Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 25 (19.6.1896)
- Date
- 1896-06-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 Dr. Vloch's Wochenschrift E. B. Wien. (Trauun g.) Am 21. d. M. findet im Saale des Hotel de l'Europe, II., Asperngasse, 12lk Uhr Mittags, die Trauung von Frl. Olga, Tochter des Herrn Dr. Carl Treu, mit Herrn Friedrich Kohn statt. Die Braut ist eme Enkelin des allverehrten Rabbiners Herrn Dr. Ad. Schmiedl. Wien. (Ferienheim.) Die Präsidentin des Vereines, Frau Sofie G r ü n f e l d, die Schriftführerin Frau Antonie Graf und der medicinische Beirath Herr Docent Dr. Josef Grünfeld haben Sonntag den 14. Juni eine Reise nach Rossitz bei Brünn unternommen, woselbst Frau Baronin Clara Hirsch de Gereuth eine Unterkunft für die Schützlinge des Vereines zur Verfügung gestellt hat. In Gemeinschaft mit Herrn Centraldirector S w o b o d a wurden die geeigneten Räume ausgemittelt und werden Anfangs Juli 50 Colonisten nach dieser neuen Station abgehen. Ein Brief SonnentÜal's. Der Verein „F e r ie uh e i m", Wien, I., Schottenring 23, hatte freudig den Anlaß ergriffen, um denk Meister deutscher Schauspielkunst, Adolf Ritter von Sonnenthal, welcher bei wiederholten Gelegenheiten seiner Sympathie und seinem warmen Interesse für die humanen Bestrebungen des „Ferienheim" Ausdruck gegeben hatte, zu seinem vierzigjährigen Künstler-Jubiläum die Glückwünsche des Vereines in einem kalligraphisch ausgeführten Schreiben darzubringen, welches von den gesammten Damen des Vorstandes unterzeichnet war. Hierauf ging dem Vereine ein Dankschreiben des Künstlers zu, welches wir nachstehend mit seinem Wortlaut wiedergeben: „Hochverehrteste Frau Präsidentin gestatten Sie mir Ihnen und dem verehrten Damencomite Ihres eminent humanitären Vereines meinen herzlichsten Dank auszusprechen für die warmen, lieben Jubiläumsgrüße, die Sie mir zukommen ließen und die mich in hohein Grade erfreuten und beglückten, und ikkdem ich Sie bitte, diesen meinen Dank auch dem geehrten Comite freundlich st übermitteln zu wollen, verbleibe ich mit dem Ausdrucke meiner vorzüglichsten Hochachtung, hochgeehrter Frau Präsidentin ganz ergebener A. Sonnenthal. Wien, am 5. Juni 1896. Frau Sofie Grünfeld, Präsidentin des „Ferienheim", Wien, I., Schottenring Nr. 23. Wien. (S p e n d e.) Für den Verein „Ferienheim" ist uns von Herrn Gustav Klepetar fl. 1 zugegangen. Wien, 14. Juni 1896. Heute fand im Tempel des IX. Bezirkes unter großer Betheiligung aus Künstler- und Schriftstellerkreisen die Trauung des Fräuleins Aurelie Landesberg, Tochter des bekannten Librettisten und Schriftsteller Herrn Alexander Landesberg, mit Herrn Rudolph Steindler, Abtheilungsvorstand der Bezirkskrankencasse statt. Herr Rabbiner Dr. Gelbhaus vollzog die Trauung in erhebender Weise. Wien. Herr Obercantor Meier Schorr wurde laut Beschluß in der Ausschußsitzung vom 30. Zlpril l. I. für Lebensdauer und mit allen Rechten auf das Pensions- Normale mit einem Gehalte von 2000 fl. jährlich definitiv angestellt. Als besonderen Beweis des Wohlwollens wird ihm eine dreizehnjährige Dienstzeit schon von jetzt ab angerechnet, so daß er im Falle einer nach dem 1. Jänner 1897 eingetretenen Invalidität auf eine Pensionsquote in Höhe von einem Drittel des fixen Gehaltes Anspruch hat. Wien. (Jüdische akademischeLe sehalle.) Samstag den 13. Juni sprach Herr jnr. Dr. Hollitscher über die inoderne Racentheorie und das Judenthum. Der Redner besprach zuerst die Racentheorie im Allgemeinen, erörterte den Begriff der psychologischen Race und ging dann auf das Judenthum über. Durch den Vortrag wurde eine lebhafte Discussion heraufbeschworen, an der sich Mitglieder und Gäste betheiligten. Der Vortragende darf wohl mit dem Erfolge des Abendes zufrieden sein. Samstag, den 21. Juni spricht Herr med. Drnd M. Engländer über die Brüder Humboldt und ihre Beziehungen zum Judenthum. Wien, 14. Juni 1896. Sehr geehrter Herr! Soeben lese ich in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes einen Bericht über den Vortrag („Moderne deutsche Lyrik"), den ich Samstag den 6. Juni d. I. in dem Vereine „Jüdische akademische Lesehalle" gehalten habe. Mit Bezugnahme darauf sei es mir gestattet, Einzelnes richtig zu stellen und um freundliche Aufnahme meiner kurzen Bemerkungen zu bitten. Im Interesse der Wahrheit und Vollständigkeit Ihres Berichtes muß ich hervorheben, daß ich in meinen Ausführungen auch die Wiener deutsch-moderne Lyrik berücksichttgte, und dies umso freudiger, als wir doch auch in Wien einen Dichter haben, den ich trotz seiner Jugendlichkett und um seiner scharfkanttgen Eigenart und Reife willen — meiner innersten