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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-03 · 27 (3.7.1896) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
27 (3.7.1896)
Date
1896-07-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 27 Br. Vloch'sWochrnfchrM. Seite 537 der böhmischen Landesjudeuschast Herrn Dr. M. Lichtenstern, den Kammer- und Eisenbahnrath Herrn Gottlieb Bondy, die j Herren Rabbiner Dr. Back, Dr. Grün, Dr. Kisch, Knöpfelmacher und Stark, sowie Abordnungen der Synagogen und humanitären Vereine bemerkten. Präcis 11 Uhr Vormittags betraten der Director des Vereines Herr Dr. Duschenes, Herr Oberrabbiner Dr. N. Ehrenfeld und der Vereinscassier Herr Ernst Busch das Podium und nahmen am grünen Tisch ihre Plätze ein. Die Herrn Dr. Duschenes, Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, Dr. Bendiener, welch Letzterer feit 35 Jahren Secretär des Vereines ist, gaben durch überaus schwungvolle Reden der Feierberedten Ausdruck. In der alten israelitischen Gemeinde Prags war bereits vor 100 Jahren das jüdische Vereinswesen im Aufschwünge gewesen und zu diesen älteren Vereinen gehört der israelitische Kreuzerverein für Krankenpflege, ein Verein, der ein eigenthümliches Gepräge aufweist, indem die Gründer dieses Vereines — drei Männer aus dem Volke — auch dem Aermsten unter den Armen den Zutritt zu diesem Vereine ermöglichen wollten und daher die minimalsten Beiträge — kreuzerweise — bestimmten. Der Segen Gottes aber sollte nicht aus bleiben, und aus diesen Kreuzern sollten sich Tausende ansammeln, so daß heute der Verein über einen Fond von 16.000 fl. verfügt. Prag. (GemeindebundderisraelitischenCultusgemeinden Böhmens.) Die k. k. böhmische Statthaltern hat die Bildung des Gemeindebundes der israelitischen Cultusgemeinden Böhmens genehmigend zur Kenntniß genommen. Es wird in Folge dessen seitens des bestehenden Executivcomites an alle Cultusgemeinden in den nächsten Tagen die Aufforderung zum Beitritte erfolgen. Auch für Einzelnpersonen ist der Beitritt als außerordentliche Mitglieder (mit einem Jahresbeiträge von mindestens 5 fl.), als Spender (mit beliebigen Beträgen) oder als immerwährende Mitglieder (durch einmalige Einzahlung von 250 fl.) zulässig. Mit Rücksicht auf die bedeutenden Erfolge des deutsch-israelitischen Gemeindebundes in Berlin wird auf zahlreiche Betheiligung an diesem Verbände gerechnet, welcher den Rechtsschutz gegen gesetzwidrige Angriffe auf Juden und Judenthum zu einer seiner Hauptaufgaben zählt. Berlin. Die Wiener L u e g e r i a n e r, die sich hiermit den preußischen Gesinnungsgenossen ein Stelldichein geben, haben an den deutschen Kaiser folgendes Telegramm geschickt: „Dreihundert Mitglieder des Wiener Volkswirtschaftlichen Vereins, anläßlich des Besuches der Berliner Ausstellung mit hiesigen Freunden zu einem Festmahle im „Zelt I" versainmelt, bringen Ew. Majestät, dem treuesten Bundesgenossen Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef, getragen von dem hehren Gedanken, sich mit dem „großen Volke in Waffen" eins zu wissen, unter Versicherung höchster Verehrung ihre Huldigung dar. Im Aufträge Vergant, Landtagsabgeordneter." — Dem österreichischen Kaiser ist folgendes Telegramm zngegangetl: „ Mit 300 Mitgliedern des Wiener volkswirthschaftlichen Vereines, anläßlich des Besuches der Ausstellung zu einem Festmahle im „Zelt I" versammelt, bringen deren Berliner politischen Freunde Ew. Majestät, dem treuesten Bundesgenossen unseres Kaisers, getragen von dem hehren Gedanken, sich mit Oesterreich eins zu wissen, unter Versicherung höchster Verehrung ihre Huldigung dar. Im Austrage Professor Dr. Förster M. d. R." Daß es sich um Antisemiten handelt, verdeckt die Firma „Bolkswirthscbastlicher Verein". Aus Berlin wird gemeldet: G o l d m a r k's „Heimchen am Herd" erzielte einen glänzenden Erfolg, der sich nach dem zweiten und dritten Acte zu stürmischen Huldigungen des zahllos hervorgerusenen Componisten zuspitzte. Die Musik überraschte und entzückte durch die idyllische, humorvolle und charakteristische Eigenart, sowohl in der brillanten effectvollen Behandlung der Solostimmen, wie des Orchesters und der Chöre. Die Befürchtung Goldmark's, daß die Aufführung ungenügend sein werde, erwies sich als grundlos, denn die von Muck genial geleitete Vorstellung, in deren Mittelpunkt die bewundernswerthe Leistungen der Frau Herzog, sowie Eduard Sommer's standen, war, abgesehen von der nicht genügend zarten Begleitung der Heimchenscenen, in jeder Hinsicht vortrefflich. Der Beifall am Schluffe war so anhaltend, daß selbst der Textdichter wiederholt erscheinen mußte. Goldmark wurde neunzehnmal gerufen. Bon Carl Goldmark wird ein nettes Geschichten erzählt. Der Componist der gestern bei Kroll ausgesührten Oper „Heimchen am Herd" hat auch mehrere Orchesterwerke geschrieben. Man behauptet, er lasse das kostbare Manuscript nie von sich und selbst auf Reisen trenne er sich nicht von ihm. Als