Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 29 (17.7.1896)
- Date
- 1896-07-17
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 29 Dr. Vlortz's Wochrnlchrift Seite 575 Sofia, 1. Juli. Die Entscheidung des Ministeriums ist nunmehr erfolgt und lautet, wie der M i n i st e r p r ä s id'e n t Dr. Stoilow den Leitern der spagnolischen Gemeinde mittheilte, dahin, daß weitere 46 Meter der Kirche zugesprochen werden und — man höre! — daß in dem Hause keinesfalls ein jüdischer Betsaal errichtet werden dürfe, „weil dies die Empfindungen der R e ch t g l ä u b i ge n v ersetz e." Abgesehen von der namhaften Lermögensschädigung, welche für die jüdische Gemeinde eine jährliche Mindereinnahme von circa Francs 3000 zur Folge hat, glaubten die Häupter der Synode, mit dem zweiten Theile ihres Rechtsanspruches unserem ganzen Bekenntnisse einen kränkenden Schimpf anthun zu dürfen. Das ist bulgarische Justiz! Ein Pröbchen von der Rechtsgleichheit und Glaubensduldung, wie sie in dem frischgebackenen Fürstenthume geübt wird! — (E i g e n t h u m sst r e i t i g k e i t e n gehören doch aber nicht vor Verwaltungsbehörden, sondern vor die o r d e n t l i ch e n G e r i ch t e. An diese muß sich die jüdische Gemeinde wenden. Recht muß doch Recht bleiben. Anm. d. Red.) Marokko. Auch bei dem Ausstande in der Provinz Emsab, von dem die Zeitungen bereits kurz berichtet, hatten die Inden in Casablanca am meisten zu leiden Die „Kölnische Zeitung" meldet darüber: „Etwa 300 Läden und Kaufmannslager, die Häuser von Mohammedanern und Juden, sind geleert und ein Raub der Flammen geworden, wobei nicht allein die Bewohner der Burg und des Judenviertels. theils aller Kleider beraubt, umkamen, sondern sich auch die Räuber untereinander aus Habgier und Neid tobt sw lugen. Schreckliche Scenen ereigneten sich, und alle jüngeren Jüdinnen, Frauen und Mädchen, wurden von den Rebellen als gute Prise zum späteren Auslösen mitgeschleppt. Emsab ist etwa 15 Reitstunden von Casablanca in östlicher Richtung gelegen, es ist eine der Hauptproductionsprovinzen für Ausfuhrartikel nach Europa und ebenso Absatzgebiet europäischer Handelserzeugnisse. Seine Lage ist günstig, der Boden sehr fruchtbar und wasserreich. Infolge dessen hat ein großer Theil der hebräischen und mohammedanischen Kaufmannschaft von Casablanca Zweiggeschäfte in der etwa 3000 Einwohner zählenden Burg errichtet und betreibt daselbst ein ergiebiges Geschäft." Chicago, 20. Juni. Der republikanische Nation a lc o n v e n t (Wahlversammlung zur Besprechung der Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten) in St. Louis lvurde aus Ersuchen des Comites durch das Gebet eines Rabbiners eröffnet, und zwar des Dr. Sale von St. Loilis. Die zweite Sitzung ex*öffnete ein englisch-amerikanischer Methodistenprediger. Dr. Sale zeigte sich der Gelegenheit würdig. Seine Rede in Gebetform hatte den richtigen Klang. Siedrang auf Rechtschaffenheit, Bürgertugend und Weisheit des Volkes, wie diese in den Vätern der Republik und zumal iit Washington verkörpert waren; auf Ersetzung