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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-03 · 27 (3.7.1896) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
27 (3.7.1896)
Date
1896-07-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 27 Dr Vloch's Wochenschrift Seite 531 seiner Freunde nach Budapest als ein bedeutsames politisches Ereigniß. Man sühlt es, daß der Kampf gegen die Reaction an dem richtigen Punkte eingesetzt hat und das „Vaterland" fordert heute wüthend, daß der Wiener Gemeinderath Kronawetter seines magistratischen Amtes enthebe und — ihn nach Budapest schicke. Der Wuthanfall des clericalen Blattes beweist, daß hier die freisinnigen Elemente eine siegreiche Schlacht gegen die Reaction geschlagen haben. Mögen die Ungarn aus diesen Thatsachen lernen, den Wiener Antisemitismus richtig zu würdigen und die bisherigen Versäumnisse wettzumachen! Ans dem Stadtrathe. Ganze Colonnen stillen im Amtsblatte der Stadt Wien, welches die Protokolle der Stadtrathssitznngen veröffentlicht, die Z u st ä n d i g k e i t e n, die der neue Stadtrath verleiht. Die Lectüre der Namen der mit dem Wiener Heimatsrecht ausgestatteten Personen muß bei dem Leser sofort den Gedanken erwecken, daß der Stadtrath von heute sich ein neues Princip für die Verleihung der Zuständigkeit zurechtgelegt hat, ein Princip, welches mit der vom Bürgermeister S t r v b a ch angekündigten Objectivität in der Führung der städtischen Verwaltung nicht übereinstimmt. Dieses Princip verräth sich in dem folgenden Berichte aus der Stadtrathssitznng vom 11. Juni: „Stadtrath Dr. Kren n referirt über drei Gesuche um Zusicherung der Aufnahme in den Gemeindeverband und beantragt die Gesuchsgewährung fiir: Mittler Rosina Anna, Telegraphistin; 3t u f n e r Michael, Laternanzünder. (A n g e n o m m e n.)" Es entsteht nun die Frage, da ja Herr Dr. Kren n über drei Zuständigkeitsgesuche referirt hat' und nur zwei über seinen Antrag zustimmend erledigt wurden, während von dein Schicksal des dritten Gesuches gar keine Rede ist, was es mit diesem Gesuche für ein Bewandtniß hat? Die Lösung des Räthsels besteht darin, daß der dritte Gesuchsteller ein — Jude war. Gegen den Mann, einen fürstlichen Stallmeister, liegt gar nichts vor; trotzdem wurde er abgewiesen. In der gleichen Weise werden andere Gesuche um die Zuständigkeit aus cvufessivuellen Gründen abschlägig beschieden oder liegen gelassen. Itllter Hunderten von Verleihungen fällt kaum eine auf einen jüdischen Bewerber. Wir machen alle grundlos abgewiesenen Bewerber um die Zuständigkeit aufmerksam, daß es ihnen freisteht, eine Beschwerde an die Statthalterei zu richten, da die Regierung nach dem Wiener Gemeindestatut das Recht der Einwirkung auf die Gemeinde auch in dem natürlichen Wirkungskreise derselben überall dort hat, wo sie es für nothwendig findet. Der ehemalige liberale Gemeinderath W a s n e r hat eine Stifttmg für verarmte Gewerbsleute ohne U n t e r- MH e d d e r C o n f e s s i v n gemacht. Der Intention des Stifters ist bisher innner getreulich Rechnung getragen worden. Der neue Stadtrath hat jedoch die Sttftungsbettäge von je 103 fl. in einer Weise verliehen, welche dem vorurtheilslosen Sinne des edlen Gründers der Stiftung nicht entspricht. Die Protokolle der letzten Stadtrathssitzungeu bringen auch eine sehr bemerkenswerthe Mittheilung. Der Hotelier im XV. Bezirk, Herr Karl W i m b e r g e r, bekanntlich einst liberaler und jetzt auttsemitischer Gemeinderath, hat das Ansuchen um A b s ch r e ib u u g des Platzzinses für die ihm in der Seidengasse bewilligte T i s ch a u f st e l l u n g gestellt und der Stadtrath hat dieses Ansuchen genehmig t. Derlei Abschreibungen werden sonst nur i m Falle der Uneinbringlichkeit vorgenommeu und bilden dann eine Schenkung. Herr W i m b e r g e r ist aber durchaus kein so armer Teufel geworden, daß sich die Gemeinde veranlaßt sehen könnte, ihm einen, noch dazu für seine Verhältnisse jedenfalls geringfügigen Bettag zu schenken. Hunderte von kleinen Wirthen zahlen anstandslos den Platzzins für die Tischaufstellung vor ihrem Local. Die Sache, über welche man aus dem Protokoll des Stadtrath es nichts Näheres erfährt, bedarf dringend e i n e r A u f k l ä r u n g. Naivetät oder Unverschämtheit? Die „Ostdeutsche Rundschau" macht zwar in der Regel nicht den Eindruck der Naivetät oder gar der Verschämtheit, aber wenn man die Notiz des Blattes über „Bvycott christlicher Krankenärzte", eine jüdische Unternehmung" liest, so möchte man ausrufen: „Nein, so weit kann die Unverschämtheit denn doch nicht gehen!" Da wird ein Langes und Breites über das grauenhafte