Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-10 · 28 (10.7.1896) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
28 (10.7.1896)
Date
1896-07-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021115-3021144--05783-3030035
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 28 Seite 553 Dr. Vloch's Wochrnschrist. angesichts der Schmähungen und Angriffe, denen er besonders in letzter Zeit ausgesetzt war und noch ausgesetzt ist, erachten es die Unterzeichneten als ihre Pflicht, den Manu, der stets entschieden und uneigennützig für seines Volkes Wohl eingetreten ist, Herrn Georg Schönerer, Gutsbesitzer, Schloß Rosenau bei Zwettl, Niederösterreich, bei den bevorstehenden Reichsrathswahlen für das Mandat des Landgemeindenbezirkes Eger-Asch-Wildstein-Falkenau-Grasliß-Petschau in Vorschlag zu bringen. Gegenwärtig ist Herr Tausche Reichsraths-Abgeordneter das Landgemeindenbezirkes Eger. Die Versammlung beschloß ferner, für den Städtebezirk Eger den bisherigen Abgeordneten Dr. Bar ent her aufzustellen, für die Wahl in der allgemeinen Wählercnrie Herrn Hofer, Schriftleiter der „Egerer Nachrichten", den Wählern „zur Kenntniß zu bringen" und für den Städtebezirk Falkenan (jetziger Vertreter Dr. Otto Polak) die Candidatur des Landtagsabgeordneten Wenzel G e b l e r zu unterstützen. Die Herren gehen früh an die Wahlarbeit. Die schärfere Betonung des Nationalisnms macht bemerkenswertste Fortschritte, die jedenfalls volle Beachtung verdienen. Budapest. (E i n u n g a r i s ch e r Bischof über 'die Juden u n d den A n t i s e m i t i s m u s.) Der evangelisch reformirtc Bischof Karl Szüß weilte dieser Tage behufs Einweihung einer Kirche in der südungarischen Stadt O-Becse. Aus diesem Anlässe hat der ob seiner Toleranz rühmlichst bekannte Kirchenfürst noch vor der Einweihung die dortige Synagoge besucht. In Erwiderung der an ihn gerichteten Ansprache des israelitischen Cultusgemeinde- Präses sagte der liberale Bischof unter Anderem Folgendes: „Mit großer und selbstbewußter Frende kann ich es sagen, daß an der Reeeption der jüdischen Religion auch ich einen Antheil habe. Aber noch lange vor der Reeeption gab es eine Zeit, in welcher eine aussätzige Krankheit den Frieden unseres Vaterlandes störte, und diese aussätzige Krankheit ist der sogenannte A n t i s e m i t i s in u s. In dieser sehr kritischen Zeit habe ich selbst die 300 Cultnsgemeinden meiner Confesfion bereist, dieselben mahnend und warnend, der Verbreitung dieses aussätzigen Uebels keine hilfreiche Hand zu bieten, und ich kann es mit Freude sagen, daß keine einzige Gemeinde meiner D i ö c e s e den A n t i s e m i t i s m ns nute rst ü tz e. Mit Freude that ich dies ini Interesse der vaterländischen Judenheit, weil ich wahrhaftig davon übe rzeugt bin, daß d„i e h i e r l ä n d i s ch e n I u d e n betreffs der V a t e r l a n d s l i e b e und der C u l t u r jeder Confesfion a l s M u st e r b i l d dienen k ö n n e n." Eine Deputation der Kaschauer Judengemeinde begab sich unter der Führung des Ober-Rabbiners Simon Händler zum dortigen römisch-katholischen Bischof, Dr. Sigmund B u b i e s, uni denselben aus Anlaß feiner Ernennung zum wirklichen Geheimen Rathe zu beglückwünschen. Auf die Ansprache des Ober- Rabbiners erwiderte Bischof Bubics ungefähr Folgendes: „Ich sage Seiner Ehrwürden dem Herrn Redner für feine glänzende Ansprache meinen besten Dank. Seine Worte haben auf mich einen unvergeßlichen Eindruck gemacht. Der Allmächtige erhalte ihn noch lange im Besitze seiner Kraft und seiner geistigen Fähigkeiten. Soferne die geehrte Deputation Ihre Religionsgemeinde vertritt, wollen Sie derselben meinen Segen überbringen. Ich weiß, daß die größte Glückseligkeit des Menschen die Religion bildet, und sowie es unstatthaft ist, das Glück des Anderen zu stören, so ist es auch nicht erlaubt, seine Religion zu stö ren. Als Functionär unserer Kirche habe ich immer dahin gestrebt, daß alle meine G l ä u b i g e n d i e R e l ig i o n und die U e b e r z e u g u n g der A n d e r s g l ä ubi g en in Ehren halte n. Ich persönlich empfinde für die israelitische Confesfion große Hochachtung, nicht nur weil ihre heiligen Bücher anch unsere heiligen Bücher sind, sondern weil ihre Angehörigen Gott in so hohem Maße ehren daß sie, obgleich sie eine Vorstellung von ihm haben und ihn anffassen, soweit es der menschlichen Vernunft möglich ist, ans Ehrfurcht seinen Namen niemals aussprechen. Nachdem es meine Ueberzeugung ist, daß anch im Staatsleben die Achtung der lebensfähigen Kräfte, sei es auf dem Gebiete der Wissenschaft oder des Handels und der Industrie, außerordentlich wichtig ist, halte ich es für wünschenswerth, daß sich anch in unserer Stadt die Kräfte vereinigen und daß