Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 22 (29.5.1896)
- Date
- 1896-05-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 22 Dr. Vlortz's Wochenschrift Seite 441 von etwas über 1000 Schulen darum und sechs Bewerber erhielten Preise. Unter diesen befand sich auch im vorigen Jahre Sidney Levy. Die glücklichen Gewinner bei Preise empfangen dieselben aus der Hand Ihrer königlichen Hoheit der Herzogin von A l b a n y im Cristal Palace. Cambridge. (Eine bedeutende E n t d e ck u u g Mr. S'ch echte r's). Als Mr. S. Schechter einige alte Mannscripte durchsah, welche die gelehrten Frauen Lewis und Gibsvu von ihrer letzten Orientreise heimgebracht, hatte er das Glück, auf ein Blatt zn gerathen, das einen kleinen Abschnitt des hebräischen Originaltextes ans dem Buche: „Eeclesiasticus oder die Weisheit des Sohnes von Sirach" enthält. Wenn es gelingt, das ganze Manuscript, zu welchem das gefundene Fragment gehört, zu bekommen, so werden damit manche philologische und sogar historische Probleme mit einem Schlage gelost werden. Aber selbst das Fragment muß als eine große und werthvolle .Entdeckung begrüßt werden. Es wird von großem Interesse sein, zu erfahren, was für ein Hebräisch um das Jahr 200 vor Christi Geburt geschrieben wurde. Petersburg. An die löbliche Redaction der „Oesterr. Wochenschrift"! Gestatten Sie mir, hochgeehrter Herr Redactenr, durch Ihre werthe Zeitung allen denjenigen Vereinen, Stiftungen wie auch Privatpersonen, die mich in den letzten Monaten 51t meinem fünfundzwanzigjährigen Doctorjubilänm mit ihren Gratulationen, Danksagungen, Adressen, Telegrammen re. beehrt haben, meinen innigsten Dank auszusprechen. Im Bewußtsein, daß die allgemeinen Anerkennungszeichen, die mir zu Theil wurden, ein Lohn meiner bescheidenen wissenschaftlichen Untersuchungen der verschiedenen Schlachtmethoden sind, die so oft in Ihrer werthen Zeitung wohlwollende Besprechung fanden, erlaube ich mir, an dieser Stelle Ihnen, hochverehrter Herr Redactenr, meinen Dank zu sagen. St. Petersburg, den 6 18 Mai 1896. Dr. I. Dembo. Große Gartenstraße 60. Warschau, 22. Mai. Am zweiten Tage des Pfingstfestes fand in dem hiesigen Tempel vor der allgemeinen Todtenfeier eine Trauerandacht für den verewigten Baron Hirsch, diesen leider zu früh verstorbenen Wohlthäter der Juden, statt. Der Prediger widmete ihm einen warmen Nachruf und der Canto r intonirte ein feierliches „El mole rachmim". Eigentlich hätte diese Andacht schon früher abgehalten werden sollen, denn alle jüdischen Gemeinden in der Provinz waren in dieser Ehrenbezeugung, die dem in der Humanität einzig dastehenden Todteu gebührte, der Hauptstadt vvrangegangeu. Aber der »ck -geführte Chauvinismus, welchem die sogenannte Fortschrittspartei huldigt, und in Folge dessen sie die hervorragendsten Verdienste zu ignoriren beliebt, sobald dieselben nicht auf das Guthaben eines Landsmannes zu schreiben sind, war auch diesmal die Ursache, daß man über den Todesfall stillschweigend zur Tagesordnung überzugehen beabsichtigte. Das Drängen der anderen Parteien jedoch, denen sich der vernünftigere Theil der „Fortschrittler" und die hiesigen jüdischen Blätter anschlossen, bewirkte endlich die wenn auch verspätete Abhaltung einer Trauerandacht. Und doch müssen wir, wenn auch blutenden