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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-10 · 28 (10.7.1896) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
28 (10.7.1896)
Date
1896-07-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 556 Dr. VLoch's Wochenschrift Nr. 28 Mezei vermochten das Unabänderliche zu wenden. Honvedhauptmann Breuer wurde unter großen militärischen Ehren bestattet, der ganze Stab gab ihm das Geleite. Zahlreiche, prachtvolle Kränze gaben Zeugniß ab von der hohen Achtung, deren sich der Verstorbene in dem sonst so difficilen Kreise seiner Berufsgenossen erstellte, und was noch schwerer wiegt, von der Liebe, die chm gezollt wurde. Nicht nur Officiere, sondern auch zahlreiche distinguirte Trauergäste, darunter der gesammte Chewra- Vorstand, bekundeten die innige Theilnahme, den der Hintritt dieses pflichtgetreuen Mannes und hervorragenden Officiers erregte. Namentlich hat sich der Verstorbene um das Zustandekommen der Honvedcapelle innigst bemüht und sein heißester Wunsch war es, dieselbe, nun sie zu Stande gekommen, wenigstens einmal zu hören, es sollte nicht sein, nur aus seinem letzten Wege gab sie chm das Geleite. Budapest, 29. Juni. Auf dem letzten ungarischen Stüdenlen-Congreß, welcher in Kecskcmöl tagte, hielt der Rector der Rechtsakademie eine patriotische Ansprache, aus welcher folgende Parallele zwischen der Wiener und der ungarischen Jugend besonders interessant ist: „Das Motto der Wiener Jugend ist: „Hasse den Juden", das der ungarischen Jugend: „Liebe das Vaterland"; das Ideal der Wiener Jugend ist ein Demagog, das der ungarischen der gekrönte König". Lemberg. Rosalia Lazarus, geborene Kolischer, ist am 23. Juni l. I. im Alter von 83 Jahren gestorben. Das höchste Lob der jüdischen Frau, die mütterliche Sorgfalt und zielbewußte Erziehung ihrer Kinder zu guten gebildeten, gesitteten und gemeinnützigen Menschen, ist der Verblichenen in hohem Maße nachzurühmen. Noch leben frisch in urrserem Gedächtnisse die seltenen Tugenden chrer vor ihr Heimgegangenen Tochter, Frau Dr. Frenkel und noch lange möge ihr allgemein verehrter Sohn, Herr Director Moritz Lazarus, stüher Cultuspräsident und jetzt Obmann des Spitalrathes, in unserer Mitte segensreich wirken. Die intensive Liebe ihrer Kinder zu ihrem Stamme, mrbeschadet ihres allgemein philantropischen Sinnes, diese Erziehungsresultate der Verstorbenen, sind Denkmäler, die sich die stille bescheidene Dame bei Lebzeiten errichtet hat nach dem Spruche des königlichen Weisen: Die Krone der Alten ist die Nachkommenschaft. Waog-Neustadtl. Die hiesige israelitische Realschule versendet Heuer ihren 34. Jahresbericht. Diese Schule erfreut sich eines zahlreichen Besuches, denn ihre Schülerzahl betrug Heuer 146, um 9 mehr als im Vorjahre. Diese durchschnittliche Progression weist sie seit fünf Jahren auf. In überwiegender Mehrheit waren die Schüler jüdischer Confession, nämlich 124 Juden und 22 Christen. Ueber die Erfolge der Schule geben folgende Daten Aufschluß. Geprüft wurden am Ende des Schuljahres 143. Darunter waren 15 Eminenten, 38 mit guter, 62 mit genügender Fortgangsclasse. Ungenügenden Erfolg aus einem Lehrgegenstande hatten 11, aus zweien 8, aus mehreren 7. 10 der Schüler waren Oesterreicher, 136 Ungarn. Besondere Sorgfalt verwendet die Schule auf die religiös-sittliche Erziehung ihrer Zöglinge. Zur Förderung derselben wird jeden Samstag ein Jugend-Gottesdienst mit Predigt abgehalten, nebst wöchentlich dreistündigem Religionsunterrichte. Samstag und an jüdischen Feiertagen findet kein Unterricht statt. Sämmtliche Lehrkräfte haben die Universität absolvirt. Trotz der vorzüglichen scientifischen Leistung ist die materielle Lage der Schule eine ungünstige und daher ihr Fortbestand in Frage gestellt. Das jährliche Budget beträgt nahezu 8000 fl., welches theils durch einlaufende Schulgelder, theils durch eine jährliche Staatssubvention von 2400 fl. und dem restlichen Beitrage der Gemeinde gedeckt wird. Die Cultusgemeinde, welche außer der Realschule eine vierclassige Mädchen-Bürger- und Volksschule erhält, ist leider nicht inder Lage, allen ihren Lehranstalten die nothwendige materielle Unterstützung angedeihen zu lassen. Wohl gründete sie vor Jahren einen Mittelschul- Verein, um der Realschule einen Fond herbeizuschaffen, doch wird derselbe von unseren Glaubensgenossen nicht gebührend unterstützt. Der Jude tritt allen möglichen socialen und polnischen Vereinen bei, wo er blos geduldet oder mit der Zeit hinausgedrängt wird, und specifisch jüdische Vereine verkümmern an Jndifferentismus. Die Schamröthe treibt uns der von maßgebender Stelle erhobene, gerechte Vorwurf