Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 23 (5.6.1896)
- Date
- 1896-06-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 33 Dr Bloch's Wochenschrift. Seite 461 Neapel. Vorige Woche starb hier Frau Sali s Schwabe, die die Ehre hatte, eine persönliche Freundin der Kaiserin Friedrich von Deutschland und der Königin Margarethe von Italien zu sein. Von hochachtbaren Juden abstammend, kam sie früh nach England, wo ihr Mann eine Zeit lang ein hervorragendes Mitglied der Glasgower Cultusgemeinde war. Als sie, nachdem sie Witwe geworden war, nach Italien kam, ging ihr die Nmvissenheit des Volkes, das zur größeren Halste weder schreiben noch lesen konnte, so sehr zu Herzen, daß sie den Plan faßte, in Neapel eine Schule, nach den Grundsätzen Fröbel's und Pestalozzi's, einzurichten. Dank ihren großen Bemühungen war sie im Jahre 1874 endlich im Stande, ein Lehrer- und Lehrerinnenseminar, wie auch einen Kindergarten zu errichten. Diese Schulen waren dermaßen von Erfolg begleitet, daß in ganz Italien ähnliche Institute entstanden. Frau Schwabe kehrte hieraus nach England zurück, setzte sich dort mit Vir. Claude Montefiore in Verbindung, und den Bemühungen Beider gelang es, auch in England ein Seminar sammt Kindergarten zu errichten, welche voriges Jahr in West Kensington (London) von der Kaiserin Friedrich eröffnet wurden. Obgleich Frau Schwabe stets das lebhafteste Interesse für jüdische Angelegenheiten bezeugte und gelegentlich der Judenverfolgungen in Rußland sich an der Sammlung für die Unglücklichen auf's Freigebigste betheiligte, gehörte doch ihre große philantropische Thätigkeit der ganzen Menschheit ohne Unterschied des Bekenntnisses und der Abstammung. Dring (England). Ein vornehmes englisches Wochenblatt („The English Illnstrated Magazine“) bringt eine sehr interessante Schilderung des Rothschild'schen Museums iu Dring Park, dem LandsitzedesLordRothschild. Das Museum verdankt sein Entstehen dem naturhistorischen Sinn des ältesten Sohnes Lord Rothschild'», Walter, der schon als Kind eine ausgesprochene Vorliebe für das Studium der Schmetterlinge und Vögel hatte. Allmälig kamen auch Säugethiere hinzu, und es stellte sich die Nvthwendigkeit heraus, diesen Thieren entsprechende Unterkunst zu verschaffen. Es hatte sich nicht nur die Anzahl der Exemplare ins Ungeheure vermehrt, sondern ihr wissenschaftlicher Werth war bedeutend gestiegen und das wissenschaftliche Ziel trat immer deutlicher hervor. So entstand das hübsche und zugleich sehr praktische Gebäude, das gleichzeitig ein Museum und Laboratorium ist. Walter Rothschild zeigt durch seine wissenschaftlichen Unternehmungen auf dem Gebiete der Ornithologie und Entomologie, daß wir es nicht nur mit der Curiositätensammlung eines Dilettanten zu thnn haben. Jerusalem. (Jüdische C o l o n i e n in P a l äst i n a.) Baron Edmund de Rothschild, der Gründer der jüdischen Colvnien in Palästina, hat seinen Verdiensten iun das Judenthum ein neues hinzugefügt, indem er die schon bestehenden Colouieu um eine vermehrt hat. Die neue Colonie, arabisch M u t e l { e, ist in Galiläa gelegen, an der Straße, welche von Safed nach Banias und von da nach Damascns führt und ist von Safed 6, von der Colonie Jesod Hamaalah 4 Stunden entfernt und befindet sich in dem alten Gebiete des Stammes Dan, von welchem es in dem Buche der Richter heißt, daß es alles besitze, was die Erde hervorbringt. Das ganze Dorf samnit Häusern und Scheunen und ungefähr dreitausend Morgen Land ist reich an Quellen, besitzt eine Wassermühle; ganz in der Nähe ist der Ursprung des Jordan. Baron Rothschild hat das Dorf von den Drusen erstanden; es sollen dahin fünfzig Bauern ans den anderen Colvnien.verpflanzt werden, und zwar nur solche, ivelche eine mindestens fünfjährige Erfahrung besitzen und sich durch ihre Aufführung das Vertrauen der Leitung erworben haben. Die neue Colonie erhält eine andere Verwaltung als diejenige, die bisher in den Rothschild'schen Colonien üblich war. Während in den alten Colvnien ein Verwalter und mehrere Beamte die Angelegenheiten der Ansiedler zu leiten hatten, ruht in der neuen Colonie die Verwaltung ausschließlich in den Händen der Ansiedler selbst. Jeder einzelne erhält ein Stück Land sammt Vieh und Ackerbauwerkzeug und Vorräthe für ein Jahr. Im nächsten Jahre muß er mit der Abzahlung in Raten beginnen, so daß die Schuld in 10 Jahren getilgt wird. Die Mühle mit ungefähr 250 Morgen Landes bleibt Gemeinde-Eigenthum; davon