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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-24 · 30 (24.7.1896) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
30 (24.7.1896)
Date
1896-07-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 30 Vr. Vloch's Wochenschrift. Seite 587 ganzen Feenhaftigkeit den herrlichsten Mädchenkranz orientalischer Schönheiten. Angekommen, wählte jeder ein schattiges Plätzchen am murmelnden Wasser unter dem Geflüster der hohen Bäume. Teppiche oder Strohmatten wurden ausgebreitet, das Frühstück wurde verzehrt, um Kräfte zu bekommen, für die Lustbarkeiten des Tages. Plötzlich erscholl die Aufforderung zum Tanze und alle Welt, wie von einer Sprungfeder emporgeschnellt, eilte, trotz der ziemlichen Wärine, der abgesteckten Runde zu, um sich im Tacte zu bewegen. Nun hörte das Tanzen nicht mehr auf. Aber ob des eigenen Vergnügens vergaß man nicht der Armen. Für sie wurde eine Lotterie veranstaltet. Die schönsten Mädchen wurden ausgesucht, um die Billets an den Mann zu bringen. Dem Beobachter bereitete es eine unsägliche Freude, zu bemerken, welche Mühe sich die holden Jungfrauen gaben, um ihre hundert Karten loszuwerden. Nachmittags hat der israelitische Turnverein eine Probe seiner Leistungen zum Besten gegeben. Die mannigfaltigen Uebungen waren wirklich glänzend und lassen an Geschicklichkeit und an Schönheit und Richtigkeit der Bewegungen nicht viel zu wünschen übrig. Man kann vielmehr nur erstaunt sein über die ungeheuren Fortschritte, die die jüdischen Turner in so kurzer Zeit erzielt haben. Das jüdische Maifest hat einen fröhlichen Llbschluß gefunden. Veranstalter und Teilnehmer waren zuftieden. Getäuschte Erwartungen hat es auf beiden Seiten nicht gegeben. Selbst die Nichtjuden, die an dem israelitischen Frühlingsfeste theilgenommen haben, waren angenehm berührt vom schönen Verlauf des Ausfluges und einig im Lobe über die musterhafte Ordnung und tadellose Wohlanständigkeit, die am ganzen Tage geherrscht. Fügen wir noch gleich hinzu, daß diese Thatsache ein grelles Licht wirft auf ähnliche Vergnügungen anderer Leute, bei denen ohne allgemeine Trunkenheit am Schluffe eine Festlichkeit nicht gedacht werden kann, wenn nicht vielmehr Messerstiche das Ende vom Liede bilden. Oscar H o r o w i tz. Die Geschichte eines Modells. Zur Zeit des bekannten Berliner Sensationsproceffes gegen den Maler Gräfe wollte ich vom sittlichen Standpunkte über die Frage des Verkehrs der Künstler mit Modellen schreiben und habe mich zu diesem Zwecke viel in Künstlerkreisen bewegt, von denen mir einer Nachstehendes erzählte: „Ich war gerade an der Arbeit eines meiner anerkanntesten Bilder: Maria als Angetraute Josefs in der Vision mit dem Engel Gabriel, nach Lucas 1, und suchte nach einem Modell. Als strenger Naturalist wollte ich dazu nur eine Jüdin reinster Race, und weil bei den Orientalen die Mädchen schon mit dreizehn, vierzehn Jahren verlobt werden, sollte mein Modell in diesem Alter stehen. Wohl stand die weibliche Jdealgestalt, eine junge Jüdin, welche zugleich die Heiligkeit und die Schönheit die den Töchtern ihres Stammes eigen waren, darstellen sollte, in allgemeinen, dämmerden Umrissen vor meinem geistigen Auge — wo aber ein Modell finden, das so hohen Anforderungen an Gestalt wie Gesichtszüge zu entsprechen vermochte? Ich schlenderte wochenlange mehrere Stunden des Tages in den von den Juden bevölkertsten Bezirken Wiens herum, namentlich in jenen Theilen der Leopoldstadt, wo das Quartier der polnischen Juden ist, fand aber nicht das Erwünschte. Schon mißmuthig über mein fruchtloses Forschen begegnete mir zufällig in einer Gasse, wo ich es am wenigsten vermuthete, ein Mädchen von 14 Jahren, noch mager und unentwickelt, aber gerade von einer so keuschen Schönheit und einem so rührenden Ausdrucke in dem schmalen typischen Gesichte mit großen seelenvollen Augen, wie ich es für meine Arbeit brauchte. Ich hätte bald einen lauten Ruf der Freude gethan, als ich plötzlich das gehoffte Modell vor mir stehen sah; denn daß das Mädchen gerne bereit sein würde, mir den gewünschten Dienst zu leisten, schien kaum zweifelhaft; ihre Kleidung war ärmlich und trug den Stempel des Elends an sich, so daß sie auch in dieser Beziehung für eine echte Verkörperung der Braut des armen Zimmermannes von Nazareth gelten konnte. Ich sprach das Kind an und schon am folgenden Tage erschien es in meinem Atelier, begleitet von einer alten Hausirerin, die das verwaiste Mädchen zu sich genommen hatte. Ich erkannte, daß es der Alten ein schweres Opfer kostete, Rebekka — so hieß daß