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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-05-29 · 22 (29.5.1896) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
22 (29.5.1896)
Date
1896-05-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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9fr. 22 Dr. Vloch's Wochrnsttzrifl. Seite 437 ganzen Proceffes der Umstand Aufklärung, daß die Wechsel dadurch aus der Welt geschafft wurden, daß der Kaiser mit 10.000 Mark aus seiner Privatschatulle beisprang und Prinz Albrecht mit 9000 Mark. Diese Zuwendungen konnten selbstverständlich in keine unangenehmen Beziehungen zu bedenklichen Personen gebracht werden. Ein. eigenthümliches Geschick, daß die „Krenzzeitnng", diese Kämpferin für Tugend und Frömmigkeit, Schlag ans Schlag trifft. Antisemitisch Christlich-Sociales. In der „Stettiner Abendzeitung" b.sen wir unterm 19. Mai: „Sctnichtern ltiiö zarr beginnt heule Die a n t i f e m i t i f d) e P o m m e r' sch e Bo l ks r u n d scha u " von der Angelegenheit Notiz zu nehmen, auf welche wir g e st e.r.n h i n d e u t e t e n, als wir über die ungleiche Handhabung des Mantels der christlichen Liebe sprachen. Sie erzählt, „daß der Pastor Rauh in Kladow eine in den weitesten Kreisen beliebte Persönlichkeit gewesen, daß er keine andern Feinde als politische gehabt und endlich, daß die Familie des inzwischen Verhafteten bei Verwandten untergebracht sei" Wie theilnahmsvoll und mild! Die „Pommer'sche Reichspost" aber schweigt vorläufig überhaupt die Sache todt. Schließlich wird dies Blatt vielleicht, ähnlich wie im Falle Hammei stein, ganz versteckt und kurz von einem neuesten „s ch m e r z l i ch e n Falle' reden. Ja denn also, um den Pastor Rauh in Kladow handelt es sich, einen streng o r t h o d o x e n, h ö ch st l i p p e n fr o m m e n Mann S t ö ck e r's ch e r S ch u 1 e! A n t i s e m i t i s ch reiormerisch-christlich-social war er und also auch nach Pommer'scher Fagon st r a m m c o u s e r v a t i v. Ein M u st e r d e u 1 s ch e r und zuletzt nur dadurch mißliebig bei den Junkern, weil er deren patriarchalisches Regiment über „ihre Leute" beim richtigen Namen nannte. Daß Rauh- Kladow furchtbar königstreu war. versteht sich von selbst. Aber Königstreue, '/Frömmigkeit und Patriotismus haben ihn nicht verhindert, 35.001» Mark aus der ihm anvertranten Kirchencasse zu mausen, trotzdem er in geordneten auskömmlichen Verhältnissen lebte. Wieder ein Beweis, wie wenig d i e R ec e p 1 e unserer c o n s e r v a t i v - antisemitischer! Staatsretter bei ihnen selbst an schlagen! Auch mehrere kleine Geschäftsleute soll Pastor Rauh in Mitleidenschaft gezogen haben, wahrscheinlich aus heißer Liebe für den „Mittelstand". Uebrigens ist der treulose Hirte seiner Schafe bereits in das hiesige Amtsgericht eiugcliefert und es wird anläßlich der gerichtlichön „Verhandlung. Gelegenheit sein, auf den Fall znrückzukommen." Die Antisemiten haben wirklich mehr Pech mit ihren Stützen, als dem „Svcialismus der dummen Kerle" gut ist. Da schreien ihre Organe in das Land hinein, und besonders talentirte Helden des „arischen Vesreinngskampses" sternpeln die Devise an die Wände gewisser abseits liege'.rder Loealitäten „K a u s t nicht bei I u d e u"; inzwischen bandeln die Hammerstem und Genossen nach dem Recept: „a b e r st e b l t und nute r schlagt bei C h r i st e rr!" Da werden giftige Broschüren losgelassen wie „Ter Eid eines Inden"; inzwischen aber wandert die antisemitische Leuchte Lenß wegen Meineides in's Zuchthaus. Und so jagt ein Witz den anderen. Ein jüdischer Lieutenant. Durch die Liebenslvürdigkeit