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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-06-12 · 24 (12.6.1896) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
24 (12.6.1896)
Date
1896-06-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 24 Dr. Vloch's Wochenschrift Seite 471 theidigung der durch deu Antisemitisnlus bedrohten Interessen des Judenthnms. Wie sie diese Ausgabe erfüllt, das zu beurtheilen ist Sache unserer Leser, wir können nur constatiren, daß wir nach Möglichkeit und nach Kräften alle antisemitischen Lumpereien aufzudecken, alle antisemitischen Spitzbuben zu entlarven, alle von nichtjüdischer Seite gegen die Juden geschlenderten Schmähungen und Verleumdungen zurückzuweisen bemüht sind. Aber in diesem fortdauernden, alle physischen und geistigen Kräfte anspannenden Kampfe ergibt sich eines Tages eine überraschende Erscheinung. Es treten zwei, respective > rei galizische Juden — nicht getaufte, sondern echte, ungewässerte Juden — aus, welche selber zu geschäftlichen Zwecken die Judenhetze schüren. Und diese Menschen hätte Tr. Bloch schonen, er hätte sie noch zu sich einladen sollen, um mit ihnen freundschaftlich zu sprechen? Mit treffenden! Witz bemerkte Tr. Bloch auf diese kühne Zumuthung: „Dann hätte ich ja für galizische Juden geradezu ein Privilegium zu antisemitischen Agitationen geschaffen!" — Wir erwähnen diese Episode, weil sie ein elastisches Zengniß dafür bietet, mit welchen Feinden das Judenthum nicht nur außerhalb seiner eigenen Gemeinschaft, sondern auch innerhalb derselben zu kämpfen hat und welche Zumuthungen Leute von dem Kaliber der Brüder Münzer an die „jüdische Nächstenliebe" stellen, wenn es sich nicht um ihre jüdischen Concurrenten, sondern um ihre eigene Haut handelt! Es hat viel Mnth, oder besser gesagt, es hat ein hoher Grad von Serupellvsigkeit dazu gehört, diesen Prvceß anzustrengen, und die Herren David und Lazar Münzer haben mit der Rolle, die sie im Gerichtssaale gespielt haben, und mit der Beleuchtung, in die sie sich selbst vor den Geschwvrnen setzten, nur das Nrtheil bestätigt, welches sich alle anständigen Inden längst von ihnen gemacht haben. Wir beneiden sie wahrhaftig nicht um den Triumph, deu sie über die dein ''Angeklagten 'auferlegte Geldbuße empfinden mögen. Nach wie vor können wir nur ererklären: Diese Leute gehören nicht zn uns Inden, und wenn ein Funke von Schamgefühl in ihnen schlummert, müßten sie aus der jüdischen Gemeinschaft austreten und sich in eine Reihe mit Brimanns, Paulus Meyer und anderen derartigen Gestalten stellen. Solange dies nicht geschieht, dürfen wir wenigstens von unseren Glaubensgenossen erwarten, daß sie deu Herren Lazar und David Münzer gegenüber jene Stellung einuehmen werden, welche ihnen Pflicht und Gewissen und die Ebre des Judenthums vorschreiben! Zum Schluffe müssen wir noch unserem lebhaften Bedauern darüber Ausdruck geben, daß ein Mann von den geistigen Fähigkeiten und der socialen Position des Herrn Dr. Heinrich Stege r, der wiederholt in öffentlichen Versammlungen unserer Glaubensgenossen sich als warmsühlender Jude gezeigt hat, die Vertretung dieser Leute übernahm und sich im Verlaus des Processes, tvie in seinen! Plaidoyer sogar in ziemlich weitgehender Weise mit ihrem Standpunkte identificirte. Der Anwaltsberuf hat seine Pflichten, die wir genau kennen, aber auch die Zugehörigkeit zum Judenthume erlegt'Pflichten auf, die man nicht außer Acht lassen darf. Wenn Jud.'n Circulare verschicken, in denen von „gemeiner / jüdischer Durchtriebenheit", von „Tarnopoler Talmudjuden", „galizischen Lumpen und Schwindlern" die Rede ist, dann dürfte es nicht viele jüdische Anwälte geben, welche bereit sind, die Vertretung einer solchen Clientel zu übernehmen. Es war auch höchst überflüssig, daß Herr Dr. Steg er gewissen antisemitischen Neigungen durch die ostentative Betonung des jüdischen Namens des Angeklagten Nahrung bot, umso überflüssiger, als der Name Alexander eben gut jüdisch ist und in der ältesten jüdischen Epoche zu finden war. Es thut uns leid, diese Bemerkungen gegenüber Herrn Dr. Steg er machen zu müssen, aber wenn wir schon von den seltsamen Erscheinungen dieses Processes sprachen, konnten wir jene, welche uns Herr Dr. Stege r als Klageanwalt bot, nicht mit Stillschweigen übergehen. — Hoffentlich verschwinden numuehr die Biedermänner M ü n z e r von