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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-17 · 29 (17.7.1896) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
29 (17.7.1896)
Date
1896-07-17
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 574 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 29 Herren vor Ew. Excellenz zu erklären, daß eben diese — die Israeliten — die v e r l ä ß l i ch st e n F a c t o r e n bei der patriotischen Thätigkeit unseres Comitates bilden". Littau, 9. Juli. (Gegen den Boycott der Deutschen und Juden.) Der Bezirkshauptmann von Littau hat den Gemeindevorstehern seines Bezirkes die folgende „Warnung" zur Publicirung zugeschickt: War n u n g. In letzterer Zeit wiederholten sich die Fälle, daß in einzelnen Gemeinden die Bevölkerung von Agitatoren aus Littau zu dem Zwecke aufgehetzt wurde, um bei den deutschen Geschäftsleuten in Littau und bei Geschäftsleuten jüdischer Confession dortselbst nichts mehr zu kaufen. Durch dieses Borgehen werden gewiß die betreffenden Geschäftsleute und Gewerbetreibenden in ihrer Existenz bedroht, und ein solches Beginnen erscheint in jeder Beziehung als ein u n e r l a u b t e s E i n g r e i f e n in die geltende Rechtsordnung. Die Bevölkerung wird demnach im Jntereffe der Erhaltung des öffentlichen Friedens und der öffentlichen Ordnung vor jeder Theilnahme an einer solchen Verhetzung mit dem Bemerken auf das Streng st e gewarnt, daß jedes dagegenzielende Beginnen nach dem Gesetze verfolgt wird. K. k. Bezirkshauptmann Jelinek m. p. Wreschen, 2. Juli. Von der Beliebtheit des Herrn Erzbischof Dr. v. Stablewski in Posen haben die Zeitungen bereits vielfach berichtet und erst unlängst wurde aus Schrimm über dessen Toleranz Mittheilung gemacht. Bei Beginn der Judenbewegung warnte er als Probst damals Hierselbst von der Kanzel herab die Versammelten vor Unfrieden mit den jüdischen Mitbewohnern. Es dürfte auch Ihre Leser interessiren, Kenntniß von einem Schreiben zu haben, welches Herr Probst Dr. v. Stablewski an die Witwe des verstorbenen königlichen Kreisphysikus Dr. Paradies Hierselbst richtete. Genanntes Schreiben, wovon ich eine Abschrift besitze, hat folgenden Wortlaut: Sehr geehrte Frau! Es gibt Schmerzen, in denen jeder menschliche Trost vergeblich wäre und die nur lindern kann ein Ausblick nach Oben! Und doch — sehr geehrte Frau, kann ich mir nicht versagen, Ihnen in dieser traurigen Stunde zu erklären, daß JhrSchmerz auch unser Schmerz ist, daß, wenn Sie in dem Verblichenen mit Recht einen innig geliebten Gatten betrauern, wir einen menschenfreundlichen, uneigennützigen Arzt und edlen Mitbürger betrauern. Er siel wie ein tapferer Soldat als Opfer seines erhabenen Berufes. An seinem Grabe darf ihm deshalb das Zeugniß nicht versagt werden, daß er in seinem reinen, aufrichtigen Herzen weder die Schranken der Räigion noch der Nationalität kannte, um seine Menschenliebe zu bethätigen. Dies war das Geheimuiß, durch welches sich der Verblichene die Achtung und die Liebe so weiter Kreise erworben hat. Ihr Schmerz, sehr geehrte Frau Kreisphysikus, um den Verlust eines solchen Gatten möge, wenn nicht Trost, so doch Beruhigung und Linderung in dem Glücke sinden, daß das Andenken Ihres theuren Verstorbenen bei Freunden und Bekannten stets in Ehren bleiben wird. Mit der Versicherung des aufrichtigsten Mitgefühls zeichne ich Hochachtungsvoll Dr. v. S1 a b l e w s k i. Italien. (Luzzatti als Friedensstifter.) Der italienische Ministerpräsident hat unfern berühmten Glaubensgenossen Luigi Luzzatti beauftragt, nach Paris zu reisen und dort die Minister Meline und Hannotaux zu dem Zwecke zu besuchen, eine commercielle Annäherung zwischen beiden Staaten zu Stande zu bringen. Professor Luzzatti ist, Dank seiner ausgezeichneten Eigenschaften, jüngst zum Ehrenpräsidenten des Congresses in Frankreich ernannt worden, er ist längst persona grat? in der Republik, und dieser Umstand macht seine Wahl für eine so wichtige Mission zu einer besonders glücklichen. Luzatti dürfte übrigens in dem neuen Ministerium das Finanzportefeuille wieder übernehmen. Paris. Jur diesjährigen Salon auf dem Champs Elysees in Paris findet sich eine ganze Anzahl von Bildern, die jüdische Gegenstände behandeln. Besonderes Aufsehen erregt „ein Jsmael in der Wüste" von Mme. Demont-Breton, der sich besonders durch die vorzügliche Zeichnung der Frauengestalt von Hagar auszeichnet. Die Malerin, Christin, ist Vorsitzende des Vereins der Pariser Malerinnen. Als bemerkenswerthe Werke mit jüdischem Thema nennen wir „Daniel in der Löwengrube" von Tanner, ferner die „Auffindung Moses" von Lalire, „einen weißbärtigen Rabbiner und einen beteirden Juden mit Tallith und Tefillin" von M. Moyse, „Moses auf dem Berge Nebo" von Demont, „Elieser und Rebecca" von- Shomme, ein weiterer „Jsmael" von Mlle. Shmith, „Elias" von Despagnat und ein Portrait des alten Rabbiners Haguenau von Seeberger. Endlich noch ein sehr interessantes Bild von M. Lix: „Die Juden von Straßburg auf dem Scheiterhaufen unter der Anklage, durch Brunnenvergiftung die Pest herbeigeführt zu haben". Paris. Wie wir schon mitgetheilt haben, fand in Paris bei Gelegenheit der Zarenkrönung ein Gottesdienst in der Hauptsynagoge statt. Nun erhielt Rabbiner Zadoc Kahn von dem derzeitigen Geschäftsträger Rußlands in Paris, Herrn v. Giers, folgendes Dankschreiben: „Wir haben erfahren, daß auf Veranlassung einiger russischer Juden Sie in der Synagoge in der Rue de la Victoire bei Gelegenheit der Krönung Ihrer Majestäten des Kaisers Nikolaus II. und der Kaiserin Alexindra Feodorowna einen Gottesdienst veranstaltet haben. Während dieser Feier hielten Sie eine Predigt über das frohe Ereigniß, das Rußland zu gleicher Zeit in Freude versetzte. Ich erfülle eine angenehme Pflicht, indem ich Ihnen den Dank der kaiserlichen Botschaft ausspreche, sowohl für Ihre Bemühungen, die in Paris lebenden russischen Juden im Gebet mit ihren Landsleuten zu Haus zu vereinigen, als auch für die Gefühle, deren beredter Dolmetscher Sie bei dieser Gelegenheit waren. Gez. L. M. de Giers." London. Ihre königliche Hoheit, Prinzessin Christine, eröffnete Mittwoch den Kindergarten des Froebel-Jnstituts in West Kensington. Bei der Feierlichkeit waren viele Mitglieder der jüdischen Gemeinde zugegen, u. A. Rabbiner Adler und Frau, Sir Philip Magens, Mr. F. D. Mocatta, Mr. Claude Montefiore, Ehrenschatzmeister des Institutes. Es wurde der edlen Gründerin, Mrs. Salis Schwabe, in anerkennender Weise gedacht. Die Prinzessin besichtigte das Institut auf das Eingehendste. London, 26. Juni. Nach dem Tode des unvergeßlichen Baron Moritz von H i r s ch-G e r e u t h wurde in der Versammlung der von ihm begründeten und so reichlich dotirten le^visb Oolonisatilon Association durch Herrn H. G. L u f a d a mitgetheilt, daß zum Präsidenten der Gesellschaft Herr S. H. Goldschmidt in Paris, zugleich Präsident der Alliance, gewählt worden sei. Auf Einladung des Herrn Goldschmidt werden in diesen Tagen von den Vertretern der Actien der Gesellschaft, nämlich den israelitischen Gemeinden Berlin, F r a n k f u r t a m Main, B r ü s s e l der Alliance Israö- Jite in Paris der Anglo-Jewish Association in London (denen der Baron die Actien schenkte) wichtige Berathungen über die Verwaltung des großen Capitales und die Fortsetzung der Colonisation in P a r i s abgehalten. Constantinopel, 26. Juni. Se. Majestät der Sultan hat Herrn A v r a m Effendi, Oberrabbiner von Kreta, den M ed ji d ij e - O r d enII. Cl as s e und Herrn I u d a K a m h i Effendi, Großrabbiner von Janina, den Me d ji d ij e - O r d en I!I. Classe verliehen. Unter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen erhalten diese beiden Auszeichnungen erhöhte Bedeutung. Auf der Insel Kreta sind 200 Glaubensgenosse!: ansässig, die meisten in der Hauptstadt Kanea, ein kleiner Theil in d?r Hafenstadt Rheimo, die übrigen zerstreut über die ganze Insel. Die Juden in Kanea leben fast ausschließlich vom Haildel und werden deshalb, trotzdem sie sich nur kärglich ernähren, von den Griechen, die bekanntlich selbst sehr tüchtige Kaufleute sind, bitter gehaßt. — Dem ersten Dolmetscher der Pforte David EffendiMolchoi st derMedjidije-Or de nl. Classe verliehen worden. Aassy, 18. Juni. Das hier erscheinende rumänische Journal „Evenimentul" brachte folgende Begebenheit zur Sprache: Dieser Tage kam ein armer Jude mit drei Kindern, die eine diphtheritische Angina hatten, hier an. Dieser Jude kannte durch Zufall Herrn Ghica, den Gehilfen des Maires. Er wandte sich an ihn mit der Bitte, er möge ihm seine kranken Kinder in einem Spitale unterbringen. Herr Ghica, dessen Güte bekannt ist, gab ihm ein Empfehlungsschreiben. Der Mann machte die Runde bei allen Hospitälern der Stadt, überall wurde er abgewiesen, weil er ein Jude ist. Herr Ghica richtete hierauf an einen Hospitalsleiter folgende Zeilen. „Theurer Doctor! Drei Kinder sterben, ist es möglich, daß ihnen Keiner zu Hilfe kommen will? Der unglückliche Vater rennt vor: einem Spital zum anderen und man hält ihm das Reglement entgegen. Die Angina läßt sich leider nicht mit den Gesetzen oder mit dem Reglement behandeln. Ich hoffe, Sie bringen die Kinder ins Spital." Der Doctor hat sie nicht ausgenommen, sondern er schickte den verzweifelten Vater wieder in ein anderes Spital. Hier erhielt er folgendes Billet: „Man nimmt in unserem Spitale keine Israeliten. Es liegt ein strenger Befehl seitens der Administration für diesen Fall vor. Aber Sie können sie in dem Spital „Caritatea" unterbringen"; so sieht rumänische Menschlichkeit aus!

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