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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-06-05 · 23 (5.6.1896) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
23 (5.6.1896)
Date
1896-06-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 23 Dr. Vloch's Wochrnptzrist. Seite 453 und zu Land überstanden hatten, vor Jerusalem anlangten, da öffneten sich die Thore nur sür die, welche ein Goldstück zahlen konnten. Die Armen und die, welchen man aus dem Wege Alles geraubt hatte, schmachteten elend vor den Mauern. Die meisten erlagen dem Hunger, dem Durst oder dem Schwerte der Barbaren. Und denen, welche in die Stadt gelangten, erging es auch nicht viel besser, Drohungen, Beschimpfungen und Mißhandlungen seitens der Muselmänner verfolgten sie am Calvarienberge, auf Zion und an allen den Christen heiligen Stätten, die sie besuchten?) Würde der h. Hieronymus auch darin mit Befriedigung die gerechte Strafe Gottes — für die Verfolgung der Inden durch die Christen — gesehen haben? Und wenn Karl von Raumer (Palästina S. 316) in der Zerstörung Jerusalems unter Titus den ersten, in der Niederwerfung des Barkochba-Aufstandes den zweiten Act des Gottesgerichts sah, so hätte er nicht vergessen sollen, daß die Eroberungen Jerusalems durch Perser, Araber und Türken der dritte, vierte und fünfte Act waren. Bei diesen Gottesgerichten waren die Gerichteten — keine Juden. Und wenn Hadrian wieder auferftände, er fände seine Jupiter- und Venustempel nicht wieder, ja das ganze römische Reich nicht. Auch Aelia Capitolina ist in Vergessenheit versunken, man kennt für die Stadt Davids keinen andern Namen als Jerusalem oder die heilige Stadt. „Der Sieg Jupiters über Jehovah war nur scheinbar, denn in christlicher Gestalt hat der alte Judengott doch Rom und die Welt erobert", sagt Gregorovius. Hadrian hat die trajanischen Eroberungen am Euphrat aufgegeben, wodurch die Juden jener Gegenden vom römischen Druck befreit wurden; er hat den schrecklichen Judenvertilger Lusius Quietus hinrichten und einen Tempel in Jerusalem erbauen lassen. Aus diesen anscheinend zu Gunsten der Inden getroffenen Maßregeln hat sich später eine eigenthümliche Sage gebildet, die merkwürdigerweise von manchen modernen Historikern für eine wahre Geschichte gehalten wurde. Sv erzählt der Kirchenvater Epiphanias, der mehr als zwei Jahrhunderte-nach Hadrian lebte, dieser Kaiser habe im 47. Jahre nach der Zerstörung Jerusalems durch Titus (also gleich wie er zur Regierung gelangte!) die Wiedererbauung der Stadt befohlen und mit derselben den Juden Aquila, seinen Schwiegervater oder Schwager betraut. Dagegen spricht Johann Chrysostvmus (in seiner fünften Rede gegen die Juden) nur von einem Versuch der Juden, den Tempel wieder aufzubauen, welcher damit endete, daß Hadrian sein eigenes Bildniß in den Tempel stellte und der Stadt feilten Namen gab. Dazu bemerkt nun Hausrath (HI. 508): Es ist zum mindesten sehr wahrscheinlich, daß Hadrian den Inden den Wiederaufbau ihres Tempels versprach und gewiß (?), daß sie denselben von dem baulustigen Kaiser erwarteten". Ferner: (lll 511) „Es wird sich nicht ermitteln lassen, inwieweit die Juden von ihm absichtlich getäuscht wurden oder sich selbst getäuscht hatten." Wir glauben, daß die Juden ebensowenig Hadrian gleich bei seinem Regierungsantritt als „baulustigen Kaiser" erkennen konnten, wie dieser Veranlassung haben konnte, die Juden zu täuschen. Die Hinrichtung des Lusius Quietus erfolgte aus persönlichen Motiven, die Eroberungen am Euphrat wurden nicht den Juden zuliebe, sondern aus politischen und strategischen Gründen aufgegeben und ein Verwandter Hadrians kann gar nicht Aquila geheißen haben?) Nach der jüdischen Legende (Bereschith Raab. Cap 64) hat die „tyrannische Regierung" zu Zeiten des R. Josua. Chananja verordnet, daß der Tempel wiedererbaut werden sollte. Pappus und Lilianus stellten Tische auf von Ako bis Antiochia und lieferten den aus dem Exil Zurückkehrenden Alles, was sie brauchten. In Folge von Verleumdungen seitens der Kutäer wurde die Einstellung des Baues veranlaßt, worauf die Eingewanderten zu den Waffen greifen wollten. Der hochaugesehene R. Josua beruhigte sie, indem er ihnen die Fabel von dem Storch, der dem Löwen einen Knochen aus der Kehle zog, erzählte. Als der Storch Lohn verlangte, antwortete ihm der Löwe: Du kannst Dich glücklich schätzen, daß Du unversehrt aus dem Rachen des Löwen entkommen bist. — „So möget auch Ihr froh fein, wenn Ihr glücklich aus diesem Lande entkommt, in das Ihr Euch hineingewagt habt." 0 M. Michaud. Ristoire des Croisaäes Livre I, toure I 61.. -) Renan, L’eglise chretienne S. 28. Wie man sieht, kann sich diese Erzählung nicht auf die Zeit Hadrians, in der R. Josua lebte, beziehen, da nur von einer nicht a n s g e f ü h r t e n Absicht znin Aufstande die Rede ist. Ich glaube vielmehr, daß sie sich auf den unter Kaiser Julian begonnenen Tempelbau bezieht und der 'Name des R. Josua durch einen Jrrthnm hineingekommen sei. Die Störer des Baues hat der jüdische Erzähler aus Vorsicht Kutäer genannt, damit aber wohl die zur Zeit Julians schon so mächtig gewordenen Christen gemeint. Und ist nicht der Name Aquila, den Epiphanias als Leiter des Baues nennt, eine Corruption von Alypius, wie der Freund Julians hieß, dem dieser Kaiser den 'Auftrag zum Tempelbau gab.') Wir können daher mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß zur Zeit Hadrians voll dem Bau eines jüdischen Tempels in Jerusalem feine Rede war, daß die Stadt nur von Heiden und der römischen Besatzung bewohnt war und auch während des Aufstandes in deren Händen blieb. Dies erklärt auch, warum der Name der heiligen Stadt in den Berichten der Zeitgenossen über den Aufstand nicht vorkommt. Dio Cassius, der über ihn sehr ausführlich berichtet, sagt kein Wort von Jerusalem. Nur Appian (Syriaca X, 50) sagt ganz flüchtig: _ „Ptolemäus I. hat Jerusalem zerstört, hernach zerstörte Vespasian die wieder aufgebaute Stadt und wieder Hadrian zu meiner Zeit." Von einer Belagerung oder Eroberung durch Hadrian sagt er kein Wort. Die hierauf bezüglichen Angaben des Eusebius in der Kirchengeschichte und in der Chronik sind verworren und einander widersprechend; aber bemerkenswert!) ist, daß er in ersterer den Aufstand mit dem Falle Brthers enden läßt?) Und diese Stadt als Hauptsitz des Aufstandes ist ftir uns in Dunkel gehüllt wie der Hauptanführer, dessen wirklichen 'Namen man nicht einmal sicher weiß. Er ist in der Geschichte nur unter dem seine Messiasrolle bezeichnenden Beinamen Barkvchba (Sohn des Sterns) oder unter dem seines Geburtsortes Bar Kosiba (aus der Stadt Kosiba) bekannt, aus dem die Volksetymologie „Sohn der Lüge" gemacht hat?) Und neben ihm erscheint als der geistige Leiter der Bewegung, in einer Wolke von Legenden gehüllt, der hochberühmte Lehrer R. A k i b a, der 12.000 Schüler gehabt haben soll. Trotzdem der von ihm gebilligte und geförderte Aufstand mißlang mtö über die Juden unsägliches Elend brachte, trotzdem der 'Anführer Barkvchba nach der Niederwerfung des 'Aufstandes von den Juden als Betrüger betrachtet wurde — die Verehrung des Rabbi 'Akiba hat dadurch nicht abgenommen, der Glanz seines Ruhms, von dem auch reiche Strählen auf seine Gattin fielen, ist dadurch nicht verdunkelt worden. Ob er wirklich den räthselhaften Barkvchba für den Messias hielt, ob er sich seiner nur als Werkzeug zur Abschüttlung des römischen Joches bedienen wollte — wer weiß es °? Wissen wir doch nicht einmal, ob Barkvchba ein Schwärmer oder Betrüger war. In Zeiten großer religiöser Erregung treten oft ehrliche Fanatiker auf, die sich für von Gott Jnspirirte, für Propheten halten. Das ist noch im siebzehnten Jahrhundert in Schottland, im achtzehnten während des ^Aufstandes der Reformirten in Südfrankreich vorgekommen und kann sehr wohl vor mehr als siebzehn Jahrhunderten im Orient der Fall gewesen sein. Der Talmud berichtet an mehreren Stellen von Reisen des R. Akiba. Er soll nach Kleinasien und Aftika, ja bis nach Gallien gekommen sein. Es kann sein, daß es zunr Zwecke des Loskaufes jüdischer Sclaven oder um Predigten und Vorträge zu halten geschah; aber nicht unwahrscheinlich ist auch die Annahme von Graetz (IV. 156), daß die Reisen den Vorbereitungen zum Aufstande galten, der Vernüttlung zwischen den Freiheitskämpfern in Mesopotamien, Judäa und Egypten. Während des jüdischen Krieges gegen Nero und Vespasian hatten Aufstände in Gallien die römische Herrschaft bedroht. Wollte Akiba vielleicht erkunden, ob nicht wieder eine Diversion von Seite der Gallier zu erwarten war, die den Juden sehr ge- ') Ammianas Marcellinus üb. XXIII, 1. 2) Auch Renan (L’eglise chretienne Seite 541—553 Appendice) und Gregorovius (Hadrian, Seite 291) wollen nichts von einer Zerstörung oder Erstürmung Jerusalems zur Zeit Hadrians wissen. Dagegen ist Mommsen (V, 545) der Ansicht, daß Jerusalem von den Aufständischen eingenommen wurde und glaubt er auch, daß Barkochba und sein Genosse Eleasar (der Modcier) Münzen mit ihren Namen. Simon und Eleasar schlagen ließen. 3) Eine Ortschaft Koseba wird im ersten Buche der Chronik IV. 22 erwähnt. Nach Graetz IV. 150 gab es zwei Orte dieses Namens. Bon den Türken wird der russische Diplomat und große Judenfeind Jgnatiew der „Bater der Lüge" genanttt, während der Wiener Antisemitenführer nur Lueger, nicht L ü g e r genannt werden will.

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