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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-06-19 · 25 (19.6.1896) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
25 (19.6.1896)
Date
1896-06-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 25 Seile 499 Vr. Vloch's Wochenschrift. worden, habe aber die ihm zur Last gelegten Ausdrücke nicht gebraucht. Dr. Rappaport: Sind Sie überhaupt Antisemit? — A ngeklagter: Ich bin kein Antisemit, ich Hab' gar nichts gegen die Juden, ich bin Geschäftsmann, zu mir kommen viele Juden; mir sind Alle gleich. Der Vertheidiger beantragt nun die Vernehmung mehrerer Zeugen, welche darthun sollen, daß Achleitner die incriminirten Worte nicht gesprochen habe. — Dr. Seligmann spricht sich gegen diesen Antrag aus, da Herr ^Achleitner bei der ersten Verhandlung gar nicht geleugnet habe. Seine jetzige harmlose Haltung widerspreche vollständig seinem Verhalten vor dem Bezirksgerichte, wo ihm eine goldene Brücke durch eine vorgeschlagene Erklärung geboten wurde, aber selbst die Intervention des Richters ihn nicht bewegen konnte, darauf einzugehen. — Der Gerichtshof lehnt die Zeugen ab. Dr. Rappaport: Wollen Sie nicht heute eine Erklärung abgeben, daß Sie die Ausdrücke, die Sie etwa gebraucht haben sollen, zurückziehen, insofern sie gegen den Ankläger und gegen das Jndenthum gerichtet sind? Dann wäre vielleicht der Herr Privatkläger zu bewegen, die Berufung zurückznziehen, und ich würde dem hohen Gerichtshöfe vielleicht mit Erfolg den Antrag stellen können, Ihre Strafe zu mildern. — Angeklagter: Ra ja, meinetwrgen. Dr. Seligmann: Ich bin zu diesem Ausgleiche bereit; aber ich möchte Sie nicht drängen. Ich bitte Sie, mir zu sagen, ob Sie freiwillig und mit reiflicher Ueberlegung die Erklärung abgeben wollen? — Angeklagter: Ra ja, ich geb's ab. Dr. S e l i g m a n n : In Folge dieser Sinnesänderung, welche sich schon in der Wahl sein es Bert Heid igers ausgedrückt hat (Heiterkeit) und von der ich hoffe, daß sie nicht nur der Besorgniß vor dem Ausgange des Processes entsprungen ist, sondern anhalten wird, ziehe ich d>e Berufung zurück. Der Gerichtshof gibt nun der Berufung des Bertheidigers gegen die Strafe Folge und setzt diese auf. fünf Gulden herab. Affaire Arnoscht-Vergani. Vor dem Bezirksgerichte Alsergrund (AdjunctDr.S ch u l;) solltevoreinigen Tagen der Zeitungsherausgeber und Landtagsabgeordnete Ernst Vergani als Angeklagter -erscheinen, da sein ehemaliger Mitarbeiter Franz A r n o s ch t, derzeit Schriftleiter der „Währinger Bezirksnachrichten", gegen ihn eine Ehrenbeleidigungsklage eingebracht hat. Bekanntlich hat Vergani gegen eine ganze Reihe von Redacteuren und Zeitungsherausgebern, die ihm unehrenhafte Handlungen vorwarfen, die Klage angestrengt. Unter denselben befindet sich auch Franz Arnoscht und derselbe erblickt darin, daß ihn Vergani fälschlich der Ehrenbeleidigung beschuldigt, eine Beleidigung seiner Person, da er Vergani nichts F ä l s ch l i ch e s vorgeworfen, sondern nur Wahres über ihn berichtet habe. Die in seinem Namen von Dr. Vincenz von Berger überreichte Klage will nun — so heißt es in der Klage selbst — verhindern, daß bei einem etwaigen Rückzuge Bergani's durch Fallenlassen seiner Klagen die Schilderung seines Gebahrens als 'Bürgermeister von Mühldorf der Oeffentlichkeit vorenthalten werde. — Die