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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-10 · 28 (10.7.1896) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
28 (10.7.1896)
Date
1896-07-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 28 Seite 551 Dr. VLvch's Wochenschrist. i, raeliten, wenigstens soviel Hebräisch in den S ch n l e n z n l e r n e n, d a ß s i e i h r e G e b e t e und die herrlichen P s a l m e n in de r Ursprache zu verstehen in der Lage wären. Mögen wir die Worte dieser edlen Großherzogin nicht unbeachtet lassen; möge aber, damit dieses Ziel erreicht werde, schon bei der Aufnahmeprüfung in erster Linie auf die Geläufigkeit im Hebräischlesen gesehen werden. Wir werden dann beim Unterrichte viel weiter kommen und ein Geschlecht erziehen, das unsere heilige Sprache zu schützen und zu würdigen verstehen wird. Bon den Religionsschulinspectoren müßte aber schon in der Volksschule dieser Punkt aufs G en au e st eins Auge gefaßt werden; gut wäre es aber, daß ' den Volksfchülern und Schülerinnen übersetzte Gebetbücher in die Hand gegeben werden und auch die Uebersetzung in der Schule gelesen werde, damit nicht nur ein geläufiges, sondern auch ein v e r st ä n d n i ß v o l l e s Lesen erzielt werde, so daß die Jugend die Anleitung erhalte, nicht blos mit dem Mund e, sondern auch mit dem Herzen zu beten. Correspondenzen. Wien. In München, wohin er sich zu kurzem Aufenthalt begeben hatte, starb am 13. v. M. der in Kuttenplan in Böhmen ansässige Ernst Graf B e r ch e m - H a i m h a u s e n. Derselbe war ein großer Philantrop, ein warmer Freund der Schule und eifriger Förderer gemeinnütziger Vereine und humanitärer Anstalten. Den politischen und confessionellen Tagesfragen fernstehend, lebte er nur der Ausübung humanitärer Äcte. In markanter Weise kam diese Gesinnung in seinem Testamente zum Ausdrucke, in welchem er unter anderen reichdotirten Wohlthätigkeitsacten auch eine mit zehntausend Gulden dotirte Rabbinatsstiftung creirte. Die Leiche des verblichenen Grafen wurde nach Kuttenplan überführt, wo dieselbe unter der Theilnahme der Bevölkerung der ganzen Umgebung in der Familiengruft beigesetzt wurde. — Hofschauspieler Sonnenthal wurde in längerer Audienz vom Kaiser empfangen; der Kaiser sagte, wie sehr es ihn freute, dem berühmten Künstler neuerdings seine vollste Anerkennung auszudrücken. Wien. (W e n n m a n für einen Juden gehalten wird.) Vor dem Einzelrichter des Bezirksgerichtes Wieden, Adjuncteu Dr. Berger, erschien der Privatbeamte Heinrich I a b l o n e r als Kläger gegen den Geschäftsleiter der Staatsbahnhof-Restauration Johann Baue r. Am 23. Mai kanr es zwischen Beiden zu einem Wortwechsel, in dessen Verlauf Bauer Herrn Jabloner mit den Worten: „L.. .- bub! Hausirerjud! Wenn ich nicht fürchten würde, mich schmutzig zu machen, würde ich dich bei den Ohren beuteln!" regalirte. In der Verhandlung gab Bauer blos zu, den Kläger, der seine Kinder beschimpft habe, einen „Pinkeljuden" genannt zu haben. Der Kläger bestätigte vollinhaltlich die in der Klage gemachten Angaben und sagte: „Ich muß übrigens, Herr Richter, bemerken, daß ich kein Jude bin." Da zwei Zeuginnen im Wesentlichen den Inhalt der Klage bestätigten und der Angeklagte trotz Zuredens des Richters sich weigerte, eine Ehrenerklärung