Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 29 (17.7.1896)
- Date
- 1896-07-17
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Sette 576 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 29 Hirschler, Heinrich Lävay de Kistelek und Carl S v Lb. Herr von Levay hatte es daher einzig und allein seinem Bekenntnisse zu verdanken, daß er diese hohe Würde erreichte. Und aus purer Dankbarkeit wendete der Greis, welcher mit einem Fuße schon im Grabe steht, seiner altehrwürdigen Religion den Rücken und ließ sich an seinem Geburtstage, damit die Feier desselben mit mehr Eclat vor sich gehe, durch den Raaber Psarrer in den Schoß der „alleinseligmachenden Kirche" aufnehmen! Ueber den Beweggrund, der Herrn von Levay zu diesem Schritte verairlaßt haben mag, zerbrechen sich gar Biele ihre Köpfe. Ein Blatt bemertt: „Nicht irdischer Vortheile wegen schreitet Herr von Levay zur Conversion, denn bei seinem hohen Alter kann er doch auf nichts mehr rechnen, als auf ein schönes Leichenbegängnis und auf die Glückseligkeit im Jenseits. Trotzdem wird von mancher Sette behauptet, er ttat zum Christeüthume über, um Baron zu werden." — Das „Montagblatt" meldet: „Wie wir aus verläßlicher Quelle erfahren, wird Herr Heinrich von L e v a y, der gestern auf seiner Besitzung im Raaber Comitate durch den Abt Pfarrer R u s ch e k das Sacrament der Taufe empfangen hat, seine Stelle als Mitglied des Magnatenhauses niederlegen. Herr von Levay wird bei diesem Schritte von der Erwägung geleitet, daß er anläßlich der Reform unserer ersten Kammer gleichsam als Vertreter des ungarischen Judenthums zu deren Mitglied ernannt wurde. Da er nun aufgehört hat, dieser Religionsgenossenschaft anzugehören, glaubt er es seiner Vergangenheit schuldig zu sein, die Möglichkeit zu schaffen, daß nun ein anderer Repräsentant der Judenschaft im Magnatenhause Platz nehme". Prag. Der hiesige Großindustrielle Herr Gottlieb Bondy feierte vor Kurzem das Jubiläum seiner fünfzigjährigen kaufmännischen Laufbahn, aus welchem Anlasse ihm zahlreiche Beglückwünschungen zugekommen sind. Das Präsidium der Prager Handelskammer, an deren Spitze Herr G. B o n d y viele Jahre als Präsident gestanden, sowie der Club der czechischen Kammermajorüät entsandten eine aus dem gegenwärttgen Präsidenten Herrn kaiserlichen, Rath W o h a n k a und dem Vicepräsidenten Herrn F. Krizek bestehende Deputation, welche dem Jubilar die Glückwünsche der Kammer und der czechischen Majorität überbrachte. Auch das hiesige deutsche Handelsaremium hat Herrn Bondy beglückwünscht. Horitz. Der Vorsteher der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde Herr Josef Müller hat Ms Anlaß der Confirmation seines Sohnes 400 Kronen als Fond zur Bekleidung armer Kinder an chrem Confirmationstage und 25 fl. für die Armen gespendet. Karlsbad. Allgemeine Theilnahme erregt unter den hiesigen Curgästen das Hinscheiden des Herrn Ignaz Lilien aus Lemberg. Die Leiche wurde nach der Heimat überführt. Sämmtliche Lemberger Curgäste geleiteten den Sarg zum Bahnhof. Man sah u. A. die Herren Samuel Edlen von Horowitz und Reichsrachsabgeordneten Dr. Byk. Z»locz6w, den 9. Juli 1896. An der hiesigen, Ms der Stiftung des welland Baron Hirsch für Galizien vor zwei Jahren errichteten Volksschule fand heute die Schlußprüfung statt. Es nahmen an derselben außer dem Lehrkörper die aus den hervorragenden Persönlichkeiten der Stadt bestehende Schulcommission, unter chnen Bürgermeister Dr. Bilet, Vice-Bürgermeister Dr. Heine, Dr. Wittlin, Herr I. Kuttin und Andere, cheil. Die Zöglinge, 130 an der Zahl, wurden aus sämmtlichen Gegenständen, den hebräischen, wie den profanen, einer eingehenden Prüfung unterzogen, und sowohl die Schlagfertigkeit, wie auch das innige Verständniß, mit welchem die Schüler die verschiedenen an sie gerichteten Fragen beantworteten, erregten allenthalben Bewunderung, welche auch in dem reichen Lobe zum Ausdrucke kam, das seitens der Schulcommission dem verdienstvollen Lehrkörper, an dessen Spitze Herr E. Nagelberg steht, für seine eifrige Thättgkeit in vollem Maße gespendet wurde. Aborow. Am 8. d. M. fand in der vierclassigen Baron Hirsch-Stiftungsschule unter zahlreicher Betheiligung der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung die Schlußfeier statt. Der auf's Geschmackvollste mit Blumen, Kränzen, Bildern rc. decorirte Prüfungssaal war dicht von Gästen und Zuschauern gedrängt, und unter den nichtjüdischen Gästen waren der Bürgermeister Herr Bankier Raciborski, der k. k. Notar Herr Zubek, sowie mehrere andere Horwrcttioren und Würdertträger der Stadt zu sehen. Um 3 Uhr Nachmittags wurde die Prüfung vom Delegaten des Bezttksschulrathes, unserem Glaubensgenossen Herrn Dr. B. Wittlin, Landesadvocaten zu Zloczow, eröffnet und dieselbe fiel glänzend und über alle Erwartungen aus. Die in der Werkstätte des