werden die Gemeindeausgaben bestritten. Jeder unverheiratete Colonist geht die Verpflichtung ein, im Falle seiner Verheiratung sich nur eine Frau unter den Töchtern der palästtnensischen Colvnien zu suchen. Diese neue Unternehmung, wie auch die guten Berichte aus dem Gebiete von Hauran sind uns ein Trost in der Sorge wegen des Auftretens der Sphinx E l p e n o r in den Weingärten der bei Jaffa gelegenen Colvnien; dieses Jnsect richtet hier großen Schaden an. Die Schulen in beit Colvnien und in Jaffa wurden geschlossen; Schüler und Schülerinnen werden in großen Massen in die Weinberge geführt, n u die Engerlinge und Eier des verheerenden Jnseetes zu vernichten. Glücklicherweise erwartet man eine reiche Weinlese, sv daß der Schaden nicht so fühlbar sein wird, und man hofft, Mittel zu finden, um das Wiederauftreten des Jnseetes zu verhindern. Wien. (I s r a e l i t i s ch e C u l t u s g e m e r n d e W i e iO Oesfentliche Pleu a r s i tz u n g des Vorstandes der i s r a e l i t i s ch e n Cultusgemeinde Wie n Sonntag den 7. I u n i 180(> n m 10 il h r Vor m i t t a g s im Sitznngssaale der israelitischen Cultusgemeinde, ]., Seitenstettengasse 4, II. Stock. Tagesordnn n g: ») Rechnungsabschluß per 1805 (Referent Herr Commereialrath Leinkaus); >») laufende Angelegenheiten. Wien, im Juni 1806. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Wien. Spende. Frau Baronin Clara Hirsch hat dem Secretär der galizischen Baron Hirsch-Stiftung in Wien, Herrn Dr. Moriz F r i e d l ä n d e r, für die Witwen- und Waisenversorgung der Wiener Pvlizeibeamten einen Check im Betrage von dreitausend Gulden „zum Audenkeu an ihren verewigten Gemahl" gesendet. In dem bezüglichen Einbegleitungsschreiben kommt Baronin Hirsch auch auf das an sie gelangte Ansuchen des Vereines für israelitische Feriencolvnien „Ferienheim" in Wien wegen lleberlassnng von Ubicationen zu sprechen und erklärt sich gerne bereit, ein geeignetes Obdach für die zahlreichen Schützlinge dieses Vereines zu gewähren. Die erste Gruppe solcher Kinder, welche nach überstandener Krankheit oder wegen geschwächter Gesundheit bereits jetzt vom Schulbesuch befreit sind, wurde Mittwoch, den 3. Juni, zum Landaufenthalt nach Petrau in Mähren entsendet. (S p e u b e.) Von Herrn Alexander Schorr in Drohobyez sind uns für das „Ferienheim" 5 fl. zugekommen. Wien. (Jüdische akademische L e s e h a l l e.) Samstag, den 30. Mai sprach Herr Lertor M. Friedmann über altjüdische Literatur. Der Herr Vortragende, dessen interessante Vortragsweise in den weitesten Kreisen bekannt ist, behandelt insbesondere die sogenannte rabbinistische Literatur und belebte seinen Vortrag durch Stellen aus der Mischna, Tosifta und Riechilta. Reicher Beifall lohnte die interessanten Ausführungen des allgemein beliebten Redners. Samstag den 6. Juni, 7'/, Uhr Abends, spricht jnr. Adolf Donath über moderne deutsche Lyrik. E. B. Wien. Die kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien hat in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe den ordentlichen Professor der Zoologie an der deutschen Universität in Prag, Dr. Berthold H a t s che k, zum inländischen correspondirenden Mitgliede gewählt. Der neue Akademiker ist eine hervorragende Capacität aus dem Gebiete der Zoologie, was schon aus der Thatsache hervorgeht, daß derselbe als Jude im jugendlichen Alter von dreißig Jahren zum Ordinarius an der altberühmten Prager Universität ernannt wurde. Girier». Herr M. Kanitz, Professor am städtischen Evmmunal-Real- und Obergymnasiüm, II., Kleine Sperlgasse 2, und Schulinspector für den israelitischen Religionsunterricht vollendet am 1. Juli d. I. seine 20jährige Thätigkeit im Lehramte, Herr Professor Kanitz wußte sich während seiner 20jährigen Lehrtätigkeit durch strengste Pflichterfüllung, durch eine humane, liebevolle Behandlung seiner zahlreichen Schüler, sowie durch das liebenswürdige Entgegenkommen als Schulinspector die vollste Verehrung seiner Schüler, sowie die uneingeschränkte Hochachtung bei den Lehrern und in den weitesten Kreisen der Bevölkerung zu erwerben. Allseitig werden Kundgebungen vorbereitet, um dem verdienstvollen Pädagogen auerkenuende Beweise der Sympathie eutgegenznbringen. Prag. Professor D r. Alois Zucke r der hiesigen deutschen Universität ist von Seiner Majestät dem Kaiser zum Hofrathe ernannt worden. Diese allerhöchste Auszeichnung hat in den weitesten Kreisen die sympathischeste Aufnahme gefunden.