Herzens, eingestehen, daß das nationale polnische Element diese treue Anhänglichkeit seitens der Juden nicht im Geringsten verdient. Der Antisemitismus treibt hier seine schönsten Blüthen, und wenn es in anderen Ländern eine antisemitische Partei gibt, so ist hier das ganze Volk antisemitisch, und kaum eine kleine, einen winzigen Bruchtheil der Bevölkerung bildende Partei könnte davon ausgeschlossen werden. Selbst au Orten, wo in Folge der daselbst herrschenden Zustände der Judenhaß aushvren müßte, findet er noch immer einen Platz, wv er Wurzel fassen und sich ausbreiten kann. So z. B. in Lodz, dem polnischen Manchester, wo zahlreiche Fabriken und Geschäfte daselbst sich in jüdischen Händen befinden, ist der Antisemitismus im kaufmännischen Leben nicht fühlbar, dafür jedoch entschädigt er sich inr geselligen Verkehr, der zwischen Inden und Christen überhaupt nicht existirt. Er macht vollkommen den Eindruck, als ob zwei ganz von einander verschiedene Nationen durch einen Zufall an demselben Orte wohnten. Und doch zahlen Beide in gleichem Maße die Gnt- und Blutsteuer, und immer größer wird das Fragezeichen, welches neben der Behauptung stehen muß, die Juden seien weniger nützliche Staatsbürger als die anderen. Diesbezüglich muß auch erwähnt werden, daß die zur Ausstellung nach Nischni-Nowgorod bestimmten Arbeiten der Zöglinge der Lodzer jüdischen Handwerkerschulen öffentlich zur Schau gestellt wurden und durch die Feinheit und Accuratesse ihrer Ausführung allgemeine Bewunderung erregten. Indessen sind all:' diese Attstreugnugeu nur von dem Gesichtspunkte des Stutzens zu betrachten, ven sie dem jüdischen Volke durch Hebung seiner materiellen Lage und seines moralischen Werthes bringen. Absichtlich ge nibrrem Hasse, absichtlicher Verfolgungswnrh müssen und werden wir immer ohnmächtig gegenüberstehen. So schreibt mau uns ans Moskau: Vor drei Jahren wurde den Inden daselbst der Befehl ertheilt, ihren mit Bewilligung des früheren General-Gouverneurs neu anfgebanteu Tempel zum Zwecke der Verwandlung in eine griechisch katholische i(i>rawi>st;uviia) .Slu'cfu' ,y.t verkaufen oder zn demvliren. Die Juden antworteten, daß ihnen laut jüdischem Gesetz solch' ein Recht nicht zustande und daß sie nur der Gewalt weichen würden. Für diese Antnwrr wurde der damalige Obmann der Svnagoge ans Moskau verwiesen und ist der Temvel auf höheren Befehl bis heicte geschlossen geblieben. Gegenwärtig nun reichte inr Hinblick darauf, daß anläßlich der Krönung alle Confessio neu in ihren Andachtsstätten Dankgottesdienste feiern werden, der Präses der Gemeinde im Namen derselben eine Bittschrift an den General-Gouverneur ein und ersuchte um Erlaubniß, in besagter Synagoge ebenfalls solch' einen Gottesdienst abhalcen zn dürfen. „Wie?" rief voller Empörung Fürst Sergej Alexandrowitsch, „so werden die Befehle meines seligen Bruders refpertirt? Binnen drei Monaten soll keine Sour vom jüdischen Tempel mehr vorhanden sein!" Die Thatsache an sich bedarf keines Coinmentars; indessen pflegen die Schüler häufig eifriger zn sein als ihre Meffter und dieJnden Moskaus, obgleich sie sich nach Vorhergegangenem fürchten, eine Bitte direct an den Kaiser einznreichen, hoffen doch auf die Gnade von Nicolaus II., der wohl schwerlich seine Regierung mit einem barbarischen Zersröruugswerr