des Jagens nach dem Mammon durch das Streben nach hohen Seelenidealen, wie sie eines freien Volkes würdig sind und wie sie allein den Fortbestand und bleibenden Genuß bürgerlicher und religiöser Freiheit sichern können; er drang auf gewissenhafte Ausübung der Freiheitsrechte an Stelle unaufrichtigen Lärms und hohler Schaustellungen, auf Verbannung aller confessionellen oder aus der Verschiedenheit der Landestheile entspringenden Vorurtheile (prejudiee of seet and section), auf Eintracht aller guten Bürger und schließlich auf ein segensreiches Werk dieses Convents, so daß Vertrauen und Wohlstand znrückkehren und der Credit unserer Regierung und der gule Name unseres Volkes gewahrt werden auf immerdar. Rabbiner Dr. Sale hat von seinem ftüheren Wirken in Chicago her viele Freunde auch dahier. Auch nicht wenige Nicht-Israeliten in Chicago werden sich der glänzenden Rede erinnern, welche er am Abend des 4. Jänner 1886, des hundertsten Todestages Moses Mendelssohn's, in der Central Music Hall gehalten hat. New-Aork, 23. Juni. Herr A u st in Corbin, Millionär und „König von Long Island", wie seine Bewunderer ihn gern nannten, ist dieser Tage bei seiner Billa in Newport durch einen Sturz a n s s e i n e m Wagen umgekommen. Für uns knüpfen sich nur trübe Erinnerungen an diesen Namen. War er doch der Erste oder einer der Ersten, der das Geschrei erhob, „der Jude muß gehen, wir wollen ihn nicht, verbannt ihn aus den Sommerressorts, den Hotels, nur wollen keinen Juden!" Er erließ förmlich ein Verbannungsdecret gegen unsere Glaubensgenossen, nachdem er fand, daß sein neu erbautes herrliches „Manhattan Beach Hotel" zu viel Anziehungskraft für dieselben ausübte. Er sagte: „No Jews wanted here", und Tausende beteten ihm nach, und so wurde der Antisemitismus hier zuerst entfacht und großgezogen, mit Hilton u. A. als Helfershelfern. Welch' Unheil ist damit gestiftet worden, wie verderblich ist der Same anfgegangen, der damals gesäet wurde! Wien. Aus Ischl schreibt nran uns : Der Porträtmaler Leopold Horvwitz wird sich in nächster Zeit auf Wunsch des Kaisers an das Hoflager nach Ischl begeben, um daselbst sein Porträt des Monarchen zu Ende zu führen. Dem Künstler werden Wohnung und Atelier in der kaiserlichen Villa zur Verfügung gestellt. In Baden bei Wien hat sich Fräulein Helene v. G u t - m a n n, Tochter des Herrn David v. Gutmann und der Frau Sophie v. Gutmann, mit Herrn Dr. jnr. Grafen Victor Sa - cerdoti di Carrvbio, Attache bei der italienischen Botschaft in Paris, verlobt. Wien. Alserstraße Nr. 18 am Thore befindet sich eine Tasel mit folgendem Text: „Ein Zimmer zu vermietheu für einen Herrn oder Dame, Christ". (Letzteres Wort mit frischer Tinte dazugefügt.) Wien. (Für den V o l k sb ild un g s v er e i n.) Wie uns der bekannte Recitator Alexander S t r a k o s ch mittheilt, wird er nach dreijähriger Pause zum erstenmale wieder in Wien eine Vorlesung halten, deren Erträgniß ganz dem Wiener Volksbildnngsverein gewidmet sein soll. Tie Vorlesung, durch welche der Künstler seine lebhaften Sympathien