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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-06-12 · 24 (12.6.1896) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
24 (12.6.1896)
Date
1896-06-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Nr. 24 Seite 480 Dr. Bloch's Wochenschrift diese unsere aus die an der königi. ung. Hanvöü-Ludovica-Akademie , zu errichtenden fünf Stiftungöplätze bezughabende ehrfurchtsvolle Un- I terbreitung huldvollst zur Kenntniß genommen und die Bezeichnung dieser Stiflurigsplötze als „Franz I o s e p h I. S t i f t u n g s- Plätze" allergnädigst gestattet werde. Die Commission für den „ungarischen israelitischen Landesfond" würde mit größter Begeisterung die allergnädigste Entschließung Sr. Majestät aufnehmcn, welche sie in die Lage brächte, hinsichtlich der Ausstellung der Stiftungsurkunde und der Einzahlung ^es Stistungscapitols die erforderlichen Verfügungen ehestens treffen zu können. Budapest, 4. Mai 1896. Die israelitische Landeskanzlei. In Erledigung dieser Eingabe hat der H o n v ed - m i n i st e r an die israelitische Landeskanzlei folgendes Rescript gerichtet: Vom königl. ung. Landesvertheidigungsminister. An das Präsidium der Landeskanzlei der ungarländischen Israeliten in B u d a p e st. Seine kaiserliche und apostolische königliche Majestät hat mit allerhöchster Entschließung äär... Lainz, 25. Mai l. I. meine Unterbreitung betreffend die am Osficiersbildungscurse der L u d o v i c a-A kademie der Honved aus dem ungarischen israelitischen Landessond zu errichtende S t i f t u n g im Betrage von 150.000, ba§ ist hundertfü n fzigtausend Kronen allergnädigst zur Kenntniß zu nehmen und gleichzeitig zu gestatten geruht, daß die e rwä hnteStiftung allerhöch st seinen Namen führe. Seine kaiserliche und apostolische königliche Majestät hat mich ferner allergnädigst zu ermächtigen geruht, daß ich den auszuferttgenden Stiftungsbrief in diesem Sinne genehmigen und die ferneren erforderlichen Verfügungen treffen solle. Indem ich mit Bezugnahme auf Ihren geschätzten Brief vom _ 4. Mai l. I. su!' Präs.-Nr. 322 das Präsidium hievon zu verständigen die Ehre habe, benütze ich die Gelegenheit, um für diese der königlichen ungarischen Landwehr gegenüber bekundete patriotische Opferwilligkeit, von welcher das geehrte Präsidium durch die Errichtung einer so großen Stiftung einen nachahmungswürdigen Beweis lieferte, meinen wärmsten Dank auszusprechen. Das geehrte Präsidium der Landeskanzlei wolle den Ausdruck meiner Achtung empfangen. Budapest, 4. Juni 1896. Für den Minister: Desider G r o m o n >». Staatssecretär. — Die h?utige Nummer des Amtsblattes publicirt die folgende öffentliche Danksagung : Der königlich ungarische Honvedminister spricht dem Präsidium der ungarländischen israelitischen Landeskanzlei für die patriotische Opferwilligkeit, mit der sie zu Stiftungen für die Ludovica-Hov^dakademie 150.000 Kronen widmete, Dank und Anerkennung aus. Budapest, 3. Juni. Die ungarischen Antisemiten arbeiten genau nach dem Muster ihres großen österreichischen Vorbildes Schneider; sie sorgen unausgesetzt dafür, daß die wahnwitzige Lüge des Blutmärcheus nicht zur Ruhe komme. Das Schandblatt der antisemitischen Bolkspartei „Alkotmäny" brachte kürzlich einen langen Bericht über einen Ritualmord, dessen Schauplatz ein kleines Dorf im Nograder Comitat gewesen sein soll. 20 Juden hätten am Charsreitag einen kleinen christlichen Knaben in die Synagoge gellickt, um ihm dort Blut abzuzapfen. Durch den Lärm, den das Kind schlug, sei der Plan gescheitert. So wahnwitzig diese Beschuldigung war, so wurde doch eine strenge Untersuchung eingeleitet, die selbstverständlich das Resultat ergab, an der ganzen Sache sei kein wahres Wort. Die Untersuchung ergab aber auch noch,daß ein bekannter antisemitischerVolksparteimann, der in der ganzen Gegend für die Verbreitung des Pamphlets „Jüdische Blutmorde" thätig ist, seine Hand im Spiele gehabt hat. Die eine Lüge ist entlarvt, aber die antisemitischen Schurken werden sich — analog ihren Vorbildern — in ihrer Wühlarbeit dadurch nicht behindern lassen. Prag. Die k. t. Statthalterei hat die Bildung des Gemeindebundes der israelitischen Cultusgemeinden Böhmens genehmigend zur Kenntniß genommen und es wird in Folge dessen seitens des bestehenden Executivcomites an alle Cultus gemeinden ixt den nächsten Tagen die Aufforderung zum Beitritte erfolgen. Auch für Einzelnpersonen ist der Beitritt als außerordentliche Mitglieder (mtt einem Jahresbeittage von mindestens 5 fl.) als