eines Lesers sind die Berliner „Mi tt h e ilu n g en" in der Lage, aus der „Staats- und Gelehrte-Zeiücng des Hambnrgischen unparteiischen Correspondenten, No. 111. Am Mittewochen, den 12. Jnlii. Anno 1320," folgende Leitnotiz zu veröffentlichen: „A u s d e m C h u r hessische n, v v m 3. I n l i. Herr G r ü n t h a l, ehemaliger Lieutenant in der West- - phalischen Armee und Sohn eines armen Juden zu Witzenhausen, hatte den Feldzug nach Rußland mitgemacht, und da er beq seiner Rückkehr keine Versorgung fand, sv begab er sich über Hamburg nach Hayti, wo er Jnspector der königlichen Haustruppen wurde und so viel Vermögen sammelte, daß er nach dem Hessischen zurückkehren wollte, um seinen alten Vater zu unterstützen., Ans seine Bittschrift an den König Heinrich erhielt er folgende Antwort: .. : Königreich Hayti. Im Pattast von Sans-Sonci, den Lösten Mürz 1820. im I7ten Jahre der Unabhängigkeit. Der Staats-Secretair, Minister der auswärtigen Angelegenheiten von Hayti, an Herrn Grünthal, Jnspector der Königlichen Haustrnppen. M e.i n H e r r! Der König, mein erhabener und geliebter Souverain, hat mir besohlen, diesen Brief an Sie zu schreiben, und zwar auf das Ansuchen, welches Sie au Se. Majestät gemacht haben, nach Ihrer Heimath zurückzukehren und für Ihren Vater sorgen. Indem Se. Majestät Ihre löblicheir Gesinnungen kindlicher Liebe sehr billigent so lassen Höchstdieselben Sie ersuchen, noch drey Jahre in Ihrem Dienste zu bleiben, welches in Allem sechs Jahre ausmachcn wird, und um Ihrem Vater zu Hülfe zu kommen, schenkt Ihnen Se. kaiserliche Hoheit der Kronprinz 3000 Piund Eassee, freu von allen Abgaben, die Sie zur Unterstützung an Ihren Vater schicken tonnen. Se. Majestät erlauben Ihnen überdies, Ihrem Varer das Zeugniß zu geben, daß Allerhöchstdieselben mir Ihnen zufrieden sind. Ich habe die Ehre, Sie aufrichtig zu grüßen. Unterz. : de Limonade Der Kaffee ist nürklich über Bremen, znm Erstaunen des alten Grünthal, der jetzt zu Heiligenstadt wohnt, an seiner Bestimmung angekvmmen. Ter Greis hat seinem Sohn die Erlanbniß ertheilt,' noch drei Jahre nach den Wünschen des Königs Heinrich ans Hapti zu bleiben. Der Sohn ist seitdem zur Belohnung seiner Dienste in den Grafenstand erhoben worden." Indische Neftaurationen in den Curortcu. Man schreibt uns aus einem Curorte : Die Bemerkung in der „Oesterreichischen Wochenschrift", daß in dem Badeorte Gräsenberg znm Leidwesen vieler jüdischer Patienten kein rituell geführtes Restaurant existirt, veranlaßt mich, diese Zeilen zu schreiben. Wer Gelegenheit hatte, in Enrvrten, wo indische Restaurationen sind, Erfahrungen zu sammeln, nürd gesunden haben, daß viele jüdische Familien - darunter selbst solche, die vermöge der Stellung ihres Erhalters ans alle Fälle eine gewisse Reserve sich auserlegen sollten — ans den nichtigsten Vorwänden das jüdische Restaurant meiden, um in christlichen Localen zu speisen. Mag der jüdische Wirth aird) bestrebt sein, das Beste zu denselben Preisen wie der christliche Wirth zu bieten, so finden viele Inden doch immer Grunde, um sich von der rituellen Kost zu emancipireu. Wenn nicht anders, so behauvten sie. sie fänden anderwärts keirce für sie paffende Gesellschaft. Und sv ziehen sie es vor, Locale zu besuchen, wo ne mitunter znm Nachtisch vom Nachbartische Bemerkrurgen über jüdische" Gäste zu hören bekommen, die ihnen wirklich den Appetit nehrnen könnten. Das macht aber nichts, denn es gehört zur Noblesse, nicht beim Juden zu speisen. So wird es aber begreiflich, daß jüdische Wirthe die Lust verlieren, in Enrorren Nesiaurants zu errichten. Ein E n r g a st. Correspondenzen. