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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-17 · 29 (17.7.1896) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
29 (17.7.1896)
Date
1896-07-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 29 Dr Vloch's Wochenschrift Seite 573 nahmen zur Hintanhaltung der antisemitischen und nationalen Umtriebe der Landesbehörde, welche, die Bedentung der „Wahrung des deutschen Charakters der Universitäten Oesterreichs" richtig beurtheilend, mit den Agitatoren kurzen Prvceß machte. Cin antisemitischer Scherz. Anfangs vorigen Monats kam die Hausirerin Rosa Nußbaum in Weilan'd's Restauration im zweiten Bezirke. Der Taglöhner Karl L e i n e r ries die Hausirerin zu sich, entnahm ihrem Waarenkasten ein Portemonnaie und flüchtete in den angrenzenden Saal. Er ließ sich ruhig von der Hausirerin verfolgen, warf sodann das Portemonnaie unter den Tisch und zertrat es mit dem Fuße. Als nun die Nußbaum den Leiner unter Thränen bat, ihr den Schaden zu ersetzen, erhob Leiner das Literglas und schlug damit gegen die wehrlose Fra u, so daß das Blut a u s ihrem Kopfe rann. Gestern hatte sich Leiner vor dem Strafrichter des zweiten Bezirkes, Rathssecretär Dr. Sedlaczek, zu verantworten, er war jedoch zur Verhandlung nicht erschienen und wurde in contumaciam zu 24 Stunden Arrest, sowie zur Zahlung von zehn Gulden Schmerzensgeld an die Klägerin verurtheilt. Budapest. (Mil lennium sfeier des israelitischen Lande s-L e h r e r v e r e i n e s.) Der israelitische Landes-Lehrervcrein hielt am 5. d. M. im Sitzungssaale der Pestec israelitischen Cultus gemeinde eine Millenniums-Festversammlung, deren Verlauf ein des solennen Anlasses durchaus würdiger war. In Vertretung des Unterrichtsministers wohnte Sectionsrath Dr. Ludwig Axamethy der Festsitzung bei; den Vorsitz führte Julius Kornfeld; unter den Anwesenden befanden sich königl. Rath Alexander Petersy, Prediger Dr. Samuel Kohn, Schulinspector Dr. Bernhard Mnnkäesi, Professor Dr. Moritz Kärmäil, zahlreiche Rabbiner und Schuldirectvreu aus ver Provinz und viele Andere. Präsident Julius Kornfeld eröffnete die Festsitzung mit einer schwungvollen Rede, in welcher er dem Vertreter des Unterrichtsministers und beit Güsten für ihr Erscheinen dankte, und die Collegen begrüßte; sodann dankte Sectionsrath Dr. Axamethy im Namen des Ministers für die Begrüßung und drückte die Ueberzeugung aus, daß die Festsitzung dem patriotischen und edlen Vereine nur zur Ehre gereichen werde. Hierauf hielt Prediger Dr. Samuel Kohn eine von patriotischem ,Geiste durchtvehte Festrede, in welcher er unter Anderem sagte: ' „Wenn das in Ungarn seit tausend Jahren bestehende Judentbum als den jüdischen Glauben befolgendes Magyarenthum die Schwelle des ztveiten Millenniums überschreitet, so ist das in erster Reihe das Verdienst seiner Lehrer. Diesen verdanken es die ungarländischen Juden, daß sie zu Ungarn jüdischen Glaubens wurden. Es war das ein hehres Werk, welches die ungarisch-jüdischen Lehrer sozusagen vor unseren Augen in den letzten Decennien vollführten .... Der jüdische Lehrer war der eifrigste Verbreiter der ungarischen Sprache und des ungarischen Geistes, und zwar nicht nur in der Gemeinde, nicht nur unter seinen Glaubensgenossen (lebhafte Eljenruse), auch in den Gegenden, welche für das Magyarenthum noch zu erobern sind, steht der jüdische Lehrer in der vordersten Reihe Derjenigen, welche unter den Nationalitäten für die nationale Idee kämpfen." Nach der sehr beifällig ausgenommenen Rede des Predigers hielt der Särvspataker Schuldirectvr Josef Witt einen Vortrag, worauf königlicher Rath Alexander Peterfy im Namen des Unterrichtscongresses, des Landesvereines, der Präparandieprosessoren und des Eötvös-Fondes die jüdischen Lehrer als die treuesten Apostel der nationalen Erziehung begrüßte. (Eljenruse.) Aus Antrag Abraham Lederer's wurde hierauf dem Prediger Dr. Samuel Kohn für die Festrede Dank votirt. Sodann, wurde die Liste der in der Festsitzung gewählten Ehrenmitglieder verlesen. Es sind dies: L. Lipschütz (Äbaujßäntü), Alexander Peterfy (Budapest), Alexander Deutsch de Hatvau (Budapest), Wilhelm Guttmann de Gelse (Großkanizsa), Alexander Leopold (Szegzärd), Dr. Jzsü Rößa de Varhely (Szegedin), Dr. Samuel Dözsa (Makü), Frau Daniel Neumann (Arad), Jacob Wertheim (Fünskirchen), Wilhelm Keleti (Budapest). Mit der Absingung des „Szözat" nahm die schöne Feier ihr Ende. Der Adjutant Görgey^s. In Großwardein .wurde am 3. d. Nt. die Leiche eines armen alten Diurnisten zu Grabe getragen, der einst zu den Helden des ungarischen Freiheitskampfes zählte. Jacob Fodor (Frank) — dies der Todte — wurde im Jahre 1818 zu Csabrendek (Zala) geboren, Als lOjähriger Jüngling wurde er Freiwilliger in einem in Italien stationirenden Jnsanterie-Regimente; 1848 eilte er als Lieutenant heim, um Honvöd zu werden, wo er sofort den Rang eines Oberlieutenants erhielt. Durch sein heldenmüthiges Verhalten in den Schlachten bei Käpolna und Verfielet erwarb er sich den Tapserkeitseichenkranz und den Majorsrang. Als Major war er eine Zeit lang Flügeladjutant Arthur Görgey's. Seine letzten Jahre verbrachte der Greis als Diurnist in Großwardein. Seinem letzten Wunsche gemäß wurde er in der Honvedünisorm bestattet. Beim Leichenbegängnisse hielt Rabbiner Dr. Leopold Kecskenwti dem Verblichenen einen warmen Nachruf. Fogaras, 7. Juli 1896. Der Besuch des Herrn Ackerbauministers v. D a r ä n y i in unserer Gemeinde, der am 5. d. M hier eingetrossen und zur Stunde noch hier weilt, gestaltete sich durch den iiberaus freundlichen Empfang der jüdischen Deputation, sowie durch die hochbedeutsamen Enunciationen seiner Excellenz und des hiesigen Obergespans, Herrn Guido v. Bausznern zu einem wahren Kidusch-Haschem und wird in den Annalen der Geschichte unserer Gemeinde unvergeßlich bleiben. In einer beim genannten Herrn Obergespan abgehaltenen Vorconferenz. zu welcher auch Herr Rabbiner Dr. Alexander Jordan zugezogen ward, ist die Reihenfolge der Begrüßungs - Deputationen festgesetzt worden und demgemäß erschien auch als fünfte in der Reihe der Consessionen unter Leitung des Herrn Rabbiners eine achtgliedrige, jüdische Deputation vor Sr. Excellenz, an welche Herr Rabbiner Dr. Jordan folgende, mit sichtlicher Freude ausgenommene Ansprache hielt: „Euere Excellenz! Im Namen der Fogarafer israelitischen Comitatsgemeinde erscheinen wir mit Freude zur huldigenden Begrüßung Euerer Excellenz. Als patriotisch gesinnte, in der Sprache und im Herzen mit der ungarischen Nation verschmolzene