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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-06-26 · 26 (26.6.1896) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
26 (26.6.1896)
Date
1896-06-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Sir. 26 Dr Vloch's Wochrnphrifl. Seite 519 jestät im Namen der Juden des britischen Kaiserreiches, welche wir repräsentiren, den Tribut unserer antheilvollen Trauer darzubringen wegen des Todes Eurer Majestät verstorbenen Vaters, dessen Ruhm als der eine^ gerechten, freundlichen und toleranten Herrschers sich in jedes Land verbreitet hat. Wir gratuliren Eurer Majestät zur Besteigung des glorreichen Thrones von Persien, und wir hoffen in Ergebenheit, daß Eurer Majestät wie Eurem Vater eine lange und glückliche Regierung blühen möge, glücklich in dem Besitze der Liebe und der Achtung Ihrer Unterthanen und des Respectes und der Bewunderung der fremden Nationen. Unser Interesse in Persien erklärt sich durch die Tyatsache, daß es dort eine große Anzahl von unseren Glaubensgenossen gibt. Wir wissen sicher, daß Eure Majestät jüdische Unterthanen wie bisher sich auszeichnen wollen als loyale, fleißige und friedliche Bürger und daß sie mit den anderen Unterthanen und anderen Glaubensgemeinschaften wetteifern wollen in der Ergebenheit für Eurer Majestät Thron und Person und in ihrem Eifer für die Wohlfahrt des Staates. Wir hoffen ernstlich, daß Eure Majestät ihnen dasselbe Maß von Gunst und Schutz zuertheilen werden, welche sie unter der Regierung Eurer Majestät verstorbenen Vaters genossen haben. Wir beten glühend für Euer Majestät langes Leben, Gesundheit und Gluck, für die Sicherheit Ihrer Dynastie und für die stets wachsende Wohlfahrt der weiten Länder, über deren Schicksale zu entscheiden Eure Majestät berufen sind. Unterzeichnet: Josef Sebag Montefiore Claude G. Montesiore David Lindo Alexander Rothschild M. Castello Albert Sassoon. Sofia. In Sofia vollzieht sich jetzt ein Ereigniß, dessen Qualificationen uns schwer fällt. Auf den sonst ruhigen Gesichtern der wenig denkenden, ihren Privatgeschäften nachgehenden hiesigen Juden malt sich eine Beunruhigung, ja eine gewisse Aengstlichkeit. Die Gemeindevorsteher, die gegenwärtigen sowohl als die zirrückgetretenen schließen sich enger zusammen, um gemeinschaftlich zu berathen und Schritte zu machen, die geeignet sind, einen unerhörten Act der Willkür und des Raubes abzuwehren. Was ist nun vorgefallen? Die jüdische Gemeinde besaß auf seit uralter Zeit ihr gehörigem Boden eine Synagoge, welche vor etwa 40 Jahren von den Aschkanasium erbaut wurde. Die Bulgaren bauten — mit ober ohne Absicht — mehrere größere und kleinere Kirchen geradezu in der jüdischen Machala (Judenviertel, welche sich durch ihre Einfachheit den Bretterbuden, will sagen errichteten kleinen Wohnhäusern, sehr passend anschlossen. In der Mitte eines solchen Häusercomplexes nun befindet sich eine kleine bulgarische Kirche, neben der die erwähnte jüdische afchkanasische Synagoge steht. Nach der Niederreißung Alisofias wurde die Hauptstraße, Witoschgasse genannt, an der westlichen Seite des Gotteshauses, der Boulevard Dondukoff an dessen südlicher Seite geführt. Die Plätze stiegen hoch im Preise, um so mehr als die kleinen jüdischen Häuser, welche der Cultusvorstand abzukaufen gewillt war, von den Gewalthabern