in der Schule eingeführten Handferttgkeitsunterrichtes (sogenannt Slöjd) erzeugten und im Prüfungssaale ausgestellten verschiedenen Gegenstände riefen Bewunderung der Gäste hervor. Die Vorzugsschüler wurden prämiirt und Herr Dr. Maximilian Nagler, Landesadvocat und Correspondent der Stiftungsschule, vertheilte unter den armen Schülern eine bedeutende Summe Geldes. Nach Verlesung der Classification ergriffen die Herren Dr. Wittlin und Dr. M. Nagler das Wort, in welchen sie die segensreiche Wirkung der Schule in unserer Gemeinde, sowie die Blüthe und den Aufschwung derselben unter der musterhaften und vorzüglichen Leitung hervorgehoben. Die Gäste verließen erst um 7,8 Uhr Abends voll Zufriedenheit und mit der besten Ueberzeugung die Schule und die Schlußfeier war beendet. I. L. Rokycan. Am 9. d. M. starb hier der in weitesten Kreisen bekannte und allgemein geachtete KMfmann Benedict Stadler im Alter von 76 Jahren plötzlich an Herzlähmung und wurde am 10. d. M. unter Theilnahme fast der ganzen Bevölkerung unserer Stadt zu Grabe getragen. Ehre seinem Andenken. Rnmburg, 10. Juli 1896. Heinrich Bandler, ein gebürtiger Rumburger, 24 Jahre alt, wurde in Hamburg als erster Concertmeister mit 5000 Mark bei dem Philharmonischen Verein Mf drei Jahre engagirt. Gliniany. Am 9. Juli 1896 wurde die Prüfung der Schüler der Baron Hirsch-Schule in Gliniany vorgenommen.L> Zu dieser Prüfung waren erschienen: der ganze Schulkörper der hiesigen Volksschule, an der Spitze der Director Herr Tadeusz Tyczyski, der griechisch-katholische Canonicus Herr Pawel Baczynski, der Bürgermeister Harbuz, das Localcomite und viele andere angesehene Personen. Die Schüler, bestehend aus Kindern der ärmsten Claffe, haben solche Fähigkeiten in allen Gegenständen, insbesondere in der polnischen Landessprache geäußert, daß alle Anwesenden und überhaupt die christlichen Lehrer gar nicht glauben wollten, daß in der ersten Claffe in so kurzer Zeit so etwas erlernt werden konnte. Hebräisch und Religiönslehre haben die Schüler musterhaft erlernt und dies bei der Prüfung dadurch an den Tag gelegt, daß sie alle Gebete vom Hebräischen in's Deutsche correct auswendig übersetzten. Der griechisch-katholische Canonicus Herr Pawel Baczynski hat die Herren Lehrer für ihren Fleiß und musterhafte Leitung belobt, daher das Localcomite sich verpflichtet fühlt, die außerordentliche Leistung des Schulleiters Herrn Tartikower und Herrn Rübenzahl in die Oeffentlichkeit lobend zu bringen. Effegg-Urrtcrstadt. Herr Cantor David Saphir aus Brody, der zu Besuch bei seinem zukünftigen Schwiegervater, unserem Cantor Herrn A. M. Rubinstein, hier weilte, wurde vom hiesigen Cultusvorstande eingeladen, Freitag den 3. und Samstag den 4. d. M., nach polnischem Ritus vorzubeten. Aus diesem Anlasse war unser Tempel an beiden Tagen sehr stark besucht und hat sich Herr Cantor Saphir, der über eine prachtvolle Baßstimme verfügt, durch seinen ausgezeichneten Vortrag Aller Beifall im Fluge errungen. Bilin, 5. Juli. In den letzten Tagen des Monates Juni lief die 10jährige Amtsthätigkeit unseres geehrten Herrn Cultusvorstehers Ignaz Röhr ab. Diesen Umstand benützte die Cultusgemeinde auf Anregung Seiner Ehrwürden unseres Herrn Rabbiners Heinrich Brock, dem um die Cultusgemeinde hochverdienten uud überall hochangesehenen Vertreter eine Ehrung zu erweisen. Im festlich decorirten und beleuchteten Tempel fand ein Abend-Festgottesdienst statt, zu welchem der Herr Vorsteher, der überrascht war und nichts ahnte, von zwei Ausschußmitgliedern abgeholt wurde. Von der zahlreich versammelten Gemeinde und Schuljugend wurden Psalmen und Festge-- sänge recitirt; hierauf hielt der Herr Rabbiner eine ausgezeichnete Festrede, die vom Herzen zum Herzen ging. Seine Ehrwürden schilderte in derselben die großen Verdienste des Jubilars, der sichtlich gerührt war, um die Gemeinde und dankte ihm im Namen derselben für seine aufopfernde Amtsführung. Die Feier, speciell die gediegene Festrede machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. In die israelitische Gemeindevertretung wurden die Herren Röhr als Vorsteher, Abeles als Cassier, Fantl, Mühlstein aus Bilin, Kafka und Pouatovsky aus Hostomic als Vorstandsmitglieder gewählt. — Unsere Cultusgemeinde, die den ganzen, großen Gerichtsbezirk Bilin umfaßt, nimmt einen sehr erfreulichen blühenden Aufschwung. Unter der vorzüglichen Amtsführung des Herrn Vorstehers Röhr erstanden ein schöner Friedhof und ein herrlicher Tempel, Zu der Einigkeit und Opfer Willigkeit in der Gemeinde tragt sehr viel die segensreiche Thätigkeit des Herrn Vorstehers und in hervorragender Weise auch die unseres Herrn Rabbiners bei, der sich allerseits der größten Werthschätzung und Hochachtung erfreut. Der Herr Rabbiner Brock ist auch vom hohen Landesausschuß als Religionslehrer an der Landeszwangsarbeits- und