abzugeben, verurtheilte der Richter den Johann Bauer wegen Übertretung gegen die Sicherheit der Ehre zu einer Geldstrafe von zehn Gulden. Der antisemitische Prater. Daß der vielgerühmte und berühmte Prater nicht mehr die alte Stätte der Gemüthlichkeit und des harmlosen Frohsinns ist, kann keinem Zweifel unterliegen. Der Wurstel zwar auf seiner winzigen Bühne erschlägt dort keinen hölzernen Juden mehr, aber der leibhaftige Jude ist dafür umsomehr Fährlichkeiten ausgesetzt. Es ist notorisch, daß in gewissen Localen, wo man sich im Zeichen der weißen Nelke gütlich thut, jüdische Gäste das Signal zu einer Hetze geben. Noch schlimmer geht es den armen Hausirern, die wehrlos allen Brutalitäten ansgesetzt sind. Eine widerliche Scene spielte sich am Peter- und Paulstage in der ehemaligen Hauswirthschen. jetzt Draxler'schcn Restauration im Prater ab. Ein Namenstag-Festgeber ließ das Bier in Strömen fließen und die Musikanten lleißig den Lueger-Marsch spielen. Der unglückliche Zufall wollte es. daß ein alter gebrechlicher Jude bettelnd in diese Gesellschaft vereinigter Christen kam, deren Einer dem unglücklichen Greise zurief, er möge zum Grafen Badeni gehen, und zwar sofort, und mit dem Schädeleinschlagen bedrohte. Diese ercessive Rohheit rief sogar unter einem Theil der Gesinnungsgenossen dieses Ariers Unwillen hervor, Ein Theil der Gäste nahm entschieden Stellung gegen diese Auffassung des Antiseiuitismus, und es wäre zu argen Scenen gekommen, wenn der Gastwirth nicht dahin intervenirt hätte, daß die Urheber des Scandals vom Schauplatz verschwinden. Stenographisches Preisschreiben. Bei dem am 21 Juni vom Gabelsberger Stenographen - Centralverein veranstalteten Preisschreiben, dessen Ergedniß am 28. Juni verkündigt wurde, wurden prämiirt I. beim Preisschreiben für Schüler sämmtlicher Mittelschulen (160 Concurrenrenin der ersten Dictatsclasse (70 Worte in der Minute) mit dem ersten Preise: H. Wein stock, A. Klempner, R. Mantler, H. Offer, O. Spann, G. W a n a u s e k, E. Z a u s n e r (sämmtlich von der Handelsschule Allina) und A. Löwy (Oberrealschule im 1. Bezirk); mit dem zweiten Preise: I. Bauer, R. Dubsky. A. Grabscheid, E. Weiß, I. Z e h e t b a n e r, B. Zucker t Handelsschule Allina) und P. Sommernitz (Schule des kaufmännischen Vereines); mit dem dritten Preise: H. Heimisch, R. Klein, A. Pallst s ch e k, A. R o s e n f e l d. F. S ch l e i f e r, W. Z o l l s ch a n (Handelsschule Allina), H. H öfer (Handelsakademie) und F. Reichelt (Obercealschule 1. Bezirk); in der Dictatsclasse mit 90 Worten in der Minute: mit dem ersten Preise: A. S t e i n e r (Staatsgymnasium im 2. Bezirk); mit dem zweiten Preise: N. Guttmann und R. Stöger (Handelsschule Allina) und A. Broch; in der Dictatsclasse mit 110 Worten mit einem Diplom : H. H e r z l (Realgymnasium im 2. Bezirk). 2. Beim Preisschreiben für Damen (360 Concurrentinnen) in der ersten Dictatsclasse mit 50 Worten: mit dem ersten Preise: die Fräuleins I. Brenner, W. Friedmann. H. Husserl und I. K r e p p e l; mit dem zweiten Preise: die Fräuleins A. Allschul, K. Jakschütz, M. Z i l z e r, S. Krall, C. S ch a p i r a, A. Friedländer, M. G o l d f e l d, M. Falta, G. Schattauer. M. Krause, I. Wollner, F. I u l i s ch, A. Naß und F. Kleinmann; mit dem dritten Preise: die Fräuleins A. Mayer. 