Stambulow und Petkow gegen einen sehrniederen Preis und gewaltsam abgelöst und zu ihrem Vvrtheil ausgebaut wurden. Fünf Synagogen und zahlreiche Midraschim wurden niedergerissen und deren Baugrund mehr annectirt als abgelöst. Die einzige jüdische aschkanasische Synagoge blieb noch bestehen, ein ziemlich kunstloser Bretterbau, dem Petkow die Frauenabtheilung wegregulirte, dann alle um dieselbe befindlichen Sächeln der Gemeinde in Trümmer legte. Schon wollten Petkow und Stambulow diese Synagoge verschwinden lassen mit der Motivirung, sie passe nickt in die Hauptstraße und die Gemeinde möge an deren Stelle einen neuen Tempel bauen — allein deren jäher Sturz machte den Plan zunichte. Wer aber Hand an die Synagoge legte, waren Juden. Ob die Nergelei zwischen den Sephardim und Aschkauasim die Schuld trug, von denen die Ersteren einen sephardischen Tempel errichten wollten, was Letztere nicht zugeben möchten, ist nicht ganz ersichtlich. Genug, die Aschkanasim ließen sich dieses Gotteshaus niederreißeu, um auf dessen Bangrund ein sehr einträgliches Zinshaus, mit einem Betsaal im ersten Stock zu erbauen. Schon bei der Reguliruug wurde der Baugrund der jüdischen Gemeinde um Vieles verkürzt, um diesen Platz der Kirche zukommen zu lassen. Kaum begann man die Fundamente zu errkchten, die bereits in den Sockel fertiggestellt waren, als die Kirchenältesten erklärten, sie könnten es nicht dulden, daß ein jüdisches Gotteshaus in der Nachbarschaft der Kirche sich befinde — immer heftiger wurde das Drängen. Die spaniolische Gemeinde ließ vom Gemeinderathe eine Bermessungscommision heranziehen, welche das begonnene Bauwerk als mit dem Plane übereinstimmend erkannte. Damit unzufrieden, begaben sich die Rädelsführer zum Metropoliten, welcher in einer Eingabe an das Ministerium das Verlangen nach dem Raube jüdischen Gemeindeeigenthums seitens seiner frommen Heerde kräftigst unterstützte. Allein das Ministerium konnte diesen geplanten frommen Raub nicht gutheißen und versprach den Juden Schutz. Unterdessen ließen die Kircheuältesten ein Meeting abhatten — was ohne Willen der Behörde nicht möglich ist — um ihre „gerechte" Sache vom Volke bekräftigen zu lassen, und hiebei wurde in den Vordergrund der Debatte die Erwägung gestellt, daß eine Kirche Rechtgläubiger nur in einer großen Entfernung von einem jüdischen Gotteshause stehen darf. Was sagt aber das hochofsiciöse Regierungsblatt „Myr" (Der Friede") dazu? Es nimmt an, die Juden werden wohl nachgeben, um weiteren Aufregungen vorzubeugen! — Ein anderes bulgarisches Organ ertheilt den Juden einen Wink mit dem Zaunpsahl: Dir Juden werden aufgesordert die Bauparcelle der Kirche zu überlass»?, sie würden die gefährlichen Folgen sonst sich zuschreiben müssen. Dieses edle Organ meint, für das We'iterverbleiben der Inden in Bulgarien könne ihr Verhalten in dieser Frage eine sehr gewichtige Rolle übernehmen. Mit anderen und aufrichtigen Worten besagt diese Redewendung: Das Eigenthum des Juden ist vogelfrei und kann vom gebildeten und noch mehr vom unbebildeten Pöbel in Beschlag genoinmen werden. Eine Widersetzlichkeit in dieser Richtung kann zu einer allgemeinen Judenmetzelei und Vertreibung der Juden führen. Daß die Regierungsorgane selbst kein Bewußtsein von Recht und Unrecht besitzen, daß die höheren Beamten noch Zweifel hegen, ob auch jüdisches Eigenthum