für 10 Uhr anberaumt gewesene Verhandlung wurde aber auf Grund eines schon früher vom Vertreter Bergani's gestellten Antrags vertagt, da zuerst das Resultat des von Vergani gegen Arnoscht angestrengten Ehrenbeleidigungsprocesses abgewartet werden muß. Eine Scene von der Straße. Durch die Halbgasse am Neubau ging jüngst der 63jährige Hausirer Jacob H e l l e r und schrie sein „Handeln!" zu den Fenstern hinauf. Der eben vorübersahrende Kutscher Franz Mauser hörte dies und rief dem Alten zu: „Jud', es war' besser, Du möchtest arbeiten!" — „Wie ich so jung war wie Du", erwiderte der Hausirer, „habe ich auch gearbeitet." Diese Antwort empörte den Kutscher derart, daß er vom Wagen sprang und dem alten Manne einen wuchtigen Schlag versetzte, daß er zusammenüürzte und zehn Minuten lang bewußtlos liegen blieb. Mauser hatte sich deshalb vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes 'Neubau, Rathssecretär Dr. v. F e y e r e r, wegen llebertretung gegen die körperliche Sicherheit zu verantworten. Der Angeklagte war nicht erschienen. Der Richter fragte den als Zeugen einvernommenen Hausirer: Verlangen Sie irgend einen Ersatz von dem Angeklagten? Zeuge: Nein. Ich will nicht einmal, daß der Mann bestraft wird. Er hat vielleicht Weib und Kind daheim und sollen die für die Verirrungen ihres Ernährers büßen? Der Richter verurtheilte den Angeklagten in contumaciam zu einer Woche Arrest. Otrnütz, 15. Juni. Geehrter Herr Redacteur! Für die Lage der Juden in Mähren, die bekanntlich daselbst die Stützen des deutschen Charakters zahlreicher Gemeinderepräsentationen bilden, für diesen nationalen Chauvinismus deutscherseits oft recht gönnerhafte Fußtritte erhalten, wie sie von den czechischen Landesbewohnern — die bei Gott nicht soviel Undank verdient hätten — allerdings noch mit Unrecht chikanirt werden, bot die Jubelfeier des „Bundes der Deutschen in Nordmähren", abgehalten am 15. d. M. in Olmütz, eine farbenreiche Illustration. Der „Bund" ist „ein nationaler Schutzverein" mit Ausschluß politischer Tendenzen" — nach hiesigen Verhältnissen ein Verein, dem wohl jüdisches Gelb, aber nicht jüdische Mitgliedschaft behagt. 'Natürlich meist er den „'Antisemitismus" stets mit Entschiedenheit von sich, da man ihm diese Gesinnung noch nicht bewiesen härte.j Trotzdem ist dieses versteckte, darum doppelt verdammenswerthe Verhalten hier ein o f s e u e s G e h e i m n i ß. Beweis dafür, daß die hiesige Judenschaft, die den besser situirten Mittelstand bildet und zu svustigen Veranstaltungen das Hauptcoutingent stellt, sich diesmal gänzlich absentirt hat. Begrüßungsabend und Commers waren judenrein, das Gartenfest durch 5 scheelangeblickte Semiten „verunziert", deren baldiger Rückzug allgemeines Aufathmen zur Folge hatte. Traurig ist es aber, daß unser Bürgermeister und nur durch die Unterstützung der Proßnitzer Juden gewählte Abgeordnete (Engel) sich bemüßigt erachtete, denk Bund und dessen Obmann, dem bekannten Antisemiten Braß, devoteste Knixe zu machen, daß die Lehrerschaft, besonders ein Herr, ein „volklicher" Mann und Meister des Verfteckenspielens, sich zum Vorspann aller Actionen machte, daß das „Mährische Tagblatt" — ein liberales Blatt, dessen Redacreur einst toastirt hat: „Wohl einer Stadt, wie Sternberg, die keine Juden hat" — die Festtage in Hymnen besingt und es betrauert, „daß sich gewisse Kreise aus politischen Motiven von der guten Sache zurückziehen." Man darf uns Judeir in Mähren nicht nationaler Gleichgiltigkeit zeihen! Wir haben den Karren des Deutschthums oft genug aus dem Kothe gezogen, wenn er am tiefsten stack. Man gehe nach Proßnitz, Gaya, Weißkirchen, Ostrau :c.! Der betreffende Herr aber sagt: Es sei noch nichts vorgekommen, was 'Antisemitismus rechtfertigen könne. Das Verdächtigen könne aber das Schreckbild leicht h e r a u f b e s ch w ö r e n! Großmüthig, daß er sich brüstet, der „Bund" bewerfe uns nicht mit Kvth! Was wir aber wollen, ist, daß man uns nicht nur als unvermeidliches Uebel durch I g n o r i r e n dulde, sondern als v o l l b ü rtige Staatsbürger b ehandle, die bei gleichen Pflichten auch gleiche Rechte haben sollen. Daß es auch Staatsgrundgesetze gibt und daß ein gönnerhaftes Uebersehen einer Confession ohne Offensive noch kein Verdienst, dürste dieser Herr wissen, ebenso, daß ein negatives Unterlassen einem positiven Thun nicht gleichkommt. Im Uebrigen verweise man ihn auf d i e a n t i s e m i t i s ch e B r a nd r e d e des -nnä.rtzcbn. Scheerbaum anläßlich des Commerses. Allerdings: Wer nicht überwiesen werden will, den zu überweisen gebe man sich keine Mühe! Vielleicht kommt den Juden in Mähren noch die Einsicht, oll sie gut thun, die deutsche Fahne hochzuhalten, um als Sold von ihrem Kriegsherrn mit den Fahnenschaft geprügelt zu werden. Durch Veröffentlichung dieser Zeilen würden Herr Redacteur, der guten Sache einen Dienst erweisen. Für jedes Wort steht Schreiber ein. Mit der tiefsten Hochachtung Pr. E. Brünn. (L e i ch e n b e g ä n g n i ß.) Am 13. d. M. wurde die Leiche des Besitzers des Sanatoriums in der Parkstraße, Herr Dr. Joseph Ai ä n d l, der Erde übergeben. Statt zur Eröffnungsfeier, die in dem eben fertig gestellten Hause stattfinden sollte, versammelten sich die Verwandten und Freunde des Verblichenen um 11 Uhr im Sanatorium, um dem Todten den letzten Liebesdienst zu erweisen. Die weiten Corridore und das Stiegenhaus waren von einer dicht gedrängten Menschenschaar erftrllt und eine endlose Reihe von Wagen stand vor dem Gebäude bereit, um die Trauergäste zum Friedhose zu führen. An dem mit zahlreichen Kränzen geschmückten Sarge hielt Herr Landes-Rabbiner Dr. P l a c z e k, eine Leichenrede, in welcher er die Vorzüge und Verdienste des Verstorbenen pries und mit ergreifenden Worten das tragische Schicksal hervorhob, das gerade in dem Augenblicke den in der Blüthe der Jahre stehenden, kraftstrotzenden Mann hinwegraffte, als er die von ihm gegründete Anstalt ihrem edlen, menschenfreundlichen Zwecke übergeben wollte. Nahezu sämmtliche Aerzte Brünns uud viele auswärtige Collegen waren herbeigekommen, um dem Freunde das letzte Geleite zu geben. Als Vertreter der Aerztekammer erschien der Präsident, Herr Sanitätsrath Primarius Dr. B r e n n e r. Außerdem war eine Deputation eines angesehenen Humanitätsvereines gekommen, und namens dieses Vereines hielt Herr Professor Dr. E h r m a n n aus Wien am offenen Grabe dem verstorbenen Mitgliede einen warmen Nachruf. Weiters war eine Abordnung der freiwilligen Rettungs-Abtheilung und der gestimmte Ausschuß der I. Brünner Maschinensabriks-Krankencassa bei dem Leichenbegängnisse anwesend. Unter den übrigen Trauer-

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