21. M o l l i k, M. P i t s chm a n n, H. L a n g s e l d e r. M. R e i n h o l d. D. Denk, L. O t t e, F. H e r r n f e l d. S. Ganz und H. F r i e d l; in der zweiten Dictatsclasse mit 70 Worten mit dem ersten Preise: die Fräuleins E. B a r s i s, H. E i s e n m a y e r, B. Eisenschimml. B. F o r st i n g e r. B. F r i e d l ä n d e r, A. F ü h r l i n g e r, H. Herzog. S. Kris, R. L o h w a s s e r, O. P o l y a k, R. P ol i a k, V. R e a ch, F. R e i ß und I. Wessely; mit dem zweiten Preise : E. F e r b e r, M. F r a n k, M. S ch u st e r, M. W i e smüller, M. Susman und E. G ü n s b u r g; mit dem dritten Preise: M. Rupp, F. Bartik, M. Wasner, P. Brenner und H. Z i p e r z i g; iir der dritten Classe (90 Worte): A. F i n kl e r und R. Spitzer erster Preis, die Fräuleins M. B a r s i s, C. T e i ch und I. Kaufmann mit Diplomen. Graz, 3. Juli. Die Druckerei Hauswirt h, in welcher das von der antisemitischen F e i ch t i n g e r- Partei gegründete „Grazer Extrablatt" hergestellt wird, ist gleich den Herausgebern in Concurs gerathen und heute behördlich gesperrt worden. Bisher haben alle anderen Grazer Druckereien die weitere Herstellung des Blattes abgelehnt. Lemberg, 2 Juli. (Lehrplan für den israelitischen Religions-Unterricht. Der Landesschulrath hat, wie im Vorjahre für die Mittelschulen, nun auch für die Volksschulen Galiziens einen einheitlichen Lehrplan für den israelitischen Religionsunterricht herausgegeben und zur sofortigen Einführung bestimmt. Dem Lehrplan für die Volksschulen ist eine eingehende Instruction beigegeben. Die Entwürfe des Lehrplanes und der Instructionen haben dem Rabbiner Dr. I. Caro in Lemberg zum Verfasser. Lemberg» 5. Juli. In den diesjährigen Delegationsberathungen hat der Minister des Aeußern in Bezug auf die Reformen der Türkei in Kreta ein treffendes Wort gesagt. Er meinte: „Reformen sind ein schönes Wort, aber es genügt nicht, dieselben auf dem Papiere festzustellen, man muß auch über die Organe verfügen, die deren Durchführung besorgen, und airdiesen fehlt es der Türkei nur zu sehr." Das treffende Wort Seiner Excellenz könnte mutatis mutandis auf die Juden in Oesterreich und die Staatsgrundgesetze angewandt werden, ohne daß es in seiner Richtigkeit auch das Geringste einbüßen würde. Die Staatsgrundgesetze und ihre strenge Durchführung hätten das Aufkommen des Antisemitismus zu einer Unmöglichkeit gemacht, aber die herrlichsten, die gerechtesten Gesetze nützen nicht viel, wenn sie nur ein papierenes Scheinleben führen. Man fängt auch hier an, den Juden die Gleichstellung lediglich auf dem Papiere zu gönnen, man bedrängt sie auf allen Gebieten und würde den als einen thörichten Schwärmer verhöhnen, der daran dächte, daß ein Jude auch das geringste Aemtchen bei der Gemeinde erlangen könnte. Im Princip sind ihm ja alle, auch die höchsten Stellen im Staate zugänglich. Von dem Principe soll er leben und seine Familien erhalten. Vorderhand sind es auch hier nur die Juden, die für die Gleichheit der Menschen auch mit Selbstaufopferung eintreten. So liegt z. B. im hiesigen allgemeinen Krankenhaufe jetzt ein Jude, Namens Eisig Gottlieb, der einen Bauer und seine Frau aus dem Feuer rettete und dabei selbst lebensgefährliche Wunden davontrug. Von dem Juden werden die Antisemiten nichts reden;

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