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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-06-26 · 26 (26.6.1896) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
26 (26.6.1896)
Date
1896-06-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 26 Dr. Vloch's Wochenschrift- Seite 517 ferne zu gebrauchen, als protziges Auftreten, schlechte Manieren, ebenso wie eine zähe Interesselosigkeit auf eine mangelhafte Erziehung zurückzuführen sind. Eine Lebensart und Auffassung, die ein Individuum veranlaßt, sich in unbescheidenem Gebühren ausfallend zu machen und die Begriffe von Bescheidenheit und Bequemlichkeit zu vermischen, ist zu verdammen. Auch der vielgepriesene Familiensinn hat manchen Auswuchs gezeitigt. Daß für jede Mutter ihr Kind das schönste nird liebste auf der Welt ist, ist ja natürlich, und daß jüdische Eltern ihren Kindern die undenklichsten Opfer zu bringen im Stande sind, ist einer der schönsten Züge des jüdischen Charakters. Aber die Eltern sollen nicht glauben und auch Andern glauben machen wollen, daß eben dieses mit allen Fehlern und Mängeln von ihnen so geliebte Kind auch Andern als ein besonderes Wesen erscheinen müsse. Aus dieser snbjectiven Anschauung der jüdischen Eltern entspringen vielfach objective Ansprüche, die die Gesellschaft mit Recht nicht zu erfüllen geneigt ist und die den Fluch der Lächerlichkeit herausbeschwören. Wenn die jüdischen Eltern ftühzeitig die Unarten ihrer Sprößlinge einsehen und sie ihnen abgewöhnen würden, dann hätten ihre Söhne und Töchter ein friedlicheres Leben in der großen Welt, der sie nun einmal angehören. Der jüdische Recrut und der jüdische Freiwillige ist nicht nur deshalb eine lächerliche Type geworden, weil er körperlich das Durchschnittsmaß der Militäransprüche nicht zu erfiillen vermag, sondern weil er Unarten hat, die bei seinen christlichen Kameraden gleicher Kategorie so concentrirt nicht so häufig Vorkommen und weil er denkt und es sich auch merken läßt, daß er denkt, es sei nur eine Ungerechtigkeit der Vorsehung, die ihn nicht zum General gemacht hat. Und die jungen Mädchen? Die werden nicht gelehrt, an die Pflichten zu denken, die sie der Welt gegenüber zu erfüllen haben, sondern sie gedenken meist nur der Pflichten, die der zukünftige Gatte ihnen gegenüber zu erfüllen hat. Diese und ähnliche Beobachtungen geben den Feinden der Juden natürlich nicht den Schein einer Berechtigung, sie zu verfolgen und ihren Leistungen im bürgerlichen Leben nicht das ihnen zukömmliche Aequivalent zu bieten — aber wenn die jüdischen Unarten nicht wären, würde man den Juden ihr Recht auch mit dem Herzen und nicht nur mit dem Verstände zugestehen. Gerade aus den bürgerlichen und menschlichen Freiheiten, die die Inden für sich in Anspruch zu nehmen voll berechtigt sind, erwächst ihnen wie nun allen Menschen, die Pflicht der Selbsterziehung. Je mehr Juden zu der Einsicht kommen werden, daß ihnen Unarten und Mängel der Erziehung anhaften, die abgelegt und abgestreist werden können, desto reiner und vorwurfsfreier wird die jüdische Art sich entwickeln. P. B e r t h o l d. Correspondenzen. Wien. (D ank- und Anerkennungsschreiben.) Von der Frau Baronin Clara von Hirsch erhielt Herr Alex. Schorr in Drohobycz nachstehendes Schreiben: Herrn Alexander Schorr, Mitglied des Local-Comites der Baron Hirsch-Stiftung in Drohobycz. Sehr verehrterHerr! Es war mir bisher nicht möglich, selbst zu schreiben und ich wollte es nicht einer fremden Feder überlassen, Ihnen meinen tiefgefühlten Dank auszusprechen für die schönen und doch so wahren Worte, die Sie meinem verewigten Gemahl nachgesprochen haben. In meinem so sehr großen Unglücke ist es mein einziger Trost, daß ich hoffen darf, daß alle Mühe, Sorge und Arbeit seines so thätigen Lebens nicht ohne Frucht für seine Mitmenschen bleiben wird und daß schon jetzt sichere Zeichen davon sich vernehmen lassen. Ich empfehle mich mit dem Wunsche, daß Sie und Ihre Herren Collegen auch fernerhin mit ebensolcher Opferwilligkeit und mit demselben Erfolge wie bisher Ihrem schweren Amte obliegen mögen und spreche Ihnen auch hiefür meinen innigsten Dank und meine ganze Anerkennung aus. Paris, den 14. Juni 1886. Mit ausgezeichneter Hochachtung Ihre ganz ergebene Clara Baronin von Hirsch m. p. Wien. Das „Freie Blatt", welches seit 4 Jahren mit unermüdlichem Eifer und scharfen Waffen den Antisemitismus bekämpft hat, kündigt in seiner letzten Nummer an, daß es am 28. d. M. zum letzten Male erscheinen werde. Es mvtivirt diese Einstellung mit dem Mangel an Theilnahme. Das ist ein tief beschämendes Bekenntniß, nicht für die tapferen Männer, die diesem trefflichen publicistischen Unternehmen ihre Kräfte gewidmet