Spender (mtt beliebigen Beträgen) oder als immerwährende Müglieder (durch einmalige Einzahlung von 250 fl.) zulässig. Mit Rücksicht aus die bedeutenden Erfolge des deutsch-israelitischen Gemeindebundes in Berlin wird aus zahlreiche Betheiligung an diesem Verbände gerechnet, welcher den Rechtsschutz gegen gesetzwidrige Angriffe auf Juden und Judenthum zu einer seiner Hauptaufgaben zählt. Lemberg, 4. Juni. Da ich von der Voraussetzung ausgehe, daß Schweigen die schlechteste Politik sei, möchte ich noch folgenden Beittag zur Geschichte unserer jüngsten Gemeinderathswahlen zur Kenntniß der Oeffentlichkeit bringen. Man kennt das Wort Adolf Fischhos's: „Tattik heißt nicht den Freund, sondern den Feind gewinnen." In Befolgung dieses Wortes hat nun auch der hiesige Cultusvorstand für die am 2. d. M. stattgefundenen Gemeinderathswahlen Seine Ehrwürden Herrn Oberrabbiner I. S ch m e l k e s candidirt, um die konservative Partei, die durch den neuen Statutenentwurf erbittert ist, zu gewinnen. Die Betheiligung der Conservativen, die 1440 jüdische Wähler zur Urne stellten, war eine ungemein rege, dafür aber glänzte in Folge der Gegenagitation die sogenannte Intelligenz bei der Wahl durch ihre Abwesenheit. So kam es, daß ttotz der angestrengtesten Mühe, die sich der Cultuspräsident Sainuel Edler von Horowitz nahm, unser Rabbiner mit 28 Stimmen — er hatte 1440, sein Gegner 1464 — gegenüber dem antisemitischen Kandidaten unterlag. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. So schrieb auch das hiesige antisemitische Blatt höhnisch: „Nicht den Bemühungen der Christen ist es zu verdanken, daß wir im Gemeinderathe den Juden zwei Mandate entrissen, sondern dem Umstande, daß die sogenannte Intelligenz der Juden sich von der Wahl absentirte. Was wollen aber die Juden von uns haben, wenn sie sich untereinander nicht' vertragen können." Es ist schmerzlich, daß man solche höhnische Worte anhören muß, ohne sie Lügen strafen zu körmen. I. H. Trient, 15. Mai. Ein fiir heute geplantes Wohlthätigkeits-Concert des Wiener Eife n bahnbeamte n-Gefangver ei ns mußte unterbleiben, weil die Benutzung des Theaters, obwohl neben deutschen auch italienische Lieder im Programm waren, v e r w e i g er t wurde und auch die Verwaltung des Armenfonds das Anerbieten, für die Armen Trients zu singen, ablehnte. Unter den Deutschen Trients herrscht Erregung über diesen Vorfall, während das Organ der Nattonalliberalen „Alto Adige" die Stadt zu ihrer Haltung beglückwünscht. So verbreitete sich der bildende Einfluß „deutsch volklicher" Beschränttheit auch außerhalb des deutschen Sprachgebietes. Daß hier die Deutschen in der gleichen Weise beleidigt und verletzt werden, wie die Deutschen in ihrem Gebiete gegen andere verletzend sind, ist eine natürliche Grundlage der „volklichen" Idee. Die Wiener Sänger haben ein besseres Geschick verdient, als für ihren guten Willen einer Abweisung ausgesetzt zu werden; wenn sich die Deutschen aber entrüsten wollen, so sollten sie bedenken, daß sie das unter sich bequemer haben können. Unter' den Aeußerungen „volklicher" Beschränktheit, von welcher der österreichische Staat so viel zu leiden hat, nimmt eine der ersten Stellen noch immer die Weigerung der Troppauer Stadtbehörde ein, die Maßregeln gegen Cholera-Ansteckung in czechischer Sprache zu verbreiten. Und daß der volkliche Uebermuth vor den Pflichten der Wohlthätigkeit nicht Halt macht, ist gerade in deutschen Kreisen nichts Ungewohntes. Berlin, 8. Juni. Bor Kurzem hat Justizminister Schönst e d t in einer Audienz gegenüber einem älteren jüdischen Assessor, als es sich um seine Beförderung zum A m t sr i ch t e r handelte, sich dahin ausgesprochen, daß er von dem Grundsätze ausgehe, nur so viel jüdische Richter anzustellen, als das Verhältniß der Zahl der christlichen Bevölkerung zur jüdischen ergebe. Der Minister soll den betreffenden Assessor aufgefordert haben, den Collegen jüdischer Confession hievon Mittheilung zn machen. Prinz Hohenlohe für die Gewerbefreiheit. Berlin, 8. Juni. Im Reichstage hat heute der Sohn des Reichskanzlers, Abgeordneter Prinz Hohenlohe, eine sehr bemerkenswerthe Rede zur dritten Lesung der Gewerbeordnungsnovelle gehalten. Diese von den Conservattven und dem Centrum sehr verschärfte Vorlage will unter Anderem, daß Detail reis enden verboten sei, Bestellungen von Privaten entgegenzunehmen. Eine Deputatton von Handlungsreisenden war in dieser Angelegenheit vom Reichskanzler mit Wohlwollen empfangen worden.

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