Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 27 (3.7.1896)
- Date
- 1896-07-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seile 536 Dr. Vlvch's Wochrnfltzrlst. Nr. 27 neueste rituelle Entdeckung Vergani's, auf die er sich ein Patent . nchmen kann. Wenn aber Herr Vergani in Zukunft humane Anwandlungen haben sollte, so könnte er sie vielleicht für bessere Zwecke sparen. So z. B. zur Besprechung der brutalen Ausschreitungen seiner antisemitischen Gesinnungsgenossen, die so oft die Gerichte beschäftigen.. . Coufiseation einer arischen Denkschrift. Das Amtsblatt der „Wiener Zeitung" veröffentlicht heute folgendes preßgerichtliche Erkenntniß: „Das k. k. Landesgericht Wien als Preßgericht hat auf Antrag der k. k. Staatsanwaltschaft erkannt, daß der Jichalt des Druckwerkes „Oesterreicherthum", eine arische Denkschrift von Dr. Anton W e s s e l s k y, Wien 1896, Commissionsverlag Cornelius Vetter, III., Hauptstraße 22, sowie im Selbstverläge des Verfassers, XVIII., Währing-Weinhauserstraße 23, Druck von Kreisel und Gröger in Wien, das Vergehen nach § 302 St.-G. (Aufreizung) begründe, und es wird nach § 493 St.-P.-O. das Verbot der Weiterverbreitung dieser Druckschrift ausgesprochen, die von der k. k. Staatsanwaltschaft verfügte Beschlagnahme nach § 489 St.-P.-O. bestätigt und nach § 37 P.-G. aus die Vernichtung der saisirten Exemplare erkannt." Ern antisemitischer „Spatz". Der Zimmerkellner Franz Wö gerer machte sich kürzlich den „Spaß", einem armen jüdischen Hausirer, der ermüdet spät Nachts in ein Kaffeehaus kam, einen Schirm im Werthe von vier Gulden wegzunehmen und mit der Beute davonzulausen. Vierzehn Tage wartete Salomon Lau, dies der Name des Hausirers, auf die Rückgabe des Schirmes; als sich Wögerer nicht blicken ließ, erstattete Lau gegen ihn die Diebstahlsanzeige. Gestern stand nun Franz Wögerer vor dem Straftichter des Bezirksgerichtes Leopoldstadt, Adjuncten Dr P o l l a k, unter Anklage des Diebstahls. (5h; war geständig, dem Hausirer aus „Spaß" den Schirm weggenommen zu haben, behauptete jedoch, der Hausirer sei ihm nachgeeilt und habe chm den Schirm entrissen. Der Privatbetheiligte Lau, der unter Eid vernommen wurde, gab an, W ö g e r e r habe chm den Schirm weggenommen mit den Worten: „Einem Juden kann man Alles >thun! — Richter (zum Zeugen): Gab chnen der Angeklagte den Schirm zurück? — Zeuge: Bis heute nicht; ich verzichte jedoch aus den Ersatz jeden Schadens. — Der Richter verurtheilte den Angeklagten auf Grund der beschworenen Aussage des Zeugen zu einer dreitägigen, mit einemFasttage verschärften strengen A r r e st st r a f e. Baden, 1. Juni. Die antisemitische Hetze, die in Baden so üppig in die Halme geschossen ist, findet ihre besondere Pflegestätte in dem durch die verschiedenen Affairen seines Redacteurs zu so trauriger Berühmtheit gelangten „Boten aus dem Wienerwalde". Für die geradezu verblüffende Rücksichtslosigkeit, mit der in diesem Wische gegen die Ehre angesehener Männer, die nur das Verbrechen üben, Juden zu sein, vorgegangen wird, bietet ein Feuilleton dieses Blattes, den traurigsten Beleg. Das Feuilleton nennt sich „Ein Tag aus dem Leben eines jüdischen Arztes" und bildet von der ersten bis zur letzten Zeile ein