Bürger danken wir tu erster Reihe dafür, daß Euere Excellenz dieses in der ruhmreichen Geschichte unseres geliebten Vaterlandes epochemachende und ewig denkwürdige Jubeljahr für uns durch Ihren hohen Besuch nur noch denkwürdigergestalten. Wir fühlen aber zugleich auch lies die Wichtigkeit dieses Momentes, der uns die erfreuliche Gelegenheit bietet, vor Ew. Excellenz, vor einem der hervorragendsten Mitglieder unserer hohen und weisen Staatsregierung, unsere tiefgefühlte Dankbarkeit — ja wir können sagen, die tiefe Dankbarkeit des gesammten ungarischen Judenthums — zum wiederholten Male zum Ausdrucke zu bringen für das Wohlwollen und die unermüdliche Principientreue, die unsere hohe Regierung in! der Jüngstvergangenheit im Interesse der Gleichstellung unserer Religion zu den übrigen geseAich recipirten Religionen zu bekunden ' geruhte. Empfangen Ew. Excellenz gnädiglich unsere Versicherung, daß die nunmehr vollkommen gleichgestellte Judenheit Ungarns hier, an dieser weitentlegeneu Grenzlinie ebenso, wie auf dem ganzen großen Gebiete unseres geliebten ungarischen Vaterlandes — fortan, möglicherweise noch mehr, als bis nun bestrebt sein wird mit der ganzen Wärme ihres Herzens, mit unerschütterlicher Vaterlandsliebe und Opferwilligkeit, in Freude und Leid das Wohl dieses Vaterlandes zu fördern, und empfangen Excellenz zugleich wohlgefällig unseren aufrichtigen Wunsch: Der Allmächtige möge Ew. Excellenz zum Wohle des ungarischen Vaterlandes, zur Zierde unserer hohen Regierung noch lange leben lassen". Seine Excellenz antwortete folgendermaßen: Hochwürdiger Herr Rabbiner! „Mit Freude begrüße ich Sie in der Reihe der Deputationeir und danke für ihr fteundliches Erscheinen. Was die ungarische Regierung im Interesse der Gleichstellung der israelitischen Religion getban, hat sie als Pflicht, als Anerkennung und Belohnung für jene zahlreichen und ausgezeichneten Dienste gethan, welche die ungarische Judenheit im Interesse der ungarischen Nation und der Verbreitung der ungarischen Cultur schon bisher in rühmlicher Weise geleistet. Beweist ja doch die Statistik, wie wahr es ist, daß die Israeliten hinsichtlich der Magyarisirung die allerer st e n sind, unter den Verbreitern der ungarischen Cultur in der ersten Reihe stehen. Ihnen, meine Herren, fällt hier in dieser, von so vielen Nationalitäten bewohnten Gegend die besonders wichtige Mission zu, daß Sie die nationale Idee und patriotische Gesinnung pflegen und verbreiten, und mit großer Freude habe ich davon Kenntniß genommen, daß Sie diese Mission treu und eifrig erfüllen. Empfangen Sie, geehrte Herren, nochmals meinen Dank für Ihr werthes Erscheinen, und nehmen Sie meine Versicherung hin, das es mir immer Freude machen wird, wenn ich Gelegenheit haben werde, die Interessen des Judenthumes zu fördern". Nach Beendigung dieser mit stürmischen Eljenrusen begleiteten Reden und nachdem Se. Excellenz mit dem Rabbiner und den von diesem vorgestellten Mitgliedern der Deputatton Händedrücke und einige freundliche Worte gewechselt, trat der während des Empfanges anwesende Obergespan unseres Comitates hervor itub fpvadj znm Herrn Minister gewendet: „Ich erachte es als angenehme Pflicht, hier in Gegenwart dieser

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