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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-24 · 30 (24.7.1896) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
30 (24.7.1896)
Date
1896-07-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 588 Dr. Vlortz's Wochenschrift Nr. 30 er so grausam, daß mir das Blut erstarrte. Es war das erste Mal, daß ich log und falsch schwur, um des Friedens willen. Ich betheuerte, daß ich nie als Modell gesessen, konnte aber den Wurm in seinem Herzen doch nicht beschwichtigen und ich habe seitdem mehrmals schon Anspielungen darauf zu hören bekommen. Ich sprach mein Bedauern aus, daß auch ich mittelbar an chrem Unglücke schuld sei. Sie wies aber mein Bedauern sofort zurück. „Nein", sagte sie, „mein Mann thut mir weniger wehe mit diesem Vorwurfe, als wenn er mich mit grundlosen Eifersüchteleien quält." Bald erreichten wir die ersten Häuser des Dorfes, wo sie chren Sommeraufenthalt hatte. Hier trennten wir uns und ich sah ihr lange nach, mit welcher Würde sie durch das Dorf ging. Wieder kamen mir dabei Entwürfe für biblische Bilder in den Sinn. So z. B. das der Naemi in ihrer Trübsal nach ihrer Rückkehr nach Bethlehem. Von nun an interessirte mich Rebekka ihres Unglückes wegen. Ich ließ von Zeit zu Zeit unauffälliger Weise Erkundigungen über sie einziehen und vernahm jedesmal zu meinem tiefften Leidwesen, daß die materiellen Verhältnisse ihres Mannes immer mehr bergab gehen. Einmal fuhr ich durch die Wipplingerstraße und bemerkte aus meinem Wagen eine weibliche Gestalt, die an den Häusern dahin eilte — es war Rebekka. Unter dem Arm hielt sie ein Bündel, das sie mit chrem Shawl zu verhüllen suchte. Es waren wohl die letzten Werthobjecte, die sie in eine Pfandleihanstalt trug. Ich fürchtete, sie zu beschämen, wenn ich ihr nacheilte und meine Hllfe anböte und unterließ es daher. Dann kam das Jahr des großen Krachs. Bei demselben mußte der Mann Rebekkas ganz zusammengebrochen sein, daß er selbst nicht mehr den Schein der Wohlhabenheit wahren konnte. Als ich einmal wieder Erkundigungen über sie einziehen wollte, wohnte sie nicht mehr in derselben Gasse und alle meine Recherchen nach ihr waren vergebens. Sie verschwand auch allmälig aus meinem Gedächtnisse, bis sie mir der Zufall nach einigen Jahren wieder vor Augen fübrte. Es war im Bereiche eines der äußersten Vororte. Um Volkstypen zu studieren, besuchte ich eines Tages eines der großen Gasthäuser daselbst, wo nur die untersten Classen ihr Rendezvous haben. Da trat eine Hausirerin mit ihrem Tabulett an den Tisch, wo ich saß. Ich erkannte Rebekka. Ihre Züge «waren noch immer schön, aber es war die Schönheit einer älteren Frau, die wie die Abendsonne nicht mehr erwärmt. Und doch war sie noch nicht dreißig Jahre alt! Auch sie erkannte mich, der einst ihre Jugend verewigt hatte. Lächelnd unter einer zerdrückten Thräne sagte sie: „Nicht wahr, jetzt könnte ich Ihnen nicht mehr Modell sitzen? Mit uns ist es so weit gekommen, .daß ich Mann und Kinder ernähren muß." Ich war vor Rührung fast keines Wortes mächtig. Dann stotterte ich einige nichtssagende Phrasen von Trost und Hoffnung auf bessere Zeiten und öffnete meine Brieftasche, im Begriffe, eine alte Dankesschuld abzutragen. Als sie dies bemerkte, wandte sie sich mit einer schroffen Wendung von mir ab, dem nächsten Tische zu und bald darauf verschwand sie im Menschengewühle meinen Augen. Sie hatte wahrscheinlich schnell dieses Local verlassen, um mir nicht wieder zu begegnen. Ich habe sie seitdem auch nicht mehr gesehen und wollte sie auch nicht mehr sehen, um nicht neuerdings ihr Zartgefühl zu verletzen. Wenn ihre Kinder sie nicht versorgten, wie es ja bei den Juden fast immer der Fall ist, geht sie gewiß noch heute mit ihrem Tabulett von Gasthaus zu Gasthaus hausiren. Der Maler konnte bei Erzählung der Geschichte dieses Modells eine tiefe Bewegnng nicht verbergen. „So ehrbar bleibt selten ein Modell," schloß er seine Erzählung, „die meisten enden im Spital, im Gefängniß oder im Winkel einer verrufenen Gasse, auf dem Pflaster eingetreten, nur die Frauen ihres Stammes sind so stark, selbst die Pforten des Lasters zu überschreiten und rein zu bleiben." Vom Jahrmarkt des Lebens. Die jüdische« Speisegesetze und die Gesundheitsftatistik. Berlin, 6. Juli. Schon zu wiederholten Malen haben wir auf statistische Daten hingewiesen, die die Theorie unterstützen, daß die Befolgung unserer Speisegesetze auf die Gesundheit des Volkes einen mächtigen Einfluß ausübt. Kürzlich