der öffentlichen Bildfläche für immer. Oeffentliche Sitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde Wien, am 7. Juni 1896. Der Vorsitzende Herr Bice-Präses Gustav Simon eröffnet um 10 Uhr die Sitzung. Secretär Herr Dr. Lieben bringt zunächst den eingelangten Einlaus zur Kenntuiß, darunter ein im uftrage Ihrer kaiserlichen Hoheit der Frau Erzherzogin Maria Theresia an deu Vorstand gerichtetes Telegramm, in welchem demselben für die Trauerkundgebung anläßlich des Ablebens Sr. kaiserlichen Hoheit des Herrn Erzherzogs Earl Ludwig der Dank ausgesprochen wird; weiters eine Zuschrift des Herrn Adolf Lichtblau, mit welcher derselbe für den Sitzungssaal der israelitischen Cultusgemeinde ein wohlgetroffenes Bildniß Sr. Majestät des Kaisers in prachtvoller Umrahmung übersandte; endlich eingelansene Spenden. Sodann gelangt der nachstehende Bericht über das abgelausene Verwaltungsjahr zur Verlesung. Die in der öffentlichen Sitzung des Vorjahres ausgesprochene Hoffnung aus baldigste Genehmigung des Statutes ist in dem abgelausenen Verwaltuugs sichre noch nicht erfüllt worden. Im Interesse der Erhaltung des Friedens in der Gemeinde hat der Vorstand noch inehrsache Mvdisicationen an dem Entwürfe vorgenommen und es läßt sich heute fast mit Bestimmtheit sagen, daß die behördliche Genehmigung nunmehr in kürzester Frist erfolgen werde, so daß die Neuwahlen in den Vorstand im Herbste werden stattfinden können. Einen großen Verlust hat die Cultusgemeinde durch das Ableben ihres ehemaligen Präsidenten, des Herrn Wilhelm Ritter von Gutmann, erlitten. Es betrauert der Vorstand den Verlust seines hingebungsvollsten Beamten, des Herrn Spitalverwalters, k. Rath Tr. Wölsler, welcher durch 41 Jahre im Dienste der Cultusgemeinde gestanden ist. Die Stelle desselben wurde seither dem Dr. Kvranyi verliehen. Die Thätigkeit der einzelnen Secrionen war auch im ab gelaufenen Verwaltungsjahre eine intensive. Ter Vorstand war bemüht, die Bestrebungen von vpser willigen Gemeindemitgliedern nach Erbauung von würdigen Gotteshäusern zu fördern und verzeichnet mit Geuugchuung, daß es dem rührigen Tempelbau-Comits in Favoriten gelungen ist, sein Ziel, die Herstellung eines würdigen Gotteshauses, zu erreichen. Einem Wunsche der Gemeindemitglieder Rechnung tragend, hat der Vorstand im abgelausenen Jahre den Stadttempel renvvireu und elektrisch beleuchten lassen; derselbe repräseutirt sich nunmehr in äußerst würdiger Weise. Die durch das plötzliche Ableben des Rabbinats-Assessors Marcus Pvllak erledigte Stelle wurde seither über Antrag des Rabbinats der» Religionslehrer Breier verliehen. Aus den Berichten der Schulinspectoren ist zu entnehmen, daß der Religionsunterricht aus Grund des neuen Lehrplanes entsprechendere Erfolge auszuweisen hat, und es ist sehr erfreulich, daß auch die competente Schulbehörde gegebenen Ortes hervvrgehoben habe, daß sich der neue Lehrplan bewähre. Tie Sectivn für Spital und Wvhltbätigkeitsanstalten hatte auch im abgelausenen Berwaltungsjahre eine intensive Thätigkeit entwickelt. Insbesondere waren im Spitale der israelitischen Cultusgemeinde manche zeitgemäße Reformen nothwendig, die zum Theil mit größeren Kosten verbunden waren und von denen manche noch der Ausführung harren. Mit Beftiedigung können wir auch das segensreiche Wirken des Altersversorgungshauses hervorheben, umsomehr aber müssen wir bedauern, daß unser Appell an die Oeffentlichkeit uns durch Spenden die Möglichkeit zn bieten, auch den dritten Stock zur Ausnahme der Pfleglinge eiuzurichten, wirkungslos verhallt ist. Der Rechnungsabschluß pro 1895 gibt Ihnen, geehrte Herren, ein ungeschminktes Bild der finanziellen Verhältnisse der Gemeinde. Die Anforderungen an die Gemeinde werden immer größere, ohne daß die Einnahmen sich auch nur halbwegs nähern würden. Hoffen wir, daß mit Genehmigung des Statutes hier Wandel geschaffen wird. Der langjährige Obmann der Finanzsection, Herr Moriz Karpeles, der mit seltenem Pflichteifer derselben Vorstand, hat sich veranlaßt gesehen, auf diese Stelle zu resigniren. Herr Commercialrath Leinkaus hatte die besondere Güte, dessen Agenden zu übernehmen, wofür die Gerneinde ihm zu großen! Danke verpflichtet ist. Sodann erstattete Herr Commercialrath Leinkaus nachstehenden Rechenschaftsbericht für das abgelauseneVerwaltungsjahr:

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