haben, sondern für die Wiener Bevölkerung. Wir können nur unser auftichtiges Bedauern darüber aussprechen, daß das „Freie Blatt" sich nicht behaupten konnte. Es hat sowohl die theoretische Begründung des Antisemitismus als auch dessen praktische Bethätigung mit Geschick und Muth, aber auch mit einem großen Aufgebote geistiger Kraft bekämpft. Männer, wie Friedrich Max M ü l l e r, B. C a r n e r i, Carl B l i n d, Dr. Friedrich S. K r a u ß, Dr. Gustav K a r p e l e s, Superintendent Dr. H a a ß, Consistorialrath Tr. S ch ö p f, S ch a cf, ja selbst der jetzige Erzbischof von Olmütz Tr. K o h n kamen darin zu Worte. Wir waren mit Einzelnem oft nicht einverstanden, in seiner Gesammtrichtnng aber war uns das „Freie Blatt" ein werthvoller und tüchtiger Bundesgenosse. „Ich halt' einen Kameraden, einen bessern find'st Tu nit!. .. Wien. Ein interessantes Geständniß ist dem „Deutschen Volksblatt" entschlüpft. Der Mährisch-Ostrauer Cvrrespondent des Blattes bespricht den Ausfall der dort stattgefundenen Gemeinderathswahlen. Es haben die deutschen Candidaten gesiegt. Allerdings nur mit einer knappen Mehrheit, da die deutschen Antisemiten ihre Stimmen aus die czechischen Candidaten vereinigt hatten. Und nun jammert der biedere Ostrauer Patentdeutsche über den Sieg der Deutschliberalen. Ihm wäre es natürlich lieber gewesen, wenn die Czechen siegreich ans dem Wahlkampfe hervorgegangen wären. Dafiir ist der Mann eben ein Extra-Deutscher. Und dazu gibt sich ein sich deutschnational nennendes Blatt her. Nettes Deutschthum! . . . . Noch ein Moment ist übrigens aus dem Ostrauer Wahlkamps hervorzuheben : Die Beamten der dortigen Grubenbesitzer Rothschild und Guttmann haben für die czechisch-antisemitische Candidatenliste gestimmt. Das wurde von deutschliberaler Seite als ungehörig bezeichnet. Der Volksblattler ist darüber erbost, und meint, man müsse den Beamten das Recht einräumen, nach ihrer Ueberzeugung zu stimmen. Recht schön. Aber wenn die Herren Beamten die Ueberzeugung hegen, daß ihre Chefs solche Schädlinge an dem Volke sind, wie die antisemitischen Maulhelden tagtäglich schwatzen, so sollten sie daraus die Consequenz ziehen und nicht deren Brod essen, sie sollten durch ihre Berussthätigkeit nicht gewissermaßen die Mitschuldigen ihrer Chefs werden. Und dann noch eine Frage: Würde Herr Dr. Lueger oder Prinz Liechtenstein einen Angestellten erlauben, für die liberale Partei zu agitiren oder zu stimmen? U. A. w. g. Budapest. Gelegentlich der Millenniums - Ausstellung, als der Ordensregen auf Juden beider Richtungen niederfiel — gerade in dem Augenblicke als Lueger, den I ö k a i in einem Feuilleton den „Clown an der Spitze eines Narrensynhedrivns" einen Vernichtungskrieg gegen Ungarn und ungarische Juden predigte, hat der Schreiber dieses Einblick genommen, in die Verwaltung der Pester israelitischen Religionsgemeinde, die an Größe zu den allerersten Gemeinden der Welt zählt. Ich verdanke dem Vorstandsmitgliede Herrn Arthur M. Bloch einige sehr interessame Daten des Budgets der Religionsgemeinde, wie das der Chewra-Kadischa betreffend, und es ist geradezu b-merkenswerth, wie ein Zug der Zusammengehörigkeit, eine einmüthige Munisicenz, alle Mitglieder dieses großen Gemeinwesens eint und bindet. Das Budget der Pester Cultusgemeinde beträgt die Summe von 354.743 fl. 44 kr., das der Chewra - Kadischa 181.556 fl. 60 kr. Summen, die dem Budget kleiner Fürstenthümer entsprechen. Um aber einen Einblick zu gewinnen wie alle Mitglieder der Religionsgemeinde gern und willig ihr Schärflein beitragen, um alle die zahllosen Wohlthätigkeits-Jnstimtionen zu fördern, genügt ein Hinweis auf eine Erscheinung, wonach die Gemeinde sich bemüßigt sieht, alljährlich ein Spendenverzeichniß erscheinen zu lassen, das an 60 Druckseiten umfaßt; wir entnehmen diesem voluminösen Verzeichnisse, daß an Spendengeldern, für alle humanitären Institutionen der Budapester Religionsgemeinde, nahezu 70.000 fl., (siebenzig Tausend Gulden) eingegangen, und was besonders hervorgehoben zu werden verdient, daß wir unter den Spendern großen Namen begegnen, die nicht der Glaubensrichtung der Gemeinde angehören, wie z. B. Cultusminister W l a s s i tz, Oberhausmitglied Baron P o d m a n i c z k y rc. Eine interessante Thatsache, die das Jmeresse für alle Gemeinzwecke, in das schönste Licht rückt, bleibe hier nicht unerwähnt. In der historischen Ausstellung in Budapest befindet sich eine Thora-Rolle, die gelegentlich der Eröffnung die Aufmerksamkeit Sr. Majestät auf sich lenkte. Die Thorarolle 25 Centimeter hoch, umschlossen von Holz, dem Libanon entnommen, zusammengesügt aus Blätter vom reinsten

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