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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-06-12 · 24 (12.6.1896) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
24 (12.6.1896)
Date
1896-06-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 24 Dr. Vloch's Wochenfchrifl. Seite 479 die vielleicht auch vor den religiösen Gefühlen Andersgläubiger Achtung haben, vielleicht aber auch mit spöttischen Blicken und spöttischem Lächeln diese Zurüstungen für eine heilige Handlung verfolgen! Ist das in Ordnung? Diese Frage richtet sich nicht an die „noble" jüdische Familie, die es mit ihrer „Noblesse" unvereinbar findet, die heilige Ceremonie unter einem jüdischen Dache, sei es das Bethaus oder ein jüdisches Hotel, vornehmen zu lassen; sie richtet sich an das ehrwürdige Rabbinat in Linz und an die Vorsteher der dortigen Cultusgemeinde! Wir zählen hier in Ischl nicht allzuviele jüdische Einwohner; aber dieselben tragen doch eine nicht gerade gering bemessene Cultussteuer zu den Bedürfnissen und Einrichtungen der Linzer Cultusgemeinde bei, sie alle sind mitbetheiligt an den erheblichen Kosten, welche die würdige Erhaltung unseres Glaubens am Sitze des Rabbinats und des Cultusvorstandes verursacht. Auch von diesem Gesichtspunkte °aus dürfte man wohl eine billige Rücksichtnahme aus die materiellen Interessen der auswärtigen Gemeindegenossen bei Anlässen, wie der oben erwähnte, erwarten. Sie, verehrter Herr Doctor, sind der berufene Hüter unseres Glaubens nicht nur dadurch, daß Sie das Judenthum mit scharfen Geisteswaffen gegen seine Feinde vertheidigen, sondern auch dadurch, daß Sie mahnend und rathend die eigenen Glaubensgenossen die richtigen Wege weisen. Und ich wende mich deshalb an Sie, hochverehrter Herr, mit der Frage, ob Sie einen solchen Vorgang billigen oder nicht vielmehr jenen Anschauungen zustimmen, welche ich in diesen Zeilen auch über die Beobachtung der äußeren Formen unseres Glaubens ausgesprochen habe. Hochachtungsvoll S. Sonnenschein, Besitzer des Hotel „Austria" in Ischl, Esplanade. Innsbruck. (Unsere „Liberalen".) Die „Innsbrucker Nachrichten" melden zu den Gemeinderathswahlen: Am Samstag fand unter dem Vorsitze des Bicebürgermeisters Herrn Will). Greil die Wählerversammlung des ersten Wahlkörpers statt. Herr Anton Schuhmacher drückte sein Befremden aus, daß bei den heurigen Wahlbesprechungen bisher ein um das Gemeinwesen in Innsbruck sehr verdienter Mann und unanfechtbarer Charakter beinahe gänzlich ignorirt worden sei; das sei ein Unrecht, weilUndauk, und es mache auf ihn den Eindruck, daß bei Abschluß des Compromiffes, mit der deutsch-nationalen Partei es zur Bedingung gemacht worden sei, Herrn Dannhäuser nicht mehr zu wählen, weil er Jude sei. Wenn das der Fall wäre, so wäre der Compromiß für die liberale Partei ein leoninischer Vertrag. Er schlage ihn als Candidaten für den ersten Wahlkörper vor. Der Vorsitzende erklärte, daß eine derartige Bedingung nicht gestellt worden sei. Herr Wilhelm Dannhauser habe erklärt, nicht mehr candidiren zu wollen. Herr Joses W o p s n e r und Herr Karl Walde bemerkten, daß er aber nicht erklärt habe, sich nicht candidiren zu lassen. Herr Dr. Falk zollte den Verdiensten Dannhauser's als Gemeinderath volle Anerkennung; wenn es sich nur um die Gemeinderathswahlen handle, so würde der Compromiß gar nicht abgeschlossen worden sein, er sei geschloffen worden im Hinblicke auf die nächste Reichsrathswahl. Die Parteiverhältniffe haben sich insbesondere im Unterinnthale derart verschoben, daß für die Städte und Orte Nordtirols an eine liberale Wahl gar nicht zu denken sei, wenn nicht beide Parteien Zusammengehen; darum müsse Herr Dannhauser das Opfer bringen, das er (Redner) persönlich zu jeder Zeit zu bringen bereit wäre, wenn er der liberalen Sache damit einen Dienst erweise. Er bat die Versammlung, deshalb von einer Wahl Dannhauser's abzusehen. - Herr Anton Schuhmacher erwiderte, daß auf ihn die Worte des Herrn Altbürgermeisters den Eindruck machten, als ob doch irgend ein Herrn Dannhauser betreffendes Abkommen getroffen worden sei, denn sonst sei es nicht abzusehen, was die Gemeinderathswahlen mit der Reichsrathswahl zu thun haben, zumal, wie er glaube, die deutsch-nationale Partei doch nur für einen deutsch-nationalen Reichsraths-Candidaten stimmen werde. Er sehe daher keinen Grund ein, von der Candidatur Dannhauser's abzugehen. Herr Dr. Florian B l a a s bemerkte, daß Herr Dannhauser in der Vertrauensmänner-Versammlung, in der der Compromiß geschloffen worden sei, erklärt habe, keine Wahl mehr annehmen zu wollen. Herr Johann Riegl sprach sich im ähnlichen Sinne aus, wie Herr Anton Schuhmacher. Herr Dr. Heinrich Falk appellirte nochmals an die Wähler, im