Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 23 (5.6.1896)
- Date
- 1896-06-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 23 Seite 459 Vr. Vloch's Wochenschrift. füget hinzu, daß ein Jeder, der nicht seine Kinder ein Handwerk lernen lasse, eben so viel lhue, als wenn er sie unterrichtete, wie sie Diebe und Straßenräuber werden sollten. Aus Johann Colerus Leben des B. v. Spinoza." Steglitz, 26. Januar 1896. Pros. Dr. P a s l u e n- Eingesendek. Be r ehrliche Redaction! Im antisemitischen „Kikeriki" erscheint das Inserat des jüdischen Bandwurm-Arztes Moses Schneid, Praterstraße 46. Diese Thatsache erschien dem antisemitischen Leserkreise selbst ausfällig genug, und auf eine derartige Interpellation fühlte sich die „charakterfeste" Redaction des „Kikeriki" veranlaßt, unter Nr. 42, Redactivnscorrespondenz, au einen Dr. S. in E. folgende beruhigende Mittheilung ergehen zu lassen: „Dr. S. in E. Der Bandwurm-Schneid ist nicht nur kein Jude, sondern ein „strammer Gesinnungsgenoss e". Abgesehen von der Charakterlosigkeit des Inserenten Moses Schneid ist es charakteristisch für die Gesinnung des „Ehren-Kikeriki", diesen Herrn als strammen Gesinnungsgenossen zu reclamiren. Wahrscheinlich sind sie Beide einander werth. Dixi. Dr. E. N. Correspondenzen. Wien. An den Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Wien, ist nachstehende Depesche gelangt: Im hohen Aufträge Ihrer kaiserlichen und königlichen Hoheit, der durchlauchtigsten Frau Erzherzogin MarieTherese habe ich fiir die Trauerkundgebung anläßlich des Hinscheidens Höchstihres Herrn Gemals, Sr. kaiserlichen und königlichen Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Carl Ludwig höchstderen verbindlichen Dank auszusprechen. Im hohen Aufträge, Gräfin Schönfeld, Obersthofmeisterin. Wien. (Israelitische Frauen-Wohlthütigkeits verein für Hans arme.) Dieser im Jahre 1871 gegründete Verein feierte am 26. Mai d. I. das Fest seines -25jährigen Bestandes gleichzeitig mit seiner diesjährigen ordentlichen Generalversammlung. Die Präsidentin Frau Clara Klärmann entwarf nach einer herzlichen Begrüßung der zahlreich erschienenen Mitglieder in schwungvollen Worten ein Bild der Entwicklung des Vereines aus den allerbescheidensten Anfängen bis zu seiner jetzigen Situation und schilderte in beredter Weise, wie der Verein trotz großer Schwierigkeiten, die sich ihm durch die Ungunst der Zeiten entgegenstellten, immer und immer das Banner edler Menschenfteundlichkeit und Menschenliebe hochgehalten und durch sein Wirken viel zur Linderung des Elends seiner Glaubensgenossen beigetragen habe. Den Ausfiihrungen der Präsidentin folgte lebhafter Beifall. Die Schriftführerin Frau Cäcilie Nußbeck verlas hierauf den Rechenschaftsbericht und richtete im Anschlüsse daran gleichfalls an die Anwesenden die Bitte, daß sie dem durch sociale Verhältnisse sich mehrenden Elende auch fernerhin thatkräftig entgegentreten mögen. Hierauf wurden in den Vorstand gewählt: Frau Clara Klärmann, Präsidentin; Frau Sophie Deiches, Frau Adele Edle von Mises, Vice-Präfidentinnen; Frau Cäcilie Nußbeck, Cafsierin; Frau Rosa Wiesner, Schriftführerin; Frau Henriette Schneck, Frau Amalie Basseches, Frau Ernestine Sachs, Frau Charlotte Brasser, Frau Dr. Gisella Bien und Frau Fanny Kohn. Budapest, 25. Mai. Herr Rabbiner Dr. L i p s ch i tz, der bereits während der Krankheit des Herrn Ignaz Reich, des früheren Leiters der Kanzlei der „orthodoxen Durchführungscommission", die Führung der Geschäfte besorgte, hat an die Cultusgemeinden ein Schreiben gerichtet, in welchem er erklärt, daß er die provisorische Leitung bis zur endgiltigen Lösung der Präsidentenfrage beibehalte. Der ungarische Cultus- und Unterrichtsminister hat der Kanzlei aus Anlaß des Ablebens des Herrn Reich condolirt. Budapest, Ende Mai. Der Kaiser hat gelegentlich feiner Rnndgänge in der Millenniums - Ausstellung auch zahlreiche jüdische Aussteller mit Ansprachen beehrt. Als ein Beweis für das seltene Gedächtnis des Monarchen und seiner huldvollen Gesinnung für die Juden wird folgende Thatsache wohl allgemein interessiren: Der Kaiser erblickte die Präsidentin des Pester israelitischen Frauenvereines, Frau David B i s ch i tz de Heves, die irrthümlicherweise als Frau Ignaz Bischitz vorgestellt rvnrde. Der Monarch reichte lächelnd der Dame die Hand und sagte: „Ach nein, Frau David Bischitz, wir sind ja schon alte Bekannte. Auch zu den Hvfdiners waren unsere jüdischen