für die Tendenzen des Volksbildungsvereins bekunden will, soll im Großen Musikvereinssaale bei einem Entree von einer Krone stattfinden. Man rechnet auf einen Massenbesuch und auf einen sehr hohen Reinertrag. Wien. (IV. AusweisübereingegangeneSpenden zum Baue eines Tempels in der Brigittenau.) Herr Albert Fischer 10 fl., Herr Salomon Fischer 5 fl., Herr Gustav Weiß 4 fl., Herr Sigmund Kol lisch 2 fl, Herr Ad. Klinger 3 fl., Herr Julius F l e n e r 1 fl. 50 kr., Herren Lederer LWolf 10 fl., Herren Samuel F. Goldberger & Sohne 10 fl., Herr S. S ch w o n e r's Nachfolger 5 fl., Herren Winternitz LFriedm a n n 5 fl., Herren Brüder T r i t s ch 5 fl., Prag-Smichower Kattun- Manufactur IO fl., Herren Leopold A b e l e s & Söhne 5 fl., Herreu M. B. Neumann & Söhne 6 fl., Herr Samuel Apperman 2 fl., Herr Alb. Benedikt 1 fl., Herr N. Schönberg 1 fl.,Herr S. L i ch t e n st e i n 1 fl., Herr I. B l u m 1 fl.. Herr Karl D u r a n t 1 fl., Herr Josef E. Peter 1 fl., Herr Samuel Singer Ist., Herr Sigmund Kreilsheim 1 fl., Herr Ignaz Ferda 1 fl.» Herr Gedeon U s z i e r 1 fl., Herr Jacob Mises i fl.. Herr Feiwels o h n 50 kr., Herr K i t s ch a l e 3 50 kr., Herr H. H i r s ch l e r 1 fl., Herr David Pordes 1 fl., Herr Maier Fisch 1 fl., Herr Salo Kaufmann 1 fl., Herr L. Bienenfeld 50 kr., Ungenannt 50 kr., Herr Bern. Habler 1 fl.. Herr Leopold Lindner 1 fl.. Herr C. Karpel l fl.. Herr M. Koslitschek 1 fl.. Herr Robert H e r tz k a 1 fl., Herr D. H a l p e r n 1 fl, Herr Johann Sobels o h n 1 fl., Herr Wilhelm Schick 1 fl., Herr Wilhelm Lindner 1 fl.. Herr Salomon Mehl er 1 fl., Herr Adolf Seßler I fl., Herr Pinkas B r a b e tz 2 fl., Herr Salomon G 8 n s l e r 2 fl., Herr Abraham L u st i g 2 fl., Herr S. B i ß 2 fl., Herr Wilhelm R e i t h o f e r 1 fl., Herr Leon Schwefel 50 kr., Herr Benjamin Goldfarb 2 fl., Herr Max Schubert 1 fl, Herr Moriz Karpel Ist.. Frau Julie Kohn 60 kr., Frau Loise Popper 1 fl., Frau Ottilie Blum 50 kr., Herr I. Gallbrunner 2 fl., Herr Bernhard Heller 2 fl.. Herr Em. U n g o ar 1 fl., Herr Paul Winternitz 1 fl., Herr Em. Reich 1 fl., Herr Hermann W i l l n e r 2 fl. Budapest. Baron Albert Rothschild hat im Wege des Primararztes Dr. Julius Groß denr Adele Brody-Kinderspital 4000 fl. zum Zwecke der Errichtung zweier Bettstistungen, die eine auf den Namen seiner verewigten Gemalin Bettina Freiftau von Rothschild und die andere aus den Namen seiner verewigten Mutter Charlotte Freifrau von Rothschild, gewidmet. Budapest. (Eine f e n s a t i o n e 11 c Taufe.) Vergangenen Sonntag, den 12. d. M., erreichte das Mitglied des königlich ungarischen Magnatenhauses, Se. Hochgeboren der Herr Heinrich L 6 v a y de Kistelek das 72. Jahr seines an Thaten und Erfolgen reichen Lebens. Bis allher hat er — wenn auch nur nominell — dem Judenthume angehört, das ihm jedenfalls mehr geboten, als er demselben geleistet hat. Deim — um nur eine Thatsache zu erwähnen — als in der Tißa-Aera „des Principes wegen" drei Juden in's ungarische Oberhaus für die Lebensdauer ernannt wurden, so waren diese: Dr. Ignaz