in der Hauptsta.'t seines Landes wird inaugnriren wollen. Constantinopel, 25. Mai 1896. Der Artikel ..Vom goldenen Horn" in Nummer 21 der „Oesterreichischen Wochenschrift" veranlaßt mich zu folgender Auseinandersetzung. Seinen ersten Theil lasse ich unberührt, da er nur meinem und allen jüdischen Herzen entspricht, wenn zur Linderung der Nvth unserer Glaubensgenossen auch von Auswärts beigetragen wird; es bliebe nur zu wünschen übrig, daß solch edle That auf Gegenseitigkeit beruhen möge. Seinen zweiten Theil beginnt Herr Horvwitz mit der Anfrage, ob er noch mit einem Worte die hiesigen Gemeindeverhältnisse streifen solle? Hätte er eine Antwort abgewartet, so würde diese sicherlich gelautet haben, nur Alles aus eigener Erfahrung zu schildern und fremde Einflüsse unberücksichtigt zn lassen. Was er jedoch über die hiesige aschkenasische Gemeinde schreibt, find, wie er selbst zugesteht. fremde Eingebungen, die er nicht einmal auf ihren Werth geprüft hat. Was davon zu halten sei, liegt auf der Hand. — Wenn ein bescheidener Tempel mit Orgel und Chorgesang das ganze Wesen einer Gemeinde ausmacht, dann wollen wir uns gern die hiesige italienßche Gemeinde zum Vorbild nehmen. Daß die deutsche Gemeinde noch kein neues Gotteshaus besitzt, liegt sehr einfach. Die Beiträge sind gleich ihrer Mitgliederanzahl sehr gering und ihre Hanpteinnahmen, die Gabelta und Chewra-Kadischa-Taxen, wird ihr durch verschiedene Ausflüchte verkürzt. Ihre ganze Kraft wird aber von den Unterstützungen absorbirt, die sie ihren vertriebenen russischen Glaubensgenossen angedeihen läßt, da diese Unglücklichen hier sonst dem größten Elende preisgegeben wären. Wie wenig stichhältig auch der Beweis ist, den Herr Horvwitz anführt, um die Thalsache festzustellen, daß die deutsche Gemeinde viel, viel (!) könnte, wenn sie wollte, sei hervorgehoben, daß der hochherzige Wohlthäter, Herr S. H. Goldschmidt, Präsident der Alliance Israelite Universelle, alle Kosten bestritt, welche der Bau und die Einrichtung der hiesigen deutsch-israelitischen Schule erfordert hat. Herrn Dr. Fried, diesem thalkräftigen und energischen Präsidenten der Schule, den Herr Dr. Hoffmann substituirt, ist das Zustandekommen des Prosecles zu verdanken, allein diese Herren stehen auch der Gemeinde vor (Letzterer als Präsident und Ersterer als Vicepräsident); da jedoch mil bloßem Willen allein ein Gebäude schwer aufzuführen sei und wir keinen einzigen Reichen in unserer Mitte zählen, so muß eben die Inangriffnahme des Baues einer neuen Synagoge, für die das kaiserliche Jrade in Kürze herablangen dürfte, immer weiter hinausgeschoben werden. Aus New Aork 24. April. Gestern fand in New-Hork eine Versammlung des „National Council vf Jewify Wvmen" statt, an welcher etwa 600 bekannte Israelitinnen rheilnahmen. Großes Aussehen erregte der bei dieser Gelegenheit von einem Frl. Annie Josephine Le v i gehaltene Vortrag über das Thema: „Die eheliche Verbindung zwischen Judenthnm und Christenrhum." Die Vortragende wandte sich entschieden gegen die Mischheiraten ihrer Stammesgenossen mit Christen. Im Fortschritt der Civilij sativn sah die Rednerin eine Bedrohung der althergebrachten jüdischen Sitten und Gebräuche. Glückliche Ehen zwischen Inden > und Ehristen hält Frl. Levi nur dann für möglich, wenn entweder