Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-06-19 · 25 (19.6.1896) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
25 (19.6.1896)
Date
1896-06-19
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021115-3021141--05731-3029980
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 504 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 25 tragen dürfen. Diese Deputation erschien heute unter Führung des Herrn Martin Schweiger an allerhöchster Stelle und wurde vom König huldvollst empfangen. Se. Majestät betonte in seiner Antwort, die Stiftung sei eine nothwendige und sehr nützliche, er freue sich derselben, spreche dafür seinen Dank aus und habe gern gestattet, daß die Stiftungen seinen Namen führen. Budapest, 7. Juni. Nach der neuesten Volkszählung leben hier 150.000 Juden, darunter 298 Aerzte, 230 Advocaten, 52 Profefforen, 20 Architekten, 45 Ingenieure, 44 Journalisten, 5 Bildhauer, 6 Opernsänger und 5 Componisten. Auch unter den Politikern sind viele Juden von Bedeutung; im Oberhause haben zwei, in der Deputirtenkammer 9 Sitze inne, wozu noch 2 Staatsräthe kommen. E. B. Prohnltz. (Eine Duellaffaire), welche sich jüngst hier zugetragen, bildet noch fortwährend das Stadtgespräch und hält die besseren Kreise irr Athem. Die betheiligten Personett sind der hiesige, sich allgemeiner Sympathien und ungetheilter Achtung und Werthschätzung erfreuende Advocat Dr. H. als Fordeier und der Oberlieutenant der Proßnitzer Garnison R. als Geforderter. Wie Unterrichtete behaupten, soll die Ursache des Duells in einer antisemitisch gefärbten Redewenduirg des Geforderten zu suchen sein. Als Waffe wurden Säbeln gewählt und Dr. H. als alter Corpsstudent hat über seinen Gegner eine von Letzterem zweifelsohne kaum erwartete Ueberlegenheit an den Tag gelegt, welche antisemitischen Stänkerern zur Warnung sein dürfte, bei Juden die Gewandtheit im Gebrauche des Säbels nicht zu unterschätzen. Koruotau. (I u b i l ä u m.) Am 16. d. M. feiert Herr Abr. P o l l a k, Districtsarzt in Priesen sein 50jähriges Jubiläum als praktischer Arzt. Derselbe hatte früher, bis zu seiner vor 6 Jahren erfolgten Ernennung zum Districtsarzte in Priesen, also durch 44 Jahre seinen Wohnsitz in Bielenz; sein Scheiden von dort wurde in der ganzen Umgebung allgemein bedauert, da derselbe nicht imr Arzt, sondern Jedem ein Freunö war. Herr Districtsarzt Pollak, der heute 81 Jahre alt ist, erfreut sich trotz dieses hohen Alters einer seltenen körperlichen und geistigen Frische. Nikolsburg. (Trauerfeier.) Sonntag den 7. d. M. fand im Haupttempel eine sehr würdige Trauerfeier zu Ehren des seligen Herrn Baron Moritz Hirsch statt. Rabbiner Feuchtwang predigte, Obercantor Segal trug die üblichen Psalmen und ein von Herrn Dr. Eisler in elastischem Hebräisch verfaßtes elmole-rachamim-Gebet vor. E. B. Mähr. Oftran. (Todesfall.) Unser verehrtes Cultusmitglied und Vorstand, Herr Landesadvocat Dr. Alois H i l s, hat einen schmerzlichen Verlust erlitten. In Proßnitz, seiner Heimatsstadt, verschied am 9. d. M. dessen hochbetagte Mutter, Frau Rosa Hilf. Dem schwergebeugten Sohne sind aus dem großen Kreise seiner Bekannten und Verehrer wärmste Sympathiekundgebungen zugekommen. Prag. (Verein der jüdischen Hoch schüler in P r a g.) Der zweite wissenschaftliche Abend dieses Semesters, welcher Samstag, den 13. d. M. im Vereinslocale Hotel „Kaiser von Oesterreich" veranstaltet wurde, brachte die Besprechung des interessanten Thema's: „Ueber Herzl's Judenstaat" durch Herrn techn. cand. Julius Kraus. An die bisherigen Versuche einer praktischen Lösung der Judenfrage anknüpfend, entwarf der Redner in kurzen Umrissen ein treffendes Bild von dem von Dr. Herzl proponirteu „Judenstaat" und hob in anregender Weise die Licht- und Schatten, seilen der Herzl'schen Idee hervor. -Dem Vorträge, dem das zahlreich erschienene Auditorium mit größter Spannung folgte, schloß sich eine lebhafte, gegen 2 Stunden währende Debatte an, in welche von den anwesenden Gästen auch die Herren Dr. Grün, Dr. Kaminka und Dr. Deutsch eingriffen. ^Die rege Betheiligung an diesem Abende legt Zeugniß ab von dem rühmenswerthen Interesse, welches auch seitens der nichtstudentischen Kreise Prags den wissenschaftlichen Veranstaltungen unseres Vereines entgegengebracht wird. Israelitische Cultusgemeinde Carolinenthal. Am 7. d. M. fand im israelitischen Tempel in Carolinenthal die Confirmations- Feier der Mädchen im Beisein des Cultus-Vorstandes und einer das ganze Gotteshaus füllenden festlichen Gemeinde statt. Nach einem stimmungsvollen Gesang des Tempelgesangvereines unter Leitung des Herrn eanck. weck. Zemanek wurden die Confirmantinnen, 10 an der Zahl, zum Altar vor die Kanzel geführt, die der