortz's Wochrnptzrtst Seite 591 Nr. 30 Mitten in der feierlichen Stimmung, die alle Anwesenden erfüllte, trat plötzlich eine furchtbare Störung ein. Ein Cooperator der dortigen Ortspfarrei zeigte sich plötzlich im jüdischen Gotteshause, drängte sich bis zum Pult des Borbeters hin, schlug mit seinem Stock aus das aufgeschlagene Gebetbuch desselben und ries mit dröhnender Stimme in die Versammlung hinein: „Ihr seid ein sündiges Volk, eine in Finsterniß wandelnde Nation!" Vergebens blieben alle gemachten Versuche, den Tobenden zu besänftigen, bis endlich vier Männer aus der betenden Versammlung ihn unter dem Arm faßten und bis zur Aüsgangsthüre der Synagoge brachten, ohne daß jedoch Jemand gewagt hätte, Hand an ihn zu legen. Inzwischen hatte sich jedoch draußen das falsche Gerücht verbreitet, der Cooperator werde im jüdischen Gotteshause mißhandelt und in Folge dessen stürzte sich eine tobende Menge, mit Stöcken und Steinen bewaffnet, in die Synagoge, und ein wahres Glück des Himmels war es. daß der Cooperator dieser tobenden Menge zurief: „Hört, Leute, ich will kein Wort der Lüge über meine Lippen bringen, ich wurde hier von Niemandem und auch nicht im Mindesten mißhandelt". Aus. diese beruhigenden Worte verlief sich der Pöbel und die Versammlung konnte ihre Andacht fortsetzen. Allein, obschon die Gemeinde von jedem Verschulden fteizusprechen war, so hatte dennoch die Sache durch beklagenswerthe Entstellungen und Angebereien eine überaus traurige Tragweite erlangt. Ar^ ersten Schebuothtage desselben Jahres langte die hochortige strenge Verfügung an, daß sofort, und zwar auf Kosten der jüdischen Gemeinde, die Synagoge gänzlich niedergerissen und der Erde gleichgemacht werden müsse. Fast 32 Jahre lang trauerte die Gemeinde um ihr zerstörtes Heiligthum. Denn erst im Schöpfungsjahre 5513 langte das erlösende und heißersehnte kaiserliche Edict an, mit welchem der Gemeinde das Recht zugesprvchen wurde, anstatt der in Trümmer gelegten großen Synagoge an den Aufbau zwei kleiner Bethäuser zu schreiten. Das ist des Weiteren beschrieben in einem Büchlein von Emanuel Baumgarten. Die Beduinen und Dr. Lueger. Den Lesern des „Deutschen Bolksblatt" ist große Freude beschicken worden. Bon einem' aus Ostasien heimkehrenden Missionsschiff meldet das genannte Blatt eine sehr merkwürdige Geschichte. Einige Officiere — man erfährt nicht, ob das spanische oder chinesische Officiere waren — haben von Suez aus einen Aufstieg auf die Cheops-Pyramide unternommen und zu ihrer freudigsten Ueberraschung fanden sie hoch droben in fußhohen Buchstaben ein „Hoch Lueger!" gepinselt. Welcher Pinsel diesen weisen Spruch dort oben verzeichnet hat, darüber berichtet der Forschungsreisende des „Deutschen Bolksblatt" nichts weiter. Aber die Sache selbst muß wohl wahr sein, denn das „Deutsche Bolksblatt" lügt nie. Wie schade, daß der egyptische König Cheops, der Erbauer dieser Riesenpyramide, die Freude nicht mehr erleben konnte, nebst seinem Namen den des großen Karl prangen zu sehen! Ader diese erfreuliche Großthat ist es nicht allein, waS die gläubigen Leser des „Deutschen Bolksblatt" entzücken muß; sie erfahren noch außerdem, daß „die als Fremdenführer dienenden Beduinen allen diese Pyramide Besteigenden mit Stolz die e Aufschrift zeigen". Zwar pflegen die Beduinen weder lesen noch schreiben zu können; am allerwenigsten ist es recht zu begreifen, wo sie unsere von den arabischen 2chriftzeich»n einigermaßen abweichende Schrift erlernt haben sollten. Aber das thut nichts, deswegen sin.d sie doch stolz auf das „Hoch Lueger!", und von Zelt zu Zelt, von.Dorf zu Dorf klingt das Lied von dem gewaltigen Kadi in Wien, der so tapfer und wild ist wie das Beduinenvolk, und mit seinem krummen Iatagan, das man dort in Wien das Redeschwert nennt, die Feinde niederschlägt. Woher sie das Alles erfahren haben? Mein Gott, sie lesen wahrscheinlich das „Deutsche Bolksblatt"! Denn es sind verdammt gescheidte Kerle, diese Beduinen. Nur einen Fehler haben sie: sie nennen sich bekanntlich, wie alle Araber, mit Stolz „d ie Söhne Sa m's". Diesen Stolz werden sie sich abgewöhnen müssen, sonst werden sie sich's schließlich doch mit dem „Deutschen Bolksblatt" verderben. Zum Ursprung der Erzählung von den drei Ringen. Bor nicht langer Zeit gelangte ich in den Besitz eines alten aus dem Hebräischen, noch vor Beginn des achtzehnten Jahrhunderts ins Jüdisch-deutsche übersetzten Buches, das 1771 in Fürth erschienen ist. „Scheerit Jisrooel" (Reste Israel) lautet der Titel desselben und bildet gleichsam die Fortsetzung der historischen Schriften des berühmten jüdischen Geschichtsschreibers Josephus Flavins. Unter den vielen Histörchen, die da mitgetheilt werden, hat mich folgende Erzählung besonders interessirt. Bekanntlich hatte Peter von