Verbrechen, das eine „jüdische Unternehmung" an „christlichen" Aerzten ausführte. Wir wollen diese Missethat in aller Kürze mittheilen: Die Firma Springer, der die Elbogener Porzellanfabrik gehört, hat den Doctoren T h u m s e r und Ruppert, die sich absolut nicht von dem Eintritte in einen antisemitischen Verein a b h a l t e n ließen, gekündigt! Das ist das Verbrechen, das eine „jüdische" Firma nicht an „christlichen" — o nein, das ist eine Lüge! — sondern an antisemitischen 3lerzten beging! Man muß sich unwillkürlich an den Kopf greifen und fragen: „Kann selbst ein Anttsemit so schamlos sein, zu behaupten, ein Jude müsse Leuten, die sich als Antisemiten laut und offen bekennen, noch Amt und Stellung bei seiner Unternehmung verschaffen! Man sollte vermuthen, ein notorischer Antisemit würde es als ein Postulat der antisemitischen Ehre bettachten, auf das Geld eines „jüdischen" Unternehmers zu verzichten. Die antisemittschen Doctoren Thumser und Ruppert sind allerdings anderer Meinung und die „Ostdeutsche Rundschau" erhebt sogar ein Wehgeschrei, als ob von Gott und Rechtswegen ein Jude keine höhere Aufgabe zu erfüllen hätte, als Antisemiten aller Berufsstünde Brot und Stellung zu verschaffen. Daß ein Jude sich keine antisemitischen Aerzte anstellen und bezahlen will, gilt in den Augen des Herrn Wolf als ein Symptom erschreckender Unbescheidenheit. Da wir aber doch nicht an die Naivetät der „Ostdeutschen Rundschau" glauben können, find wir eigentlich in Verlegenheit, wie man die „Bescheidenheit", die zu Forderungen solcher Art nöthig ist, nennen soll. Herr Wolf droht, daß der Vorgang der „jüdischen Börsenbarone Springer" für die Judenschaft Folgen haben werde. Nun, wir haben nichts dagegen, wenn die anttsemittschen Fabrikanten keine jüdischen Aerzte anstellen werden. Das Ende der Salvator-Medaille. Wenn Antisemiten sich schämen können, dann müßten sie von einem Gefühle der peinlichsten Scham ergriffen sein, wenn sie lesen, wie Herr Paul v. Pacher unter dem oben bezeichnten Titel über die Pfister-Affaire urtheilt. Herr v. Pacher hat mit beu Christlich-Socialen ein Hühnchen zu rupfen und er benützt mit Freuden die Verleihung der Salvator-Medaille an einen P f i ft e r, um seinen guten Freunden Wahrheiten ins Gesicht zu schleudern, wie sie sie kräftiger iw keinem „Judenblatt" finden können. Herr von Pacher gibt vor Allem seiner Werthschätzung für Pfister, beit Freund Lueger's, ungeschminkten Ausdruck, indem er zu seiner Denunciattons-Affaire schlicht bemertt: „Zu Todtschlag kann die Nothwehr führen,aber doch gewiß nicht zu Meuchelmord . . . Wie will man aber ein Individuum taxiren, das, um seinem Rachegelüste zu frohnen, von einem vor drei Jahren aufgeschnappten unvorsichtigen Worte seines angeblichen Bedrängers Gebrauch machend, diesen dem Strafgerichte ausliefert? . . . Kann man sich aber etwas Elenderes überhaupt noch vorstellen, als diesen Gang zum Polizeiamt?" HerrPaulv. Pacher, der aber trotzdem sich zu den Gesinnungsgenossen Jener zählt, die einen Pfister der höchsten communalen Auszeichnungwürdighalten, kommt schließlich zu der Ansicht, daß in Zukunft kein ehrenhafter Mensch sich die Salvator-Medaille werde anhängen lassen. Was kann die Salvator-Medaille für den, der an ihr hängt? Wenn Herr v. Pacher durch den Judenhaß nicht um das klare Denken gebracht worden wäre, müßte er zu ganz anderen Schlußfolgerungen gelangen. Seine Schmähungen müßte er dann nicht gegen die unschuldige Medaille schleudern, sondern gegen Jene, die dieses Ehrenzeichen besudelten, in den Koth zerrten. Er müßte dann sagen, wer weiter zu den Partei- und Gesinnungsgenossen von Leuten zählt, die zu einer solchen Verherrlichung des Denunciantellthums bereit sind, der ist nicht mehr werth als sie, der hat über sich selbst den Stab gebrochen. So würde Herr v. Pacher sprechen, wenn er, wie gesagt, durch den Judenhaß nicht die Fähigkeit zu klarem, sittlichen, ehrlichen Denken verloren hätte. So aber ist die Pfister-Affaire für ihn gut genug, um seinen Freunden einen Schabernack zu spielen, im Uebrigen aber — gehören sie zusammen. Sie zanken sich jetzt, sie werden sich aber bald wieder verttagen. Eine demüthige Abbitte. Herr B e r g a n i und seine Redaciion, die bekanntlich nur dann couragirt find, wenn man ihnen nicht auf die Finger schlägt, bitten wieder einmal Jemanden, den sie beschimpft und verleumdet haben, demüthig um Verzeihung. Der Beleidigte hatte nämlich bereits die Anzeige wegen Ehrenbeleidigung gegen die Herren erstattet; besonders pikant wird die Affaire dadurch, daß Derjenige, den Herr Per-

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