Pamphlet blutigster, beschimpsendster Art gegen die jüdischen Aerzte, im Allgemeinen richtet es aber seine vergifteten Pfeile direct und unverkennbar auf Dr. R a p p a, der in ebenso seiner als durchsichtiger Weise, unter dem Namen R a p p e l l e s zur Zielscheibe der beleidigendsten Beschuldigungen gemacht wird. Das edle Blatt findet in Baden gleichgesinnte Seelen und so wird uns ein geradezu unglaubliches Bubenstück zu Jllustrirung dieser Thatsache mitgetheilt. Eine Apotheke in Baden (der Name ist der Redaction bekannt) hat nach dem Erscheinen des erwähnten Feuilletons den Namen des Dr. Rappa auf der Vignette eines Medicinfläschchens einfach folgendermaßen geschrieben : Rappelles! Derlei gemeine Bübereien sind echt arischantisemitisch, Zeugnisse ordinärer Seelen! Krakau. 30. Juni 1896. (Eine Niederlage der Antisemiten.) Die soeben in Krakau beendeten Gemeinderathswahlen haben Zeugniß hiefür abgelegt, daß die Antisemiten nur den Zweck verfolgen, Zwietracht in der Bevölkerung zu stiften, damit dieselben desto leichter im Trüben fischen können. Noch niemals haben es die Antisemiten gewagt, in unserer Stadt offen aufzutreten, wußten sie ja, daß auf hiesigem Boden solche Blüthen nicht gedeihen und daß die hiesige Bevölkerung für Antisemitismus nicht zu haben ist. Seit jeher lebt die hiesige Bürgerschaft in Frieden und Keinem ist es hier gelungen, unter der schmutzigen Flagge des Antisemitismus zu segeln. Dank der tactvollen und verständnißvollen Leitung der hiesigen Cultusrepräsentanz bringt die christliche Bevölkerung die gebührende Achtung den Juden entgegen und niemals ist es gelungen, Zwietracht unter der hiesigen Bevölkerung zu säen. Die diesjährigen Gemeinderathswahlen schienen aber einigen Individuen als außerordentlich passende Gelegenheit, um Haß gegen die Juden hervorzurufen und dieselben aus dem Gemeinderathe zu verdrängen. Doch alle Schleichwege, die sie zu diesem Zwecke benützten, erwiesen sich vergebens, denn nicht nur, daß die Zahl der bisher von den Juden innegehabten Mandate von 13 aus 15 gestiegen ist, ist es den Juden gelungeneinige enragirte Antisemiten aus dem Gemeinderathe zu verdrängen und dieselben durch ftiedliebende Bürger zu ersetzen. Dieser eclatante Sieg ist hauptsächlich dem Präsidium unserer Cultusgemeinde, und zwar dem Präsidenten und Gemeinderath Dr. Leon Horowitz und dem Vicepräsidenten Gemeinderath und Handelskammerrath Hirsch Landau, die unermüdlich und aufopferungsvoll und mit großem Tacte die Interessen der hiesigen Juden vertraten, zu verdanken. Unter den hiesigen Juden herrscht über den Sieg großer Enthusiasmus und dieselben sind dem obgenannten Präsidium zu Dank verpflichtet. Aus ZlablngA wird uns geschrieben: Am 25. Juni fand hier die Einweihung des neu erbauten Vereinshauses, in welchem eine Religionsschule und eine Synagoge sammt. einem Krankenzimmer in zweckentsprechender Weise untergebracht sind, statt. Um das Zustandekommen dieses so gelungenen edlen Werkes hat sich außer den hiesigen Glaubensgenossen und den vielen auswärtigen Spendern in besonders hervorragender und munificenter Weise der allbekannte und verehrte Herr Lazar Stuckhart verdient gemacht. Letzterer war auch daher am Festtage, zu welchem die