ins Gesicht: Während alle anderen Confessionen ihre Lehranstalten reichlich dotiren, zeigen die Juden, die sonst auf dem Felde der WohIthätigkeit die ersten sind, ihren confessionellen Schulen gegenüber Theilnahmslosigkeit. Der Mittelschul-Verein hat durch jährliche Beiträge von 2 fl. aufwärts und durch fteiwillige Spenden bis heute ein Capital von 6000 fl. gesammelt, dessen Zinsen statutengemäß, bis der Fond die Höhe von 10.000 st. erreicht, capitalisirt werden. Ihr Männer von Israel, die ihr Herz und Sinn für jüdische Angelegenheiten besitzt, unterstützt diese in der österreichisch-ungarischen Monarchie einzig und allein dastehende Anstalt! Ersparet dem Judenthum die Schmach, eine seit 34 Jahren rühmlich wirkende jüdische Lehranstalt aus Mangel an Unterstützung schließen zu müssen! Berlin, 1. Juli. Prinz Ludwig von Bayern hat heute Vormittag die „Ausstellung der jüdischen Dörfer in Palästina" mit seinem Besuche beehrt. Se. königliche Hoheit hat mit lebhaftem Interesse die Boden- und Kunstproducte in Augenschein genommen, über die Entstehung der Dörfer sich erkundigt und bei seinem Scheiden seinen Beifall über das Gesehene ausgesprochen. Berlin, 2. Juli. Herrn Fabriksbesitzer Julius Jsaac ist der Charakter als königlicher Commercienrath verliehen worden. Obernik, 26. Juni.' Herrn Amtsrichter Holzmann ist der Charakter als Amtsgerichtsrath verliehen worden. Stargard i. P., 26. Juni. Einer der Kleinen aus der Schaar der antisemitischen Wortführer, der Stadtverordnete G ü b l e r aus Gollnow, ist den L e u ß und H a m m e r st e i n auf dem Wege ins Gefängniß gefolgt. Er hatte das Vertrauen seiner Gesinnungsgenossen, die ihn zum Cassirer verschiedener Vereine gewählt hatten, in schnödester Weise mißbraucht. Um rund 1800 Mark hat er seine Freunde im Laufe mehrerer Jahre betrogen. Die hiesige Strafkammer verurtheilte ihn deswegen heute zu 1 Jahr 6 Monaten Gef ä n g n i ß und 2 Jahren Ehrverlust. Feuilleton. Rinder des Ghetto. (Roman von I. Zangwill.) (Nachdruck verboten.) Dann begann Moses ruhig die hebräischen Gebete zu sagen. Der Hut, den er hätte ablegen sotten, war mm am rechten Platze. Benjamin setzte sich aufgeregt im Bette empor. _ „Esther, da kommt die Mutter!", rief er aus Englisch. „Sie bringt mir meinen Rock zurück. Aber was nützt er jetzt?" Sein Kopf fiel wieder zurück; plötzlich zog ein sehnsüchtiger Ausdruck über sein schönes Knabengesicht. „Esther", sagte er. „Möchtest Du nicht heute gern auf dem grünen Lande sein? Sieh nur, wie die Sonne scheint." In der That, sie schien mit trügerischer Wärme, übergoß das grüne Land mit Gold und blendete die Augen des sterbenden Knaben. Bor dem Fenster zwitscherten die Vögel. „Esther", sagte er träumerisch. „Glaubst Du, daß bald wieder ein Begräbniß sein wird?" Die Hausnlntter begann zu weinen und wandte sich ab. „Benjamin!" rief der Vater außer sich, denn er dachte, das Ende sei gekommen. „Sag' das Schema!" Der Knabe starrte ihn an, ein klarer Ausdruck trat in seine Augen. „Sag' das Schema!", bat Moses. „Ja, Vater, ich wollte gerade anfangen", murmelte Benjamin gefügig. Sie sprachen zusammen das letzte Bekenntniß des sterbenden Israeliten. ,Höre, o Israel, der Herr unser Gott, der Herr ist einzig!" Das verstanden Beide. Benjamin lebte noch ein paar Minuten und starb dann in einer schmerzlosen Betäubung. „Er ist tobt", sagte der Doctvr. „Gelobt sei der gerechte Richter!", schluchzte Moses ans. Er zerriß in wortlosem Schmerz seinen Rock und schloß die weitgeöffneten Augen des Todten. Dann ging er an den Waschtisch, kehrte den Spiegel zur Wand, öffnete das Fenster und leerte den Wafferkrug auf das grüne, sonnenbeschienene Gras. E i n u n d z w a n z i g st e s C a p i t e l. Die Jargon-Schauspieler. „Nein, halten Sie mich nicht ans, Pinkas!", sagte Gabriel Hamburger. „Ich packe meine Sachen und werde Ostern in Stockholm verleben. Der dortige Oberrabbiner hat ein Manuscript entdeckt, das ich gerne sehen möchte, und da ich mir ein bischen Geld erspart habe, eile ich hin." „Ja, der närrische Junge, Raphael Leon, zahlt gut", meinte Pinkas, indem er träge ein Rauchringel hinausblies. Sie sprachen deutsch miteinander. „Was meinen Sie damit?!", rief Gabriel und wurde roth vor Zorn. „Wollen Sie vielleicht damit sagen, daß Sie Geld aus ihm herausgepreßt haben?" „Gewiß meine ich das", antwortete der Dichter naiv. „Was denn sonst?" „Lassen Sie mich nicht noch einmal hören, daß Sie ihn einen Narren nennen! Er ist einer, wenn er Ihnen Geld schickt, aber dann haben ihn Andere so zu nennen. Der Knabe wird ein großer Mann in Israel sein. Der Sohn reicher englischer Juden

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