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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-06-26 · 26 (26.6.1896) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
26 (26.6.1896)
Date
1896-06-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 520 Nr. 26 Dr. Bloch's als Zeichen der Sympathie für den Verein vier Stück Ungarische Prämienlose im Werthe von fl. 600, mit der Bestimmung, alljährlich einem v e r f ch ä m t e n a r m e n Bereinsmitgliede einen Curbeitrag im Betrage von fl. 60 zu verabfolgen. Für diese wahrhafte von echt jüdischem Wohlthätigkeitssinne zeugende Spende wurde Herrn Haber seitens des Präsidinms der verbindlichste Dank mit der Versicherung, diese wahrhaft munificente wohlthätige Spende ganz in den Intentionen des Spenders zu verwenden, ausgesprochen. L—r. Wie« (Literarischer G e s e l l i g k e i t s v e re i n j ü d i sch e r Bi ä d ch e n „M o r i a", Wie n.) Bei dem am 21. d. M. stattgehabten literarischen Nachmittag hielt Herr Dr. phil. und theol. Baue r einen äußerst gelungenen Vortrag über: „Jüdische Tradition". Der Vortragende knüpfte an den Ursprung der Gesetzgebung an, verfolgte diese bis zum Abschluß der Mischnah mit Hervorhebung der politischen Verhältnisse jener Zeiten und wußte durch eingestreute, charakteristische Aussprüche der bedeutendsten Männer der damaligen Epoche den Vortrag zu einem überaus anziehenden zu gestalten. Herrn Bauer, der nicht nur interessant zu sprechen weiß, kommt auch ein ungemein sympathisches Organ sehr zu statten, so daß er nach Schluß seines Vortrages allgemein beglückwünscht wurde. Mit dem Vortrage des Herrn Dr. Bauer schloß der Verein sein Semester und wird der Beginn des Wintersemesters wie alljährlich für Ende September geplant. Allfällige Auskünfte ertheilt auch während der Ferien die Präsidentin des Vereines Frau Natalie Pollak, IX., Währingerstraße 48, und sind eventuelle Anfragen schriftlich dahin zu richten. N. Rzeszow. (A u s z e i ch n u n g.) Seine Majestät der Kaiser hat den Beisitzer des Kreisgerichtes in Rzeszow, Herrn Jsak Holzer, den Titel eines kaiserlichen Rathes verliehen. Bolechow. Herr Eisig Adler, hier, verlobte sich mit Frl. Laura Kruh, der Tochter des Herrn A. David Kruh, Gutsbesitzers in Onuth und Samuszyn (Bukowina). Prag, am 19. Juni. An der hiesigen czechischeu Universität wurde Hosrath Professor Jacob Zucker zum Decan der juridischen Facultät, an der deutschen Professor Horaz Krasnopolsky zum Decan der juridischen, Professor Guido Goldschmidt zum Decan der philosophischen Facultät gewählt. Alle drei Herren sind Juden. E B. Brünn. (Auszei ch n u n g.) Der Kaiser hat dem Handelsbeisitzer bei dem Landesgerichte in Brünn, dem Cultusvorstande Herrn David M a n d l, den ihm für die Dauer dieser Function verliehenen Titel eines kaiserlichen R.a t h e s aus Lebensdauer belassen. Diese Allerhöchste Auszeichnung hat in den weiten Kreisen der Verehrer unseres verdienten und beliebten Glaubensgenossen die sympathischeste Aufnahme gefunden und bildete für denselben Veranlassung zu Ovationen. E. B. Olmütz. Vorige Woche verschied in St. Veit bei Wien Frau Elise G a m s, Mutter des hiesigen Landesadvocaten Dr. G a m s. Die Verstorbene war eine biedere, wackere, wohlthätige Frau, welche sich um die jüdischen kulturellen Einrichtungen von Olmütz viele Verdienste erworben hat. Ehre ihrem Angedenken! Lemberg, 14. Juni. Heute verschied hier der hiesige, allgemein geachtete Kaufmann Chaskel Landes, Mitchef der Firma Ch. Landes & Sohn, nach kurzem Leiden im 84. Lebensjahre. Der Verblichene, einer der ältesten Kausleute Lembergs, ein Ehrenmann vom Scheitel bis zur Sohle, dem Glauben der Väter treu ergeben, genoß er hier wie in weiteren Kreisen eine allgemeine Achtung und infolge seiner redlichen Geschäftsbasis gewami er ein außergewöhnliches Zutrauen. Ihn beweinen ein ihn treu liebender Sohn, Tochter und Gattin nebst zahlreichen Freunden und ein ihm treu ergeben gewesenes Personal. Sein Andenken sei gesegnet! Krakau, 14. Juni. Bei dem 50j ä h r i g e n Jubiläum des berühmten Physikers Lord Kelvin (William Thompson) in Glasgow war die hiesige Akademie der Wissenschaften durch Professor Ladislaus Nathansohn vertreten, den