Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 27 (3.7.1896)
- Date
- 1896-07-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 27 Vr. Vwrtz's MochrnptzrM Seite 535 den letzten Jahren entstandenen jüdischen Verbindungen, welche im Geiste der ursprünglichen Gründer fortleben und gedeihen, außerdem aber auch den Charakter einer Defensivtruppe verkörpern, um der widerlichen Zeitkrankheit wirksam entgegenzutreten; darum erstarken diese Verbindungen und werden von den anderen programmlosen angefein et Daß sich ein jüdischer Student nicht Alles gefallen läßt, sich für gleichwerthig mit dem arischen hält, das ist es, was sie nicht vertragen und daher mußte etwas „Mannhaftes", sagen wir Bubenhaftes geschehen. So kam der famose Beschluß zu Stande, die erste große „That" nach vielen Jahren. Man muß sich fragen, war die Metternich'sche Maßregel gar so verfehlt, wenn derartige Dinge möglich sind? Muß man da nicht unwillkürlich sagen, besser gar keine Verbindungen, als solche? Der wirklich ernste Student, dem sein Studium über Alles geht, wird der Burschenschaft pro forma angehören, es fehlt ihm einfach die Zeit zum Kneipen. Das Material ist groß und die Lehrzeit kurz. Wer auf dem Fechtboden und im Billardsaal Bescheid weiß, wird sicherlich in gesellschaftlicher Beziehung schätzenswerth sein, hat aber diese Kenntnisse gewiß mit Zeit und Geld schwer erkauft. Ein wirklich strebsamer akademischer Bürger wird diese Dinge nur so nebenbei oder gar nicht betreiben; sie aber zur Hauptsache zu machen, ist vollständig verfehlt, rächt sich dann später bitter und führt zum Untergange. Andere Zeiten, andere Menschen; es hat eine Zeit gegeben, wo die Burschenschaften eine Nothwendigkeit waren, ihr Zweck war, Verbreitung von freiheitlichen Ideen und Aufklärung der Massen; heutzutage hätten sie, wenn das Vereinswesen nicht ausgebildet wäre, dieselbe Aufgabe, das geschieht aber nur bei einigen Verbindungen, ein Theil läßt sich von einigen Strebern mißbrauchen, deren Lied sie dann gedankenlos nachsingen. Was ist denn so ein akademischer Bürger? ein embryo, etwas Unfertiges, der sich erst Kenntnisse erwerben muß, um -dann im praktischen Leben sein Fortkommen zu finden. Wenn also diese „Bürger", Gott sei Dank ist es ein kleiner Theil, den Mund so voll nehmen, dann mögen sie nie vergessen, daß sie eigentlich noch nichts geleistet haben und recht beklagenswerthe Individuen wären, wenn nicht die nöthige Unterstützung vom Hause käme. Was man aber in erster Linie von diesen Herren verlangen kann, ist Intelligenz, sollen sie doch die zukünftigen Führer und Mitarbeiter im öffentlichen Leben sein. Beschlüsse, wie' sie jüngst gefaßt, sind weder intelligent, noch einer Körperschaft würdig, welche Anspruch auf Sympathie machen will. Dieses Mitthun im öffentlichen Leben kommt ihnen heute nicht mehr in dem Maße zu wie früher, weil unser Vereinsleben rege genug ist, um zu allen das Gemeinwohl betreffenden Fragen Stellung zu nehmen. Der Student soll arbeiten und diese Dinge getrost reiferen Elementen überlassen. Jnsolange die Vereinigung zum Zwecke der Förderung der Geselligkeit gebildet ist, läßt sich nichts dagegen einwenden, aber große, tief einschneidende Fragen können da unmöglich gedeihlich und wirksam verhandelt werden. Der kleinste Arbeiterverein leistet mit . irgend einer Resolution über eine brennende Tagesfrage mehr, als die angesehenste Studentenverbindung, weil der Arbeiter zu einer seblstständigen, unabhängigen Meinungsäußerung berechtigt ist, er ist ein fertiger Mann. Der Student, der sich erst einen Beruf wählen muß, ist in socialer Beziehung unfertig und seine Aeußerungen können höchstens einen platonischen Werth haben. Burschenschaften zum Zwecke der Förderung der Collegialität und des geselligen Verkehrs, und solche, welche ein Programm haben, werden stets bestehen, sie haben eine natürliche Grundlage, alle anderen haben sich überlebt. 8. W. Correspondenzen. Wien. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in Wien hat an den k. u. k. Hofschauspieler Adolf Ritter von Sonnenthal aus Anlaß seiner 40jährigen künstlerischen Thätigkeit folgendes Schreiben gerichtet: Hochgeehrter Herr! Euer Hochwohlgeboren haben vor Kurzem das 40. Jahr Ihrer an Erfolgen so überaus reichen künstlerischen Laufbahn vollendet. Sie haben in dieser Zeit die begeisterte Anerkennung von Hoch und Niedrig wie selten Jemand gefunden und die Gunst der Großen errungen. Der Vorstand der Wiener israelitischen Cultusgemeinde hat in der Sitzung vom 25. Juni 1806 einhellig den Beschluß gefaßt, Sie aus dem oberwähnten Anlässe zu begrüßen und zu beglückwünschen. So abseits nun auch die Würdigung Ihrer hervorragenden künstlerischen Thätigkeit von dem Wirkungskreise unserer engeren Gemeinde, der Cultusgemeinde, liegt, so mußten sich doch die Vertreter derselben mit Freude sagen, daß für dieselbe reicher Anlaß vorhanden sei, einen Sonnenthal auch vom Standpunkte der Cultusgemeinde zu feiern. Ein illustrer Künstler, der im Sonnenschein der allgemeinen Gunst ein Ruhmesblatt zum andern fügt, hat in einer für uns so kränkungsvollen Zeit stets stolz und frei zu seiner Glaubensgemeinde sich bekannt, und mehr als das, er nimmt warmen Antheil an ihren culturellen und idealen Bestrebungen. Auf solche Weise tragen Sie, hochverehrter Herr, mit Ihrer Ehre und Ihrem Ruhme mächtig bei zur Ehre und zum Ruhme der Judenschaft und speciell der Wiener Judenschast, die wir vertreten; darum ist es uns selbst eine hohe Genugthuung, Ihnen mit der Beglückwünschung zu Ihrem 40jährigen Jubiläum die Freude und den Stolz über Ihre Zugehörigkeit zu uns .zum Ausdrucke zu bringen. In ausgezeichneter Hochachtung^ Der Vorstand. "Dr. Neumayer als Festredner. Der Bicebürgermeister von Wien Dr. N e u m a y e r benützt mit germanischem Eifer und arischem Ernste jede Gelegenheit) um sich zu — blamiren. Kein Wunder also, daß er bei der feierlichen Begrüßung der Bürgerschullehrer gelegentlich des Bürgerschultages dies in erhöhtem Maße zu thun versuchte. Und der Versuch gelang. Andere müßten stundenlang reden, um ein Sammelsurium von den heterogensten — Unsinnigkeiten zusammenzubringen, Herr Neumayer condensirt das in einer kleinen Rede. Man höre, Er begann: „Wegen Unpäßlichkeit des Bürgermeisters und wegen der Abwesenheit des ersten Bicebürgermeisters von Wien sei ihm die Aufgabe zugefallen, den Bürgerschullehrertag im Namen der Gemeinde Wlen willkommen zu heißen. Wien begrüße den Bürgerschullehrertag mit aufrichtiger Freude und hege die Erwartung, daß seine Berathungen von bestem Erfolge begleitet sein werden und daß die Erfolge der sogenannten Neuschule in denselben nutzbar gemacht werden. Die Bürgerschaft Wiens hege durchaus nicht die Befürchtung, daß die wahre Volksbildung zurückgedämmt wird. (Bravo!) Wien hegt die Ueberzeugung, daß der Schulunterricht frei sein muß von einem Geiste, der seit dreißig Jahren unter der Flagge „nationaler (!) Vaterlandslosigkeit" sich eingenistet hat. Das unverfälschte deutsche Wien Pflegt die Liebe zu Oesterreich, wie es in der letzten Zeit gezeigt hat; es hat auch gezeigt, daß in den Unterricht unverfälscht deutscher Geist hineingetragen wird (Beifall); es ist aber selbstverständlich, daß der Unterricht vom G e i st e religiösen Lebens getragen sein muß, danlit der Jugend eine gesicherte Zukunft in unserem deutschen Wien gewährleistet werde". Was in dieser Rede nicht unklar ist, das ist dafür widersinnig, was nicht widersinnig ist, ist confus, und was nicht confus ist, ist falsch. So spricht der Bicebürgermeister der Haupt- und Residenzstadt Wiens? Des unverfälschten deutschen Wiens! In dem Wien nämlich, wo es keinen Menschen gibt, der nicht ein Urarier und Germane ist. Jüdische Fischkäufer. Das „Deutsche Volksblatt" verräth in seiner jüngsten Nummer einen Edelmuth einerseits und einen Umfang von Ignoranz andererseits, der selbst die genauen Kenner dieses Blattes überraschen wird. Bergani, der in seinem Blatte Andere für seinen todtkranken Diener anschnorrt, schlägt unter dem Schlagworte „Jüdische Fischkäufer" elegische Töne des Mitleids über die Fische an, die von Juden bei „jüdischen Fisch- Verkäufern" gekauft und — lebend weggetragen werden — um „geschächtet" zu werden. Fische, die man „'schächtet," das ist die