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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-06-12 · 24 (12.6.1896) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
24 (12.6.1896)
Date
1896-06-12
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 486 Vr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 34 sein Schinkenbrod zu thun — „nicht mehr versteht, wie eine Kuh vom Sonntag. Ich liebe seine Tochter und sage ihm das — und er sagt mir, sie liebt einen Anderen. Aber ich werde ihn auf der Spitze meiner Feder der Verachtung der Nachwelt preisgeben. Ich habe ein Akrostichon über ihn geschrieben. Es ist schrecklich! Und sie werde ich erschießen." „Ja, ja, sie sind eine elende Bande, diese Rabbis", sagte Simon Wolf, an seinem Sherry nippend. Das Gespräch sand in einem kleinen Extrazimmer eines Wirthshauses statt, wo die beiden Männer das Erscheinen des Strilecomitss erwarteten. „Wir sind gerade wie die übrige Gemeinde. Ich will nichts mehr davon wissen, ich wasche meine Hände in Unschuld", ries der Dichter, indem er mit seiner brennenden Cigarre wild herumfuchtelte. „Ich habe meine Hände schon lange in Unschuld gewaschen", sagte Simon Wolf, obwohl dieses Factum nicht sichtbar war. „Wir können weder unseren Rabbis, noch unseren Philantropen trauen. Die Rabbis gehen in dem heuchlerischen Bestreben auf, das todte Judenthum zu einer Lebenskraft zu galvanisiren, die wenigstens so lange dauern soll, als ihr eigenes Leben. Natürlich haben sie da weder Zeit noch Gedanken' für die große Arbeiterfrage. Unsere Philantropen geben dem Arbeiter mit der rechten Hand, was sie ihm mit der linken gestohlen haben." Simon Wolf war der große jüdische Arbeiterführer. Die meisten seiner Anhänger waren Atheisten, kluge, junge Handwerker aus Rußland und Polen, von oberflächlicher Bildung und fieberhafter Empfänglichkeit für all' die bilderstürmenden Gedanken, welche in der Luft lagen. Alle aber waren von Haß gegen den Capitalismus und starken, socialistischen Steigungen erfüllt. Sie schrieben kräftige Artikel im Jargon für den „Arbeiterfteund" und gingen über die äußersten, sprichwörtlichen Grenzen der Gottlosigkeit hinaus, indem sie am Bersöhnungstage Schweinefleisch aßen. (Fortsetzung folgt.) Sogumrl Kwrerrnskr, recte ^Berl Blum. Reminiseenzen aus dem Polenaufstande 1863. Bon Dmuchalski. (Schluß.) Von einer Kosakenpatrouille verfolgt, jagte Graf Wladyslaw so schnell, als es sein Roß vermochte, auf dem Waldwege dahin, um seinen Verfolgern zu entkommen. Er gewann wohl einen bedeuteirden Borsprung, hörte aber noch immer ein Echo von Hufschlägen und glaubte die Häscher ziemlich nahe. Unweit einer einsamen Waldschänke brach das Thier zusammen, und schon hatte der junge Edelmann die Mündung seines Revolvers an die Schläfe gesetzt und im Begriffe abzudrücken, rief er laut in den Wald hinein: „Lebe wohl theuere Mutter!" und drückte ab. Doch was war das? Kein Schuß ging los! Bei Besichtigung der Schußwaffe zeigte sich, daß die Trommel blos drei Patronen enthielt, da die bereits abgeschossenen nicht wieder ersetzt wurden. Dieses betrachtete der Edelmann als eine Fügung des Schicksals. Das Bild seiner Mutter erschien vor seinem geistigen Auge und er faßte rasch den Entschluß, die fast umnöglich scheinende Flucht fortzusetzen. Inzwischen war sein Roß verendet, und ohne dieses, den flinkeir Kosakenpferden zuvorzukommen, war doch undenkbar. Wladyslaw faßte jedoch Muth und lief gegen die Schänke. Bor dem Hause blieb er stehen und ergänzte die fehlenden Pattonen im Revolver, um sich nicht zu fehlen, wenn er etwa seinen Feinden in die Arme gelaufen sein sollte. Da klangen ihm aus dem Hause verworrene Stimmen entgegen, kaum wagte er es zu glauben, aber es war keine Täuschung, deutlich vernahm er die Sttmmen betender Juden. Schnell trat er in die Stube und gewahrte eine Anzahl in Tällis gehüllter Personen, welche nach einem Rhythmus dem Vorbeter folgten und durch den Einttitt des Fremden sich nicht stören ließen. Bald trat einer derselben auf den Gast zu, dieser aber warf sich ihm vertrauensvoll in die Arme mit den Worten: „Um Gottes Barmherzigkeit willen rette mich, die Kosaken sind hinter mir und ich bin sonst verloren." Verblüfft sah der Jude den Ankömmling an, und rascher als erzählt werden kann, hüllte er denselben in einen Tallis, band ihm Tefilin um, gab ihm ein aufgeschlagenes Gebetbuch in die Hand und stellte ihm mit dem Gesichte gegen die Wand gekehrt in die Reihe der Betenden. Kaum war dies geschehen, als einige Reiter vor dem Hause hielten. Es waren die verfolgenden Kosaken. Der Anführer sprang aus dem Sattel und stürmte in die Stube. „Jewrej sukiu syn!