ist wieder iu London eine Broschüre erschienen: „Jewish Law und Sanitary Science" von I. Snowman, M. R. C. S, L. R. C. P, ein Separatabdruck aus der hochangesehenen Zeitschrift „The Medical Magazine". Der Verfasser führt darin aus, daß man zwar keinem einzigen Gesetz an sich allein eine tiefgreifende hygienische Wirkung zusprechen könne, daß aber der ganze Com- Plex von Vorschriften unbedingt dazu beigetragen habe, dem jüdischen Volke einen Schutz gegen gewisse Krankheiten und damit ein längeres Durchschnittsleben zu schaffen. Zur Begründung dienen folgende Zahlen: In New-Iork leben 1,389.000 Personen, die nach dem Geburtsland der Mütter sich classificiren lassen: in in in in in ruff.u.pol. farbig Amerika Deutschland Irland England Italien Juden 2500 385.000 400.000 400.000 55.000 54.0G0 120.000 Die Todesrate f. Pers. üb. 15 Jahr Va1885-b'/5l890 pro 100 ... . 23'6 16 17 28 20'8 12 3 62 Die Todesrate f. Schwindsucht unter 10O.OO0 Pers. 774 205 329 646 98 Die Todesrate f. Lungenentzündg. unt.1O0.OOOPers.39O 273 ‘ 214 344 269 456 170 Ebenso lauten die Zahlen aus Manchester. Hier wohnen die armen Juden in zwei Vierteln Red Bank und Strangeways zusammen und meist in sehr ungünstiger materieller Lage. Trotzdem ist hier die Todesrate nur 18'6 pro 1000, während die anderen Stadtviertel eine Todesrate von 25'1 bis 40 pro 1000 aufweisen. Auch die Sterbeziffer der Kinder unter 15 Jahren war in den jüdischen Quartieren niedriger als in den anderen. Endlich finden wir noch folgende Zahlen ans London in der interessanten Broschüre: Die Schwindsucht verursacht 16 Procent aller Todesfälle unter dem männlichen Geschlecht in London, bei den Juden aber nur 7 Procent; 11'/- Procent unter dem weiblichen Geschlecht gegen 3 Procent bei Juden. Wir können darauf verzichten, noch weitere Details anzuführen, die vorhandenen geben bereits eine vollständige Uebersicht und lassen die These völlig gerechtfertigt erscheinen, daß das System unserer hygienischen Gesetze, vollständig befolgt, dem jüdischen Volke wie dem einzelnen Juden ein längeres Leben sichert. Eine wackere That. Man schreibt dem „Prager Tagblatt" unterm 16. Juli d. I. aus C a r l s b a d : Am verflossenen Sonntag badete ein hiesiger Knabe,' im ungefähren Alter von 14 Jahren, in der Nähe der städtischen Schwimmschüle. Plötzlich verlor er den Boden unter den Füßen und zum Entsetzen mehrerer Personen, welche ihn beobachteten, wurde er von den Wellen fortgerissen. Die Zuschauer waren durch die schreckliche Situation des Knaben derart außer Fassung gebracht, daß sie auf die Hauptsache, nämlich die Rettung des Ertrinkenden, vergaßen. Schon hielt man den Knaben für verloren, als sich plötzlich ein bejahrter Herr, ohne sich der Kleider zu entledigen, in den Fluß warf und denselben mit eigener Lebensgefahr und unter den größten Anstrengungen vom sicheren Tode rettete. Der wackere Lebensretter war Herr David Moser, der Mitinhaber des k. k. Specialitäten-Hauptverlages von Carlsbad, der in der Nähe angelte und ohne Zögern bereit war, sein eigenes Leben für ein anderes zu opfern. Schwierige Lebensrettung durch einen Inden. In Nußdorf sprang tun 15. Juli 1896 Nachmittags der Bindergehilfe Thomas Kraholetz in den Donaustrom. Ein Straßenpassant, Leopold Blumenthal. Vertreter der Wiener Firma Emanuel Mühlrad, sprang in voller Kleidüng dem Lebensmüden . nach und brachte ihn unter großer Mühe noch lebend ans Ufer. Hofopernsänger Felix als Lebensretter. Pörtschach, 19. Juli 1896: Hofopernsänger Benedict Felix hat heute Vormittags in der hiesigen Schwimmschule einen Badegast vom Ertrinken gerettet. Der betreffende Herr, Procurist Wieser aus Prag, ist Nichtschwimmer. Er gerieth in die Abtheilung für Schwimmer und ging sofort unter. Nur von Zeit zu Zeit sah man seine Hände aus dem Wasser auftauchen. Die anderen Herren glaubten, Herr Wieser mache einen Scherz und wolle sich im Tauchen produciren. Plötzlich hörte man von der Damenschwimmschule her den ängstlichen Ruf: „Um Gotteswillen, mein Vater ertrinkt!" Große Aufregung entstand; man ries nach dem Schwimmmeister, der sich eben auf der Damenseite befand und deshalb zu spät gekommen wäre. Schnell entschlossen schwamm Herr Felix nun auf den Ertrinkenden los, faßte ihn von rückwärts an den Knien und brachte ihn zur Stiege,, wo sich Herr ' Wieser bald erholte. Herr Felix wurde von den zahlreich anwesenden ' Badegästen wegen der wackeren Thal auf das Herzlichste beglückwünscht.

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