Rabbiner Herr Dr. I. Hirsch bestieg, um in einer Festrede die Bedeutung der Mädchenconfirmation, die nur der Abschluß des religiösen Unterrichtes an die reiferen Mädchen ist, zu feiern. Nach der Festrede fand eine kurze Prüfung der wichtigsten Glaubenslehren statt. — Zwei Mädchen trugen ein Gebet und ein Bekenntniß in ergreifender Weise vor und sämmtliche Confirmantinnen ihre Wahlsprüche, Sprüche aus der heiligen Schrift mit einer kurzen Erklärung. Nach der Ertheilung des Segens und einem schönen Schlußgesang hatte die Feier, die die ganze Gemeinde erbaute, ein Ende. Zur Erinnernng erhielten die Confirmantinnen von der Cultusgemeinde Gebetbücher, die vom Vorstande vertheilt wurden. Brody. Am 9. d. M. ist im hohen Alter von 87 Jahren Herr Moses Juda Meisels aus dem Leben geschieden,. einer alten achtbaren Familie entstammend, ein leiblicher Cousin des in weiten Kreisen bekannten Warschauer Ober-Rabbiners Meisels. Der verstorbene Herr Meisels war kein einseitiger Büchergelehrter, sondern mit scharfem Blicke und richtiger Erkenntniß hat er den Forderungen der Gegenwart Rechnung getragen. Seine Vertrautheit mit der gesammten hebräischen Literatur bildete nur eine Vorstufe seiner profunden allgemeinen Bildung, die ihm eine schöne Stellung in der Gesellschaft sicherte, und obwohl sehr oft zur Annahme einer Ehrenstelle veranlaßt, zog er es vor, unabhängig zu bleiben und seinen Idealen zu leben. Es war eiir Seelenvergnügen zu hören, wie er aus dem reichen Schatze seines Wissens, seiner Lebenserfahrung und Menschenkenntniß mit beredtem Munde und edler Heiterkeit Altes und Neues zu verbinden verstand. Eine Reihe von Jahren lebte er im Auslande, nur die letzten zehn Jahre seines Lebens verbrachte er im Kreise seiner Kinder, Enkel und Anverwandten und ein lebhaftes Interesse für Literatur und Wissenschaft bildete den Hauptgegenftand seines Stilllebens, er war auch literarisch thätig und manches Werkchen ist von ihm im Drucke erschienen. Ein leichtes Unwohlsein warf ihn aufs Krankenlager, dem er nicht mehr entrinnen sollte und nach kurzem Ringen, friedlich, freundlich und heiter, beinahe ohne Todeskampf schied er aus dem Leben, um nun mit seiner ihm in den Tod vorausgegangenen Lebensgefährtin vereinigt zu sein. Am Grabe widmete Herr Dr. L. Herzel dem Verblichenen einen ergreifenden Nachruf. Boulogne-sur-Seine. Der 14jährige Maurice Blum hat aus einem Steinbruch, in welchem Wasser in einer Höhe von sechs Metern stand, ein Kind, Jean Kecheur, das beim Spielen hineingefallen war, vom sichern Tode errettet. Es ist dies schon das zweite Rettungswerk, das der junge Maurice Blum vollbracht hat. Paris. Frau Karoline Kapper hat der Rothschild-Stiftung ein Legat von 10.000 Francs vermacht. Chaux-de-Fonds (Schweiz). Die neue Synagoge ist im Beisein der Behörden und der Repräsentanten der verschiedenen Confessionen eingeweiht worden. Die Rede hielt Rabbiner Wolfs. Herr Wertheimer, der Großrabbiner aus Genf, wie auch Herr Auscher, Großrabbiner aus Besanoon, ergriffen gleichfalls das Wort. Am Abend wurde ein Banket gegeben, an welchem 350 Gäste theilnahmen. Bereeil. Unter den italienischen Gefangenen, welche noch in der Gewalt Abessyniens sind, befindet sich auch der Capitän Henri Segrß aus Verceil. Seine Familie hat den hiesigen Erzbischof Feff.ori gebeten, durch die Vermittlung von Missionären, Erkundigungen über das Schicksal Segres einzuziehen. Der gütige, menschenfteundliche Erzbischof hat sofort einen eigenhändigen warmen Brief geschrieben, in welchem er weitere Nachforschungen anordnet. London. Unter dem Protectorate der Prinzessinnen Christian und Louise, der Lady Battersea, Lady Montagu und des Großrabbiners Adler wird nächsten Montag eine Theateraufführung zu Gunsten des Vereines „Ferienheim für Fabriksarbeiterinnen" stattfinden. Es werden die beiden Stücke gegeben: „Ein Lord in Livröe" und „Die Herzogin von Bayswater". Unter den Mitwirkenden befinden sich die Damen Mrs. Gilbert, E. Samuel und Fräulein Ladenburg und die Herren Gilbert, E. Samuel, Cecil Sebag, Montefiore und W. A. Elkin. Kimberley (Südafrika). Der allgemein beliebte Mr. G. H. Bonas ist zum Friedensrichter ernannt worden. London. Seine königliche Hoheit der Prinz von Wales eröffnete vergangenen Samstag die East London Gewerbe- und Kunstausstellung. Unter den Anwesenden befanden sich der Oberrabbiner Adler, Sir. Samuel Montagu, Mr. H. S. Samuel, Mr. Charles Samuel u. A. Stach der Begrüßung des Prinzen von Wales, welcher von seiner Gemahlin und den Prinzessinnen Victoria und Maud begleitet war, besichtigten die königlichen Gäste die Ausstellung. Unter den Ausstellern befindet sich eine große Anzahl von Juden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.