\ schrie er den Wirth an, indem er die Peitsche schwang. „Wo ist der Pvlaczvk?" „Herr, hier ist kein Pvlaczvk, und ich möchte Sie sehr bitte):, mein Weib, welches mir vor acht Tagen euren Svhir schenkte dessen Beschneidung wir soeben feiern, rricht zu erschrecken, da sie als Wöchnerin noch Schadeir nehmen körrrrte. Bei uns ist es Brauch, daß jeder Arrgekvmmene, als Gast am Feste theilnehmen muß und darum bitte ich Sie um die Erlaubniß, Sie bewirthen zu dürfen" rrnd schorr reichte er ihm eilt Glas Branntwein nebst einem Stück vom traditionellen Honigkuchen. Einigermaßen besänftigt, meinte der Sergeant „der Flüchtling muß doch hier im Hause sein rrnd ich muß pflichtgemäß alle Räume durchsuchen". „Bitte, thun Sie Ihre Pflicht, ich will Ihnen alle Kammern, Boden und Keller sofort öffnen." Natürlich )var die sorgfälttg geführte Durchsuchung erfolglos und die Reiter erhielten Befehl, den Wald in der Partie, wo das todte Pferd lag, abzusuchen. Die Kosaken zogen ab, nachdem sie sich genügend gestärkt hatten rrnd Wladyslaw war gerettet. Bis am Abend verblieb er im Versteck und als die Nacht hereinbrach, führte ihn der Wirth bis unweit der Grenze zu einem befteundeten Glaubensgenossen, der den Fremden „hinüberbefördern" sollte. Wladyslaw wollte seinen Retter mit einer Handvoll Imperials entlohnen, doch dieser lehnte entschieden ab. Ich bin ein reichbegüterter Edelmann und thue mir durchaus feilten Abbruch, wenn ich Euch mit dieser Kleinigkeit den rrnbezahlbaren Dienst entlohne, den Ihr mir erwiesen". „Herr!" sprach jener, „den Edelmann habe ich sofort in Ihnen erkannt. Euer Reichthum möge Euch wvhlbekommen und ivas meine Dienstleistung anbelangt, bitte ich mir nicht zu ho«) anzurechnen, da ich blos meiner Pflicht als Mensch nachgekommen bin, die ich jedem Nebenmenschen schulde und somit, Gott befohlen!" „Freund! Bruder! nenne mir wenigstens Deinen Namen, damit ich denselben meinen Kindern, die mir der Himmel eirrst schenken wird, einprägen kann, auf daß sie den Retter meines, bereits verloren geglaubten Lebens irr ihr Gebet einschließen könrren." „Ich heiße Mordko, Mordko Szlomowicz, und Euer, Name?" Wladyslaw übergab seinem Retter die Karte mit den Worten: „Nehmet mein Bester! Und sollt Ihr einmal meiner bedürfen, so steht Euch mein Einfluß, mein Bermögerr und mein Leben zur Verfügung." — Ein warmer Händedruck und sie schieden. — — — Ohne besondere Schwierigkeiten gelangte Graf Wladyslaw über die Grerrze, wurde aber vor dem nächsten Dorfe, von der erwähnten „Wache" angehalten und an seiner Blessur als Insurgent erkannt, der Behörde eingeliefert. Vom Auditoriat nach kurzem Verhör zu drei Monaten Arrest verurtheilt, wurde er rrach T. mit mehreren Andern abgeführt und kaum bettat er die Gefängnißräume, erfuhr er, daß Kwiecirrski ebenfalls hier seine Strafe abbüße. Am nächsten Tage trafen auch beide beim „Spaziergange" zusammen und der Profoß gewährte den jungen Männern eine gemeinsame Zelle, welche ihnen, nach den ausgestandenen Strapazen tüte ein Paradies erschien. Die Strafhaft Kwiecinski's war um einige Tage früher zu Ende und dieser eilte nach Hause um der Gräfin die wunderbare Rettung und baldige Heimkehr ihres Sohnes bekannt zu geben. Als Wladyslarv hermkehrte, fand er zu seiner großen Freude seine Mutter völlig hergestellt. Die Empfindungen der Mutter bei der Umarmung ihres Einzigerr karrn nicht urit Worten geschildert werden Schluß. Nach einiger Zeit kehrte Kwiecirrski nach Wien zurück um seine medicinischen Studien zrr vollenden rrnd zu seiner Promotion zum umv. med. Doctor erschien im Festsaale der Universität sein Freund Wladyslaw als erster Gratulant und nahm ihn mit sich nach Hause, damit er dessen Hochzeit, mit Comtesse Wanda P. beiwohne.

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