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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-06-19 · 25 (19.6.1896) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
25 (19.6.1896)
Date
1896-06-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 25 Dr. Vlvch's Wochrnfttzrifl Seile 501 Judenliste geführt, wonach nur fünf Percent der jüdischen Rechtsanwälte Berlins Notare werden dürfen. Berlin, 15. Juni. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" erklärt, die Angabe der „Freisinnigen Zeitung", daß nicht der Justizminister, sondern der Ministerialdirectvr über die Anstellung jüdischer Richter sich geäußert habe, ebenfalls für erfunden; ebenso wird die Behauptung des gleichen Blattes über eine Judenlifte im Justizministerium, laut welcher nur fünf Percent jüdischer Rechtsanwälte in Berlin zu dem Notariate zugelassen werden, für unrichtig erklärt. Karlsruhe. (Eine bedeutsame A e u ß e r u n g der G r o ß h e r z o g i n v o n Bade it.) Eine d e n kw ü r d i g e Audienz beim großherzoglicheu Paare hat am 28. Mai stattgefnttden. Die Leser wissen, daß die badischen Israeliten zur Feier des 70. Geburtstages des Großherzvgs (am 9. September) eine wvhlthätige Stiftung, nämlich ein A sy l für S ch w a ch e und Greise, errichten wollen. Der zu diesem Zwecke gegründete Verein hat, nachdem die Sammlungen an Beiträgen und Stiftungen die Summe von 58.000 Rtk. und an Jahresbeiträgen 4000 Mk. ergeben hatten, bei dem Geheimen Cabinet Seiner königlichen Hoheit ansragen lassen, ob der Grvßherzog die Widmung dieser Stiftung annehmen und gestatten wolle, daß derselben sein Name zum dauernden Andenken verliehen werde. Alsbald wurde dem Borstande die Antwort, daß der Großherzog mit Freude von dieser Absicht Kenntniß genommen habe und bereit sei, eine Deportation des Vorstandes bereits am 28. Mai zu empfangen. In Folge dieser Mittheilung delegirte der Vorstand seinen Vorsitzenden, Herrn Bezirksrabbiner Dr. Lewi n-Freiburg, und die Vvrstandsmitmitglieder Oberrath S. Bens h e i m e r - Mannheim und Rechtsanwalt Dr. F r i e d b e r g - Karlsruhe, welche auch von Seiner königlichen Hoheit dem Großherzog in Audienz empfangen wurden. Derselbe äußerte seine lebhafte Freude an dieser Huldigung, dankte für die Aufmerksamkeit in dieser ihm so genehmen Form und erkundigte sich mit großem Interesse nach allen Details des ganzen geplanten Werkes, wobei er insbesondere auch seine Befriedigung aussprach, daß für d i e Berück s i ch t i g u it g a l l er r e l i g i ö s e it Bed ü r snisse ausreichend gesorgt werden solle. Seine königliche Hoheit gestattete, daß der Stiftung sein Name verliehen werde (die specielle Bezeichnung ist noch nicht erfolgt), und daß den Israeliten des Landes hievon Mittheilung gemacht werde. Bei der Unterhaltung zeigte der Groß h e r z o g Interesse am cvnsessivnellen Leben der deutschen Inden überhaupt, sprach über den seligen Professor Bern a y s in Bonn, erkundigte sich nach verschiedenen R a b b i n e r-S e m i u a r i e n Deutschlands und Anderem mehr. Nachdem die Deputation vom Großherzog verabschiedet war, wurde ihr die Ueberraschnng zu Theil, zu Ihrer königlichen Hoheit der G r v ß h e r z v g i u beschiedeu zu werden. War schon der Empfang bei ihrem erlauchten Gemahl ein überaus huldvoller, so war die Ausnahme bei der Großherzvgin eine so liebenswürdige, daß man fast vergaß, welch' hochgestellte Frau sich hier um speciell jüdische Interessen so sorgsam bemühte. Die hohe Frau ließ, als sie hörte, daß Herr Dr. L e w i n in seiner Ansprache an den Großherzog einen Vers ans I e s a i a s citirt hatte, den er in deutscher Uebersetzung vortrng, sich den Vers in der U r spräche wiederholen und hob lebhaft hervor, wie schön die hebräische Sprache sei; sie sprach den Wunsch aus, daß in den israelitischen R e l i g i o n s s ch u l e n doch mehr Z e i t a u f das Studium dieser herrlichen Sprache verwendet werden möge, denn es sei doch eigentlich Pflicht der Israeliten w e n i gst e n s Hebräisch i n d e n Schule n zu l e r u e n so viel, d a ß s i e i h r e G e b e t e u n d d i e herrlichen P s a l m e n in der U r s p r a ch e z u v e r st e h e n in der Lage wären. Die Deputation schied von dem edlen Fürstenpaare mit dem Wunsche, daß der Lenker der Geschicke der Völker und der Fürsten es dem Großherzog Friedrich und seiner hohen Gemahlin vergönnen möge, noch recht viele Jahre zur Freude des Volkes und nicht zum wenigsten des israelitischen Theiles desselben unser schönes Land zu regieren. Rom. (M o r t a r a.) Pater Mortara, Canon von St. Augustin, ist vom Papste zum Superior des St. Bernard-Hospitales ernannt worden. Der neue Superior der frommen Mönche von St. Bernard ist 48 Jahre alt und ist der „kleine Mortara", jenes jüdische Kind, dessen gegen den Willen seiner Eltern erfolgte Taufe fast eine europäische Frage wurde. Mortara's Eltern machteil alle erdenklichen Versuche, das Kind zurückzugewinnen, aber Papst Pius IX. entschied damals, daß das getaufte Kind im christlichen Glauben erzogen werden sollte. Paris^ Sonntag erhielt Frau Fnrtado-Heine, die berühmte Pariser Wohlthäterin und "Nichte des Dichters, vom Minister des Innern, Barthon, die Insignien eines Ossiciers der Ehrenlegion. Frau Fnrtado-Heine theilt diese Auszeichnung mit der französischen „Florence Nighthingale", Frau Coralie Cahen, welche, wenn wir uns richtig erinnern, ans dem Schlachtselde decorirt wurde. Tie Veranlassung zu der Auszeichnung Madame Fnrtado-Heine's war die feierliche Einweihung der Krippe, welche sie in der Rue d'Alesia errichtet hat und die das bedeutendste Institut dieser Art ist. Die neue Krippe hat Raum sür hundert Kinder, welche alle französischer Nationalität sein müssen. Die edle Gründerin hat ein Capital von einundeinhalb Millionen Francs zur Erhaltung der Krippe gespendet; der Bau kostete weitere 000.000 Francs. Das Gebäude ist nach den Plänen Blvndel's, des Architekten des Louvre, errichtet worden; es enthält alle modernen hygienischen Verbesserungen und ist sehr hübsch eingerichtet. Der Präsident der Republik sowohl, wie auch der Kriegsminister haben sich bei der Eröffnung der Krippe vertreten lassen, welche officietl als gemeinnützige "Anstalt anerkannt wurde. Der Minister des Innern zählte in einer kurzen "Ansprache Madame Fnrtado-Heine's wvhlthätige Werke aus und hob hervor, wie rastlos sie um das Wohl der "Armen und Leidenden bemüht sei. Er sagte, daß es ihm ein besonderes Vergnügen gewähre, ihr den Dank der Regierung auszusprechen, welche sehr wohl wisse, ivie Madame Furtado-Heine ihr ganzes Leben in geistvoller Weise und mit ganzem Herzen der Wohlthätigkeit gewidmet hat. Tie Freigebigkeit dieser ausgezeichneten Frau ist nicht nur in Paris, sondern in ganz Frankreich sprichwörtlich geworden. "Alle jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten haben in ihr eine mächtige Stütze, aber sie dehnt ihre Wvhlthaten auch aus die ganze Bevölkerung aus. Sie ist immer die Erste, wenn es gilt, den Mühseligen nnd Beladenen beizustehen. Im vergangenen Jahre erst hat sie ihre schöne Billa an der Riviera der Regierung zu dem Zwecke geschenkt, daß ein Reconvalescentenheim sür verwundete Officiere errichtet werde; gleichzeitig spendete sie eine beträchtliche Summe zur Einrichtung des Heims. (Jules Simon.» Jules Simvn's jüdische "Abstammung ist wohl nicht authentisch bewiesen, doch haben solche. Gerüchte oft einen Kern von Wahrheit in sich. Sowohl Beacvnssield als Guizvt behaupteten, er sei ein Jude gewesen, möglicherweise, weil sie ersahren hatten, daß er ursprünglich Schweitzer hieß. Wir wären natürlich stolz daraus, ihn zu unseren Glaubensgenossen zu zählen, doch ist uns die Möglichkeit seiner jüdischen "Abstammung von weit geringerer Bedeutung als die Thatsache, daß er einer jener wunderbaren Charaktere war, denen alle Menschen Brüder sind. Er lvar ein Freund der Juden, was er mehr als einmal bewies. Cr^mienx tvar sein College und "Adolphe Franck war sein lebenslänglicher Freund und Mitarbeiter an der Universität. In ihnen fand er eine praktische Rechtfertigung seiner philosemitischen Grundsätze. London. Bei dem letzten im Namen der Königin von der Prinzessin von Wales abgehaltenen Empfange (Trawing-Room) wurde Mrs. Edmund Sebag Mvntesiore von Mrs. Colyer-Fergnsson vorgestellt. Mittwoch fand unter deni Vorsitze des Prinzen von Wales ein Banket zu Gunsten des G u g's Hospital statt; Mr. "Alfred L. Cohen präsidirte einem Tische, desgleichen Mr. Edward D. Stern; Mr. James Stern war dem Tische des Prinzen von Wales zugetheilt worden. Unter den Gästen befanden sich: Lord Rothschild, Oberrabbiner Adler, Sir Joseph Sebag Mvntesiore, Mr. Reuben D. Sassoon, Mr. Henry Barnato, Mr. A. Beit, der Rathsherr «"Adlermann) Faudel Phillips, Mr. F. A. Lucas. Frau Alfred L. Cohen war Mitglied des Empsangscomit^s. Der Verkauf der großen Sammlungen des verstorbenen Sir Julian Goldsmid, bestehend aus alten französischen Möbeln, Porzellan, Tapeten, Bronzen und Sculpturen, begann am Montag in den Localitäten von Christie, Manson und Woods in King Street und dauerte die ganze Woche hindurch. Kunstkenner und Händler ans allen Theilen Großbritanniens und von den Hauptstädten des Cvntinents waren anwesend. Das Angebot war hoch, und es wurden bedeutende Preise erzielt. London. Unter den Telegirten des internationalen Handelskammercongresses, welcher soeben in London tagt, b

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