Mädchen — zu diesem Geschäfte herzugeben, und ich gab ihr sofort ein hübsches Sümmchen, um ihr den Kampf zu erleichtern. Alsbald machte nun auch das Bild rasche Fortschritte und entwickelte sich mehr und mehr zu jenem vollendeten Kunstwerke, als welches es meinen Namen verbreitete. Es war natürlich, daß ich auch an dem jungen Mädchen, dessen Züge ich verherrlichte, ein großes Interesse fand, umsomehr, als ich erkannte, daß hier der Körper mit dem Geiste wirklich harmonirte. Ich beschenkte sie und unterhielt mich gerne mit ihr, wenn die Sitzung vorüber war. Das Bild wurde ausgestellt, fand allgemeine Bewunderung und endlich einen Käufer um einen Preis, den zu erreichen ich nicht ahnte, und der es mir ermöglichte, nach Italien zu reisen. Nach mehreren Jahren meines Aufenthaltes in Rom kehrte ich wieder nach Wien zurück und aus Dankgefühl suchte ich mein Modell auf. Ich hatte Mühe, sie zu finden. Sie wohnte jetzt mit ihrer Pflegemutter in einem fashionablen Hause in der inneren Stadt. Sie selbst öffnete mir auf mein Anläuten. Das Kind war inzwischen zu einer wunderbaren Schönheit erblüht. Sie erkannte mich sofort und wurde leichenblaß. In höchster Erregung flüsterte sie mir an der Schwelle des Vorzimmers zu: „Ich bitte Sie, nicht weiter zu gehen, wenn Ihnen an meinem Glücke gelegen ist. Ich bin die Braut eines reichen Börseaners. Seine Eifersucht hat keine Grenzen; wenn er nur ahnte, was ich Ihnen war, er ließe mich sofort sitzen und ich wäre wieder das arme Mädchen von früher, das wochenlange hungern mußte, tuemt es sich ein neues Kleid machen wollte. Eilen sie weg, er hat mich mit Aufpassern umstellt!" Von Herzen froh, daß das Mädchen ihr Glück gemacht hat, entfernte ich mich, und nachdem ich kein weiteres Interesse an ihr hatte, vergaß ich sie auch bald. Nach ungefähr zwei Jahren führte mich der Zufall wieder in dieselbe Gasse, ohne daß ich mehr daran dachte, daß ich Rebekka hier zum letzten Male gesehen. Es war ein schöner Frühlingsvormittag. Alle Fenster der Gasse waren offen und an einem derselben stand eine junge Frau mit einem Kinde auf dem Arme. Ich erkannte in ihr sofort mein Modell. Dieselbe Keuschheit und Heiligkeit im Gesichte auch als Mutter, nur mit einem schmerzhaften Zug, der von seelischem Leiden zeugte — eine Maria mit dem Jesukindlein auf dem Arme. Wie viel hätte ich dafür gegeben, wenn sie mir jetzt zu Modell gesessen wäre! Ich fürchtete, sie zu compromittiren, wagte nicht, meinen Blick an ihr haften zu lassen und ging, ohne sie zu grüßen, vorbei. Ein Jahr darauf begegnete ich ihr auf einem der einsamen Touristenwege einer Gebirgspartie bei einer der Sommerftischen in der Nähe Wiens. Sie war allein nnd weit und breit keine Menschenseele, ich konnte mir's daher diesmal * nicht versagen, sie zu grüßen. Sie reichte mir die Hand und schien nichts dagegen zu haben, mich mit ihr in ein Gespräch einzulassen. Noch immer war sie wunderschön, wenn auch unverkennbar abgehärmt. Auf meine Frage, wie es ihr gehe, seufzte sie und wie um ihrem gepreßten Herzen Luft zu machen, fing sie nach einer Weile selbst an, mich über ihre Verhältnisse aufzuklären. „Es ist ein Unglück", sagte sie, „wenn ein armes Mädchen wegen ihrer Schönheit an einen reichen Mann kommt. Er glaubt erstens ein Recht zu haben, die Frau mit seiner Eifersucht quälen zu dürfen. Hat er sie doch erworben, wie ein Pascha eine Sclavin erwirbt, und zweitens ist ja der Reichthum, für den das arme Mädchen sich an so einen Mann hängt, um ihre Existenz zu sichern, ja oft nur Schein und am Ende ist das arme Wesen gekettet an einen Tyrannen, der noch dazu nicht einmal im Stande ist, sie vor materiellen Sorgen zu schützen." Sie unterließ es, diese allgemeine Bemerkung speciell auf sich anzuwenden; aber ich verstand sie. Ich erkannte es übrigens an ihrem Aeußeren, sie war nichts weniger als fein gekleidet, obwohl sie trotzdem vornehm aussah, aber sie wäre dies ja auch in Lumpen gehüllt gewesen. Wir gingen eine Strecke Weges nebeneinander. „Mein Mann", sagte sie „hat jetzt wirklich einen Anhaltspunkt geftuiden, meine Ehre zu verdächtigen. Jüngst kam er eines Abends nach Hause und stürzte wie rasend in mein Zimmer." „Weib", schrie er mir zu, „Du warst, ehe ich dich heiratete oder vielleicht gar während der Ehe eine nichtsnutzige Person. Ich war heute in der .... Kirche bei dem Leichenbegängnisse eines christlichen Freundes und habe dort Dein Bild gesehen, als die heilige Maria, Du mußt einem Maler als Modell gesessen sein und man weiß ja, was Modelle sind." — Und dabei lachte

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