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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-06-12 · 24 (12.6.1896) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
24 (12.6.1896)
Date
1896-06-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 24 Dr. Bloch's Wochenkchrift. Seite 475 standslos ansgeliefert wurden. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung fand die Criminalpolizei für mehrere Tausend Mark Maaren, die er sich auf die angegebene Weise zusammengeschwindelt hat. Andersen ist übrigens wegen betrügerischen Bankerotts schon zu mehrjähriger Freiheitsstrafe verurtheilt worden und bat dieselbe verbüßt. . Pater Chotkowski. K r a k a u, 4. Juni. In der gestrigen Abendsitzilng des hiesigen Gemeinderathes verlas der Bürgermeister eine Erklärung des Landesschulrathes, welche seststellt, daß nach der rigorosesten Untersuchung der vom Abgeordneten C h o t k v w s k i im Reichsrathe angeführte Fall der Ertheilung des Religionsunterrichte s an christliche Schnlknaben durch einen jüdischen Lehrer nie st a t t g e f u n d e n habe. Stadtrath Professor K a s p a r e k beantragte, Chotkowski zum sofortigen Widerrufe im Reichsrathe aufzufordern. Der Gemeinderath lehnte diesen Antrag ab, da er erwartet, Chvtkowsky werde jetzt selbst widerrufen. Auch ein Antieorruptionift. Die Wiener antisemitische Gemeinderathsmajoriät eirtsendete in die Commission der Wiener Berkehrsanlagen den Gemeinderath Wimberger. „Bater Wimberger, der bekannte Hotelier, wird offenbar als ein hervorragender Fachmann auf dem Gebiete des Verkehrswesens angesehen, weil er seinerzeit ein Stellwagengeschäft betrieben hat. Die Stellwagen-Licenzen verkaufte er um hohen Preis an die Omnibus-Compagnie, und als er später als liberaler Vertreter in den Gemeinderath einzog, trat er an den Bürgermeister Toctor Prix wegen Erlangung neuer Stellwagen-Licenzen heran. 'Als dieses Verlangen abgelehnt wurde, frondirte er in der Partei, und als ihm gar die Specialeinleitung von Hochquellenwasser, dessen die ganze Umgebung noch entbehrte, in sein Hans verweigert wurde, da entdeckte er vollends sein antisemitisches Herz. Seine weitere Carriöre ist bekannt. Er steht heute voll und ganz im antiliberalen Lager. Ein Brief Hans Kudlich's Wie aus Prag gemeldet wird, hat Dr. Hans K u d l i ch an den deutschen Turnverein in Postelberg als Beitrag " zum Ban der Turnhalle zehn Mark gesendet mit einem Begleitschreiben, worin die Voraussetzung ausgesprochen wird, der Bereilt sei kein antisemitischer. Sollte er sich ihren, so möge die kleine Gabe dem Deutschen Schnlverein überwiesen werden. Das Antisemitheon. Vor einigen Monaten ist die Wiener Ressource hinter dem Parlamentsgebäude geschlossen worden, da die rechts- und linksseitigen Nachbarn Beschwerde über den allzugroßen Lärnr führten, der die in dem Locale ftattfindenden Versammlungen zu begleiten pflegte, und diese Thatsache hat speciell die Wiener Antisemiten sehr schmerzlich berührt. Die Wiener Ressource war nämlich als Versammlungslocal besonders stark von Antisemiten, hauptsächlich von katholischen Jünglings- und Gesellenvereinen, srequentirt; es hieß sich nun ein neues Local suchen, und das ist nicht immer leicht, wenn man viele Reden halten, aber wenig Bier trinken will. Diese Verlegenheit um passende Bersammlungslocalitäten mag zu dem interessanten Plane geführt haben, über den wir im Nachstehenden berichten. Eine Anzahl antisemitischer Geschäftsleute der Inneren Stadt, an der Spitze ein Schuhmacher und der Inhaber eines Miedersalons, beabsichtigen eine Action durch,zusühren, welche die Gründung eines antisemitischen Verein s- Hauses zum Zwecke hat. Das Etablissement, eine Art christlichsociales Casino — die Namen der Proponenten bürgen nämlich dafür, daß das Unternehmen einen speciell clericalen Charakter haben wird — soll für antisemitische Veranstaltungen der verschiedensten Art dienen. Es sollen in demselben politische Versammlungen, Vorträge, gesellige'Abende, Liedertafeln, Tanzkränzchen, Bälle u. s. w. abgehalten werden, und die Herren haben auch schon ein bestimmtes Local für ihre 'Absicht in's Auge gefaßt. Da die Mittel zur Acquirirung des Vereinshauses nur aus freiwilligen Spenden aufgebracht werden und die Veranstalter die Taschen ihrer Gesinnungsgenossen nicht zu stark in Anspruch nehmen wollen, so sehen sie von dem Baue eines neuen Hauses ab und begnügen sich damit, ein schon bestehendes Etablissement zu miethen. Das betreffende Etablissement, mit dessen Besitzern sie bereits in Unterhandlungen stehen, befindet sich in einem westlichen Bezirke Wiens und ist so ausgedehnt, daß auch zahlreiche antisemitische Vereine ihre Clubzimmer in demselben finden würden. Es ist ein Etablissement, das mit Alt-Wien in engem Zusammenhänge steht und dessen Name eine Perfonification der Wiener Gemüthlichkeit ist — die Antisemiten müßten sich also beeilen, ihm einen anderen Namen zu geben. Vielleicht nennen sie es „A n t i s e m i t h e o n"; „B e r g