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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-05-29 · 22 (29.5.1896) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
22 (29.5.1896)
Date
1896-05-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 440 Vr. Vloch's Vochrnschrifi- Nr. 22 Rabbiner um Gewährung eines Z u s ch u s s r s r> o n 2127 Mk. u i k> r e r P e n s i o n s- oder R e l i c t e n c a s s e wird vorn Referenten Dr. Daller befürwortet. Nur 6 von den 24 Rabbinern Baierns seien gut befahlt, die übrigen dagegen recht schlecht bestellt und müßten Hobe Beiträge an Pcnsionscasfen zahlen. Auch der Cultusminister spricht sich für die Bewilligung aus, bittet aber, die Verwendungsort der Regierung zu überlassen. Das Zweckmäßigste wäre, wenn die Rabbiner in den Gemeindebeamten-Verein ausgenommen würden, da sie kaum einen eigenen Verein bilden können; die Rabbiner aus den 6 größeren Ltädten sollten ausgeschlossen, den anderen sollle ein Zuschuß bis zur Hälfte der Jahresbeiträge zu ihren Pensionsbeiträgen geleistet werden, dazu brauche man nicht ganz 2000 Mark. Er beantrage, die 14.000 Mark, welche im Budget zur Ausbesserung gering dotirter Rabbiuatsstellen gefordert würden, so zu theilen, daß unter $ 1 für das bisberige Dispositiv 12.000 Mark und unter § 2 für Pensions- und Relictenfürsorge 2000 Mark eingestellt werden. Dieser Antrag wird nach Befürwortung des Neferenten a n g e n o m m e n und die Petition für erledigt erklärt. Rom. Gelegentlich des Congresses der italienischen Journalistelt, der Ende April in unserer Stadt abgehalten wurde, sind zwei Büsten enthüllt worden, die eine von Bonghi, dem bekannten Journalisten und Minister, und die andere von Jacques Tina, dem ehemaligen Chefredacteur der „Ginione". Bei der Enthüllung wurde Tina, der, trotzdem er Jude war, ein intimer Freund des großen Cavour gewesen ist, von dem Staatsrath Bonfadini, dem Vorsitzenden des Congresses, als das Muster eines Pnblicisten der gegenwärtigen Generation dargestellt. Paris. (Antisemitismus in Frankreich.) Der Versuch bei den Municipalwahlen in Paris in drei Bezirken Antisemiten durchznbringen, ist kläglich gescheitert. Jni neimteir Arrondissement (Montmartre) fielen der republikanische Antisemit Teissoniere mit 544 und der bonapartistische Antisenrit Bobien mit 454 gegen den gewählten Fortschrittler Paul Strauß, ivelcher 2500 Stimmen erhielt, durch. Im elften Arrondissement erhielt der Antisemit von 8500 blos 600 Stimmen, im neunzehnten Arrondissement erhielt der antisemitische Svcialist nicht mehr als 300. Paris. Ein Glaubensgenosse, General L a m b e r t, starb vergangener Freitag. In Nancy, im Jahre 1825 geboren,, diente er von der Pike aus; 1848 wurde er Freiwilliger, 1853 Lieutenant, 1855 Oberlieutenant und 1858 Hauptmann. Präsident Thiers ernannte ihn zum Commandanten des Elysee. Die höchste Stellung, die er ein nahm, lvar die eines Oberbefehlshabers der französischen Occupations-Armee in Tunis. Er war in der politischen Welt wohlbekannt und wegen seiner Höflichkeit, Ritterlichkeit und sanften Gemnthsart sehr beliebt. In seinem letzten Willen, verfügte er, daß keine Einladungen zu seinem Begräbnisse ausgeschickt und leine Blumen ans seinen Sarg gelegt werden sollten. London. (I ü d i s ch e P r ü r u n g s c o m m i s s ä r e an der L o n d v n c r U nive r s i t.ä t.) Professor Samuel Alexandcr's Ernennung zum Prnmngscommissär für Ethik an der Londoner Universität hat nicht nur alle seine Freunde und Bewunderer höchlichst befriedigt, sondern erfüllt die Gemeinde im Großen und Ganzen mit Stolz und Freude. In diesem Jahre hat die Londoner Universität außer Professor Alexander noch zwei andere jüdische Prnsnngscvmmissäre: Israel Gollancz für Englisch und Tr. Sidney Phillipsiür Mcdicin, ernannt. Ein solcher Stand der Tinge ist nicht nur ein Beweis von den großen Fähigkeiten der ernannten Herren, sondern verkündet auch in unverkennbarer Weise den duldsamen Geist, der au der Londoner Universitär herrscht und dem znm nicht geringen Theile die Universität ihren ausgezeichneten Ruf verdankt. London. Wir bringen mit großem Vergnügen die Nachricht, daß Ihre Majestät die Königin von England Mr. Josef Sebag Montesiore die Ritterwürde verliehen hat. Mr. Montefiore erhielt einen Brief von Lord Salisbury, der ihm mittheilt, daß die Königin ihm diese Würde in Anerkennung der hohen Stellung, die er in seiner Gemeinde einnimmt, verliehen habe. Joses Sebag Montesiore ist Friedensrichter von Kent. Im Jahre 1880 war er oberster Richter ebendaselbst. Er wurde im Jahre 1822 als der Sohn des Mr. Salomon Sebag geboren; seine Mutter war die älteste Schwester des Sir