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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-03 · 27 (3.7.1896) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
27 (3.7.1896)
Date
1896-07-03
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 27 Dr. Vlochs Wochenfchrtst Seite 543 Dann sank Rachel auf einen Stuhl und sah trüben, leeren Blickes auf ihr Vernichtnngswerk. Die Polizeibeamten, welche dachten, sie habe ans Grain den Verstand verloren, zogen sich still zurück. * * Am nächsten Tage ging Baruch zuni Rabbi und den Erstell der Synagoge und sie veranstalteten eine Saminlung, um die Ausgaben der Reise Rachels und ihrer Söhne bis Hamburg zu decken. Mau erwartete, daß sie dann dllrch die Agenten der Hirsch'schen Stiftung nach beit Bereinigten Staaten befördert würden. Und in der That, diese Voraussetzung bestätigte sich. In Castle Garden, welches damals das große Emigranteu- Depot des Westens war, wurden sie nicht besonders herzlich ausgenommen. Aber eine wohlwollende hebräische Gemeinde verschaffte ihnen das Heimatsrecht. Es lvar dies kein besonders beneidenswerthes Recht; denn das Heim, welches sie erwarben, war in einem zuni Himmel ragenden Haus in Baxter - Street, wo die Menschen gleich Heringen in einer Tonne zusammengepfercht lebten. Rachel und ihren Söhnen wurde ein einziger Raum zngetheilt, dessen Miethe für einen Monat die gütige Gemeinde tragen wollte. Das nächste zu lösende Problem war, Mittel zum Lebensunterhalt zu finden. Sie hielten einen feierlichen Familienrath, und nach vielen Erörterungen wurde beschlossen, daß Rachel und Baruch die Stadt durchstreifen sollten, um Erwerb zu suchen. Da sie, außer einigen unerläßlichen Redensarten, nichts englisch sprachen, so schien ihr Unternehmen ein hoffnungsloses zu sein. Nie in ihrem Leben hatten sie einen Tag so voll Insulten, Erniedrigungen und Leiden durchgemacht. Eine Art verzweifelten Paria-Gefiihls bemächtigte sich Barnch's und eine tiefe Feindseligkeit gegen die Welt mir all ihren übertünchten Lügen begann in seinem Herzen zu glühen und zu glimmen. Rechtschaffen und arbeitsam, wie er war, konnte er nicht begreifen, warum er zu Schmach und Haß auserlesen sein sollte; und wenn er an seine Mutter dachte, so edel, weise und schön, färbte ihm die helle Entrüstung die Wangen. Drei Tage lang setzten Baruch und seine Mutter die Suche nach Arbeit fort, und am Abende des dritten waren sie beide so abgemüdet und niedergeschlagen, daß sie sich kaum weiterschleppen konnten. Nachdem sie in einem Bureau die übliche Aufnahme gefunden, setzten sie sich ans die marmorne Stiege und Baruch streichelte sanft seiner Mutter Hand, und sie lächelte ihm traurig mit thränenvollen Angen zu. Von ihrem bleichen, geduldigen Angesicht ging ein Schein geistiger Schönheit, gleich Monica, der Mutter St. Augustins, wenn sie erklärte, daß das Kind so vieler Gebete nie verloren sein könne. Und in diesem Augenblick erschien Jemand an der Seite ihres Sohnes, den ihr edles Antlitz fesselte und dessen Herz von seinem Ausdruck des Leidens gerührt war. Der Kaufmann — sein Name war Arvn Mosenthal — war eben im Begriffe, sein Comptoir zu verlassen, und an der Thüre wurde seine Aufmerksamkeit durch diese seltsame Gruppe auf der Stiege gefesselt. „Was wünscht Ihr, gute Frau?", fragte er in deutscher Sprache. „Wir wünschen Arbeit, Herr", entgegnete Rachel, sich rasch erhebend. „Welche Art von Arbeit?" „Jegliche Arbeit, die es uns ermöglichen würde, unser Leben zu fristen." „Ihr seid russische Juden?" „Ja." „Dann kann ich Euch vielleicht helfen. Ich bin bei einer Colonie von Euren Landsleuten betheiligt, welche im vorigen Jahre nächst Vineland in New-Jersey gegründet wurde. Die Bedingungen sind sehr günstige. Wenn Ihr mit Eurem Sohne morgen um 10 Uhr Herkommen wollt, so will ich Euch jede gewünschte Auskunft geben." „Ich habe zwei Söhne, Herr." „Um so besser. Bringet Sie Beide mit." Rachel hatte mit Aron Mosenthal einen harten Kampf zu bestehen, als sie mit Baruch und David am nächsten Tage wieder kam. Er wurde sehr böse, als sie ihm mittheitte, daß sie nirgends hingehen würde, wo sich ihrem jüngeren Sohne keine Gelegenheit zu Universitätsstudien böte. Es nützte nichts, daß er ihr vorhielt, Bettler dürsten nicht so wählerisch sein; aber