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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-24 · 30 (24.7.1896) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
30 (24.7.1896)
Date
1896-07-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Örftc 584 Nr. 30 Vr. Vloch's Wochenfürrtfl Bildern darstellte, ein Brillantschmuck, bestehend aus Boutons, Brache, Armband und drei Ringen, 690 fl. werth, abhanden gekommen sei. Ein Meeting von lauter Antisemiten und Antisemitinnen — und plötzlich stiehlt Einer dem Anüeren einen Brillantschmnck. Das ist wirklich — unangenehm! Und nirgends ein Jud' oder ein Judenknecht, den man verdächtigen könnte! Und die Bestohlene ist Frau „Austria" selber — echt symbolisch! Zum neuen Statut der Wiener israelitischen Culkusgemeinde. Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redacteur! Aus dem Morgenblatte der „N. Fr. Pr." vom 18. Juli erfahren lvir, daß das neue Statut der neuen vergrößerten Wiener israelitischen Cultus gemeinde die behördliche Bestätigung endlich erlangt haben soll. Seit den letzten Cultusgemeindewahlen — vor der Erlassung des Gesetzes zur Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgesellschast — seit Einverleibung der Vororte und der Creirung von Groß-Wien, wodurch die israelitische Cultusgemeinde in allen ihren Verhältnissen nach Umfang und Ausdehnung eine neue Gestalt erlangt hat, sind im Strome der Zeit bereits viele Jahre dahingerauscht, die ehemaligen Vorsteher walteten ihres Amtes ohne Beftagung und ohne Mandat der Wähler, denen gegen diese Sistirung ihrer Autonomie keinerlei Rechtsmittel zu Gebote stand. Das neue Statut mußte erst geschaffen werden, urrd man beeilte sich nicht, eine Beschleunigung dieses Werkes zu veranlassen. dtun endlich ist das neue Statut fertig und für die Constituirung eines neu gewählten Vorstandes ist von der Behörde die Frist bis zum 1. December l. I. festgesetzt. Die Neuwahlen dürften sohin im Monate October stattfinden. Es ist nun wohl kein unbescheidenes Verlangen der Wähler, über den Inhalt des neuen Statutes rechtzeitig einige positive Daten zu erfahren; die Steuerträger haben doch auch ein Interesse, zu wissen, wie das Statut beschaffen ist, welchen Charakter man ihm ausgeprägt hat, conservativ oder liberal, demokratisch oder autokratisch, was sind unsere Pflichten, was unsere Rechte? Ist der Cultusvorstand blos dazu da, Cultussteuern einzutreiben oder vindicirt er sich noch andere Aufgaben im Interesse des Judenthums? Diese Neugierde ist gewiß verzechlich. — Was die „N. Fr. Pr." darüber erhielt, waren lediglich wohlklingende aber inhaltsleere Schlagworte; wir wollen doch auch von dem Gehalt, von dem Geist und dem Ziele des Statutes mancherlei erfahren — Näheres und Genaueres; wir wollen den Wortlaut kennen lernen. Dem Vernehmen nach soll es ein umfangreiches Werk sein; umso nochwendiger, es den Wählern rechtzeitig zuzumitteln, nicht etwa erst unmittelbar vor den Wahlen, zusammen mit der Wahl-Legitimation. Wenn etwa Letzteres geplant sein soll, so muß man im Vornherein gegen diese Benachtheiligung der Wähler Protest einlegen. Das Statut hat hoffentlich eine eingehende Prüfung und Kritik nicht zu fürchten, und man hat es nicht nöthig, durch einen Kunstgriff die genaue Einsichtnahme und Orientirung in das den Wählern octroyirte Werk zu vereiteln. Sie werden sich, geehrter Herr Redacteur, ein Verdienst erwerben, wenn sie darauf dringen, daß das neue Statut im vollen Wortlaut ohne Verzug entweder der Oeffentlichkeit vorgelegt oder jedem einzelnen Wähler, und zwar noch im Laufe dieses Monates, zugemittelt werde. Mit der Bitte um Abdruck dieser Zeilen, verharre ich in besonderer Hochachtung ganz ergebenst Ll. Zum Deukschmeisterjubiläum. Die Quintessenz des Programmes des seit wenigen Wochen am Ruder befindlichen antisemitischen Gemeinderathes Wiens, ist die Beseitigung des angeblich „jüdischen" Einflusses auf allen ) Gebieten. Bei allen Beschlüssen läßt sich die neue Gemeinde-! repräsentanz vom nackten Judenhaß leiten und alle ihre Thaten \ und Handlungen gehen daraus hinaus, die jüdischen Bewohner der Reichshaupt- und Residenzstadt, welche die stattliche Zahl . von 120.000 übersteigen und nahezu zehn Percent der Einwohnerschaft ausmachen, zu kränken, zu provociren und sie in ihren gesetzlich verbrieften Rechten zu verkürzen. Nicht allein, daß Bewerber um städtische Stellen zurückgewiesen werden, auch bewährte, verdiente Beamte und Bedienstete, die durch lange Jahre ihr ganzes Können der