Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 25 (19.6.1896)
- Date
- 1896-06-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 496 Vr. Vloch's Wochenschrift Nr. 25 den Besuch von Wienern in Budapest zu äußern. Ms der Monarch in der Schützenhalle den Ober-Schützenmeister Starzengruber erblickte, trat er auf denselben mit den Worten zu: „Es freut Mich, daß die Wieuer so zahlreich erschienen sind." Und auch gegenüber dem Ober-Schützenmeister-Steltvertreter G e r st l e, der die Schönheiten des Festzuges enthusiastisch pries, bemerkte der Kaiser nochmals ganz laut: „Es freut mich, daß die Wiener Zeugen dieses Festes waren." Selbst die Wiener Antisemiten werden kaum die Dreistigkeit haben, bei chrem gehässigen, auf die Störung des Friedens und der Einheit gerichteten Treibens zu behaupten, daß sie dabei jenen Intentionen gerecht werden, die von der höchsten Stelle aus gefördert werden. Aber Eines wird immer klarer: die verantwortlichen Rathgeber, die dem Monarchen uahelegteu, den Dr. Lueger in Audienz zu empfangen, waren wohl von der Erwägung geleitet, das Ergebniß derselben werde ein ganz anderes sein, als es nunmehr zu Tage förderte. Es ist unzweifelhaft, daß erwartet wurde, diese Audienz werde einen solchen Eiirfluß auf die Thätigkeit des Dr. Lueger üben, daß diese unmöglich mehr einen so schreienden, schroffen Contrast gegen jene Anschauungen bilden würden, die an der höchsten Stelle gehegt werden. Dieses Resultat wurde von der Audienz, in der Lueger empfangen wurde, erwartet; der Umstand, daß das gerade Gegentheil eintrat, daß die Vermessenheit Lueger's eine Steigerung erfuhr, wird und muß diesen Rathgebern des Monarchen eine bittere Enttäuschung bereitet haben. Wir glauben uns aber nicht zu täuschen, wenn wir annehmen, daß diese Enttäuschung auch bald unzweideutigen Ausdruck finden wird. Familienähnlichkeit. Im Dreher-Saale hat bekanntlich am Montag eine große antisemitische Wählerversammlung stattgefunden. Dr. Lueger sprach bekanntlich gegen Ungarn, gegen das Millennium. Er bezeichnete bekanntlich Jeden, der nach Budapest reist, um die Ausstellung anzuschauen, als einen Nichtswürdigen, einen Ehrlosen. Der Regierungsvertreter erblickte hierin eine Verletzung der Ehrerbietung gegen Seine Majestät den Kaiser. Er erklärte die Versammlung auf Grund des§ 19 des Versammlungsgesetzes für aufgelöst. Hierauf intonirte Dr. Lueger demonstrativ die Volkshymne. Im December des Jahres 1893 brach in Italien ein gefährlicher Aufstand los. In Massa-Carrara revoltirten die Arbeiter der Marmorbrüche. Nicht Hunger war es, der die aufrührerischen Elemente zum Aeußersten trieb. Es war die bloße Lust an der Gewaltthat, die nackte anarchistische Gesinnung. Erst knallten vereinzelte Schüsse. Sie galten Gendarmen und Polizisten. Dann wurde die ganze friedliebende Bevölkerung bedroht. Mord und Brand erschrecken jeden Tag den ruhigen Bürger. Fragte man die Leute, was sie eigentlich wollten — so wußten sie es nicht. Sie waren einfach unzufrieden, wiewohl ihr Los kein schlechtes und ihr Verdienst höher war als der vieler Anderer. Sie brandschatzten die Gegend. Was sich ihnen hindernd in den Weg stellte, wurde niedergemacht. Die anarchistische Republik sollte hiedurch errichtet werden. Crispi sandte Militär nach Massa-Carrara. Aus dem Hinterhalt wurde auf die Soldaten geschossen; sie stürmten gegen die Rebellen. Als diese sahen, das sie verloren waren, hoben sie Bildnisse des Königs, die sie mit sich trugen, gleichsam als Schilde gegen die drohenden Mündungen der Gewehre empor, um zu zeigen, daß sie gute Patrioten wären, obwohl sie noch am Tage vorher gemordet und geplündert hatten. Ein Schwurgerichts - Urtheil. Grodzicko (in Galizien). Im Monate März d. I. wurde der hier ansässige, 30 ^a^re alte jüdische Hausirer, Namens Jacob Thei, von dem Bauern Wojtek Sack in Grodzickogorno ermordet. Der Bauer war dem Hausirer einen geringen Betrag schuldig, lvurde verklagt und zur Zahlung verurtheilt. Der Hausirer bewilligte dem Bauer die Tilgung der Schuld in Ratenzahlungen. Im März erschien der Hausirer, um seinen Restbetrag von 2 fl. einzufordern; der Bauer wünschte diesen Betrag geschenkt und als der Hausirer sich weigerte, ergriff der Bauer einen Holzwalk vom Wäschemangel und versetzte dem Juden damit einen Hieb derart auf den Kopf, daß er sofort niederfiel. Der unglückliche Hausirer raffte sich noch auf, lief zu einem christlichen Nachbar, um ihm den Vorfall zu berichten, worauf er dann sein Leben aushauchte. Er hinterläßt eine arme Witwe mit fünf unversorgten Kindern. Gegen den Mörder fand vorige Woche in Rzeszow vor dem Schwurgericht die Schlußverhandlung statt. Der Mörder wurde von den Geschwornen freigesprochen. Das i st g a l i z i s ch e I u st i z, unb dabei soll es bei uns keinen Antisemitismus geben. Der Er-ressungSversuch an