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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-03 · 27 (3.7.1896) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
27 (3.7.1896)
Date
1896-07-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 27 Seite 533 Dr. Vlortz's MoihrnMrrtN seine Mitmenschen fruchtbar zu machen. Mer daß es für Friedmann eine Beleidigung schlimmster Art gewesen, ihn ntit Hammerstein, diesem adeligen Obergauner, auf eine Stufe zu stellen, das werden nun heute auch wohl die reactionärsten Blätter einsehen — wenn sie es auch öffentlich nicht zugeben werden. Gemeinsam hatten die beiden vielgenannten Persönlichkeiten, abgesehen von der Virtuosität, mit der sie Schulden machten, ihre Zugehörigkeit zu der christlichen Kirche, der sie durch die heilige Taufe zugeführt waren. Aber während Friedmann niemals mit seinem Christenthum prunkte, trug es der Freiherr von Hammerstein stets auf der Zunge, spielte sich der Freiherr daheim und draußen als eine Stütze seiner Religion auf. Es wird uns von einem Mitbewohner seines Hauses berichtet, daß Freiherr von Hammerstein jeden Morgen mit seiner ganzen Familie bis zum letzten unbezahlten Dienstboten Hausandachten abhielt — (nur Flora Gaß war selbstredend davon ausgeschlossen). Dann ging der Freiherr hin und veröffentlichte flammende Artikel zur Ehre der Orthodoxie; errichtete brennende Scheiterhaufen für die ungläubigen Professoren, Juden und andere Nicht-Stöckerianer hienieden; schrieb salbungtriefende Büßpredigten für die „Kreuzzeitung", daß eine gewaltige Hausse in Säcken und Asche zu befürchten war — und zwischendurch wechselfälschte und unterschlug er. So lebt er im Gedächtnisse seiner Zeitgenossen als einer der widerwärtigsten Heuchler, die je für die Partei der preußischen Frömmler gekämpft und gel—ogen haben. Friedmann dagegen hat nie Hausandachten abgehalten, Friedmann hat nie einen Ungläubigen verbrannt, Friedmann hat nie Bußartikel geschrieben, Friedmann hat nie gemeine Verbrechen begangen, wie die siebenzinkige „Stütze der Ordnung". Wir hoffen mmmehr, daß den Freunden des ehemaligen Führers der Conservativen noch so viel Anstandsgefühl geblieben sein wird, den Namen Friedmann's nicht wieder in einem Athem mit demjenigen des Zuchthäuslers Freiherrn von Hammerstein zu nennen. Der Proeetz Hammerftein vor dem Reichsgericht. Leipzig, 26. Juni. Der Strafsenat des Reichsgerichtes beschäftigte sich mit der Revision des gegen den früheren Reichstags- und Landtags-Abgeordneten und Ches- Redacteur der „Kreuzzeitung" erfloffenen Urtheils. Bekanntlich wurde Freiherr von Hammerstein am 22. April dieses Jahres von der Strafkammer des Landgerichtes I zu Berlin wegen Betruges und Urkundenfälschung zu drei Jahren Zuchthaus, 1500 Mark Geldstrafe oder noch 100 Tagen Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurtheilt. Die Beschwerde vertrat Dr. Schwind t aus Berlin. Die Revisions-Begründung stützt sich auf folgende Thatsachen: In der Hauptverhandlung hatte die Vertheidigung beantragt, den deutschen Generalconsul in Athen, Dr. L ü d e r s, dessen Secretär Gutsche und den Criminal-Commissär Wolfs aus Berlin als Zeugen über die Art zu vernehmen, wie die Festnahme des Angeklagten erfolgte. Die Vertheidigung behauptet nun, daß bei Stattgebung ihrer Anträge sich ergeben hätte, daß die Art der Auslieferung des Angeklagten durch die griechischen Behörden sich als eine Verletzung des Völkerrechtes darstelle, da diese ihn unter Anwendung von Gewalt zwangen, einen Dampfer zu benützen, der ihn nach einem Lande führte, welches die Auslieferung durch einen Vertrag mit Deutschland vorgesehen hat. Auch Deutschland sei an dieser Verletzung des Völkerrechtes durch Polizei-Commissär Wolfs betheiligt. Das Reichgericht hat auf Abweisung der Revisionsbeschwerde erkannt Der antisemitische Agitator Freiherr von Schorlemer Alft wegen Wechselfälschung vor Gericht. Bor der Strafkammer des Landgerichtes Dresden gelangte der Proceß gegen den Freiherrn Hubert von Schorlemer-Alst aus Großenhain, welcher der schweren Wechselfälschung in zwei Fällen angeklagt ist, zur Verhandlung. Der Angeklagte, welcher sich seit längerer Zeit in Untersuchungshaft befindet, ist der Sohn des bekannten, unlängst verstorbenen Führers der rheinischen Bauernbundbewegung und früheren Centrums-Abgeordneten von Schorlemer-Alst. Er ist in weiteren Kreisen durch sein Auftreten als conservativer Agitator und Vorsitzender des conservativen Vereines in Großenhain bekannt geworden. Die Anklage stützt sich auf drei Wechsel, welche der Angeklagte ausgestellt und mit der Unterschrift des Premierlieutenants v. Herder versehen hat. Zwei dieser Wechsel über je 5000 Mark hat der Angeklagte in Umlauf gebracht, den dritten über 1300 