insbesondere die gebildeten und befähigten Individuen einander gegenseitig unterstützen. Damit allein wird der Fortschritt gesichert. Seien Sie überzeugt, daß mir Ihr Glückwunsch große Freude bereitet, und daß ich die beredten Worte Ihres ehrwürdigen Sprechers, welche auf mich so große Wirkung übten, niemals vergessen werde." Budapest. Die Millenniums-Ausstellung feiert glänzende Triumphe, in ihr und durch sie der wahre Liberalismus, den der König selber in herrlichen Worten gepriesen hat. So oft der König in die Ausstellung kam, wurde er vom Präsidium, dem auch der vielverdiente Secretär Moritz Gells r i und der Ministerialseeretär Tr. B a l l a i angehören, ehrfurchtsvoll empfangen und ans allerhöchst dessen Rnndgange begleitet. Se. Majestät bekundete für Alles großes Interesse und wendete sich ganz besonders dem rein Menschlichen zu. Einer der vielen Ausstellnngspavillone trägt in goldenen Lettern die einfache und doch so vielsagende Aufschrift: -Emberbaräti pavilion“. Das läßt sich nicht vollkommen genau ins Deutsche übertragen. Wir wollen daher „Humanitätspavillon" sagen. Hier befindet sich die Ausstellung unserer menschenfreundlichen Vereine, an denen in der That nichts auszustellen ist. Wo es sich um allgemeine werkthätige Menschenliebe handelt, wo es gilt, ans den heiligen Altar der Wohlthätigkeit Ganzopfer niederzulegen und wo es heißt, der Humanität zu dienen, da sind die von gewisser Seite noch immer vielgeschmähten Inden die Allerersten, die im Wohlthun nie und durch Niemanden erreicht, geschweige denn übertroffen werden. Es that dem hochedeln Herzen des gütigen Landesvaters ordentlich wohl, ,;u sehen, was auf humanitärem Gebiete hierzulande geleistet wird, und Se. Majestät hatte die Gnade, dies lobend anzuerkennen. Bor dem Pavillon der Hnmanitütsvereine wurde der König am 18. v. M. vom Cultns- und Unterrichtsminister Wlassits begrüßt, worauf der Rundgang angetreten wurde. Angelangt bei der Ausstellung des Pester israelitischen Frauenvereines wurden daselbst dem Monarchen die Damen Johanna B i s ch i tz d e H e v e s, die verdienstreiche Präsidentin, Marie Her z t,_ die unermüdliche Vicepräsidentin. Amelie Neu m a n n, das eifrige Mitglied des großen Ausschusses, dann der tüchtige Secretär Gabriel F o r r a i vorgestellt. Se. Majestät stellte mehrere Fragen hinsichtlich der Thätigkeit des Vereines und sich an Frau von Bischitz wendend, sprach er in huldvoller WeiseSie kenne ich ja schon lange, wie lange stehen Sie schon an der Spitze des Vereines?" — „Seit 27 Jahren", erwiderte die ausgezeichnete Dame. Besonderes Wohlgefallen empfand der König, als er hörte, daß die wohlthätigen Damen des Vereins bereits zwei Millionen Gulden für die Humanitären Zwecke desselben gesammelt haben. Ganz besonders aber wurde betont, daß der Verein seit vielen Jahren eine Volksküche erhält, die das ganze Jahr hindurch geöffnet bleibt und armen Leuten ohne Unterschied der Consession zur Verfügung steht. Hierauf bemerkte Se. Majestät lächelnd: „Nächstens will ich Ihre Volksküche besuchen und die Kost daselbst versuchen!" Bei der Ausstellung des Ungarischen israelitischen Handwerks- und Ackerbauvereines lvurde Se. Majestät vom Vereins- Präsidenten Reichstags-Abgeordneten Dr. Armin s)l e n m a n n, tvelcher im ungarischen Galakleide erschienen war, und dem Vereinssecretär David K e m e it t) empfangen. Nach erfolgter Vorstellung durch den Minister Wlassits besichtigte Se. Majestät mit Interesse die Abbildungen des Lehrlingsheims, worauf er, auf die ansgestellten hübschen Freistücke der Handwerkerzöglinge hindeutend, die Frage stellte, ob das die Zöglinge selbst verfertigt hätten, und als diese Frage bejaht wurde, bemerkte Se. Majestät: „Ein sehr schönes nützliches Institut", und erkundigte sich nun eingehend nach den Verhältnissen des Vereins. Abgeordneter N e u m a n n diente mit Aufklärungen und fügte hinzu: „Majestät, unser Verein hat bereits tausende verwahrloste Kinder zu braven Handwerkern und Ackerbauern herangebildet." — „Das ist ein sehr erfreuliches Resultat, ich freue mich sehr darüber", bemerkte der König. Bei der Ausstellung des Wohlthätigkeitsvereins „Zion" empfing der Präsident desselben, Herr Armin S i n a i b e r g e r, den König, der auf eine Frage Sr. Majestät die Ziele und Zwecke des großen, mehr als 8000 Mitglieder zählenden Vereines mittheilte. Interessant war folgende Episode: Als Se. Majestät zur , Ausstellung des M a r i a Dorothea- Waisenhauses kam, da waren es Pfarrer K n r z und Frau von Bischitz, welche die Abwesenheit der Präsidentin, Gräfin Alexander K ä r o l y i, wegen deren Unpäßlichkeit entschuldigten. Io etwas ist heutzutage auch nur in Ungarn möglich!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.