er bereute es im nächsten Augenblick und gab sich Mühe, es wieder gut zu machen. Und das Ende davon war, daß er ihr eine Empfehlnngskarte an seine Frau gab, welche vielleicht für sie eine Verwendung wissen würde. Rachel verlor keine Zeit, von dieser Aufforderung Gebrauch zn machen. Mrs. Mosenthal wußte lange nicht, welchen Vorschlag sie Rachel machen sollte. Schließlich bot sie ihr an, die Hauswäsche zn besorgen. Gleichwohl Rachel darob sehr enttäuscht war, erlaubte sie sich nicht, den Antrag zurückznweisen, und-Mrs. Mosenthal stellte sie sofort der Haushälterin vor, welche ihr zwei große Bündel schmutziger Wäsche anvertraute. (Schluß folgt., Briefkasten. A. H. in Koftel. Solche Demonstrationen empfehlen wir grundsätzlich nicht. — 8 — Derlei Nachrichten publiciren »vir nur. wenn ossicielle Personen die Mittheilung zusendm. Sam. Waffertrilling. Die Correctur ist nicht blos tverlhvoll, sondern zweifellos auch richtig. Doch eignet sie sich nicht für unser Blatt. Max Kraus, Wien. 4 sl. 8 kr. dankend erhalten. D., Tarnopol. Es thut uns leid, eine Illusion zerstören zu müssen. Herr Martin Fürth, der Privatsrcretär des Fürsten Ferdinand von Bulgarien, ist wohl von jüdischer Herkunft, aber seit ungefähr zehn Jahren getauft. Er ist der Sohn des seligen Herrn Moritz Fürth, der »vährend 45 Jahren Vorsteher der Chewra-Kadischa in Strakonitz »var, und der Schrviegersohn des Herrn Jeittelcs, Generaldirectors der Kaiser Ferdinands-Nordbahn. L. B. Die nächsten, die an der Reihe sind, durch die Salvator-Medaille ausgezeichnet zu werden, sollen die Herren Bergani und Schneider sein. Dr. B. G. Die edlen Gesinnungen, die Herr Dr. Adler für uns hegt, können Sie daraus ersehen, daß er »vegen einer Notiz, die wir aus der „Wiener Allgemeinen Zeitung" brachten, mit uns Händel sucht. Ist das nicht eigentlich „Wahnsinniges von Dr. Adler?" Eifriger Leser. Ihr Vorschlag wäre ganz gut, aber nicht ausführbar. A—n. Vergani freut sich über den „ungeahnten" Erfolg des Antisemitenausfluges nach Berlin. Die moralischen Fußtritte, die den Herrschaften dort zutheil wurden, bilden wohl diesen „ungeahnten" Erfolg. K. L. Es »var vorauszusehen, daß in der antisemitischen Aera der „Objektivität" die Juden in solcher Weise behandelt würden. Dr. G. K. Der Antisemitismus auf Reisen ist eine alte Geschichte. Er sollte nur nicht zurückkommen. I. B. Es ist eine notorische Thalsache, daß Dr. Lueger sich in den Parlamentscouloirs im Kreise jüdischer Journalisten sehr wohl fühlt. H. B. 100. Die hundert Lügen, die Sie in 14 Tagen im „Deutschen Volksblatt" gesunden haben, überraschen uns nicht. Wir hätten mehr erwartet. G. (Brünn.) Die kleinen antisemitischen Provinz-Kläffer bilden sich an dem Beispiele des großen — Bergani. M. O. Die Feichtingers von Wien werden auch noch dorthin gelangen, wohin sie gehören. I. M. Gladstone hat wiederholt den Antisemitismus perhorrescirt. H. G. Der Papst verwendet sich nur für die verfolgten Christen. Vielleicht wird der Sultan denselben Liebesdienst den Juden erweisen. Ignaz G. Fragen Sie den Herrn, wie derselbe alte Römer, dessen Meinung über die Juden ihm maßgebend ist, über die Christen geurtheilt hat. Die Letzteren kommen nämlich noch schlimmer fort. j. g. Diese antisemitischen Radfahrer scheinen das Rad nicht immer am richtigen Platze zu haben. Nemo. Sie irren, Herr Dr. Porzer erfreut sich bei den Antiseiniten trotz seiner Abstammung der verdienten Werthschätzung. U. B. Gegen die Genehmigung der Cultusgeweinde-Statuten durch die Statthalterei ist der Recurs zu ergreifen an das Ministeriuin. Ist die Genehmigung auf Grund eines Ministerin! - Erlasses erfolgt, so ist jeder »veitere Schritt dagegen fruchtlos. I. T., Kolonie«. — Die gewünschten Nummern sind vergriffen. L. L. M. Die gewünschten Nummern können Sie erhalten um den Betrag von 4 fl. — Die 12 Jahrgänge sind nirgends vorräthig und können blos durch ein Inserat von einem Privatmann erworben werden. Eisig Raab in Grodek. Wenn Sie an die Redaction eine Anfrage nicht gerichtet haben, so war selbstverständlich die Antwort nicht an Sie adressirt. B. Frankel, Oberlehrer in Suezawa. Aehnliche Schreiben sind anderen Schulleitungen zugekommen und alle können nicht publicirt »verden.

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