Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 23 (5.6.1896)
- Date
- 1896-06-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seüe 462 Dr. Vlvch's Wochenschrift. Nr. 23 Sambor. Bei der am 24. v. M. in der hiesigen Osias Gotthelf'schen Handelsschule stattgefundenen öffentlichen Prüfung haben 7 Schüler und zwar 3 mit vorzüglichem und 4 mit recht gutem Erfolge, die eingerichteten zwei Curse absolvirt. Dem Curatorüun, besonders dem Obmanne desselben Herrn N. Ranunkel, der mit unausgesetzter Mühe und wahrer Aufopferung seinen Obliegenheiten Rechnung trägt, gebührt für das Gedeihen uud Aufblühen dieser rühmlichen Anstalt die vollste Anerkennung. Nicht minderen Dank verdient der Leiter der Schule Herr Prof. S. Weinberg, da derselbe es versteht, seinen Schülern eine lobeuswerthe commercielle Bildung angedeihen zu lassen. L. Hausmann. Floridsdorf, 26. Mai 1896. Herr Ingenieur Gustav Eisinger hat sich mit Fräulein Anna Glaser, Tochter des Herrn Bernhard Glaser, Gemeinderath in Groß - Jedlersdvrf verlobt. Dubiecko am 27. Mai 1896. Samstag am 24. Mai verschied hier um 11 Uhr Abends der hiesige, allgemein geachtete und seiner Wohlthätigkeit wegen sehr beliebte Gutsbesitzer Herr Isaak K a n n e r nach kurzem Leiden im 67. Lebensjahre. Seinen Tod betrauert umsomehr die hiesige gesammte Bevölkerung, als der Verblichene bis Freitag den 23. geistig und körperlich frisch von Przemysl zurückkehrte, worauf er sich etwas unwohl fühlte, und zu Bette ging, um leider nicht mehr aufzustehen. Es wäre hier zu wenig Raum die guten Thaten und Wohlthätigkeitsleistung des Verblichenen aufzuzählen; es sei nur bemerkt, daß, wo es sich um wohlthätige Zwecke, um milde Gabeu und Unterstützung handelte, und wer ihn darum ersuchte, der ging nie mit leeren Händen von chm weg. Als Beweis seiner Wohlthätigkeit diene auch folgende Thatsache: Am Sterbetag hat der Verblichene testamentarisch 20.000 Gulden verschrieben, deren Zinsen alljährlich unter die arme jüdische Bevölkerung vertheilt werden dürfen. Die Leiche wurde nach Lisko überführt, um dort begraben zu werden, wo der Verblichene geboren ist. Er hinterläßt eine ihn tiefbetrauernde Familie, bestehend aus dessen Gattin, drei verheiratheten Söhnen und zwei ebenfalls verheiratheten Töchtern. Wiznitz, 25. Mai. Die hiesige Gemeinde veranstaltete am 24. d. M. in der großen Synagoge eine Trauerandacht für die Manen des Baron Moriz Hirsch, bei welcher der eigens zu diesem Zwecke von seinem Wohnorte in Zablotow berufene Prediger einen ergreifenden Nachruf sprach. Im Eifer seines Vortrages ließ es auch der Redner nicht an Seitenhieben für diejenigen fehlen, welche in ihrem blinden Fanatismus unsere arme Bevölkerung der Wohlthaten beraubte, welche sie durch die Baron Hirsch'sche Stiftung für Galizien und die Bukowina theilhaftig werden konnte. Jacob S. Lemberg, 29. Mai. Anläßlich der Vermählung seiner Tochter spendete der Präsident des Cultusvorstandes, Herr Sam. Edler v. H o r o w i tz 500 fl. für Arme ohne Unterschied der Confession. Lemberg. (Rechenschaftsbericht.) Der Ausschuß des „Vereines zur Ko s ch er - B es p eis un g jüdischer Kranken in Allgemeinen Krankenhause in Lemberg" veröffentlicht soeben seinen Jahresbericht, aus welchem sich ein Bild edlen und erfolgreichen Wirkens entrollt. Dank den frommen und humanen Bestrebungen einiger edler Frauen, der Mumficenz des Herrn David Rappaport und der opferbereiten Unterstützung der Gemeindemitglieder hat der Verein mit Ueberwindung mannigfacher Hindernisse es dahin gebracht, täglich m e h r a l s 60 jüdische Kranke mit ritueller Kost zur völligen Zufriedenheit der Spitalsverwaltung zu versehen. Mit Germgthuung kann die Vereinsleitung auch auf die ehrende Thatsache Hinweisen, daß Se. Excellenz der Landmarschall Graf Stanislaus Badeni bei einem Besuche des Krankenhauses die Bespeisung als eine musterhafte bezeichnete. Beuthen, O.