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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-06-19 · 25 (19.6.1896) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
25 (19.6.1896)
Date
1896-06-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 25 Dr Vloch's WochrnlchrM Seite 497 riechendem Curneste, besonders seitdem der Medicinalrath Herr Dr. Poras aus Solka in der Bukowina einen ähnlichen wohl bescheideneren, aber wohl eingerichteten Curort geschaffen hat! Schon sehr lange wurden mir über antisenlitischen Spuk in Rozuau Nachrichten hinterbracht, der geradezu vom Bürgermeisteramte auszugehen pflegt, ja man erzählte mir einst von einem peinlichen Auftritte zwischen dem Herrn Bürgernieister und einem jüdischen Cnrarzte. Als ich vergangenes Jahr über die ehrenhaften humanen Vorfälle der echten christlichen Liebe arischer Sorte vernahm, war ich daher wenig verwundert, und zwar ebensowenig über das Benehmen Antisems, wie über die jüdischen Curgäste, die trotz jenen traurigen Erscheinungen, deunoch hinkommen, um daselbst ihr körperliches Heil zu suchen. Es ist ein Charakterzug vieler unserer Glaubensgenossen, sich der nichtjüdischen Gesellschaft aufzudrängen, ohne sich durch Zurücksetzungen und Beleidigungen abschrecken zu lassen. Diese traurige Erfahrung habe ich hier in Rumänien an den Assimilisten gmacht, die trotz aller wegwerfenden Begegnung seitens der Nichtjuden, sich diesen in geradezu widerlicher Weise ausdrängen. Die studirende assimilistische Jugend, die, beiläufig bemerkt, in ihrem Gehirn den Plan der jetzt bestehenden assimilistischen rumänisch-jüdischen (nicht hebräischen) Schule (Cuitnra) ausgeheckt hat, folgt den letzten Conseguenzen der Assimilationsidee, indem sie sich voll gläubigem Gemüthes (?) in den Schoß der Kirche, trotz ihres ostentativ zur Schau ^'getragenen Atheismus, versenkt. In welche Reihe europäischer Curorte sollte denn eigentlich Roznau gehören! Ist es überhaupt ein Curort? Ja, das medicinische Lexikon hat für Roznau keinen anderen Titel als „M o l k e n e n r v r t", nicht einmal „klimatischer Curort", das ist genug gesagt. Sind die Molken denn überhaupt eine Cur? Sie waren es noch damals, als die Ecbischwurzel als Specifieum gegen Tubereulose galt. Seitdem gehören die Molken in die Rumpelkammer der Altweibermediciu. Wir in Rumänien waten sozusagen bis zu den Knien in Molken und ich kann mich nicht erinnern, daß im Verlaus von 3ö Jahren, seit ich in Jassy wohne, irgend ein Collega seinem Patienten eine Molkencnr ärztlich angerathen hätte. Als klimatischer Curort besitzt Roznau keinen Vorzug vor einem beliebigen anderen Ort in der Nähe der Karpathen und hat blos den Nachtheil, daß sein Boden, wie der einer jeden bewohnten anderen Stadt mit organischen Stoffen durchtränkt ist und deren Staub die schädlichen Mikroben in die Athmungsorgane absetzt, während jedes Dorf in der unendlichen Reihe der Karpathen schon darum Roznau vorzuziehen ist, weil der Patient daselbst nebst der mikrobenarmen Luft auch einen mit organischen faulenden Substanzen nicht imprägnirten Boden findet und wenn ihm noch, wie in Solka, ein Hain mit duftenden Nadelhölzern zu Gebote steht, so hat er Alles was dem Brustleidenden Linderung und Heilung verschafft. Denn seitdem die wissenschaftliche Balneologie die Quellengeister aus den Badeorten verjagt hatten, sind auch die Berggeister aus den klimatischen Curorten ausgewandert. Roznau bat daher als Molkencurort blos im Sinne der Altweiberniedicin seinen alten Ruf, als klimatischer Curort einen blos bedingten Werth. Unsere brustkranken Glaubensgenossen haben somit in Roznau durchaus nicht nöthig, ihre Gesundheit der arischen Sittlichkeit, der europäischen Civilisation und der mührischeir christlichen Liebe auzuvertrauen. Ich betrachte daher die Verordnung einer Cur zu Roznau einem kranken Juden als Verbrechen, den christlichen Ordinarius als gewissenlos, den jüdischen geradezu als einen Berräther. — Auch Franzensbad zeigte vergangenes Jahr antisemitische Allüren. Auch aus der Schule können wir plaudern. Med. Dr. K. Lippe. Pater Chotkowsky. Kraka n, 11. Juni. Hier hat neuerdings eine lebhafte Gemeinderathssitzung in der Chotkowsky - Asfaire stattgesunden. Chotkowsky klammerte sich an die Mittheilung des Landesschulrathes, daß einige christliche Schulknaben einst, den katholischen Katecheten erwartend, fteiwillig in die Abtheilung gingen, wo jüdische Religion unterrichtet wurde, und suchte dies mit seiner Behauptung im Reichsrathe in Verbindung zu bringen. Er verlangte deshalb den Widerruf der ihm vom Bürgermeister Friedlein gemachten Vorwürfe. Der B ü r g e r m e i st e r erwiderte entschieden, er werde nicht widerrufen, da der Landesschulrath ausdrücklich erklärt habe, der von Chotkowski im Reichsrath angeführte Fall habe