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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-06-26 · 26 (26.6.1896) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
26 (26.6.1896)
Date
1896-06-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 26 Dr Bloch's Wochenschrift Seite 513 entschloß sich aber, in der Hilflosigkeit, worin sie sich befand, als sie Berlin erreicht hatte, selbst Kriegsdienste zu nehmen, welches ihr umso leichter ward, als sie in Mannskleidern reiset. Sie trat daher in das Königsberger zweite Landwehr-Uhlanen-Regiment, unter dem Major von H e r m a n n, machte die Feldzüge 1813 und 1814, erst als Freiwilliger, zuletzt als Wachtmeister mit, wurde zweimal verwundet, bei I ü t e r b o ck am Fuße und in der Gegend von M e tz, erhielt auf dem Marsche durch Holland 1814 im Armeecorps des Generals Grafen Bülow von Dennewitz, das eiserne Kreuz, traf unvermuthet am 29. März 1814 mit ihrem Manne, der noch immer in russischen Diensten stand, bei Montmartre zusammen, verlor ihn aber schon am folgenden Tage durch eine Kanonenkugel. Mit ehrenvollen Wunden und Auszeichnungen bedeckt, mit den ehrenvollsten Zeugnissen des Wohlverhaltens entlassen, ist sie seitdem vom Regiment abgegangen, und kehrt nun, nach einigem Aufenthalte in Berlin, nach Erfurt und Hanau, ihrer Heimat, zu ihren Kindern zurück. Möge sie dort ihre Mutterpflichten mit eben der Treue erfüllen, die ihr als Krieger den Beifall Seiner Majestät des Königs und des preußischen Heeres erwarb. Möge ihr aber auch allgemeine Theilnahme werden, und Unterstützung von vielen Wohlwollenven und Edlen, damit sie, ihrer vorigen Lebensbahn zurückgegeben, im Stande sei, sie zu ihrem und ihrer Kinder Gliick heiter und sorgenfrei zu durchlaufen! Dieser Artikel war aufgesetzt und der mündlichen kunstlosen Erzählung der Kriegerin treu nachgeschrieben, als uns das Petersburger Blatt: „D er r u s s i s ch e Invalide" am 25. Jänner (6. Februar) zu Augen kam, welches den w e i bl i ch e n U h l a n e n, Luise Manuel, mit vieler Auszeichnung erwähnt. Sie ist Mutter (heißt es darin) zweier lebender Kinder; der Mann verließ sie vor mehreren Jahren und ging nach Petersburg, wo er sich anwerben ließ und einige Zeit diente. Als seine Frau Luise erfuhr, daß die russische Armee in Deutschland einrückte, entschloß sie sich, ihr Geschlecht zu verbergen und den Vater ihrer Kinder aufzusuchen. Da ihr Zartgefühl ihr nicht erlaubte, mit den Soldaten von Berlin aus nach Schlesien zu gehen, so wurde sie selbst Soldat und ließ sich im Bühlow'schen Corps als Uhlanen anstellen. Niemand wußte von ihrem Geschlecht und sie focht in allen Schlachten der denkwürdigen Feldzüge von 1813 und 1814 mit, erhielt bei Jüterbock eine schwere Wunde am Fuß und wurde in anderen Gefechten verwundet. Ihr Mann, den sie wiedergefunden hatte, blieb in einem Gefechte bei Paris. Sie hat durch ihre Tapferkeit und Geistesgegenwart sich die Bewunderung und den Beifall Aller erworben." Bor 25 Jahren. In der von Helene Lange herausgegebenen Monatsschrift für das gesammte Frauenleben unserer Zeit „Die Frau" findet sich ein sehr beachtenswerther Aufsatz von Adine Gemberg: „Die Frauen im Felde", dem wir folgende Stelle entnehmen: „In dieser Fülle von wahrer, echter Nächstenliebe, wie es sich während des Feldzuges vor 25 Jahren offenbarte, gebührt namentlich den Juden ein dankbares Andenken. Ein Jude war es, der an der Seite des Fürsten von Pleß die Leitung des Centralcomites für die Pflege der verwundeten Krieger übernommen hatte, und er wie seine Glaubensgenossen haben mit Gut und Blut dazu beigetragen, daß so überaus reiche Opfer der Vaterlands- und Nächstenliebe gebracht wurden. Auch bei der Weihnachtsbescheerung waren diese Spender vertreten, und das Volk, das sie damals annahm, hat heute mindestens die Pflicht, eines dankbar freundlichen Erinnerns daran." Wir eondoliren der „Ostdeutschen Rundschau". Eine Höflichkeit ist die andere werth. Die „Ostdeutsche Rundschau" erzählte neulich, um uns eine Freude zu machen, eine Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" sei fiir 3 fl. 55'/, kr. verkauft und der Betrag den durch das Hochwasser verunglückten Bewohnern in Wigstadtl gewidmet worden. Leider müssen wir mit einem Berichte antworten, der der „Ostdeutschen Rundschau" kaum Vergnügen machen wird. Ein completer Jahrgang des antisemitischen Hetzblattes hätte versteigert werden sollen und da bot Einer — weil das Papier bedruckt und daher hygienisch nicht empfehlenswerth sei, 55'/, kr. dafür. Wir condoliren, Herr K. H. Wolf! Rudolf Birchow und Baron Rothschild. Das unter Virchow's Präsidium stehende deutsche Reichs comite für den internationalen