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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-06-05 · 23 (5.6.1896) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
23 (5.6.1896)
Date
1896-06-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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... Seite 452 Dr Vloch's Wochenschrift. Nr. 23 und Verhältnisse genauesten Bericht erstatten. Dabei ist bemerkenswerth, daß seine Ankunst von Niemand auch nur geahnt wurde. Man denke sich daher die Uebeiraschung, die sein plötzliches Erscheinen in allen Schulen am selben Tage, unerwartet, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, hcrvorgerufen. Und dieses Hineinplatzen war sehr, sehr viel werth. Diese Ansicht ist persönliche Ueberzeugung. Da ich die Ehre habe, Herrn Bsnedict noch von Paris aus zu kennen, so bereitete er mir das Vergnügen, ihn bei seinem ersten Besuche, den er allen Schulen am selben Tage abgestattet, begleiten zu dürfen. Alan verspricht sich hier sehr viel von der Inspektion des Herrn Bönetict. Sein Hiersein ist also ein Ereigniß, das verdient, nicht außer Acht gelassen zu werden. Wir haben Wohlthäter, von denen die Welt nichts weiß. Ihre Namen sind gar nicht oder kaum bekannt. Kein Wunder, diese großen Herzen und edlen Seelen geben ja nicht, nur um von sich reden zu machen. Ist doch ihr Zweck ganz allein, Beistand zu bringen und Hilfe zu leisten. Ein solcher Mann ist Herr Elie Laon, Ehren-General- Consul der Türkei in Paris, der. vielfach noch unbekannt, entschieden zu den ersten Israeliten von Europa gezählt werden muß. die sich durch ihre Freigebigkeit auszcichnen. Er hört nicht aus, schreibt der „Siambul", das erste hiesige französische Blatt, „sich durch bedeutende Schenkungen zu Gunsten von Werken der Liebe und des Fortschritts bemerkbar zu machen. Halten wir hier die Lichtpunkte seiner Hochherzigkeit zum Besten der türkischen Hauptstadt fest. Vor drei Jahren schickte Herr Eiie Lson 1000 türkische Pfund als Beitrag für den Bau des Ärmen-Asyls. Ein Jahr später, zur Zeit des großen Erdbebens, war er einer der freigebigsten Helfer. Die Unterstützungscommission unter dem allerhöchsten Vorsitz Seiner Muj-stätdes Sultans erhielt die Summe von 25.000 Francs zugewiesen. Zum Baue der „Union fraiMise" steuerte er 23 000 Francs bei. Mit ihrem Manne wetteifert Frau E. Laon im Wohlthun. Begnügen wir uns, ihr Liebeswerk in Haskeny und Balata anzuzeigen, wo auf ihre Kosten täglich 120 arme Mädchen und Waisen, Schülerinnen der Alliance-Schule, gespeist werden. Nun endlich hat Herr Elie Leon, nachdem er erfahren, daß die Aufführungsarbeiten des Krankenh uses Or-Hachaim angefangen haben, 1000 türkische Pfund au Herrn Dr. de Castro Bey, den Präsidenten des Vereines, geschickt, um so seinem Wunsche, zu diesem menschenfreundlichen Werke beizutragen, glänzenden Ausdruck zu geben. In meinem letzten Briefe theilte ich mit, daß die Zeichnungen, worunter die Herren S. H. Goldschmidt mit 10.000 Francs und Rothschild in Paris mit 5000 Francs, 25 025 Francs betrugen. Durch sein Geschenk von 23.000 Francs das, weil nicht vorausgesehen, allgemeine Freude und hohe Begeisterung für den großen Geber hervorgerufen, hat sich Herr Elie Leon an die Spitze der Spender gestellt und verdient die Ehre, an erster Stelle in das Goldbuch dieses Werkes eingetragen zu werden. Dank dieser fürstlichen Gabe beläuft sich nun die gezeichnete Summe auf 48.025 Francs. Der tiefen und ewigen Dankbarkeit der Armen und Unglücklichen für Herrn und Frau Elie Lson geben wir hiermit gerne Ausdruck. OscarHorowitz. Die Freiheitskämpfe der Juden zu den Zetten der Kaiser Trajan und Hadrian. (Fortsetzung von Nr. 21.) Hadrian har die Regierung unter dem Eindrücke des eben niedergeworfenen oder vielleicht noch fortdauernden Auf standes in Egypten und Cypern angetreten. Es waren meistens Griechen gewesen, die davon zu leiden gehabt hatten und diese haben wohl mit ihren Uebertreibungen und Verleumdungen den neuen Kaiser g?geu die Juden einzunehmen gesucht. Und sie fanden ein williges Ohr bei dem für alles Griechische so eingerwmmenen Hadrian, daß man ihn Graeculus nannte.* *) Er begann also einen förmlichen Ausrottungskrieg gegen das Judenthum, indem er eine Menge Gesetze erließ, welche den Juden die Befolgung der Vorschriften ihrer Religion unter strenger Strafe verboten. Nach jüdischen Quellen wurde außer der Beschneidung auch die Sabbathseier, das Tefilinlegen und Bibelstudiunl und die Befolgung mancher Ehegesetze verboten. Den Schristgelehrten und Rabbinen wurde die Weihung ihrer Nachfolger durch das Auslegen der Hände verboten. Bei Uebertretung dieses Verbotes sollten sowohl der Ordinirende als der Ordinirte mit dem Tode bestraft, die Stadt, in der sie vor sich gegangen, zerstört werden. R. Jehuda b. Baba, bereit, sein Leben für die Religion zu opfern, aber die Verwüstung einer Stadt zu vermeiden wünschend, begab sich aus das freie Feld zwischen Uscha und Schafrem (in Galiläa), je einen Sabbathweg von jedem dieser Orte entfernt und weihte fünf Schüler des R° Akiba — R. Mayer, *) Spartianus, Adrianus Caesar I. R. Jehuda b. Jlai, R. Jose, R. Simon und R. Eleasar — zum Lehramte. Die Ordination war kaum vollzogen, als das Herannahen der römischen Schergen bemerkt wurde, worauf R. Jehuda den Jüngern zu fliehen befahl. „Ich werde wie ein Stein unbeweglich liegen bleiben, denn ich bin zu alt, um zu fliehen." Dem Befehle gehorchend, entflohen die Neuordinirten, worauf Jehuda von den Römern getödtet wurde. „Sie durchbohrten ihn mit 300 Dolchstichen, so daß sein Körper wie ein Sieb aussah." ') , Die Chronologie dieser Gesetze, sowie der anderen Verfolgungsmaßregeln Hadrians läßt sich nicht mit Sicherheit bestimmen, und sind vielleicht manche erst nach dem Aufstande zur Strafe verfügt worden. Dies dürfte jedenfalls für das Verbot, die Leichen der Gefallenen zu begraben, gelten, und das Umhauen der Oelbäume ist wohl erst während des Aufstandes geschehen. 2) Dagegen sind die Jerusalem betreffenden Verfügungen ohne Zweifel dem Aufstande vorangegangen und haben zu dessen Ausbruch beigetragen. Spartianus gibt im Leben des Hadrian (Cap. 13) das Verbot der Beschneidung als einzige Ursache des Aufstandes an, von dem er aber weiter nichts sagt. Dagegen heißt es bei Dio Cassius, daß der eben so lange als gefährliche jüdische Krieg entstand, weil Hadrian an Stelle des zerstörten Jerusalem eine neue Stadt erbaute und auf dem Platze des jüdischen Tempels einen des eapitolinischen Jupiters errichtete. Und seinen3) und des römischen Gottes Namen zu Ehren nannte er die Stadt, in der er viele Fremden ansiedelte, Aelia Capitolina. Am Bau der neuen Stadt und deren Befestigungen, der wohl schon bald nach dem Regierungsantritte Hadrians begann 4), arbeitete die zehnte Legion, aber ivahrscheinlich wurden auch die Landeseinwohner und besonders die Juden zu Handlangerarbeiten gezwungen. Wie spätere christliche Autoren erzählen, wurden auf dem Tempelberg zwei Statuen Hadrians, auf dem nach Bethlehem führenden Thore ein marmornes Schwein zum Aergerniß der Juden ausgestellt und, um die Christen zu kränken, ein Venustempel auf Golgotha errichtet. 3) Daß den Juden das Wohnen in der neuen römischen Colonie, die ein Zwing-Judäa sein sollte, nicht gestattet wurde, ist leicht begreiflich. Unsinn ist es aber, wenn-Orosius behauptet, daß das Betreten Jerusalems nur den Juden, nicht aber den Christen verboten wurde. Die römischen Machthaber wußten damals noch nicht recht zwischen Juden und Christen zu unterscheiden, und wo das Christenthum sich ihnen bemerklich machte, da wurde es vielleicht noch ärger als das Judenthum behandelt, wie wir oben am Beispiele von Trajan und Plinius gezeigt haben. Ebenso unrichtig ist es, wenn Tertullian (Apolog. 21) und andere christliche Autoren behaupten, daß den Judenjdas Betreten von ganz Palästina (diesen Namen erhielt das heilige Land wahrscheinlich erst nach dem Hadrianischen Kriege) verboten wurde. Selbst Eusebius sagt in seiner Kirchengeschichte (IV. 3. Ausg. Hugo Laemmer, Schaffhausen 1862) nur, daß ihnen das Betreten von Jerusalem verboten wurde, und nach seiner Chronik (Ausg. A. Schoene, Berlin 1866, S. 168) wurde das Verbot erst nach dem Aufstande erlassen. Mit befriedigtem Rachegefühl spricht der h. Hieronymus (in Lopboniae Cap. 1) von diesem zu seiner Zeit noch geltenden Verbote/) und wie die Juden sich den Eintritt in Jerusalem und die Erlaubniß, an den Ruinen ihres Tempels zu weinen erkaufen mußten, worin er eine gerechte Strafe Gottes sieht: „Damit die, welche einst das Blut Christi gekauft, jetzt ihre Thränen kaufen müssen und nicht einmal umsonst weinen dürfen." Viele Jahrhunderte später, nachdem Jerusalem in die Hände der Türken gefallen war, erging es den christlichen Pilgern noch schlimmenals den Juden zur Zeit des Hieronymus. Wenn die christlichen^Pilger, nachdem sie vielerlei Gefahren zu Wasser y Talmud bab. Abodah Sarah 8 v. Berachoth 61 r. Sabbath 49 r. Rosch haschona, 19 r. Midrasch Beresch. rabba c. 61. Grätz IV 171, 465. 2) Talmud hierosol. Taanith IV Fol. 69, Peah VII 1. Er hieß Publius Aelius Hadrianus. 4) Fleury bist, eceles. I 236; R6nau 1. e. 224, Haüsrath 1. L III 517. s) Renan (L’Eglise chretienne S. 26) nimmt ohne Grund das Jahr 126 für den Beginn des Baues au, während Ewald (Geschichte des Volkes Israel VII 360—62) sogar vermuthet, daß der Befehl dazu noch von Trajan gegeben wurde. G) Graetz (IV 463) vermuthet, daß das Verbot von Kaiser Alexander Severus aufgehoben und von dem christlichen Kaiser Constantin wieder erneuert worden sei.

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