Baron Albert Roth - schild. Ans Budapest wird unterm 16. d. M. berichtet: Der Infanterist Carl B e n e d e k, der gestern verhaftet wurde, weil er an Baron Albert Rothschild und andere Persönlichkeiten Drohbriefe geschickt hatte, zählt' erst 18 Jahre. Trotz seiner Jugend hatte er eine sehr bewegte Vergangenheit hinter sich. Nachdem mehrere seiner Unternehmungen mißglückten, meldete er sich freiwillig zum Militärdienst. Er soll angeblich in Rußland viel mit Anarchisten verkehrt haben. Die Untersuchung, welche auf mehrere seiner Kameraden ausgedehnt wurde, hat bisher nichts Positives zu Tage gefördert. Die Polizei soll übrigens die Ueberzeugung gewonnen haben, daß man es hier mit den leeren Drohungen eines unreifen Burschen zu thun habe. Bei Benedek wurde die rothe Tinte, mit der die Briefe geschrieben waren, sowie das Concept des an Baron Rothschild gerichteten Schreibens vorgefunden. Der Wortlaut dieses Briefes war folgender: „Herr Baron! Der Anarchismus kennt keine Titel und Würden. Vor uns ist Jeder gleich. Ihnen hat das dumme Geschick unzählige Millionen gegeben, welche Sie dem Dienste der Menschheit entziehen. Dies ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, welche man nicht dulden darf. Wir haben hohe Ziele. Unser Princip, dem wir zum Siege verhelfen wollen, ist, daß Niemand mehr haben möge, als der Andere. Zur Ausführung dieses Zweckes schaffen wir Mittel. Jetzt wenden wir uns an Sie. Wir machen Sie aufinerksam, daß wir unseren Wünschen auch Geltung zu verschaffen vermögen. Hufer Bund arbeitet überall, unbemerkbar, aber sicher. Wir bedürfen zu unserer ersten Action dringend 120.000 fl., sage hundertzwanzigtausend Gulden, und diese erwarten wir von Ihnen. Senden Sie den Betrag binnen acht Tagen um so gewisser an die poste restante- Abtheilung der Budapester Hauptpost unter der Chiffre: „Arbeit 1896", weil Sie sonst, bevor es Ihnen noch angenehm wäre, aus der Reihe der Lebenden ohne Gnade vertilgt werden. Budapest, den 1. Juni 1896. Im Namen des Anarchistenbnndes: Die Vampyre der A n a r ch i e". Eine Antrsemitenversammlung. Beim Swoboda im Prater fand vorige Woche eine christlich-sociale Antisemitenversammlung statt, in welcher Dr. Lueger abermals eine von Beschimpfungen strotzende Rede gegen Ungarn hielt. Nach den Berichten antisemitischer Blätter sagte Dr. Lueger unter Anderem: „Ich habe den Schleier, der über den magyarischen Verhältnissen lagerte, gelüftet und dadurch einen Sturm im Parlamente hervorgerufen, der seinesgleichen suchte. Das parlamentarische Standrecht wollte man einberufen, um mich parlamentarisch zu erschießen, aber es ist anders gekommen und ich hoffe, daß es meine Gegner sein werden, die alsbald parlamentarisch erschossen sein werden, (stürmischer Beifall.) Zur Liebe für Ungarn läßt sich Niemand zwingen, und sollten auch hundert Versammlungen aufgelöst werden, es werden dann tausend erst recht stattfinden, in welchen der Protest gegen die in Ungarn herrschende Clique zum Ausdrucke gebracht werden wird. (Beifall und Zustimmung.) Wir Oesterreicher werden seit dreißig Jahren von den Ungarn unterdrückt, aber wir werden abrechnen mit ihnen. (Beifall.) Umso größer ist in der allgemeinen Unterdrückung der nichtmagyarischen Nationen in Ungarn die Feigheit der Deutschen, mit der sie dort das Joch des Judäo- Magyarenthums tragen. Dieser Verrath am eigenen Volke schreit zum Himmel (Minutenlang andauernder Beifall) wie der Seufzer der geknechteten anderen Nationen, wie der Slaven, Rumänen, aber es gibt noch Oesterreicher, welche Euere Rechte verfechten und vertheidigen werden. (Stürmische Zustimmung.) Und von dieser Ueberzeugung durchdrungen, wird mich nichts hindern, immer und überall derselben Ausdruck zu verleihen, und wenn ich auch noch so oft in den Koth gezerrt werde. Wenn Sie in der Geschichte blättern, stets finden Sie die Ungarn im Kampfe gegen uns Deutsche. Der letzte Babenberger ist gefallen im Kampfe gegen Ungarn, in den Türkenkriegen haben sie gegen uns gekämpft (Langandauernder Beifall und Zustimmung.), stets waren sie unsere Feinde, und ich werde nicht ermüden, diese Feinde Oesterreichs jederzeit zu bekämpfen. (Beifall.) Es ist uns gelungen, die Herrschaft des Judenliberalismus in Wien zu beseitigen (Beifall) und es wird uns auch gelingen, mit der Herrschaft der Judäo-Magyaren zu rechten, damit die schwarzgelbe Fahne in Pest aufgepflanzt werden könne (Stürmischer Beifall) als Zeichen des Friedens, der Gerechtigkeit für alle Völker der österreichischen Monarchie. Der antisemitische Curort Roznau. Zu der in Ihrem geschätzten Blatte Nr. 23 von einem Laien veröffentlichen Notiz über den sogenannten Curort R o z n a u habe ich als alter Arzt noch Folgendes hinzuzufügen: Seit einer Reihe von Jahren schicke ich meine Clienten nicht mehr nach diesem von arischer, rein christlicher Liebe