Goldmark nun mit Hellmesberger zur Mozart-Feier in Salzburg war, schrieb dieser ins Fremdenbuch des Hotels für den Freund ein: „Goldmark mit Suite". Ter Wirth wartet noch heute aus das „Gefolge" des Componisten. Berlin, 24. Juni. In der hiesigen Gewerbe-Ausstellung sind einige speciell jüdische, in dem Atelier von Jenny B l e i ch r o d e angesertigte Synagogen-Stickereien ausgestellt, die hier wohl eine besondere Erwähnung und Anerkennung verdienen. Zunächst sieht man einen kostbaren, künstlerisch ausgeführten Tempelvorhang, der für die neue Synagoge in Myslowitz bestimmt und von Herrn Siegmund Nothmann daselbst bestellt ist. In der Mitte desselben befindet sich außer einer entsprechenden Widmung eine reiche, von einer umrahmten Krone überragte Löwengruppe von echter Goldstickerei; außerdem ist das Ganze von einer sehr effectvoll wirkenden Bordüre eingefaßt. — Ein weiteres Kunstwerk ist das „Gebet für den Landesherrn" in deutscher Sprache. In einiger Entfernung gesehen, glaubt man einem gedruckten Bilde gegenüber zu stehen, bis man durch ein Placat darauf aufmerksam gemacht wird, daß das über 1100 Buchstaben enthaltende, in altgothischer Schrift gestickte Gebet eine sehr feine Handarbeit ist. Erwähnungswerth sind noch außer einigen anderen Stickereien mehrere Thoramäntelchen in den verschiedensten Stilarten, sowie, seiner ganz eigenartigen Schrift wegen, ein jüdischer Haussegen. Sofia, 17. Juni. Gestern, am 16. Juni, brachte der Orientexpreßzug den seit einigen Tagen avisirten, aus der Durchreise nach Constantinopel sich besindeuden Autor der Schrift „Der Juden st aat", Herrn Tr. Theodor Herz l. Dieser wurde von zwei Personen an der Landesgrenze erwartet. In Sofia harrte eine an 600 Köpfe starke Menschenmenge am Perron. Seiner ansichtig, schwenkten die Anwesenden die Hüte und begrüßten ihn mit »Baruch habba«. Herr Dr. Rüben Vierer trat an Dr. H e r z l heran und begrüßte ihn in deutscher Sprache und wünschte ihm den besten Erfolg, woraus Herr Studiosus Kaleb eine französische Ansprache vorlas, in welcher er die Wünsche der Zionisten ausdrückte. Zur gleichen Zeit war der neue französische Consul angelangt und der Minister des Aeußern Herr Natschewitsch zur Begrüßung erschienen. Herr Dr. Herzl fragte dann, _ ob alle Erschienenen Juden seien und ob die alle das zionistische Ziel erstreben. Als ihm dies bejaht wurde, überflog eine Röthe sein bleiches und interessantes Gesicht, in seinen Augen erglänzten Thränen. Er verlangte Einigkeit und Propaganda. Er wolle in London für die Sache mit seinen schwachen Kräften eiutreten. Was das Ziel seiner Reise nach Constantinopel betrifft, ließ er alle Fragenden im Dunkeln. Zugleich mit Herrn Dr. Her;l weilt auch Herr E. Scheid, Bevollmächtigter des Barons Edmond v. R o t h s ch i l d in Paris, in der türkischen Hauptstadt. Eine Unterredung mit diesem besten Palästinakenner und Freund der Colonisation wird sehr gut für Dr. Herzl sein, damit nicht die so schön begonnene und verheißnngsreiche jüdische Colonisation durch zu weit gehende Pläne von „Staat" und „Erlösung" geschädigt, ja überhaupt gefährdet wird. Möge sich Dr. Herzl den Colonisationsfreunden anschließen. Paris. Wir entnehmen dem Berichte, den ein Herr Ludvipol über seine Unterredung mit F e i n b e r g, dem bekannten Vertreter des Baron Hirsch, in der letzten Nummer der „Archives Jsraelites" veröffentlicht hat, die folgenden, interessanten Punkte: Herrn Feinberg ist bekanntlich ganz vor Kurzen! aus Argentinien zurückgekommen, nachdem er drei Monate lang das dortige Colonisationswerk eingehend stndirt hatte. Er spricht mit außerordentlicher Anerkennung, ja fast mit Begeisterung von jüdischen Colonisten die jetzt dort arbeiten, und ist stolz darauf, daß die von ihm auserwählten Familien sich so gut bewähren. Dieselben waren früher kleine Kauflente, Commis, Schankwirthe, kurz Leute, die mit dem Ackerbau nie etwas zu thun hatten. Wenn dies ein Fehler war, so war es wenigstens nicht ein Fehler dieser armen Leute, sondern der Regierung, welche sie in jenen Beruf drängte. Bedürfte es hiefür eines Beweises, so wäre derselbe durch den Feuereifer gegeben, mit dem dieselben Leute, seit sie in Argentinien sind, sich der Bodenbearbeitting gewidmet haben, und Dank dieses Feuereifers sind die meisten von ihnen gute Bauern geworden. Herr Feinberg erzählt: „Ans meiner Reise durch die Colonien begegnete ich häufig jüdischen Familien, die ich in Rußland gekannt hatte, und trotz der kurzen Zeit, die seitdem verflossen ist, erkannte ich sie kaum noch wieder. Das war nicht mehr der magere, schwache Jude mit stets gekrümmtem Rücken, mit einem Gesichte von unendlicher Traurigkeit und beständiger Sorge, das war nicht mehr der arme Teufel, der mit allen möglichen Mitteln sein Brot zu gewinnen sucht, ohne es doch je reichlich erwerben zu können? Das waren vielmehr rich- > ttge Bauern, die auf ihrem Felde arbeiteten und aus ihren

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