und medicinischen Congreß in Moskau hat beschlossen, seine Thätigkeit nur dann auszunehmen, wenn die Paßangelegenheit fiir die deutschen Congreßbesucher jüdischer Confession vorher geregelt wird. Bekanntlich ist es für Juden heute beinahe unmöglich, ohne besondere Hilfsmittel nach Rußland zu gelangen; da aber eine namhafte Anzahl der bedeutendsten deutschen Aerzte jüdischer Confession ist, so wurde oberwähnter Beschluß gefaßt, der eine Beseitigung aller Schwierigkeiten fiir die jüdischen Congreßmiglieder fordert. Dies kann aber nur durch besonderen Ukas des russischen Kaisers geschehen. Man darf neugierig sein, wie die Entscheidung des jungen Monarchen, die ja bald erfolgen muß, ausfallen wird. Jedenfalls denkt Rudolf Birchow mehr an seine jüdischen Berufsgenvssen als Baron Rothschild — bei Gewährung von Anleihen — an seine unglücklichen Glaubensgenossen. Der ehemalige Redacteur der „Kreuzzeitung" v. N a t h u s i u s - L u d o m spielte in einem Civilproceß eine eigenthümliche Rolle, der gestern vom Kammergericht als Revisionsinstanz entschieden wurde. Herr v. Nathusius-Ludom hatte sich von seiner minderjährigen Schwiegertochter Generalvollmacht, ausstellen und dann Depotscheine übergeben lassen, welche au l einen bei der Reichsbank hinterlegten Betrag von 62.500 Mark lauteten. Diese Depotscheine übergab er dem bekannten, später wegen verschiedener Verbrechen steckbrieflich verfolgten „Direktor" Steinschneider, welcher die Depotscheine bei dem Bankier Kilz verpfändete. Diese grünen Scheine lauteten auf den Namen des Rentiers Löper zu Lichtenberg, welcher dieselben seiner Tochter nach deren Verheiratung mit dem Lieutenant v. Nathusius (jetzt Reservelieutenant) übergeben hatte. Das Capital sollte nämlich dazu dienen, das für Officiere bei der Verheiratung gesetzlich vorgesehene Einkommen zu sichern. Herr Löper forderte nun von dem Bankier Kilz die Depotscheine im Wege der Klage zurück mit dem Anträge, denselben zu verurtheilen und anznerkennen, daß ihm Rechte aus denselben nicht zustehen. Nach dem Klageantrag erkannte das Landgericht und gestern auch das Kammergericht mit der Begründung, daß schon auf Grund der ungiltigen Vollmacht, welche der p. v. Nathusius von seiner minorennen Schwiegertochter erlangt hatte, keine giltige Cession geschehen sei. „Jack der Aufschlitzer". Der Name genügte den antisemitischen Blättern, um den Verbrecher ohne Weiteres zum Juden zu stempeln, trotzdem eine ganze Reihe antisemitischer Führer, wie Schlesinger, Steiner und Pacher Namen tragen, die weit mehr auf jüdische Abkunft hindeuten. Bereits in den ersten Maitagen brachte die Berliner antisemitische „Staatsbürger-Zeitung" die Notiz aus New-Iork: Der dieser Tage wegen Mordes im Gefängniß von Sing-Sing Hingerichtete Carl Feigenbaum (!!) soll kurz vor seinem Tode erklärt haben, daß er der berüchtigte „Jack der Aufschlitzer" sei. Feigenbaum'» Opfer in New-Zork waren gleichfalls nur „gefallene Mädchen" Was Herr Redacteur Dr. Bachler (!!) vorsichtiger Weise nur durch zrvei Ausrufungszeicheu andeutete, das gab das etwas plumpere „Deutsche Volksblatt" deutlicher kund, indem es wenige Tage darauf die Notiz mit der Vorgesetzten Spitzmarke: „Jack der Aufschlitzer ein Jude?" abdruckte. — Auf eine directe Anfrage haben wir von der Redaction des „Jewish Messenger" in New-Aork nachstehende Antwort erhalten: Carl Feigenbaum war kein Jude, s o n d e r n K a t h o l i k." Vom goldenen Horn. C o n st a n t i n o p e l, den 16. Juni 1896. Vorige Woche haben die Muselmanen das Neujahrsfest gefeiert- Es sind somit 1314 Jahre, seitdem Mahomet, der Begründer der islamitischen Religion, verfolgt von der Wurh der Gegner in Mekka, die Flucht nach Medinah ergriffen. Dieses Fest der Hegira ist im religiösen Leben der Mohammedaner ein bedeutsames Ereignitz und wird mit großer Feierlichkeit begangen. Wie immer, freuen sich aber dabei die türkischen Beamten. Nachdem Seine Majestät 0er Sultan die ergebensten Glückwünsche entgegengenommen, werden Goldstücke neuester Prägung mit dem Datum des beginnenden Jahres unter die erschienenen Würdenträger und hohen Beamten vertheilt. Jenen bändigt der freigebige Großherr der Türkei eine ansehnliche Summe Goldes in einem Seidenbeutelchen persönlich ein, während diese je nach ihrem Range ein oder mehrere Goldmünzen aus den Händen des kaiserlichen Kammerherrn empfangen. Damit ist jedoch die Gnade des selten gütigen Beherrschers der Gläubigen noch nicht erschöpft. Wer zu Korban-Beiram den verdienten oder erhofften Gunstbeweis vom Sultan nicht erhalten, thut gut, in geduldiger Erwartung dem Neujahrsfeste entgegenzusehen. Vergessen

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