Notabilitäten zugezogen worden. Berlin. Ter Antifemitenhäuptling W. Kretzerin Charlottentkurg hat mit seinem „ Wegweiserdurch Berlins christlichdeutsche Geschäfte" so schlechte Geschäfte gemacht daß er jetzt in einem längeren schreiben, das anscheinend an eine große Anzahl von Personen versandt worden ist, sich als „persönlich ruinirt" bezeichnet und die „Herzensbitte" ausspricht, ihm eine einmalige Zuweisung von 50 bis 100 Mark, „ohne weiterem Wohlwollen Schranken zu setzen", zukommen zn lassen. Damit erwerbe sich der Opferwillige „Gotteslohn". Der Bettelbrief schloß mit den Worten: „Und nun gehe hin, meine Epistel, rühre das Herz des reichen Mannes, auf daß er dem bedürftigen deutschen Bruder helfe! Das walte Gott!!" Einen widerlichen Eindruck macht es, daß die Leute, die ans dem Hetzen ein Geschäft machen, dabei beständig den Namen Gottes im" Munde führen. Nürnberg, 23. Mai. Zu der Hostafel, welche aus Anlaß der Eröffnung der baierischen Landes-Ausstellung stattfand, sind folgende Glaubensgenossen mit Einladungen beehrt worden: Rabbiner Doctor Ziemlich, Kaufmann G a l l i n g e r, Finanzrath Gerngroß, Commerzienrath Kohn und Commerzienrath Berolzheimer. Sowohl nach der Hostafel, wie schon früher beim Empfange am Bahnhofe hat Se. königliche Hoheit der Prinzregent den Rabbiner huldvoll angesprochen und sich nach den Verhältnissen der Gemeinde eingehend erkundigt. Samstag um 11 Uhr besuchte der Prinzregent die Synagoge. An der Einfahrt wurde derselbe vom Herrn Justizrath Josesthal empfangen und zum Portal der Synagoge geleitet. Hier begrüßte ihn der Rabbiner mit einer kurzen Ansprache, die in dem Segensspruche gipfelte: „Gepriesen seist Du Ewiger, der Du einen Abglanz Deiner Majestät den Regenten der Erde verliehen hast." Der Regent dankte aufs Freundlichste, sprach sich wiederholt sehr befriedigt über die edle Architektur des Baues aus und lobte den Synagogenchor, der beim Eintritt des Regenten in das Gotteshaus den Psalm 24 nach der Composition von Lewandowski angestimmt hatte. Nachdem der hohe Herr noch eine Thorarolle besichtigt und sich deren Verwendung hatte erklären lassen, verließ er, die in corpore anwesende Gemeindevertretung huldvoll grüßend und dem Rabbiner die Hand reichend, mit seinem Gefolge das Gotteshaus. Aus Württemberg. 26. Mai. Nach dem Berichte des ..Staatsanzeigers" über den Stand der gerichtlichen Strafanstalten Württembergs im Jahre 1895 befanden sich unter 1809 Gefangenen 738 katholische, 1057 evangelische, 7 jüdische Gefangene 0 39 Percent, während die Percentzahl der jüdischen Einwohner fast das Doppelte (— 0 6 Perzent) beträgt. — Am 1. Jänner 1896 wurden die Gymnasien und Lateinschulen Württembergs von 5914 evangelischen, 2182 katholischen und 269 israelitischen Schülern ( — 3 2 Percent) besucht, die Realschulen von 7547 evangelischen, 1281 katholischen und 318 israelitischen Schülern (= 3 3 Percent i, die Elementarschulen (Borbereiinngsanstalten für die gelehrten Lehranstalten) von 2046 evangelischen, 244 katholischen und 8 israelitischen Schülern (= 3 7 Percent) besucht. Von 1000 Württembergern besuchten 84 eine höhere Schule, von je 1000 Katholiken 53, Protestanten 93, Israeliten 590, was davon herrührt, daß diese größtentheils in den großen Städten wohnen, wo es an jüdischen Volksschulen fehlt. Seit Jahrzehnten findet kein Lehrer jüdischer Confeision an den höheren Schulen Verwendung; erst seit Kurzem ist der Candidat Spiro, bisher an der Bärmannsschen Lehranstalt in Dürckheim a. d. H., als Hilfslehrer an der Realanstalt in Ellwangen angestellt. Paris. M. Rän6 Worms, der Herausgeber der „Revue Sociologique", ist zum correspondirenden Mitglied der königlichen Akademie in Madrid gewählt worden. Besonders interessant ist der Umstand, daß Worms die Stelle des vor Kurzem verstorbenen französischen Staatsmannes und Nationalökvnomen Leon Say einnimmt. Die ftanzösische Akademie hat dem Bibliothekar Leon Cahun für seine Arbeit „Einführung in die Geschichte Asiens: Türken imd Mongolen, von den Uranfängen bis zum Jahre 1045" (Introduction ä lhistoire de l’Asie : Tnrcs et Mougols des orignies ä 1045) den Preis von 1500 Francs vom Monthyonfond verliehen. Dem Beispiele des Baron Ferdinand Rothschild folgend, erscheint ein anderes Mitglied der Familie Rvtiifcbild als Autor. Baron Henri de Rothschild hat soeben feine „Notes Africaines" (bei Calman L-wy» heransgegeben, in welchen er Reiseeindrücke in Algier und Tunis beschreibt.