Ueberzeugung nach — als einen Sette 503 der Hauptvertreter deutsch-moderner Knnst eingehend wiirdigte und unseren größten: Detlev Baron vorr Liliencron, Richard Dehmel und Gustav Falke als Ebenbürtigen an die Seite stellte. Dieser Dichter ist Anton Lindner. Daß ihr Gewährsmann von diesen Capitel meiner Ausführungen keinerlei Notiz genommen, wundert mich umso mehr, als ich doch an meine theoretischen Auseinandersetzungen zwei Gedichte Anton Lindner's <„Der Ton vom Tode", „Der tobte Tag") anreihte, deren Recitation den stärksten Beifall des Abends zu verzeichnen hatte. Im Anschlüsse daran nannte ich auch einzelne Wiener Namen, die man nicht außer Acht lassen darf, wenn man von der Psychologie unserer modernen Lyrik spricht: I. I. David, M. E. delle Grazie, Felix Dörmann. Und endlich erwähnte ich nebenbei auch jene Allerjüngsten, denen man die Heersolge nicht zu verweigern braucht: Paul Wilhelm, Paul Althof, Paul Wertheimer u. nt. A. Adolf Donath. Wien. (Verein zur H e b u n g der Gewerbe in Wie n.) In den neuen S a a l l o c a l i t ä t e n des Restaurants G u t h fand am Donnerstag den 11. d. M. eine überaus zahlreich besuchte P l e n a r v e rs a m m l u n g des Vereines statt. Das Interesse, welches die Bevölkermtg dieser Vereinigung entgegenbringt, documentirte sich neuerdings daritt, daß trotz der weit vorgeschrittenen Jahreszeit die Betheiligung eine sehr große war, wie man sie heute iit liberalen Körperschaften nicht gewohnt ist. Selbst Frauen der Fabrikanten und Gewerbetreibenden ließen sich von der hohert Temperatur nicht zurückschrecken. In ausführlicher Weise und unter zeitweise unterbrochenem Beifall kennzeichnete Herr Präses B r o d die heutige Lage und führte zum Schluffe die Ungarn als Muster der Zähigkeit und des Eifers, der Energie und des Zusammengehens an. Auch unsere Vereinsleitttng erkläre hiermit, daß sie sich ein flaues Mitthun von hren Mitgliedern nicht bieten lassen würde. Herr Baurath S t i a ß n y, mit Acclamation begrüßt, hielt eine schwungvolle Rede an die Versammlung. Er zeichnete die Zukunft der Juden nicht in rosigen Farben, sprach aber seine Freude darüber aus, wie gefürchtet die Tüchtigkeit derselben in allen Ständen sei. Im Schulrathe und im Kreise der Lehrerschaft, bei den Aerzten, tute bei den Gewerbetreibenden fürchte man die Juden. Selbst int S t a d t r a t h e, metnen 2 Blätter, fürchtet eine gebietende Körperschaft die Gewalt und die Tüchtigkeit eines e i n z i g e n I u d e n. Als ob dieser eine Mann eilte höhere Gewalt besäße. (Bravo! ). — Darum, meine Herren, folgen wir unserem Präses, bilden wir unsere so gefürchtete Tüchtigkeit in allen Stäitden bis zur Vollkommenheit aus, halten wir fest zusammen, erscheinen wir Mann fiir Mann, wenn uns die Lettung ruft, Neid und Mißgunst weichen aus unserer Mitte und auch für uns wird wieder eine glückliche Stunde kommen. (Redner wird beglückwünscht.) Herr Bezirksausschuß W a l d st e i n erklärte sich für das hier Gehörte begeistert, erzählte soeben Erlebtes aus feinem Beamtenkreise und empfahl dann den mafsenhaften Besuch der Millenniums-Ausstellung in Pest, ferner den zeitgemäßen energischen Wünschen der Vereins leitung Rechnung zu tragen (Bravo!). Eine Resolution des Herrn Bautischlers Lang, den Gegnern der wirthschastlichen Thätigkeit in Ungarn ein Mißtrauensvotum zu ertheilen, wurde als tticht iit den Rahmen des Gewerbevereines paffend von der Versammlung nicht angenommen. Nachdem noch einige Redner, die Herren Guttmann, Quittner, Buchwald, Wertheim, Kisch w. an der Debatte theilnahmen, wurde der corporative Besuch der Millenniums- Ausstellung beschlossen. Gleichzeitig theilte der Obmann der Versammlung mit, daß Herr Hofrath Exner, Reichsrathsabgeordneter, das ihm vom Vereine überreichte, künstlerisch ausgestattete Ehrendiplom, welches denselben zum e r st e n E h r e n - M i t g l i e d e des Vereines als eifrigsten Förderer der Gewerbe in Oesterreich ernennt, beifällig angenommen und seine Dienste dem ihm seit Bestehen sehr sympathischen Vereine zur Verfiigung stelle. Budapest. (Israelitischer L a n d e s f v n d.) Ti e Commission des ungarisch-israelitischen Landesfondes hat eine aus den Herren Alexander Deutsch de Hatvan, Wilhelm Gutt mann de Gelse. Sigmund Kohner, Dr. Moriz Mezei, kön. Rat h Ignaz Schreiber und Marttn Schweiger bestehende DeputatioU damit betraut, an beit Stufen des Thrones den tiefgefühlten Dank für die königliche Huld auszudrücken, deren sie dadurch theilhaftig wurde, daß Se. Majestät der König zu gestatten geruhte, daß die ans den Mitteln des Landesfondes an der Ludovica-Akademie errichteten Sttftungsplätze allerhöchseinen Namen.