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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-10 · 28 (10.7.1896) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
28 (10.7.1896)
Date
1896-07-10
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 26 Seite 559 Dr. Llortz's WochrnPhrM „Wozu ist all der griechische Plunder eigentlich gut?" Seine Mutter erklärte ihm mit beispielloser Geduld zum hundertsten Male den veredelnden Einfluß der Cullur und wandte sich schließlich an Dr. Vollmann: „Habe ich nicht Recht, Herr Doctor? Sttmmen Sie mir nicht bei? Der Doctor antwortete nicht sofort. Er blickte Rachel an und schien bestürzt über den Eifer und Energie dieser sanften, geduldigen Matrone. „Habe ich nicht Recht? Sttmmen Sie mir nicht bei?" wiederholte sie ängstlich. „Nein", antwortete der Doctor in seinem tiefen Baß, „ich stimme David bei!" Als Rachel am nächsten Morgen erwachte, rief sie David, erhielt aber keine Antwort. David's Bett war leer und Baruch's Hausirerkasten verschwunden. In fieberhafter Unruhe erwartete sie ihn am Abende, doch sie wartete vergebens. Drei Tage vergingen, da machte sie der Polizei die Anzeige; unter der Rubrik „Mysteriöses Verschwinden" erschienen Ausrufe in der Zeitung — Alles vergebens. Baruch genas von seiner Unpäßlichkeit eben zur Zeit, um seine Mutter in einer schweren, langen Krankheit pflegen zu können. Wenn ihnen von Aron Mosenthal und der wohlthättgen Gemeinde nicht Hilfe zugekommen wäre, hätten sie beide Hungers sterben miissen. Aber Dr. Vollmann nahm sich ihrer an und machte ihre Noth bekannt. „Ich habe Ihre Mutter ihrer theuersten Hoffnung beraubt", sagte er eines Abends zu Baruch. Ich that es vorsätzlich, denn ich hatte Recht. Es hätte mit einer viel bittereren Enttäuschung geendet, als die jetzige ist. Aber Sie, Baruch — Sie könnten sie für diese Enttäuschung entschädigen". „Wieso?" rief Baruch mit Begeisterung. „Sie haben das Zeug zum Gelehrten, das David eben nicht hatte. Ich will es unternehmen, Sie in einem Jahre mehr zu lehren, als ich ihm in vier Jahren hätte beibringen können. „Aber ich bin zu alt", wendete Baruch ein. „Nein, das sind Sie. nicht" — und nach einer langen Discussion wurde beschlossen, daß Baruch David's Stelle einnehmen sollte. V. Baruch bezog „Columbia-College" mit 22 Jahren und er promovirte mit 26. Es wurde allgemein zugegeben, daß er der beste Schüler seiner Classe war, und man bestimmte ihn, die Abschiedsrede zu halten. Nichtsdestoweniger fiel es Rachel, welcher das Verschwinden David's schmerzlich kränkte, schwer den älteren Sohn an der Stelle zu sehen, die sie für den jüngeren erhofft und erstrebt halte. Nicht, als ob sie Baruch weniger geliebt hätte als David, aber die Gewohnheit vieler Jahre, all' ihre Erwartungen auf den letzteren zu setzen, war ihr beinahe zur fixen Idee geworden. Mit wundem, zerrissenen Herzen — nicht mit dem alten, frohen Vertrauen begann sie schüchtern diese neue schwache, ungewisse Hoffnung zu nähren — denn eine zweite derartige Enttäuschung hätte sie nicht erjagen. Ein zweiter Schlag wie der erste, hätte sie vernichtet. Blaß, bebend, ttef bewegt, saß sie in einer Loge des zweiten Ranges iß der „Academy of Music" an dem Tage der Promotion da Baruch seine Rede halten sollte. Dr. Vollmann, welcher den Sitz neben ihr inne hatte, betrachtete sie mit einem ruhigen, triumphirenden Lächeln. Nicht weniger als Baruch feierte auch er heute einen großen Triumph. Rachel saß da selig, der Gegenwart entrückt, aber endlich mit leuchtender Klarheit erkennend, daß der große Traum ihres Lebens der Verwirklichung nahe war. Der ehrwürdige. Präsident der Universität erhob sich und rief den Namen „Barftch Memlinger" auf. Eine Beifallssalve der Studenten folgte. Rachel beugte sich ungestüm vor, mit flammenden Augen und glühenden Wangen. Langsam machte sich Baruch durch die Menge seiner Collegen Bahn und betrat die Bühne. Er war groß und stramm, und sein offenes, sanftes Gesicht trug den Ausdruck ruhiger Entschlossenheit und edlen Muthes. „Das wahre Ebenbild seiner Mutter," dachte Dr. Vollmann, als er seinen Schüler mit Stolz betrachtete. Obgleich Rachel von seiner lateinischen Abschiedsrede kein Wort verstand, so tönte sie ihr doch wie süße Musik. Es war die Sprache, der Gedanke, der Blick des Gebildeten, des Culturmenschen — des fteien, starken, weitsehenden Mannes! Gott hatte ihr Gebet erhört. Sie hatte nicht umsonst gelebt. Alles verschwamm ihr wie ein Traum, und ein stimmender Nebel senkte sich vor ihre Augen. Sie fühlte sich matt und wankte. Sie hörte eine Sttmme an ihr Ohr klingen und wandte sich traumhaft um. Zwei Männer standen vor ihr. Baruch in seinem akademischen Festkleid, der ihre Hand drückte und küßte, und an seiner Seite ein kleiner, schäbig gekleideter Mann mit einem riesigen Petschaft an der Uhrkette. Er hielt den Kopf auf eine Schulter geneigt und lächelte sie aus ein paar listigen, lebhaften Augen an, welche ihr eigenthümlich vertraut vorkamen. „Mutter", hörte sie ihn sagen, „Mutter, ich glaube wahrhaftig. Du kennst mich nicht mehr. Ich bin Trödler in Chicago. Du sollst es nun gut haben, Mutter!" „David! Mein David", schrie sie und streckte ihm die Hände entgegen. Aber diese fielen kraftlos an den Seiten hinab. Tödtliche Blässe bedeckte ihr Antlitz. Ihr Herz hatte anfgehört zu schlagen. Die Freude hatte sie getödtet. (Aus dem Englischen übertragen von Beatrice Dovsky.) Literatur^ Geschichtliche Entwicklung der messianischen Idee des Judenthums. Unter diesem Titel veröffentlicht Herr I. H. Schwarz, Rabbiner in Kladno, im Selbstverlag eine Studie über eines der interessantesten Themen, die einen Forscher anregen können. Eine vom kritisch-wissenschaftlichen Geiste beseelte Erörterung über die messianischen Bibelstellen einerseits und die im Laufe der Zeit entstehenden verschiedenartigen Auffassungen der Messiasidee andererseits würde ein verdienstliches Werk bedeuten und jeder Beittag hiezu muß willkommen geheißen werden. Der Autor bezeichnet selbst die vorliegende Arbeit als einen Entwurf zu einem späteren, größeren, gründlicheren Werke und begegnet dadurch von Vorneherein manchen ttittschen Bedenken, die bei der Lectüre seiner Schrift sich aufdrängen. Wir hoffen, daß der Verfasser bei der Verttefimg seiner von fleißigem Studium zeugenden Arbeit eine kritischere Methode Anschlägen und nicht nur scharf auseinander halten wird, was jüdische und christliche Auffassung der Messiasidee ist, sondern auch zeigen wird, wie und worin letztere die erstere influenzirte. Auf diesem Wege wird der Autor auch zu einer kritischeren Auseinanderhaltung zwischen dem gelangen, was im jüdischen Schriftthume betteffs der Meffiasidee nie mehr als legendarischen Charakter hatte und dem, was — dogmatischen Inhalt besaß. Briefkasten. G. K. Greg orig und Schneider mögen vom Verfolgungswahnsinn erfaßt sein, aber zu leiden haben darunter die Juden. I. L. Feichtinger wurde auch schon darum der Grazer Lueger genannt, weil auch er um jeden Preis in der Welt Bürgermeister werden wollte. Vorderhand sind Beide noch von dem Ziele ihrer Sehnsucht ferne. Dr. L. B. Es ist statistisch festgestellt, daß die Mehrheit der Hausirer aus Nichtjuden besteht. Diesmal müssen also auch Christen wegen den Juden leiden. I—d. Der Jubel war verfrüht; man hat in Rußland die Gesinnungen gegen die Juden noch nicht so weit geändert. Arnold M. Weshalb nicht Dr. Löw die Grazer Antisemitenführer vertheidigt? Wir wissen nicht, wessen Schamgefühl dies verhinderte. Kallina Wien. Die Ziehung der Stanislauer TempelbauLose wurde verschoben. Josef Silbermnnn, Szered. Der Rath wäre gut, doch müßten Sie zur Ausführung eine Person nach Wien delegiren. L. L. Turnan, Böhmen. Besten Dank für die Mittheilung. Leo B. (Landstraße.) Die Anspielung auf den Bürgermeister S t r o b a ch war deutlich genug. N. B. Dieser Antisemitenführer könnte ein Buttergeschäft errichten, wenn er die Butter, die er auf dem Kopfe trägt, verkaufen könnte. Auonyums. B e r g a n i wird schon gewußt haben, weshalb er seinem Grazer Gesinnungsgenoffen mit 100 fl. beisprang.

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