-S. Herr Isidor B u n i m o w i t s ch , der tüchtige Solo-Tenor des Wiener Stadttempels, hielt in Folge Berufung des hiesigen Vorstandes am Samstag den 23. Mai in unserer Synagoge einen überaus beifällig aufgenommenen Probevortrag, welcher voraussichtlich zu einem Engagement führen dürste, da Herr Bunimowitsch sowohl bei feinem synagogalen Probevortrage, als auch in dem am Samstag Abends im großen Beuthner'schen Saale abgehaltenen Liedervortrage solchen Beifall gefunden, daß sich ihm die allgemeinen Sympathien zuwendeten. Herr B u n i m v w i t s ch machte auch durch sein Auftreten in der Gesellschaft den besten Eindruck, und hoffen wir daher, ihn demnächst hier eingeführt zu sehen. Bukarest. („Israelitische Ing end".) Der seit 15 Jahren in Jassy bestehende Verein „Israelitische Jugend" zur Gründung von Schulen veröffentlicht soeben seinen Jahresbericht, welchem eine Rede vorangestellt ist, die Herr Dr. K.. Lippe, der Präsident des Vereines, zur Feier der Prämienvertheilung hielt. Herr Dr. K. Lippe, der sich bereits durch mehrere wissenschaftliche Werke einen geachteten Namen gemacht hat, gibt in dieser Rede eine höchst interessante und lehrreiche Studie über die Schule und ihre Bedeutung nach jüdischer Auffassung. Pitestl. (Rumänien.) Am 6. d. M. fand in dem hiesigen Tempel ein Trauergottesdienst st'ir den verewigten Philantropen Baron Hirsch statt, bei welchem das Vorstandsmitglied Herr Adolf N a tz l e r eine ergreifende Rede hielt, in der er die Verdienste des Verblichenen pries. Die Gemeindevertretung sandte auch ein Condolenztelegramm an die Frau Baronin Hirsch. Auch am 10. v. M. wurde anläßlich des 30jährigen Jubiläums der Thronbesteigung des Königs Carl ein feierlicher Festgottesdienst abgehalten, dem die Spitzen der Behörden beiwohnten. Der Präfect sowohl als der Bürgermeister sprachen sich nach Beendigung der Feier sehr anerkennend über die patriotischen Gefühle der israelitischen Bevölkerung aus. R— o. Bosnien. Die letzte Volkszählung ergibt nachstehendes Resultat: Zahl der jüdischen Einwohner 1879 mit 3426 „ „ „ „ 1885 „ 5805 „ „ „ „ 1895 „ 8213 Die Juden in Bosnien und der Herzegowina nehmen eine durchaus geachtete Stellung ein. Smyrna, 25. Mai. Auch hier wurde aus Anlaß des Ablebens des großen Philantropen Baron Moritz von Hirsch ein Trauergottesdienst abgehalten. Die Trauerfeier beschränkte sich nicht aus den Tempel, sämmtliche jüdische Geschäfte blieben den ganzen Vormittag geschlossen, die Locale waren schwarz decorirt und vor manchem Portal sah man das Bild des Verblichenen bekränzt. Die Feier selbst machte einen erschütternden Eindruck. Sophia. Wie aufgeklärt Prinz Ferdinand von Bulgarien ist, läßt sich aus der Thatsache ersehen, daß sein Secretär ein Jude ist, Herr Martin Fürth. Der Präsident der französischen Republik hat Herrn Fürth zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. London. Lord Roseberry hat Mr. und Mrs. Leopold Rothschild eingeladen, für die Derby-Woche in Epsom seine Gäste in Durdans zu sein. London. Phineas E. Van Noorden, der wohlbekannte Professor und Componist, starb vergangenen Sonntag. Paris. In dem von der weltberühmten Gesangslehrerin Madame Marchesi gegebenen Schülerconcert erregte Fräulein Kosminski aus London großes Aufsehen. Die „Debats" uild der „Gaulois", wie auch andere bedeutende Blätter rühmen Fräulein Kosminski als einen zukünftigen Stern. Buenos-Ayres. (Trauer um Baron Hirsch i n A r g e n t i n i e n.) Die traurige Nachricht von dem Tode des Baron Hirsch hat tiefe Trauer in den Herzen aller Juden hervorgerufen. Die hiesige deutsche und spanische Gemeinde, wie auch die russischen Colonien in den Provinzen von Santa Fe und Entre Rios hielten Trauergottesdienste ab. Mehr als 10.000 Juden in dieser Republik haben seinem Andenken Ehre erwiesen; die Synagogen waren mehr besucht als an den Feiertagen oder Jom-Kippur. Rührend war die Anwesenheit eines alten Mannes von 97 Jahren, eines Herrn Kramer, der infolge seines hohen Alters sonst nie fein Zimmer verläßt. Feuilleton. Kinder des Ghetto. (Roman von I. Zangwill) (Nachdruck verboten.) „Warum sollte ich nicht von Liebe reden?", ftagte dealte Hyams. „Sei doch nicht so komisch ernsthaft, Vater!", bat Daniel, abermals lächelnd. „Was ist denn über Dich gekommen? Was hast Du mit Liebe zu thun? Du sprichst ja wie ein romantischer