Mark hat er nach der Fälschung zerrissen, v. Schorlemer ist im Jahre 1862 in Alst (Westphalen) geboren und trat mit 18 Jahren als Avantageur in das sächsische Artillerie-Regiment Nr. 28 in Pirna ein. Hier wurde er dann zum Lieutenant befördert und soll sich dienstlich gut geführt haben. Da er aber verschiedene Schulden gemacht hatte, veranlaßte ihn sein Vater, nach Amerika zu gehen. Im Jahre 1892 tauchte dann der Angeklagte plötzlich wieder in Deutschland auf und trat alsbald bei dem 1. Königs-Husaren- Regiment Nr. 18 in Großenhain ein. Nach einigen Jahren verheiratete er sich dann mit der Reichsfreiin von Dornberg zu Herzberg und trat als Premierlieutenant zur Reserve über. Sein Wohnsitz blieb nach wie vor Großenhain, wo er sich conservativen Kreisen näherte und im Jahre 1895 zum Vorsitzenden des dortigen conservativen Vereines gewählt wurde. Als solcher agitirte er viel im Königreich Sachsen für die conservative Sache und vzurde infolge seines Talentes als Versammlungsredner und Schriftsteller sehr geschätzt. Zu jener Zeit stellten sich bei ihm wiederholt finanzielle Schwierigkeiten ein, die zwar stets durch seine Frau behoben wurden, jedoch den conservativen Verein bewogen, ihn zur Niederlegung seines Amtes zu veranlassen. Diese Thatsache soll mm den Angeklagten bei einem Theil seiner Gläubiger insofern geschadet haben,als sie ihm plötzlich den Credit aufkündigten und ihn so in eine unhaltbare Lage brachten, aus der er sich durch die Fälschung von zwei Wechseln ä 5000 Mark zu retten versuchte. Er unterschrieb dieselben mit dem Namen seines früheren Regimentskameraden, Premierlieutenants von Herder, und gab sie bei dem Weinhändler Kaufmann H e nz e l in Zahlung. Später versuchte er dann bei H e n z e l noch einen aus den Namen v. Herde r's gefälschten Wechsel anzubringen, doch acceptirte H e n z e l den Wechsel nicht, weshalb v. Schorlemer den Schein zerriß. Als die beiden ersten Wechsel von dem Acceptanten Henzel bei v. Herder präsentirt wurden, kam die Sache an's Tageslicht und der Angeklagte wurde in Untersuchungshaft geführt. Bei einer später vorgenommenen Haussuchung fand dann die Staatsanwaltschaft die einzelnen Stücke des zerrissenen dritten Wechsels und hat nun gegen v. Schorlemer Anklage wegen schwerer Urkundenfälschung in zwei Füllen erhoben. Da die Z u r e ch n u n g sfähigkeit des Angeklagten bezweifelt wurde, wurde Medicinalrath Dr. Ganser als Sachverständiger vernommen. Derselbe gab sein Gutachten dahin ab, daß v. Schorlemer-Alst von Haus aus krankhaft veranlagt sei, daß derselbe bei Ausführung der Strafthaten nicht die völlige Geistesklarheit besessen habe und in seinen fteien Bestimmungen beeinträchtigt gewesen sei. Der Gerichtshof beschloß deshalb, die B e r h a n d l u n g zu vertagen und ein o b e r ä r z t l i ch e s Gutachten vor der Urtheilssällung einzufordern. Friedrich Nietzsche — ein Jude. Das ist die neueste Entdeckung der Dühringianer. Im „Mod. Völkergei st" (Juni 1896 S. 84) heißt es nämlich : „Nietzsche's geistige Muren tragen das Gepräge solcher Judäerhaftigkeit, daß man daraus aus Judenblütigkeit schließen muß." Der Fall Bashford. Das Benehmen des Air. Bashford, eines englischen Correspondenten in Berlin, der einen deutschen Postbeamten beleidigt hat, wird von der dortigen antisemitischen Presse natürlich für ihre Zwecke ausgebeutet. Einige dieser Blätter sprechen sogar schon vom „I u d e n Bashford". In Wirklichkeit entstammt Herr Bashford einer alten christlichen Familie und war verheiratet mit einer Nichte des früheren preußischen Kriegsministers v. Kameke, die ihm vor einigen Jahren durch den Tod entrissen worden ist. Antichriftliches. Getreu dem Vorbilde Eugen Dühring fährt sein antisemitischer Anhang fort, im „Mod. Völkergeist" das Christenthum anzugreisen. So schreibt das Blatt (Juni S. 99): Die übelste Ausprägung des Asiatismus sind die Hebräer und Alles, was von ihnen in geistiger oder sonstiger Beziehung abstammt, wie vor Allem das judäische Christenthum. Die modernen arischen Völker sind mehr als ein Jahrtausend von jenem religiösen und politischen Asiatismus wie von einer bösen Krankheit angesteckt worden, haben allerdings begonnen, sich von diesen niederdrückenden und für ihre Artung schmachvollen Fesseln loszulösen. Bon Palästina Durch die moderne, wissenschaftliche Bibelforschung, die, von der Archäologie, Linguistik, Geographie und Ethnographie allseitig gefördert, zu einer eigenen Disciplin emporwuchs, ist Palästina wieder wie vor zwei Jahrtausenden in den Vordergrund der Betrachtung und Besprechung aller gebildeten und sogar ungebildeten Kreise gerückt worden. Professor Dr. Theobald Fischer in Marburg resumirte die bisher ge-

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