Herren Rabbiner Dr. Frankl ans Piesling und Dr. Morgenstern aus Jamnitz, die die Weihe- und Festrede hielten, ferner der Herr Bürgermeister der Stadt Zlabings, der gesammte löbliche Gemeinderath und Ausschuß, die Spitzen sämmtlicher hiesigen P. T. Aemter, Corporationen und Vereine, sowie eine Unzahl auswärtiger Festgäste erschienen, der Gegenstand der aufrichtigsten Glückwünsche und Ovationen. Den Schluß dieses für die Gemeinde so denkwürdigen Tages bildete ein Promenadeconcert, welchem ein recht animirtes Tanzkrünzchen folgte, das bis zum frühen Morgen dauerte. Hervorgehoben sei noch der wunderbare Gottesdienst, um den sich unser Cantor Herr Nußbaum und der Religionslehrer unserer Nachbargemeinde Altstadt Herr Weißmandl mit 20 Chorkindern verdient gemacht haben. Bemerkt sei schließlich noch, daß die Harmoniumbegleitung Herr Wiesner, ein nicht unserem Glauben angehörender Lehrer, in besonders liebenswürdiger Weise besorgte, was bei dem heutigen Stande ein gewiß schönes, aber leider vereinzelt dastehendes Bild Hervorrust. M Budapest, "20. Juni. Neben der^ in der Millenmümsausstellung befindlichen Sammlung von kirchlichen Antiquitäten und Reliquien aus Ungarn und seinen Nebenländern nehmen die von jüdischen Gemeinden und Privaten ausgestellten kostbaren Gold- und Srlbergeräthe für den synagogalen und häuslichen Gebrauch nur einen sehr bescheidenen Platz ein. Nächst der Altofner, Pester, Groß-Kanizsaer israelitischen Neligionsgemeinde haben viele Privatleute gern ihre Kunstschätze für diese Abtheilung hergegeben. So finden wir beispielsweise aus dem Besitze des Grafen Göza Andrässy drei verschiedene Schmucksachen zum Schmücken der Thora. Hieran reihen sich Antiquitäten, die die Beachtung des Publikums in ausgedehntem Maße verdienen. Mit Bedauern müssen wir es aber constatiren, daß sich zahlreiche Gemeinden, die über wahre Schätze von Kunstgegenständen verfügen, an der Ausstellung von synagogalen Geräthschaften nicht beiheiligen wollten. Aus der Fülle des Gebotenen wollen wir hervorheben: einen aus dem sechzehnten Jahrhunderte stammenden, theilweise vergoldeten Becher mit Arabeskverzierungen und einer schönen hebräischen Inschrift, ein in Raschischrift geschriebenes Sidurmanuscripr mit kabbalistischen Glossen, die im sechzehnten Jahrhundert dem Texte beigefügt wurden, ein Pergament-Manuskript (Megilla) mit farbigen Randzeichnungen; eine Sammlung von Gesang- und Gebetbüchern der Sabbatherianer, zahlreiche Becken, Kannen, Gewürzbüchsen, Leuchter, Vorhänge, Prunkgegenstände für die Thora und Bundeslade u. A. m. Die eingehende Beschreibung dieser Sammlung erschwert der vollständige Mangel eines Kataloges, der erst setzt unter der Presse ist. Prag, im Juni. Am 4. Juni d. I. beging der im Jahre 1846 von den bereits verstorbenen Herren Koppelmann Dworeles und Josef Kollin begründete israelitische Kreuzerverein für Krankenpflege das 50jährige Jubiläum seines Bestandes. Einfach, würdig und entsprechend seiner Tendenz ging die Feier im Saale der deutschen Handelsakademie vor sich, in Gegenwart einer zwar kleinen, aber auserwählten Gemeinde, in der wir den Präses der Prager Cultusgemeinde, Herrn Dr.'Rosenbacher,, dessen Stellvertreter Herrn Dr. Ludwig Bendiener, den Obmann