Amiens, als er sich bei seiner Anwesenheit in Jerusalem von den Mißhandlungen, denen die Pilger dort ausgesetzt waren, überzeugt hatte, es für angemessen gefunden, die Völker und Fürsten Europas auszusordern, die den Christen widerfahrene Schmach ritterlich mit den Waffen an den Türken zu rächen. Barfuß und mit entblößtem Haupte ritt er auf seinem Esel von Dorf zu Dorf und von Stadt zu Stadt und predigte den Kreuzzug. In der Kirchenversammlung zu Clermvnt in Frankreich schilderte Peter in Gegenwart tausender und abermals tausender von Menschen in sehr ergreifender Weise das Elend der Christen im heiligen Lande. Auch der Papst Urban hielt bei dieser Gelegenheit eine die Menge zum Kreuzzuge ausstachelnde und aneisernde Ansprache. Und die ganze Versammlung rief einstimmig aus: „Gott will es! Gott will es!" Im Frühjahr 1095 rüstete sich Alles zur Wallfahrt nach Jerusalem. Von gewisser Seite war man auch bemüht, den Eifer der Kreuzfahrer durch allerlei sabelhaste Erzählungen von Zeichen und Wundern anzuseuern. Bei hellem Tageslichte wollte man am Himmel zwei Männer aus bäumenden Rossen im heißen Kampfe mit einander gesehen haben, von denen der Eine, mit einem leuchtenden Kreuze bewaffnet, nach mehreren Stunden den Andern überwand. Hirten gaben wieder vor, daß sie in der Nacht die Stadt Jerusalem im Strahlenglanze des Sieges am Himmel gesehen haben u. s. w. Diese und ähnliche Erzählungen von Wundern, die man verbreitet hatte, waren darnach angethan und geeignet, das rohe, ungebildete Volk zu sanatisiren und anzueisern. Um jene Zeit, so wird in dem Buche „Scheerit Jisrooel" erzählt, trat eines Tages ein Mönch, Namens Nicola, zum König von Frankreich und sprach: „Großer König! warum willst Du die Ungläubigen außer Deinem Reiche bekämpfen, während Du die Ungläubigen in Deinem eigenen Lande schonest?" „Wie!" ries der König erstaunt aus, „in meinem Reiche gibt es Ungläubige?" „Ja wohl" entgegnete der Mönch, „es sind dies die Juden. Sie sind die größten Feinde und Lästerer des Christenthums. In allen ihren Schriften wird der Christenhaß gelehrt und gepredigt. Wenn ein Jude einen Christen begegnet, grüßt er ihn freundlich, und sobald er ihm den Rücken gekehrt, verflucht und verwünscht er ihn in die Hölle". „Woher weißt Du das", ftug der König, „hast Du Dich selbst persönliche hievon überzeugt?" „Mir hat es", entgegnete der Mönch, „ein getaufter; Jude erzählt". „Ach gib mir Ruhe mit diesen getauften Juden", erwiderte der König, „diesen Leuten darf man keinen Glauben schenken. Ein Mensch, der eines materiellen Bortheiles wegen den Glauben seiner Väter wie die Wäsche wechselt, erscheint in meinen Augen als charakterlos und verdient durchaus nicht, beachtet zu werden. Ich werde mich übrigens bald von der Wahrheit Deiner Behauptung, daß die Juden die größten Lästerer des Christenthums seien, überzeugen." Der König ließ nämlich einen der jüdischen Gelehrten seines Ortes vorrufen. Als dieser erschien, ftug er ihn vorerst nach seinen Namen. „Eftaim Schango, ist mein Name", entgegnete der Jude. „Du scheinst demnach halb Jude und halb Christ zu sein", rief der König erstaunt aus, „denn Eftaim ist ein jüdischer und Schango ein christlicher Name". „Schango ist blos der Beinamen meiner Familie, die ursprünglich Schanzi geheißen, im Laufe der Zeit ist aus Schanzi Schango gebildet worden". „Ich beabsichtige ja nicht, mich mit Dir zu verschwägern" ries der König etwas ungeduldig aus, „daß Du mir nähere Auskünfte über Deine Familie ertheilst". „Großer König" erwiderte Eftaim, „da Du nach meinem Namen geftagt hast, so sah ich mich genöthigt, Dir ausführlich über denselben zu berichten, weil es hier noch mehrere Individuen gibt, die Eftaim heißen". „Lassen wir diese Angelegenheit auf sich beruhen und beantworte mir eine andere Frage, die ich jetzt an Dich richten werde", entgegnete der König leutselig. „Sage mir, welcher Glaube, der christliche oder der jüdische, vor Gott der allein wahre und angenehme sei?" Eftaim erkannte sofort die ihm imt>_ seinen Glaubensgenossen gelegte Falle, daher er den König ersuchte ihm drei Tage Bedenkzeit zu bewilligen, um die gewünschte Antwort ertheilen zu können. Diese Bitte wurde ihm auch bereitwilligst gewährt. Nach drei Tagen erschien Eftaim furchtbar niedergeschlagen, mit verbundenem Kopfe vor dem Könige. „Was ist Dir geschehen?" ftagte der König. „O, großer Fürst, höre und staune" antwortete der Jude. „Bor einem Monate zog mein Nachbar weit über's Meer, vor seiner Abreise jedoch gab er jeden seiner beiden Söhne einen reich mit Diamanten gefaßten Ring zum Andenken. Bald aber geriethen die zwei Brüder in Streit darüber, welcher Ring der werthvollere sei, denn Jeder behauptete, der seine müßte es sein, weil der Vater

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