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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-05-29 · 22 (29.5.1896) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
22 (29.5.1896)
Date
1896-05-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 438 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nc. 22 verein für den VI. und VII. Bezirk und der Chor erecutirte den Psalm 150 in künstlerisch vollendeter Weise. Bei der am selben Tage startgehabten Festsitzung des Tempelvereinsvorstandes überreichte der Präses Herr Max Fleischer dem Jubilar, den er in einer Ansprache begrüßte, eine prachtvoll ansgestaltete Adresse, wofür letzterer in gemüthvoller Rede seinen Dank aussprach. Festlich und stimmungsvoll verlies auch die am 17. d. M. vom Humanitätsvercine Nachlai Jeschurun, dessen Präses der Jubilar ist, veranstaltete Feier. In dem mit Blumen und Laubguirlanden geschmückten Freitischsaale des genannten Vereines versammelte sich der Gesammtvorstand desselben mit dem Vice-Präses Herrn Adolf R o s e n b a u m an der Spitze, das Präsidium des Tempelvereines, sowie die Vorstandsdamen des Frauenwohlthätigkeits - Vereines, die Familienangehörigen des Jubilars, zahlreiche andere Festgäste und die Pfleglinge des Vereines. An der Stirnseite des Saales war das Bild des Jubilars ausgestellt, jedoch den Blicken der Anwesenden noch durch eine dichte Hülle entzogen. Beim Eintritt des Jubilars ertönte ein Festchor, bei dessen Bortrag die klangvolle Stimme des Obercantors Herrn Baumann besonders zur Geltung kam. Hierauf hielt Vorstandsmitglied Herr Dr. Carl Lö w y die Festrede, die sich ebenso durch Gemüthstiefe als Formvollendung und Gedankenreichthune auszeichnete, und Herr- Richard S ii! ü 11 e r überreichte dem Jubilar eine künstlerisch ausgestattete Adresse, deren Inhalt er zur Verlesung brachte. Aus ein gegebenes Zeichen siel sodann die Hülle des Bildes und Aller Augen richteten sih, Ueberraschung und Befriedigung zugleich ausdrückend, auf dieses höchst gelungene Werk der Malerei. Es war eine Freude, die freundlichen, milden Züge des Bildes mit dem in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische dastehenden Jubelgreise mit den Silberlocken vergleichen zu können, und lauter Beifall ertönte, als dieser seine Dankesrede mit den Worten schloß, „er wünsche, es möge aus dem Saale mit der Zeit eine Bildergalerie werden, in der fämmtliche Vorstandsmitglieder als Achtzigjährige vertreten sein mögen." Von Deputationen die beim Jubilare vorsprachen, seien erwähnt: die Deputation des Vereines der in Wien wohnhaften Nikolsburger, ves Vereines „Chanen Dallim", ersterer überreichte eine von Herrn Gollerstepper ausgeführte prachtvolle Adreste, sowie eine Spende von 150 st. für den Wohlchätigkeitsverein „Nachlat Jeschurun". Hervorgehoben sei noch das Beglückwünschnngsschreiben, welches dem Jubelgreise seitens des Vorstandes der israelitischen Cnltusgemeinde, und die Gratulationen, die ihm von Sr. Ehrwürden dem Oberrabbiner Herrn Dr. Güdemann, ferner von Seite der politischen Jsraelitcngemeinde Nlkolsburg und deren Ortsschulrathe zukamen. Letzterer schloß seinem Beglückwünschungsschreibcn eine Abschrift der Gedenktafel an. die zur Erinnerung an das ausgezeichnete Wirken des Jubilars als Schulvorstand während der Jahre' 1851 bis 1859 im Schulgebäude angebracht wurde. Wir schließen uns den zahllosen anderen Gratulanten an und wünschen dem wackerem Jubelgreise ein herzliches Ad meoh