Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 25 (19.6.1896)
- Date
- 1896-06-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 500 Dr. Vloch's Wochenschrift. vir. 25 gasten, unter welchen außer den Leidtragenden Personen aller Brunner Gesellschastsschichten sich befanden, sei der Bauherr des Sanatoriums, Herr Gemeinderath Eduard E x n e r, hervorgehoben. Die überaus zahlreiche Betheiligung an dem Leichenbegängnisse beweist, welch große Sympathien der Verstorbene sich in kurzer Zeit hier erworben hatte. Lemberg, 12° Juni. Wir erhalten von einem Freunde unseres Blattes nachstehende Zeilen: „Die „Oesterreichische Wochenschrift" hat über den beklagenswerthen Ausgang der hiesigen Gemeinderathswahlen und über die Gründe, die mitbeigetragen haben, den Ausgang derselben herbeizusühren, bereits berichtet. Ich möchte nur noch mittheilen, daß auch die Ergänzungswahlen, bei denen nur Dr. B Y k durchkam, nichts an dem Bilde des Ganzen änderten. Erfteulich ist nur, daß auch zwei enragirte Antisemitensührer, G e t r i tz und K o r d y s bei der Wahl durchfielen. Ueber den Ersteren dürfte es für Ihre Leser nicht uninteressant sein, Einiges zu erfahren, was zur Kennzeichnung nicht nur seiner Person, sondern auch des Antisemitismus beiträgt. Der Gute gehört hier seit Langem zu den fanatischen Verehrern des Dr. Lueger, den er sich auch in gewisser Beziehung zum Vorbilde genommen hat. Auch Getritz, obwohl er ein reicher Mann und ein glänzendes Buchbinder, geschäft hat, zeigte sich in der Lueger'schen Art als „Beschützer" des kleinen Mannes. Er wurde in dieser Eigenschaft im vorigen Jahre — zu acht Tagen Arrests verurtheilt. Das kam so. Getritz hatte einen armen Handwerksgehilfen, der in einem seiner" Häuser ein Dachstübchen bewohnte, wegen des rückständigen Miethzinses in der Höhe von 5 fl. — e i n g e s p e r r t gehalten! Das war so ein richtiger Vorkämpfer für die Heilslehren des Antisemitismus und ein solcher Mann mußte fallen! Wer auch nach seinem Falle zeigte es sich, welch' wahre antisemitische Größe in Getritz stecke. Der reiche Mann wäre schon aus Rücksichten für sein Geschäft — die Gemeinde hat ja viele Buchbinderarbeiten zu vergeben — gerne Mitglied des Gemeinderathes geworden und da erschien er kurz vor den Ersatzwahlen vor dem Cultusrath mit der Bitte, .derselbe möge ihm zu einem Mandat verhelfen. Für dieses Mandat verleugnete Getritz leidenschaftlich seine antisemitische Gesimrung, ja er verleugnete sogar seinen Meister und Führer Lueger, über den er sich curios äußerte. Aber traurig! Die Juden wußten diesen seltenen Charakter nicht zu würdigen und wollten nichts von ihm wissen! So fehlt jetzt dieser Jünger Lueger's dem Lemberger Gemeinderathe. Schade! Da er auch nach bewährtem Muster Buchbinder ist. hätte er vielleicht unter günstigen Umständen Bürgermeister von Lemberg werden können. A—ni. Oedenburg. (Ein st e ck b r i e f l i ch verfolgter Pfarre r.) Pfarrer Johann M i t t e n d o r f e r. der von Schwertberg hieher kam und die Leitung eines antisemitischen Wochenblattes übernahm, hiebei aber eine scandalöse Thätigkeit entfaltete, sollte in einer Preßproceßsache wegen Aufreizung gegen eine Confession vom Untersuchungsrichter Peez einvernommen werden. Mittendorfer's A u f e n t h a l t ist jedoch unbekannt; er ist von hier verschwände n. Die steckbriefliche Verfolgung des Pfarrers wurde vom Gerichtshöfe angeordnet. Budapest, 16. Juni. Der Kaiser erschien gestern in den ersten Nachmittagsstunden in dem Palaste der Akademie der Wissenschaften, wo für den Maler Leopold H o r o w i tz ein mit dem größten Comfort ausgestattetes Atelier eingerichtet worden ist. Der Kaiser saß dem Meister zu einem Porträt zwei volle Stunden und unterhielt sich während dieser Zeit mit dem Künstler in sehr angelegentlicher Weise. Der Kaiser wird während seines Aufenthaltes in Budapest Herrn Horowitz noch einige Sitzungen gewähren. Budapest» 2. Juni. Mit lebhaftem Befremden, dem der Abgeordnete Moriz M e z e i in der Kammer unverhohlen Ausdruck gab, wurde vor Kurzem eine Stiftungsurkunde über mehrcre Freiplätze in der Ludovica-Akademie ausgenommen, in welcher wieder nur von „chr i st l i ch-recipirten Confessionen" die Rede war. Man mußte sich mit der Erklärung, die der Cultusminister gab, zufrieden geben und die Ausschließung der jüdischen Zöglinge aus der Militärvorbereitungsschule stillschweigend zur Kenntniß nehmen. Nunmehr hat die israelitische Landeskanzlei einen Theil des israelitischen Landesfonds zur Errichtung von fünf Stiftungsplätzen für Zöglinge