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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-06-26 · 26 (26.6.1896) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
26 (26.6.1896)
Date
1896-06-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seile 518 Dr. Vloch's Wochenschrift. Sir. 26 Pergament und eine tadellose Schrift, deren Schwärze siegreich den Jahrhunderten — sie soll 400 Jahre alt sein — widerstanden, ist überdies mit Silberzierrathen in unverfälschtem korynthischen Style geschmückt, eine Sehenswürdigkeit nicht nur von religiöser, sondern von eminent historischer Bedeutung, und deren Werth effektiv auf 2000 sl. veranschlagt erscheint. Bon dem A f f e c t i o n s w e r t h schien der Verkäufer keine Ahnung zu haben; über Anregung des erwähnten Großindustriellen Herrn Arthur M. Bloch erstanden einige Private diese Thora und machten es der Gemeinde zum Geschenk, wo es als kostbares Angebinde dem heiligen Schrein des großen Tempels einverleibt wird. Wie Schreiber dieser Zeilen sich erinnert, gibt es in Ungarn nur noch eine Thorarolle die an pietätsvoller Erinnerung diese Thora überragt, sie ist in dem Besitze der Bajaer Cultusgemeinde, schrieb doch die erste und letzte Zeile, nachweisbar, der große Rabbi Markus Baneth in Nikolsburg. Proiesior E. N—r. Friedek, 23. Juni. Im Laufe der vorigen Woche besuchte der kürzlich ernannte Chef der Landesregierung Schlesiens unsere Stadt und besichtigte auch den israelitischen Tempel. Herr Obercantor Salomon Weiß brachte eine Hymne mit Chor und Orgelbegleitnng zum Vortrage und sprach vor geöffneter Lade ein entsprechendes Gebet. Der hohe Gast gab der Bewunderung für das schöne und würdige Gotteshaus Ausdruck und sprach sich überaus anerkennend über die ausgezeichneten Stimmmittel und vortreffliche Schulung des Herrn Weiß aus. Bad Hall. Es ist eine traurige Erscheinung, daß alle Ausschweifungen des Antisemitismus gewisse Kreise unserer Glaubensgenossen zur Selbsterkenntniß und Selbstachtung nicht zu bringen veruiochten. Die hiesigen zahlreichen jüdischen Curgäste laufen haufenweise zum arischen Arzt und in die arischen Restaurationen und verschmähen den jüdischen Arzt und das jüdische Etablissement. Die Herrschaften glauben dadurch dem Antisemitismus zu begegnen und er wird durch diese Charakterlosigkeit blos bestärkt. Charakterlosigkeit imponirt Niemandem, Sie findet blos Verachtung. Der arische Arzt Dr. Körbl, Abonnent des „Deutschen Volksblatt/' hat die meisten jüdischen Patienten!! Olmütz, 22. Juni. Löbliche Redaction! Unter Berufung auf § 19 des Preßgesetzes fordere ich Sie auf, in der nächsten Nummer Ihres Blattes° an derselben Stelle, in welcher der zu berichtigende Aufsatz sich befand, folgende Berichtigung aufzunehmen: Mit Bezug auf die in Nr. 25 Ihrer Zeitschrift in der Rubrik „Correspondenz ür Olmütz" enthaltene Stelle: „Traurig ist, daß das „Mährische Tagblatt", ein liberales Blatt, dessen Redacteur einst toastirt hat: „W o h l e i n e r S t a d t w i e S t e r n b e r g, die keinen Juden hat", die Festtage in Hymnen besingt und es betrauert, daß sich gewisse Kreise aus politischen Motiven von der guten Sache zurückziehen", erkläre ich hiemit, daß es vollständig erlogen ist, daß ich jemals in einem Trinkspruche oder sonst bei einer Gelegenheit die Worte gebraucht habe: „Wohl einer Stadt wie Sternberg, die keine Juden hat. Will). Seethaler, Redacteur bes „Mähr. Tagblatt". Olmütz, 22. Juni. Der famose „Bund der Deutschen Mährens", der hier kürzlich unter falscher Flagge echt antisemitische Gesimmngen colportirte, kann für sich das Verdienst in Anspruch nehmen, daß er den Juden hier über Manches die Augen öffnete. Der Verlauf der Versammlung ließ es als unzweifelhaft erscheinen, daß die angeblich „deutsche" Gesinnung nur der Deckmantel für die antisemitische Tendenz sei, wofür wohl, von allem Anderen abgesehen, die eine Thatsache allein Beweis genug ist, daß an Schönerer Begrüßungskarten abgesendet wurden. Wahre Erbitterung aber erregt nunmehr in den Kreisen der Juden und der wahren Liberalen die Haltung des hiesigen angeblich deutschliberalen Tagesjournals, welches nicht nur keine energische Worte der Abwehr fand, sondern freundliche, herzliche Worte für das schmähliche, antisemitische Fest hatte. Der „Mährische Volkssreund" hat in einem scharfen Artikel die Wahrheit über diese Sache geschrieben und damit allen wahrhaft Liberalen aus der Seele gesprochen. Die Juden werden zweifellos aus den Vorgängen der jüngsten Zeit eine heilsame Lehre gezogen haben. Tesche«, 2t. Juni. Der neuernannte Landespräsident von Schlesien, k. k. Hosrath H. Manfred Gras von Clary-Aldringen, besuchte unsere Stadt und bei dieser Gelegenheit auch unser Gotteshaus, das bereits öfter viele Mitglieder aus dem erlauchten Kaiserhause und selbst unseren geliebten Monarchen in seinen geweihten Räumen