den Schutz der Obrigkeit genieße, geht aus dem Entschlüsse des Ministeriums hervor, welches dem städtischen Polizeihauptmanne die Weisung zugehen ließ, den Ban des Gemeindehauses auf 6—7 Tage einzustellen, das ist bis zur Ankunft des Ministers Dr. Stoilow, was auch sofort in Ausführung gebracht wurde. Der Bau wurde wirklich eingestellt und die Gemeinde kann inzwischen allen möglichen Combinationen über ihre trübe Zukunft sich hingeben. Dr. Stoilow kehrt vom heiligen Moskwa, dem kirchengewaltigen Sitz der slavischen Rechtgläubigkeit, wo sein slavisches Gewissen höchst wahrscheinlich mit einenr Zuwachse echten Russenthums bereichert wurde, zurück. Er wird die Frage zu beantworten haben, ob die Inden auch unter dem Schutze der geltenden Verfassung und der Gesetze stehen oder Sclaven des herrschenden bulgarischen Stammes sind und diesem auf Gnade und Ungnade ausgeliefert werden. Wien. sP e*r f o n a 1 n a ch x t ch t.) Mit der Einleitung der uöthigen Vorarbeiten für die Errichtung des eisenbahnstatistischen Departements wurde der Seetionsrath des Handelsministeriums Tr. Eamill Sl n r a n d a betraut und demselben zu diesem Zlvecke der gegenwärtig im Präsidialbureau in Verwendung stehende Inspektor Sigmund S v n n e n b e r g und der Oberoffieial Albert B r eimc r der General-Direction zugetheilt. Wien. sJ ü d i s ch e a k a d e m i s ch e L e s e h a l l e.) Samstag, den 20. Juni, sprach Herr Med.-Dr. Martin Engländer über die Gebrüder Humboldt in ihrem Verkehre mit ihren ältesten jüdischen Freunden. In anregender und ausführlicher Weise hob der Redner zunächst die Bedeutung Wilhelm und Alexander Humboldt'» hervor und zeigte, wie diese beide Geistesheroen durch innige Freundschaft mit Juden, so mit David Friedländer und Henriette Herz verbunden waren, was aus dein gegenseitigen Briefwechsel leicht ersichtlich ist. Den feurig gehaltenen Vortrag belohnten die Zuhörer durch reichen Beifall. — Am 17. Juni d. I. hielt Herr Schriftsteller Leo Grünstein in der literarischen Section einen Vortrag über „moderne polnische Lyrik." Der Herr Vortragende bot ein prächtiges Bild von der schnellen Entwicklung dieses interessanten Gebietes und charakterisirte iir kurzen aber kräftigen Strichen die Asnyk, Tetmayer und Konopnicka als die Hauptvertreter der modernen Bewegung in Polen. Ter Vortrag an und für sich, sowie die Recitation von modernen polnischen Gedichten, die Herr Grünstein in glänzender Weise selbst in's Deutsche übersetzt hat, ernteten den größten Beifall. Wien, 22. Juni 1896. In Ausführung des einstimmig gefaßten Beschlusses des Kranken-, Unterstützungs- und Humanitätsvereines „tiornle Chesed," in welcher das verdienstvolle Vorstandsmitglied dieses Vereines Herr Hermann Haber zum Ehreninitgliede ernannt wurde, hat jüngst eine Deputation, bestehend aus dem Präsidium, den Herren B. Kanitz und Michael Jokl, wie auch des Secretärs Herrn H. Löwinger, bei Herrn Haber vorgesprochen und ihm in feierlicher Weise ein prachtvolles, künstlerisch ausgestattetes Ehren-Diplom überreicht. Nachdem das Präsidium in den Ansprachen die großen Verdienste, die sich Herr Haber um den Verein erworben, in beredten Worten hervorgehvben, erstattete dieser demselben seinen herzlichen Dank für die ihm auszeichnende Ehrung und übermittelte dem Präsidium

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