Commune gewidmet, werden hintangesetzt — weil sie Juden sind. Den wenigen jüdischen Beamten im Rathhause ist das Avancement gänzlich abgeschnitten, die definitiven jüdischen Lehrer und Lehrerinnen sind auf den Aussterbeetat gesetzt und die provisorischen jüdischen Lehrer und Lehrerinnen werden nicht zu definitiven Lehrkräften ernannt. Die Ambition des antisemitischen Gemeinderathes reicht aber noch weiter. Wo nur irgend ein Jude sich in Stellung befindet, soll und muß er verdrängt werden, vide die Action gegen die freiwillige Rettungsgesellschaft, um einige wenige jüdische Aerzte zu verdrängen. An der Spitze des neuen antisemitischen Gemeinderathes steht ein homo novus, ein in Gemeindeangelegenheiten gänzlich Unerfahrener, der den Befähigungsnachweis für seine Würde und seine an Verantwortung reiche Stellung einzig und allein durch sein antisemitisches Glaubenskenntniß erbracht hat. Dieser Bürgermeister hat in den letzten Tagen an die Wiener Bevölkerung eine Proclamation gerichtet. Veranlassung hiezu bot das in der ersten September-Woche stattfindende zweihundertjährige Jubiläum des k. und k. Infanterie-Regiments Hoch- und Deutschmeister, welches über hundert Jahre in Wien seinen Werb- und Ergänzungsbezirk besitzt. Das Stadtoberhaupt richtet diese seine Proclamation an die „Mitbürger", hebt in derselben den Umstand hervor, daß das erwähnte Regiment, dessen allzeit todesmuthige Hingebung für Kaiser und Vaterland, heldenmüthige Tapferkeit und Ausdauer mit Recht gerühmt werden, in 206 Schlachten und Gefechten dem Rufe des Vaterlandes (und nicht auch des Kaisers?) folgend, fteudig gekämpft und geblutet und 407 Osficiere und 18.511 Angehörige des Mannschastsstandes auf dem Felde der Ehre gelassen hat. Die bürgermeisterliche Proclamation besagt dann weiter, daß die „Stadt Wien mit ihren Bewohnern" stets innigsten Antheil an allen Geschicken dieses Regimentes genommen, gibt bekannt, daß der Wiener Gemeinderath den heimkehrenden Söhnen „unserer" Stadt einen würdigen und freundlichen Empfang bereiten und mit ihnen ihre patriotische Feier begehen werde, richtet, bauend auf die jederzeit bewährte Loyalität und patriotische Gesinnung der „Wiener Bevölkerung" den Appell, behufs Schaffung eines' würdigen Denkmals zu dessen Herstellungskosten nach Kräften beizutragen und schließt mit der dringenden Bitte, mitzuwirken an diesem patriotischen Werke, welches für alle Zeiten Zeugniß geben soll von der Kaisertreue und Vaterlandsliebe der „Wiener" und welches ein unvergängliches Denkmal sein soll und eine würdige Ehrung „u n s e r e r" aus dem 'Felde der Ehre gefallenen Söhne. An der Jubiläumsfeier des Wiener „Hausregimentes" werden unsere Glaubensgenossen zweifelsohne wärmsten Antheil nehmen, stehen doch nahezu zehn Perzent „unsere r" Söhne in dessen Reihen. Zeit und Strömung, in welchen wir uns derzeit befinden, lassen es jedoch am Platze sein, an den „dermalen" amtirenden antisemitischen Bürgermeister die Frage zu richten; hat er in seiner Proclamation unter dem Sammelbegriff „Mitbürger" auch die Juden subsumirt, eine Frage, die deshalb Berechtigung hat, weil nach dem antisemitischen Katechismus Juden keine „Mitbürger", überhaupt nicht zu den Menschen zu zählen sind. Darüber braucht man sich wohl keine Scrupel zu machen, im Rathhause wird man das Geld der Juden zur Schaffung des Denkmales nehmen, wird doch ihr angeblicher Einfluß umso geringer, als sie weniger Geld haben. Wie wird sich aber dann der antisemitische Lenker der städtischen Geschicke zu der auf dem Denkmale anzubringenden Inschrift verhalten? Wird die Ziffer der in 206 Schlachten gefallenen 407 Osficiere und 18.511 Angehörigen des Mannschastsstandes um die Zahl der in derselben enthaltenen gefallenen Juden gekürzt werden? Wird der antisemitische Gemeinderath mit dem antisemitischen Präsidium an der Spitze bei dem programmmäßig festgestellten Empfang und der pattiotischen Feier auch die Juden, die gegenwärtig bei den Deutschmeistern in Waffen stehen, begrüßen und feiern, oder wird man consequenter Weise darauf bestehen, daß die jüdischen Soldaten von der Feier und dem Empfange ausgeschlossen werden. Wird der antisemitische Gemeinderath und das antisemitische Bürgermeister-Trifolium consequenter Weise decretiren, daß von der Bewirthung des Hausregimentes, für welche gemeinderäthlicherseits 5000 fl. ausgeworfen sind, die jüdischen Deutschmeister ausgeschlossen werden, oder wird man den letzteren aus purer Gnade

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