schonim. Prag. Der erste Rechtschutzverein der Hausirer für das Königreich Böhmen hat sich am 18. Mai d. I. constituirt. Der Vorsitzende Herr Joseph Rüben begrüßte die zahlreich erschienenen Hausirer. Als Ehrengäste wohnten der Ehrenpräsident des 1. österreichischen Rechtschutz-Vereins für Hausirer in Wien Herr JUDr. Arnold Ascher, die Advocaten JUDr. Friedrich Koresf in Prag und JUDr. Wenzel Boucek in Weinberge, welcher alle Rechtsgeschäfte sowie Schritte für den Bereiir unentgeltlich zu besorgen versprach, der Präses des Vereins der Lederivaaren- und Galanteriewaaren-Jnteressenten M. Lederer und die Großhändler- Jacob Kauders und N. Neuern der Versammlung bei. Die genannten Herren wurden mit Acclamation zu Ehrenmitgliedern des neuen Vereines ernannt. Die behördlich genehmigten Statuten wurden angenommen. Gewählt wurden zum Ehrenpräsidenten Herr JUDr. Wenzel Boucek, zum ersten Präsidenten Herr Joseph Rüben, zum zweiten Präsidenten Herr Joseph Grünner, zum dritten Präsidenten Herr Anton P»v, zum Cassier Herr Adolph Schiller, zum Schriftführer Herr Franz Stoklüsek, zu Vorstandsmitgliedern die Herren: Tanecek, Schaffer, Podnär, G^llik, Weber, Dolejs, Widmür, NovLk, Arnstein, Reach, Ronbicek, Fried, Knbik, Feldfcharek und Holecek, zum Controlor Herr Jacob Wurm, zu Rechnungsrevisoren die Herren Knottek, und Nefkusil. Der Ehrenpräses Herr JUDr. Arnold Ascher theilte mit, daß die israelitische Cultusgemeinde - Repräsentanz in Prag zu Vereins zwecken 60 Kronen gewidmet hat; Herr Präses Lederer widmete im Namen des obgenannten Vereins ebenfalls 60 Kronen: beide Widmungen wurden von der Versammlung mit dein herzlichsten Danke angenommen. Eine Audienz beim Ministerpräsidenten, um Aufhebung des Prager Hausirverbotes hatte leider keinen Erfolg. Budapest, 25. Mai 1896. (E i n Jude a l S G a st des Königs.) Zum jüngsten engeren Festessen, welches Seine Majestät für etwa 25 Notabilitäten gegeben, war auch e i n Glaubensgenosse geladen. Es ist dies der Fabrikant Berthold Weiß', welcher das einzige b ü r g e r liche Mitglied der erlesenen Tafelgesellschaft war. Wie hiesige Blätter melden, sei es der König selbst gewesen, der die Anwesenheit des genannlen Glaubensgenossen wünschte, — so sehr hatten' ihm die Ausstellungsobjecte der Firma Berthold und Manfred Weiß gefallen. Szezerzee. (Galizien.) Am vorletzten Samstag weilte der Metropolit Cardinal Sembratolvitsch ans Lemberg bei Gelegenheit einer Kirchenvisitativn in unserer Mitte. Noch bevor dieser edle Kirchenfürst seinen Einzug in unser Städtchen hielt, ging ihm der gute Ruf voran, und eben dieser Ruf brachte es mit sich, daß die jüdische Gemeinde beschloß, ihm entgegen zu gehen und ihn zu empfangen. Die Elitä der Gemeinde begab sich, eineSefer- Thora unter dein Baldachin in ihrer Mitte, zum cmberamnteu Platz, wo sie der Ankunft des Cardinals harrte. Nun kam der Wagen gefahren und der Act, der vor sich ging, überzeugte uns, daß' der edle Kirchenfürst feinem Rufe vollkommen entspreche. Der Kutscher nänrlich fuhr vorbei, ohne den Wagen anzuhalten. Als aber der Cardinal durch das Fenster eine jüdische Deputation gewahrte, befahl er den Kutscher, anzuhalten. Obschvn ein Greis, enstieg er dem Wagen und ging zu den ihn Erwartenden. Im Namen der Gemeinde begrüßte ihn Eultusvvrstaud Herr M. Klinghoffer und gab deren Freude bei Gelegenheit des Empfanges Sr. Hochwürden Ausdruck. Während dieser Ansprache stand tiefbewegt und gesenkten Hauptes unb die Hände