nie stattgesunden. Chotkowski nannte dann die gegen ihn gefiihrte Untersuchung einseitig, parteiisch und beantragte, der Gemeinderath möge die Erklärung des Landesschulrathes zur Kenntniß nehmen und die ganze Angelegenheit als erledigt betrachten. Der Gemeinderath nahm mit geringfügiger Majorität den Antrag an. Die „verjudete" Stenographie. Brüx, 16. Juni. Sehr geehrter Herr Revacteur! Gegenüber den Angrissen des Herrn Bürgerschullehrers Rauscher auf die jüdischen Stenographen dürste es wohl am rechten Platze sein, daraus hinzuweisen, daß die Verbreitung und Entwicklung der Gabelsbergerschen Stenographie in Oesterreich einem zu Eidlitz bei Komotau geborenen Juden, Leopolo Cohn (später Conn) zu verdanken ist. Seine Verdienste setzt Hofrath -kühne! in dem Vorworte zu dem „Lehrbuche oer Kammerstenographie" von Conn auseinander. Hier sei nur ermähnt, daß Conn in den Jahren 1848 bis 1859 an den meisten Realschulen und Gymnasien in Wien den Sienographieunterricht ertheilte, daß Conn das „Erste österreichische Stenographenbureau" ins Leben ries, daß ferner durch Conn's Bemühungen Staatsprüfungscommissivnen für Lehrer der Stenographie eingesetzt wurden und daß er 1869 von Seiner Majestät unserem Kaiser die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft und das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens und anläßlich der Wiener Weltausstellung (1873) wegen seiner Verdienste um die Stenographie die Verdienst-Medaille erhielt. Gleichzeitig sei auch erwähnt, daß einem anderen Juden, David D e s s a u (gestorben 9. Jänner 1893) die Verbreitung der Gobelsberger'fchen Stenographie in Dänemark zu danken ist. Die „Stenographische Correfpondenz" in Wien nennt ihn in einem Nachrufe „eineLeuchte am Himmel unserer Kunst", und allgemein bekannt ist er auch unter dem Namen „der nordische Apostel der Gabelsbergerschen Stenographie". Sie um die Aufnahme dieser Zeilen bittend, zeichne ergebenst Dr. Adolf B i a ch, Rabbiner in Brüx staatlich geprüfter Lehrer der Stenographie. Correspondenzen. Wien, 16. Juni. Der 7. Juni des Jahres 18% ist der Geburtstag einer neuen Partei gewesen; an diesem Sommerrag ward, wie heute mehrere deutschnationale Organe melden, die deutsche Volkspartei gegründet. Ihr Programm ist eine verschlechterte Auslage des bisherigen Steinwender'schelc Evangeliums; es sind so ziemlich alle Dogmen der dentschnationalen Heilslehre unverändert ausgenommen worden. Nlw in einem Punkt unterscheiden sich die Deutschvolklichen von den Deutschnationalen: der Dentschnationale hatte nur das Recht, antisemitisch zu sein, der Dentschvolkliche hat die Pslicht, die Juden zu bekämpfen. Der Antisemitismus ist ein obligatorischer Gegenstand im Lehrplan für die Deutsch-Oesterreicher, welchen die Herren Tr. Barenther, Beuerle, Derschatta und Steinwender ausgearbeitet haben. Viele Gebiete des öffentlichen Lebens müssen, so tneinen die neuesten Apostel des unterdrückten deutschen Volkes, von dem vorherrschenden Einfluß des Judenthums tiefreit werden. Das öffentliche Leben ist also, lvie es scheint, eine Domäne des jüdischen Einflusses. Die Herren Dr. Barenther, Beuerle, Derschatta und Steinwender behanpten es, und diese Herren sind ehrenwerthe Männer; wir müssen daher im Jrrthum sein, da wir bisher immer geglaubt haben, daß die Ausschließung der Juden von der richterlichen, staatsanwaltschastlichen und höheren administrativen Carriire, der Uebergang der communalen Herrschaft in der Hauptstadt an die Antisemiten, die unbestraft und unversolgt gebliebene Ailsreizung und Aufhetzung gegen die Juden Beweise für die gänzliche Einslußlosigkeit der Juden im öffentlichen Leben sind. Wir waren bisher der Meinung, daß die Juden politische Bedeutung nur mehr in den gemischtsprachigen Bezirken besitzen; wir glaubten beispielsweise, daß nur durch die Mithilfe der Juden Bud w eis und eine Anzahl mährisch er und schlesischer Ortschaften dem Deutschthum erhalten blieben und wir fürchten, daß, wenn die Deutschen zu ihren nationalen Pflichten auch den Judenhaß und die Judenverfolgung rechneten, dann die Juden nichts anderes thun könnten, als bei den Slaven ihre Zuflucht zu suchen und daß dann so mancher wichtiger Wahlbezirk, der heute einen deutschen Vertreter ins Parlament entsendet, in Zukunft durch einen slavischen Mgeordneten repräsentirt wird. Allein wir waren, wie gesagt, offenbar inJrrthum: der Druck der Juden scheint in der That unerträglich zu werden und sie müssen endlich aus allen hohen Staatsämtern und Würden verdrängt werden, welche sie zweifelsohne besitzen; vor Allem, ihr politischer Einfluß in Mähren und Schlesien muß gebrochen werden. Wie». Die antisemitisch-deutschvolkliche „Deutsche Zeitung" bringt Nachstehendes: In Saaz, wo die Juden mit allen

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