Moses Montefiore. Im Jahre 1851 vermählte sich Mr. Josef Sebag Montefiore mit Adelaide, der Tochter des verstorbenen Mr. Louis Cohen. Sie starb im vorigen Jahre. Als Neffe des verewigten Sir Moses Montesiore wurde Mr. Joses Sebag der Universalerbe des ausgezeichneten Philantropen und auch der wunderbare Wohnsitz des Sir Moses in Ramsgate, East Cliff Lodge, .wurde ihm und seinen männlichen Erben vermacht. Im Jahre 1855 nahm er mit königlicher Bewilligung den Namen Montesiore an. Als Sephardi geboren, ist er seit vielen Jahren eines der tvnangebenden Mitglieder der spanischen und portugiesischen Gemeinde. Einige Jahre hindurch war er Vicepräsident des Vorstandes und im vergangenen Jahre wurde er zu ihrem Präsidenten gewählt. Bor einigen Monaten ernannte ihn der König von Italien znm italienischen Generalconsul in London. Ter neue Barvnet ist ein Conservativer in der Politik. Ein hochgebildeter, liebenswürdiger Mann, ein werkthätiger Menschenfreund und ein treuer Jude, war Sir Josef zu Lebzeiten seines erhabenen Onkels dessen Vertrauter. London, 24. Mai 1806. Geehrter He r r R e d acte u r! Nr. 20 Ihres geehrten Blattes enthält eine Notiz, betreffend die bevorstehende Schließung des Montefiore-College in Ramsgate. Dieselbe enthält etliche Ungenanigkeiten, welche den guten Ruf mehrerer dabei betheiligter Personen zu beeinträchtigen geeignet sind, und ich glaube daher, daß die folgende, a n f Einsicht in die Acten beruhende Darstellung tit der Sachlage Ihnen willkommen sein dürste. 1. Das College ist nur zeitweise geschlossen, um eine sogenannte Reorganisation anszuführen. 2. Der anklagende Docent hat die beiden Candidaten fünf Jahre lang in Talmud und rabbinischen Fächern unterrichtet, nahm sowohl an den schriftlichen als mündlichen Rabbinatsprüffrngen theil und bezeugte seine Zufriedenheit durch Namensunterschrist. 3. Die vom erivähnten Docenten n ach V e r l e i h u n g der Rabbinatsdiplome vorgebrachten Anklagen wurden vom Curatorinm aufs Eingehendste untersucht und für „völlig unbegründet" erklärt. 4. Einer mit diesem Ergebniß unzufriedenen Partei gelang es, eine neue Untersuchungscommission durchzusetzen, von welcher ein Theil aus Grund desselben Beweismaterials zu genau entgegengesetztem Resultate getaugte. Thatsächlich ist ein rechtsgiltiger Beweis für die Schuld der Angeklagten n i ch t erbracht worden. Um dem Dilemma zu entgehen, haben die Elders der -portugiesischen. Gemeinden — von denen, .das. College-Cnxatorinm im Ausschuß ist — eine Resolution auf zeitweise Schließung .der Anstalt angenommen. 5. Thatsächlich hat das College seit Jahren von heftigen Angriffen zu leiden gehabt, die mit dem gefaßten Beschlüsse in enger Verbindung stehen. Ergebenst X London. Mit besonderer Genugthnung theilen wir ihnen mit, daß Mr. W. S. Penley, der berühmte Verfasser von „Charley's Tante" (Charley's Annt) und seine Gemalin lebenslängliche Cnratoren des jüdischen Krankenhauses und Waisenhauses geworden sind. Herr Penley hat 20 Guineas gespendet und bei der Gelegenheit seine Absicht knndgegeben, sich auch weiterhin mit einem jährlichen Beitrage zu betherligen. Diese erfreuliche Thatsache beweist von Neuem, welch gutes Einvernehmen zwischen der Londoner Kunstwelt und der jüdischen Gemeinde besteht. Pere Hyacinthe (Ni. Lvyson) schreibt folgendermaßen an einen Freund aus Jerusalem: „Ich verfolge meine Aufgabe, eine Annäherung zwischen den drei großen monotheistischen Religionen herbeiznführen, nicht aber wie die Zeitungen behaupten, in der Absicht, sie iit ein? einzige Religion zu verschmelzen — das wäre wahnsinnig — sondern in der Hoffnung, ihren Anhängern, Christen und Inden sowohl als Mohammedanern, zu lehren, daß sie zu einem besseren Einvernehmen gelangen, mehr Nachsicht gegeneinander üben und wennmöglich einander mehr lieben müssen. Wenn auch in der jetzigen Zeit diese drei Religionen von einander geschieden,.sein müssen, so müssen sie unter allen Umständen denn doch aushören, Fffnde zu sein." London. Bei dem von der Prinzessin Christian im Namen der Königin abgehaltenen Empfange (Trauung Rvom) stellte Lady Lewis ihre Tochter, Fräulein Katherine Lewis, vor. Außerdem waren anwesend Frau H. Beddingtou und Frau L. Cohen. Der Director der jüdischen Schule in Bayswater, Mr. S. I. Heilbron, erhielt vom Thierschutzverein die Nachricht, daß einer seiner Schiiler, Sidney Levy, den ersten Preis für seinen Aussatz „Die Pflicht des Menschen gegen die Thiere" erhalten habe. Alljährlich werden solche Preise ausgeschrieben, um die sämmtliche Elementarschulen competiren können. Im vergangenen Jahre bewarben sich 05.000 Schüler

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