sah. Im Vestibüle von dem israelitischen Gemeindevorstande unter Führung seines wackeren und verdienstvollen Präses, des Großindustriellen Herrn I. Ph. Glesinger, ehrfurchtsvoll begrüßt, betrat der Landeschef in Begleitung des Bezirkshauptmannes, des Bürgermeisters und eines Regierungssecretärs das dichtgedrängte Gotteshaus, woselbst unser ffangesmächtiger Obercantor Herr W. Poborsky mit Chor und Orgelbegleitnng unter der bewährten Leitung des Herrn Cantors A. Hahn in erhebender Weise das ,»a tauwu intonirte. Hieraus bestieg Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. A. Leimdörfer die Kanzel und hielt an den hohen Gast eine kurze, aber inhaltsreiche, von glühender Begeisterung für Staat und Judenthum getragene Ansprache, welche ein wahrer Kid«scli haschem war und nicht nur auf alle Zuhörer, sondern auch auf den hohen Gast einen überwältigenden Eindruck hervorrief. Nach dem Absingen" der Volkshymne verließ Herr Dr. Leimdörfer die Kanzel und der hohe Gast eilte ihm sichtlich ergriffen und tief bewegt entgegen, drückte ihm herzlich die Hand, dankte für die patriotische Ansprache und überschüttete ihn mit den schmeichelhaftesten Anerkennungen feines hervorragenden, ausgezeichneten Rednertalentes. Auch Herrn Obercantor Poborsky reichte er leutselig die Hand, zollte ihm Bewunderung und uneingeschränktes Lob für den herrlichen und erhebenden Gesang und richtete mehrere Fragen an ihn. Auch von allen Herren Vorstandsmitgliedern empfahl er sich durch ivarmen Händedruck in liebevollster Weise. Dieser Umstand ist es aber nicht, der hier besonders hervorgehoben werden soll, sondern vielmehr die hohe Auszeichnung, die unserem allverehrten Herrn Rabbiner bei diesem Anlässe dadurch zutheil wurde, daß ihn der Landeschef mit einem längeren Besuche in seiner Privatwohnung beehrte. Und wahrlich, unser Herr Rabbiner verdient diese Ehrung in vollem Maße; denn in seiner kaum zweijährigen Amtswirksamkeit hier hat er durch seine eminente Kanzelberedtsamkeit und durch feine Charakterfestigkeit, die alle seine Amtshandlungen wie mit einem Glorienschein umgibt, die Herzen Aller im Sturme erobert und die ungeheuchelte Liebe und schuldige Ehrfurcht aller seiner Schüler in hohem Grade erworben. Er huldigt dem bekannten Spruche unserer Weisen: „Maalin bakaudesch ween manridin", denn nicht nur seine Probepredigt, sondern alle seine weiteren Reden, Ansprachen, Exhorten u. s. tu. bekunden immer mehr seine eminente, außergewöhnliche Rednergabe imd seine profunde Gelehrsamkeit. Unsere Gemeinde schätzt sich glücklich, in ihm einen Seelenhirten gefunden zu haben, der nach Innen und Außer: so würdig und achtunggebietend seinen hohen und heiligen Beruf erfüllt. Saaz, 22. Juni. Trotz aller Anstrengung der deutschnationalen Antisemiten siegten bei den Wahlen zun: Gemeinderath die Liberalen. — Im ll. Wahlkörper ist unser allverehrter Cultusvvrsteher Dr. Anspach und Herr Siegm. Lederer, Cultusvorsteher-Stellvertreter, gewählt. Heute beim I. Wahlkörper siegte durchwegs die liberale Partei, wo auch unsere Genossen dabei sind. München. Der Abgeordnete Dr. R a tz i n g e r hatte jüngst in dem üblichen antisemitischen Jargon behauptet, daß „jüdische Schriftsteller keinen Festtag, keine Ostern, keine Weihnachten vorübergehen lassen, ohne in ihren Blättern das Christenthun: zu verhöhnen." Ferner hatte er behauptet, daß die große Mehrheit der Katholiken sich von der Minderheit (der Juden) beschiinpser: ließ. Hierauf erläßt Rabbiner Dr. S. M eher in Regensbnrg, Herausgeber der „Laubhütte," eine Aufforderung an Dr. Ratzinger, in der es heißt: „Daß solche Behauptungen eine eminente Aufreizung gegen die Juden enthalten, ist zweifellos. Ich erlaube mir deshalb, den Herrn Dr. Ratzinger zu ersuchen, er möge im Interesse der Wahrheit und Gerechtigkeit diejenigen jüdischen Schriftsteller und jüdische:: Blätter in Bayern namhaft machen, die sich der Niederträchtigkeit, das Christenthun: zu verhöhnen und die Katholiken zu beschimpfen, schuldig gemacht haben; ferner wird er ersucht, die Äußerungen, durch ivelche die angeblichen Beschimpfungen und Verhöhnungen ausgedrückt worden sind, zu veröffentlichen. Man darf annehmen, daß Herr Dr. Ratzinger so schwerwiegende Beschuldigungen, die er in uncontrolirbarer Weise an hervorragender Stelle ausgesprochen hat, auch zu beweisen bereit sein wird." Wir fürchten, Dr. Meyer täuscht sich in dieser Erwartung! London. Die Anglo Jewish Association und der Board os Deputieß haben gemeinsam an den neuen Schah von Persien eine Adresse geschickt folgenden Wortlautes: An seine huldvollste Majestät Mozzaffer Ed-Din, den mächtigsten Herrscher von Persien, erhaben durch Ruhm und Frieden. Wir das Londoner Comitö der Deputaten der britischen Juden und der Anglo Jewish Association nahen uns ehrfürchtig Eurer Ma-

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