a n i u ni" wäre auch nicht übel. Ein literarischer Rothschild. Baron Ferdinand Rothschild, ein Mitglied des englischen Zweiges der Familie, hat ein Buch geschrieben. Der Titel ist : Persönliche Charakteristiken aus der französischen Geschichte", erschienen bei Macmillan. Der Baron sucht in dem Buche die Wandlungen der französischen Geschichte durch 'Anekdoten zu illustriren, wobei er viel Verständuiß zeigt. Einige 'Anekdoten aus seinem Buche, die uns weniger bekannt scheinen, seien hier initgetheilt. Tribvulet, der 'Narr Franz I., kam eines Tages zum Könige und klagte ihm, daß ihn ein Hofcavalier, beleidigt durch einen Witz, mit dem Tode bedroht habe. „Sei ruhig", sagte der König, „wenn er Dich tobtet, lasse ich ihn eine Stunde später henken." — „O, Sire", rief Tribvulet, „möchten Sie das nicht lieber eine Stunde früher thun?" — Einmal wohnte Tribvulet einem Ministerrathe bei, der über den Weg berieth, auf den man einen Einfall in Italien ausführen sollte. Als die Minister fertig waren, sagte der Narr: „Das Wichtigste Haben sie vergessen!" — „Was denn?" fragte einer der Räche ernst. — „Sie haben den Weg bestimmt, auf dem eine Armee in Italien einfallen soll. 'Aber Sie haben nicht den Weg bestimmt, ans dem sie wieder herauskommen kann." — 'Als L u dwig XIV. starb, stand die M a i n t e n o n an seiner Seite. „Man hat mir iunner gesagt, es sei schwer, zu sterben; ich finde das aber durchaus nicht!" meinte der König. — „O Sire" erwiderte die Dame, „es ist nur schwer für Jene, die Liebe oder Haß im Herzen tragen oder Schuldiges rückzngeben haben." — „'Als Privatmann", sagte der König, „habe ich nichts entlehnt. Was ich dem Königreich schulde, wird Gott ersetzen." Er wendete sich dann an einen Pagen, der am Fuße des Bettes weinte. „Warum weinst Tu?" fragte der König. „Glaubtest Tu, ich sei unsterblich?" Ein jüdisches Bergvolk. Zu Ihrer Nachricht unter vorstehender Aufschrift in der Nr. 18 Ihres werthen Blattes vom 10. April 1896 gestatte ich mir Ihnen nachstehende Ergänzung einznsenden, welche Ihren zahlreichen Lesern gewiß ebenso interessant als willkommen sein dürfte: Im Jänner l. I. brachte ein böhmisches Blatt unter dem Titel „Jüdische Gebirgsbewohner am Kaukasus" eine ethnographische Skizze, deren wesentlichster Inhalt hier in wortgetreuer Nebersetzung folgt: „Wenigen dürfte es bekannt sein, daß am Kaukasus unter den dortigen eingeborenen Bergstämmen auch ein Häuflein Inden lebt, welches nicht mehr als 20.000 Seelen zählt, die bisher unbekannt, mann, woher und unter welchen Verhältnissen sich am Kaukasus ansiedelten und daselbst einen Stamm bildeten, welcher sich durch nichts von den ihn umgebenden Bergbewohnern unterscheidet, aber dagegen nur mehr äußerst geringe gemeinsame Merknrale mit den europäischen Juden besitzt. Die vollständig geographischeVereinsamung dieses entlegenen Stammes seiner Umgebung, das Klima, sowie die Nachbarschaft der eingeborenen Gebirgsstämme und der unwiderstehliche Einfluß der sie umgebenden Natur erzeugten eine derartig durchgreifende Wirkung auf die Entwicklung und Lebensführung dieser jüdischen Bergbewohner am Kaukasus, daß ihre ursprünglichen angeborenen Stammeseigenheiten vom Grunde aus geändert wurden und hiedurch ein höchst interessanter Beleg einer vollständigen Acclimatisation und ein höchst lehrreiches Beispiel einer bis ins Kleinste nachweisbaren Assimilirung dieser jüdischen Bergbewohner mit den übrigen autochthonen Gebirgsstämmen am Kaukasus entstand. Für die unterschiedlichen modernen Theorien, welche der Antisemitismus haufenweise gegen den Juden construirt, um seine Angriffe auch in quasi wissenschaftliche Formen zu kleiden, ist es sehr zeitgemäß, die Entwicklung dieses Bruchtheiles der jüdischen Emigration am Kaukasus kennen zu lernen, von dessen Existenz bei uns bis vor Kurzem überhaupt nichts bekannt war, weil selbst russische Quellen diese jüdischen Bergbewohner am Kaukasus nicht näher erwähnten. Erst vom Jahre 1867 angefangen, widmeten die ethnographischen Forschungsreisenden auch dieser handvoll kaukasischer Juden ihre Aufmerksamkeit. I. Cerny bereiste den Kaukasus behufs gründlicher Erforschung der dortigen jüdischen Einwohner und veröffentlichte die Ergebnisse seiner Nachforschungen in dem russischen Sammelwerke: „ÄoroiL svedenij o Kavkazskih gorcah IN" in Tiflis. Später berichtete der namhafte russische Schriftsteller Wladimir Nemirowsz Dan Cenko seine Wahrnehmungen über den jüdischen Gebirgsstamm in seiner Schrift: „Das kriegsfähige Israel." Auch Anisimov, selbst Jude und Abkömmling dieses kaukasischen Gebirgsstammes lieferte über seine Stammesgenossen eine Studie „Die jüdischen Gebirgsbewohner am Kaukasus." Der Hauptinhalt dieser Schrift wurde in der Zeitschrift „Boschod," Jahrgang 1879, I., II. und HI. Heft in Petersburg veröffentlicht. Die jüdischen Bewohner des Kaukasus nahmen viele heidnische Lebensanschauungen und Gewohnheiten an. Der jüdische Gebirgs-

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