einzigen polnischen Physiker, der einen Weltruf genießt und obendrein das Englische wie seine Muttersprache spricht. — In Le m b e r g striken sämmtliche 500 Tffchlereiarbeiter, darunter 160 Juden. Preßburg, 21. Juni. In Döbling bei Wien verstarb Freitag nach längeren: Leiden Frau Selma Deutsch in: Alter Wochenschrift von 70 Jahren. Als sie ihr Ende herannahen fühlte, bat sie, ihre Leiche auf dem altehrwürdigeu Friedhofe zu Preßburg zu überführen, um neben ihrem verstorbenen Gatten, Herrn Ignatz Deutsch, k. k. Hofwechsler zu ruhen. Ihr Verlangen wurde auch erfüllt. Die große Betheiligung am Leichenbegängnisse, legte Zeugniß ab, welche Verehrung die Verklärte genoß. Die Leiche wurde in die Halle unseres Friedhofes gebracht, wo Herr Rabbinats-Assessor Samuel Donath einen tiefgeführten Nachruf der edlen Verblichenen widmete. L. S. London. Der Marquis von Bute hat dem Oberrabbiner Dr. Adler 200 Psund St. zur Verfügung gestellt, zu den: Zwecke, daß zwei jüdische Studenten ihre akademischen Studien vollenden und an der Universität St. Andrew's Promoviren. Marokko.' Wir theilen mit großem Bedauern den Tod des hochgeachteten Kaufmannes Jacob de S. Levy mit. Derselbe war nicht nur ein ausgezeichneter Geschäftsmann, der mit England und dem Kontinente in regster Verbindung stand, sondern er war jederzeit unter der: Ersten, wenn es galt, das Los der ärmeren jüdischen Bevölkerung zu verbessern. Der Verstorbene war 25 Jahre hindurch Dolmetsch des britischen Consulates in Mogador. Feuilleton. Kinder des Ghetto. (Roman von I. Zan.qwill.) (Nachdruck verboten.) Als Arbeiterführer pure et 8imp1e konnte er auf eine viel größere Gefolgschaft rechnen, als indem er streitbare Gottlosigkeit predigte. Er beschloß, seinen Atheismus im Hintergrund zu halten und sich zuerst der Befreiung des Körpers zu weihen, ehe er an die der Seele ging. Er war zu stolz, um dies einylgestehen, nichts destoweniger war er dem Dichter sehr dankbar für seinen Rath. „Meine Brüder", sagte er auf jüdisch, als die Reihe an ihn kam. „Es schmerzt mich sehr, wie uneinig wir sind. Die Capitalisten, die Belkowitschs, würden sich freuen, wenn sie wüßten, was hier vorgeht. Haben wir nicht Feinde genug? Wozu müssen wir uns streiten und uns in kleine Parteien spalten? (Hört! Hört!) Nie können wir auf Erfolg hoffen, solange wir nicht organisirt sind. Es ist mir zu Ohren gekommen, daß es Leute gibt, die sogar mich verleumden, und ehe ich weiter rede, muß ich eine Frage an Euch richten." Er hielt inne. Ein athemloses Schweigen entstand. Der Redner reckte sich, blickte die Versammlung furchtlos an und ries mit Stentorstimme: „Sind Sie zufrieden mit Ihrem Obmann? Seine Kühnheit machte Eindruck. Die Unzufriedenen drückten sich schüchtern auf ihren Plätzen. „Ja", tönte es aus der Versammlung zurück. „Nein", rief eine einsame Stimme von der obersten Galerie. „Wir sind nicht zufrieden mit unserem Obmann." Sofort war die Versammlung auf den Beinen und schaute zornig nach dem Widersprucherhebenden aus. Das Geschrei „Herunter auf die Tribüne", mischte sich mit den Ordnungsrufen des Obmannes. Der Nein-Rufer schwenkte heftig eine Rolle Rapier hin und her und weigerte sich, seinen Standpunkt zu verändern. Er trug einen zerdrückten Cylinder auf dem Kopfe, sein Haar war ungekämmt und sein Gesicht ungewaschen. Zuletzt wurde die Stille wieder hergestellt und der Redner hörbar: „Verfluchte Blutsauger! Capitalisten! Stehlen Gedanken niederer Leute! Lassen uns verfaulen und verhungern in Finsterniß und Schmutz! Verflucht! Verflucht! Die Stimme des Sprechers erhob sich zu einem hysterischen Kreischen. Einige in der Versammlung kannten ihn, und bald ging es von Mund zu 'Mund : „Oh, es ist nur der meschuggene Dowid!" Der verückte Dowid war ein begabter russischer Universitätsstndent, der sich in politische Verschwörungen eingelassen hatte und nach England geflohen war, wo in dem Kampfe, Beschäftigung für seine clericalen Talente zu finden, sein Gehirn gelitten hatte. Er lebte nun von den Brocken, die man ihm gelegentlich zuwarf, denn die Wohlthätigkeits-Jnstitute hatten ihn mit der Marke „gefährlich" versehen. Er besaß eine unendliche

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