Interesse einer liberalen Reichsrathswahl auf eine Wahl des Herrn Dannhauser in den Gemeinderath zu verzichten. Budapest, 9. Juni 1896. (Von Sr. Maj estät ausgezeichnete Jud en.) Das heutige ungarische Amtsblatt veröffentlicht eine ganze Reihe von Auszeichnungen, die Se. Majestät der König, aus Vorschlag des Minister-Präsidenten, anläßlich der Millenniumsseier des ungarischen Staates solchen Persönlichkeiten zu Theil werden ließ, die sich aus dem Gebiete der öffentlichen Anlegenheiten besonders verdient gemacht haben. Unter diesen Decorirten befinden sich auch m e h r e r e Glaubensgenossen, u. zw. folgende: Fabriks-Eigenthümer Samuel Goldberger und Fabrikant Leo Weiß: den Orden der Eisernen Krone III. Classe; Oberrabbiner Moses Bloch (Director des Budapester Rabbiner-Seminars), Straßenbahn-Director Heinrich Jellinek de Haraßti, Präsident der Pester israelitischen Cultusgemeinde Sigmund Kohner, Oberrabbiner Leopold Lipschitz (provisorischer Präses der orthodoxen Durchsührungscommission», und Handelskammer-Secretär Dr. Jacob Schreier: das Ritterkreuz des Franz Joses-Ordens; Landes-Sanitätsrath Tr. Adolf Tatai den Titel eines königl. Rathes; Fabrikant Manfred Weiß und der Chef des Statistischen Landesbureaus Joses Körösc: wurden in den Adelsstand erhoben. Budapest, 8. Juni. Wie unsere Leser wissen, hat die vor einigen Monaten stattgehabte Versammlung der israelitischen Districtspräsidenten den Beschluß gefaßt, aus Anlaß der Reception der jüdischen Religion einen Landesfondsür nationale und culturelle Zwecke zu errichten. Dem Beschlüsse folgte die That und heute zählt dieser Fond bereits mehrere hunderttausend Gulden. Aus diesem Fond nun wurde in erster Reihe der Betrag von 150.000 Kronen zur Errichtung von fünf Stiftungsplätzen für Zöglinge der Ludov i c a-A k a d e m i e bestimmt. S e i n e M a j e st ä t hat gestattet, daß diese Sttftung auf seinen Namen errichtet werden und den Titel: „F r a n z Jose f-S t i s t u n g s p l ä tz e" führen dürfe. Die Eingabe, welche die israelitische Landeskanzlei in Folge eines Beschlusses, den die Commission für den ungarischen israelitischen Landesfond in ihrer am 4. Mai d. I. gehaltenen Sitzung gefaßt hat, an den Honvedmimster gerichtet hat, lautet wörtlich: Euere Excellenz Herr Minister! Zum Andenken daran, daß die israelitische Religion in die Reihe der gesetzlich recipirten Religionen ausgenommen ward, schufen die ungarländischen Israeliten — auf Grund eines zu Budapest am 6. Jänner l. I. gefaßten Beschlusses der israelitischen Districtspräsidenten — einen „ungarischen israelitischen Landesfond", aus welchem nationale, confessionelle, culturelle und ohne Religionsunterschied geltend zu machende humane Zwecke zu verwirklichen sind. Unter Anderem sind aus dem Fond auch Stistungsplätze zu errichten. Indem dieser Fond seine Thatigkeit beginnt, ist es unmöglich, daß sich dessen Commission bei der e r st e n Schöpfung nicht von der Empfindung leiten lasse, von der die vaterländische Judenschast der Nation und Seiner Majestät unserem allergnädigsten Herrn gegenüber erfüllt ist, unter dessen glorreicher Herrschaft die ungarischen Israeliten nicht nur ihre bürgerliche und Politische Gleichberechtigung, sondern auch die Aufnahme ihrer Religion unter die gesetzlich recipirttn Religionen erreichten. Die Commission für den „ungarischen israelitischen Landcssond" hat also in Erwägung der Empfindung der israelitischen Gläubigen und auch der seitens der Gründer ausgedrückten Wünsche den Beschluß gefaßt, aus dem „Landesfond" als e r st e S t i f t u n g für den Officiers-Bildungs-Lehrcurs der kön. ungarischen Honvöd-Ludo- Vica-Akademie fünf, ohne Rücksicht auf den Religionsunterschied zu besetzende unentgeltliche Stistungsplätze zu schaffen und zur Erhaltung dieser Stistungsplätze hunderlfünfziglausend Kronen als Stiftungscapital in der kön. ungarischen Staatscasse zu hinterlegen. Diese erste Stiftung unseres Landesfonds möge ein anspruchsloses Zeichen unserer Verehrung sür die ungarischen nationalen Institutionen unseres Vaterlandes bilden. Sie würde ein^vollkommeA treuer symbolischer Ausdruck der Gefühle der ungarischen Judenschast werden, wenn, entsprechend unserer unterthänigsten homagialen Ehrfurcht und niemals erlöschenden Dankbarkeit unserem allergnädigsten Herrn und König gegenüber, die erwähnten Stiftungsplätze den allerhöchsten Namen Sr. Majestät zu führen vermöchten. Indem wir also unseren erwähnten Beschluß und unseren aus dankerfülltem Herzen quellenden heißen Wunsch hiemit anzuzeigen uns erlauben, richten wir an Ew. Excellenz die ergebenste Bitte, unser Fürsprecher sein zu wollen bei Sr. k. u. ap. k. Majestät, damit

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