dieser Anstalt bestimmt. In Folge eines Beschlusses, den die Commission für den ungarisch-israelitischen Landesfond faßte, wurden dem Houvedminister l 50.000 Kronen übergeben, welche ats Stiftung verwaltet, dem erwähnten Zwecke dienen sollen. Se. Majestät der König hat gestattet, daß diese Stiftung seinen Namen tragen darf und den Titel „F r a n z I o s e f - S t i f t u n g s p l ä tz e" führen soll. Der Houvedminister Baron F e j 6 r o ä r y hat der Verwaltung des Landesfonds seinen Dank ausgedrückt. Budapest, 7. Juni. Den Malern Em. Knopp und Mor. K a r v a l y wurden von der Jury der K u n st a u s st e l l u n g die höchsten Preise zuerkannt. — Herr Dr. Stgism. Szünto, Professor an der israelitischen Realschule in Vüg-Ujhely, ist zum ordentlichen Professor am Staatsgymnasium zu Lugos ernannt worden. Berlin, 5. Juni. Ueber den A n t i s e m i t i s m u s i n Badeorten brachte vor einigen Monaten die Zeitschrift „Im deutschen Reich", Organ des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, folgende Auslassung: Unliebsame Erfahrungen, welche verschiedene deutsche Staatsbürger an einzelnen Badeorten gemacht haben, dürften dazu dienen, bei der Wahl von Erholungsorten künftighin streng diejenigeir zu meiden, welche vorzugsweise voll entschiedenen Judengegnern besucht werden. Diese letzteren werden dariir keine Boycottirung einzelner Orte, sondern nur eine ihnen erwünschte „reinliche Scheidung" sehen, bei welcher die Juden nichts verlieren. Wenn diese die Nordseebäder B o r k u m und I n i st, wo sie Beleidigungen zu befürchten haben, meiden müssen, bleibt ihnen das benachbarte Weltbad Norderney, lvo noch Wallenstein's Grundsatz gilt: „War sonst der Mann noch gut; ich pflegte nach dem Katechismus nicht zu fragen!" Die Ostseebäder Colberg, Stolpmünde u. A. m. bieten hinreichend Ersatz für S a ßn i tz auf R ü gen, lvo ein antisemitisches Treiben geduldet wurde, über welches bittere Klagen geführt worden ist, auch für H e i l i g e n h a f e n, wo die Badeverwaltnng die Verscheuchung der Juden durch ausnahmsweise hohe Curtaxen ausdrücklich ankündigte. Nach einer Mittheilung der „Täglichen Rundschau" soll sich auch das „hübsche" Ostseebad Z i n n o w i tz gegen jüdischen Besuch erklärt haben, das wir gerade nicht „'hübsch" finden! Zwei Gasthöfe in Tabarz in T h bringen haben sich durch Anschläge jüdischen Besuch verbeten, worüber man in dem viel mehr Comfort bietenden reizenden Friedrichsroda nicht böse sein wird. Da man nicht ungestraft unter Palmen wandelt, können es die Juden verschmerzen, wenn die Stadtgemeinde „F r e u d e n st a d t" das Cnrhaus „P a l m e nw a l d" unter Hinweis auf eine „christlich" Hausordnung" empfiehlt. Noch weniger empfindlich ist es, daß der Besitzer des Curhauses Ober Weiler im Schwarzwald „den Besuch jüdischer Gäste als unerwünscht" bezeichnete. Weil „chronische Jntoxicationen", gegen ivelche Oberweiler angeblich Heilung schaffen soll, bei Juden selten Vorkommen, wird der Besitzer des Curhauses nach bekannten Vorbildern bei den Gegnern derselben Ersatz gesucht haben. Die „Tägliche Rundschau" irrt, wenn sie voraussagt, künftig werde die Wahl eines Bades die Losung entscheiden: Judenbad oder nicht Judenbad? Anständige Leute fühlen sich von dem Treiben Derjenigen, die wie die Gassenjungen an die Wände der Badecabine „Inden raus!" kritzeln, schon jetzt so angeekelt, daß die Frage lauten wird: Antisemitennest oder nicht? Da selbst judenfeindlichen Besitzern von Curaustalten diese Bezeichnung nicht erwünscht erscheint, geben sie ihre Gesinnung neuerdings in verblümter Weise kund. In den „Berliner Anzeigen der amtlichen Tagesordnung der ärztlichen Vereine" empfahl in letzter Zeit der Badeinhaber Georg Schmalzl wiederholt den Luft- und Waffercurort Ein öd bei Friesach in Obersteiermark als „echt ch r i st l i ch e n Aufenthalt." Da die Luft- und Waffercur mit der Religion kaum etwas zu schaffen haben dürste, muß angenommen werden, daß Herr Schmalzl seine „E i n ö d" durch Nichtchristen zu beleben Widerwillen hegt. Die Staatsbürger jüdischen Glaubens werden gut thun, ihre Erholung dort zu suchen, wo weder in der Landschaft, noch in den Menschenköpfen Einöde vorhanden ist! Berlin. Die „Freisinnige Zeitung" hält ihre Mittheilungen bezüglich der Anstellung jüdischer Richter aufrecht; nur habe nicht der Justizminister, sondern fein Ministeriald i r e c t o r die fälschlicher Weise dementirte Aenßerung zu einem jüdischen Assessorgethan. Weiter erfährt die „Freisinnige Ztg." im Justizministerium werde schon lange eine sogenannte,