gefaltet über die Seser-Thora der Kirchenfürst und erwiderte darauf in überaus freundlichen Worten Folgendes: „Ich danke Ihnen für die Ehre, die Sie mir ertheilt haben, ich danke Ihnen. Gott, der über uns alle regiert, der segne Euch! Amen." Darauf entfernte er sich. Doch damit begnügte sich der edle Kirchenfürst nicht, tagsdarauf hielt er in der Kirche eine Rede, in welcher er die vorzüglichen Eigenschaften der Juden hervorhob. Er ermahnte zugleich seine Zuhörer, mit den Inden in Eintracht zu leben; denn sie seien das erste Volk, von dessen Lehren das Christenthum viel in sich ausgenommen hat, unb wie Fische ohne Wasser, so können die Nationen ohne Inden nicht leben. Die Rede machte auf die Zuhörer einen großen Eindruck und sie gaben ihren Gefühlen mannigfachen Ausdruck. Daß nur die Frucht nicht tut Keime erstickt werde! Daß der Eindruck, den sie von der Diebe des Kirchenfürsten gewonnen, nur nicht bald verwische und daß lange seine goldenen Worte in ihren Herzen Widerhall fänden. Jglau. (Antisemitische Officiere.) Wir erhalten. aus Jglau folgende Zuschrift: Als vor Sl/2 Jahren die „Deutschmeister" in ihren neuen Garnisonsort Jglau einrückten, empfing sie die Bevölkerung mit Jubel. Die Mannschaft des genannten Regiments hat sich auch die Sympathien der Bevölkerung voll zu bewahren verstanden. Diese Leute, dem Mittel- oder Arbeiterstande angehörend, haben sich bei jeder Gelegenheit unständig und tactvoll benommen. Das Ofsicierscorps hat dagegen seine anfängliche Beliebtheit bei einem großen Theile der Bevölkerung verloren. Zu ihren Unterhaltungen luden sie die Familien angesehener Stadtverordneten nicht ein, weil diese Stadtverordneten dem Handwerkerstande angchörten, »während sie doch das Festmahl der durch das Vertrauen ihrer Mitbürger gewählten s ä m m t l i ch e n Stadtverordneten angenommen. Zn Ostern erfolgte eine antisemitische Ausschreitung — es war nicht die erste — die ein gerichtliches Nachspiel hatte. Der „Mähr. Grenzb." berichtet darüber aus Jglau von 15. Mai 1896: „In der Ostersonntagnacht ging es in der Pilsner Bierhalle des Herrn Josef Z en s sehr erregt zu. Antisemiten hatten die dort verkehrende Gesellschaft in unfeiner Weise gestört uud am Mittwoch gab es ein Nachspiel vor dem hiesigen Bezirksgericht. Die Verhandlung wurde durch Herrn Gerichtsadjunlten P r o k s ch geleitet. Geklagt war der hiesige Kaufmann Max N. von Herrn Karl V a g n e r, Erzieher im Hause des Herrn Bezirksrichters Wilhelm Hermann in Stecken wegen Ehrenbeleidigung und Herr N. hatte die Gegenklage überreicht. Die eindringlichen Versöhnnngsversuche des Richters blieben ergebnißlos. Es wurde zur Verhandlung geschritten. Herr N. schilderte den Vorfall. Im Gastzimmer des Herrn Zeus saßen in der Osternacht mehrere Officiere des 4. Infanterieregiments. Antisemitische Aeußerungen wurden am Officierstische so lc.ut gethan, daß die an einem anderen Tische sitzenden Israeliten sie hören mußten. Einer jener Officiere, Herr Oberlieutenant Ritter von M i t i s, sagte nun zu einem Mandolettiverkäufer mit erhobener Stimme, er wolle ihm abkaufcn, wenn er durch die Stadt liefe und riefe: „Alle Saujuden müssen hin lverden!" Die Israeliten sprangen nun entrüstet aus und verließen mit Aeußerungen des Unwillens das Zimmer. Ein christlicher Kaufmann war an dem Tische sitzen geblieben und wurde nun bezüglich seiner Abstanimung vom genannten Ofsicier angegriffen. Als

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