Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 27 (3.7.1896)
- Date
- 1896-07-03
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021115-3021143--05767-3030018- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 538 Nr. 27 Vr. Vloch's Wochenschrift Pferden ritten, als seien sie geborene Landarbeiter. Die frische Lust und die Freiheit, die körperliche Arbeit und die bessere Nahrung haben sie auch körperlich vollständig umgewaudelt. Erstaunlich aber ist es, zu sehen, wie rasch sich die Veränderung vollzogen hat. Sicherlich ist die Legende von der Abneigung der Juden gegen körperliche Arbeiten im Allgemeinen und gegen Landarbeit im Besonderen schon sehr ins Schwanken gekommen, denn wir besitzen in Rußland nicht weniger als 50.000 jüdische Bauern, die sich sehr gut bewährt haben, wobei ich noch nicht einmal von den günstigen Resultaten in Palästina reden will, wie solche in der Specialausstellung der jüdischen Dörfer Palästinas in Berlin zu Tage treten. Dennoch aber ist es gut, immer wieder daraus hinznweisen, wie nur Böswillige uns Juden die Fähigkeit zum Ackerbau absprechen können. Leider gibt es auch unter unseren Glaubensgenossen immer noch Vorurtheilsvolle genug, welche sich durch antisemitische Hetze haben verblenden lassen. Ihnen sollte man rathen, sich auch die neuen Colonien anzusehen, welche kräftige Bauern dieselben russischen Juden abgeben, die noch vor Kurzem in ihrem Geburtsland Hausirer waren. Es befinden sich jetzt in den Colonien circa 1100 Familien, von denen höchstens 10 bis' 15 Percent unseren hochgespannten Ansprüchen zur Zeit nicht genügen. Ich muß aber hervorheben, daß dieselben Leute, die wir wegen ungenügender Leistung ausgeschlossen haben, in vielen Fällen aus den spann scheu Gütern der Umgebung Arbeit gefunden haben und ihre Brotherren mit ihren Leistungen zufrieden sind. Die Colonisteu zerfallen in zwei Kategorien, ungefähr 300 Familien leben in zwei großen Colonien unter Leitung von zwei russischen Juden Lapine und Hahn, welche Beide in hoher Achtung bei ihren Untergebenen stehen. Außerdem sind circa 800 Familien, die in den letzten zwei Jahren erst angesiedelt worden sind und deren Einrichtung noch nicht vollkommen beendigt ist, während bei der ersten Kategorie thatsächlich nichts mehr zu wünschen übrig bleibt. Auf eine Frage, ob Herr Feinberg bald wieder neue Colonisten in Rußland zu nehmen und hinüber zu senden gedenke, antwortete dieser: „Keinesfalls in der nächsten Zeit, wir müssen erst die tausend bis elfhundert Familien, die wir dort haben, vollkommen installiren, bevor wir daran gehen können neue Recruten sozusagen auszuheben. Erst müssen auch die Familien der zweiten Kategorien dieselbe Vollkommenheit in der landwirthschaftlichen Arbeit erreichen, wie sie heute die erste Kategorie bereits besitzt. Dies erfordert mindestens zwei Jahre und erst dann können wir an eine weitere Ansiedelung denken. Mit diesem tröstlichen Ausblick in die Zukunft, schloß die interessante Unterredung mit Herrn Feinberg. London, SO. Juni. Die Marquise de Bule, eine Nichtjüdin, hat Herrn Oberrabbiner Dr. Adler 4000 M. zur Verfügung gestellt, um damit zwei jüdische Studenten bei der Fortsetzung ihrer akademischen Laufbahn zu unterstützen. — Die am 14. d. M. in allen hiesigen Synagogen veranstalteten Sammlungen zu Gunsten der Hospitäler ergaben einen Gesammtbetrag von mehr als 20.000 M. — Herr Jacob S- Lev y, welcher seit So Jahren als Dragoman in dem Britischen Consnlat zu Mogador amtirte und sich um unsere dortigen armen Glaubensgenossen durch energisches Eintreten für ihre Rechte sehr verdient gemacht hat, ist vorige Woche verschieden. — Die Anglo Jewisli Association hat in ihrer letzten Monatssitzung 2000 M. für die Schule in Bombay bewilligt und zur Verwaltung ihrer Antheilscheine der Jewish Colonisation Association ein aus den Herren Claude M v n t e f i o r e, B. K i s ch, F. D. M o c a t t a, D. F. Schloß und H. G. L o u s a d a bestehendes Comitä eingesetzt. Taschkend, im Juni. Noch vor fünfunddreißig Jahren war unsere Stadt ein unansehnlicher Ort, in dem sich nur wenige Juden befanden. Da Taschkend damals zum Chanate Bokhara gehörte, so residirte hier eiu Beg (Statthalter), der über das Leben und Vermögen der Juden nach Belieben verfügen konnte, und so brandschatzte er dieselben in der herzlosesten Weise. Auch die durchreisenden Juden entgingen nicht seiner Habgier, und da dieselben zumeist Hausirer mnren, so ließ er ihnen gewöhnlich einen Theil ihrer Waaren angeblich als Durchfuhrzoll rauben. Selbstverständlich mußten auch hier die Juden einen Strick um den Leib tragen, durften keilt Reitthier benützen lind andere Vexarionen mehr. Nach dem Einzuge der Russen hier nahm die Anzahl der Juden in unserer Stadt täglich zu und heute existirt schon eilte ansehnliche ltnd wohlhabende Gemeinde, deren Mitglieder einen ausgebreiteten Handel selbst bis nach China und Afghanistan betreiben. Auch eine schöne Synagoge besitzt dieselbe, in der, wie in allen Gemeinden Mittelasiens, nach sephardischem Riüts gebetet wird. Die einheimischen Juden sprechen hier zumeist Persisch oder Sartisch (Osttürkisch). Vermischtes. Wien. (Verlob u n g.) Frl. Esther Boudi, Tochter des Herrn Marcus Bondi in Wien, hat sich mit Herrn Dr. Isidor Jeiteles, Advocaten in Prag, verlobt. Wien-Mariahilf. Samstag am 4. Juli, 3 Uhr Nachmittags, findet im Schullocale die Prüfung der Schüler des Talmud-Thora- und Bethausvereines, VI., Stumpergasse 42, statt. Wien. (Ferienheim.) Zur Organisirung der im Schlosse der Frau Baronin Hirsch in Rossitz bei Brünn zu installirenden Feriencolonie sind am 30. Juni die Schriftführerin des Vereines Frau Antonie Graf und die Schwester der Präsidentin Fräulein Caroline Schneider nach Rossitz abgereist. Die Abfahrt der ersten Abtheilung, bestehend aus 50 Knaben und 2 Lehrern, erfolgt Montag den 0. Juli per Nordbahn. An demselben Tage reist auch die erste Abtheilung der Petrauer Colonie, bestehend aus 50 Mädchen in Begleitung der Lehrerin, gleichfalls mittelst Nordbahn, nach ihrem Bestimmungsort ab. Ueberdies errichtet der Verein heuer versuchsweise eine kleine Colonie in Lomnitz bei Tischnowitz irr Mähren, welche unter dem Schutze und der Oberaufsicht des Rabbiners, Herrn D ll Simon Wolfs so hn und des dortigen Frauenvereines stehen wird. Wien. 23 Juni 1896. Herr Redacteur! In der letzten Rnmmer Ihres geschätzten Blattes brachten Sie einen Bericht aus dem Gerichtssaale: „lieber die Steinwürfe gegen die Fenster unseres Tempels" und wiederhollen darin einen Jrrthum, der auch im „Wiener Tagblatt" begangen wurde, indem,Sie meinem Namen Stransky den Titel Hausbesorger statt Amtsleiter, der ich bin, vorsetzten. Da aber Ihr geschätztes Blatt in Kreisen gelesen wird, wo ich bekannt bin, ist es mir peinlich, durch Verwechslung meines Berufes lächerlich zu erscheinen. Ich ersuche daher, in loyaler Weise in der nächsten Nummer diesen begangenen Jrrthum richtig zu stellen und bin überzeugt, daß Sie dies veranlassen werden, auch ohne Hinweis des § 19 des Preßgesetzes. Ich benütze die Gelegenheit, um mich zu zeichnen Euer Wohlgeboren mit aller Hochachtung ergebener I. Stransky, Amtsleiter der israel. Cultusgemeinde Wien für die Bezirke XII—XV., Tnrnergasse 22. Wien. Der Vorstand des israelitischen Bethauses Wien, II., Große Schiffgasse Nr. 8 und des Vereines „Thora Eh Chaim" versendet an feilte Mitglieder die Mittheilung, daß es ihm nach vieler Mühe gelungen ist, Se. Ehrwürden Herrn Dr. Salomon Breuer, Rabbiner in Frankfurt a. M., zur Annahme des Rabbinates an seinem Bethause und Beth-Hamidrasch als Nachfolger des seligen Rabbiners Spitzer zu bewegen. Herr Rabbiner Dr. Breuer wird sein neues Amt Samstag den 22. August a c. antreten. Rabbiner Dr. Breuer, dem ein großer Ruf als hervorragender Kanzelredner und bedeutender Talmudist vorangeht, war 14 Jahre Rabbiner in Papa in Ungarn und 6V- Jahre Rabbiner der israelitischest Religionsgenossenschaft in Frankfurt a. Main. Wien. (XI. Ausweisüber eing egan gen «Spenden zum Baue eines Tempels in der Brigittenan.) Herr Dr. Ernst W e i l 30 fl., Herr Leopold Beckmann 20 fl., Herr Heinrich Maier 10 fl., Herr Jacob H e r z f e ld 10 fl., Herren Rudolf Winter nitz & Co. 10 fl., Herr Joses P o k o r n y 10 fl., Herr Carl T a g l e i ch t 10 fl., Herr Alois P o l l a k 10 fl., Herr Benjamin Popper 6 fl., Herr Fritz Schneid (1 Rote) 5 fl., Herr N. S ä d 1 l e r 5 st., Herr Johann H o r a e e k 5 fl., Herr Siegfried Fischer (1 Rate) 5 fl., Herr N. S t r e i b l 5 fl., Herr N. S i m o us ch i tz 5 fl., Herr Sigmund M a a s 5 fl., Herr Bernhard K ö r»n e r 5 fl., Herr Isidor Popiel 5 fl., Herr Isidor Pollitzer 5'fl., Herr Adolf Sohr 5 fl., Herr Georg Mosberg 5 fl., Herr Franz Deutsch 5 fl., Herr Josef Pannzen 5 fl., Herr Ludwig Kummermann 5 fl., Herr Albert Elias 5 fl., Herr Josef R o b i t s ch e k 5 fl., Herr Adolf Stag! 5 fl., Herr Stefan Popo-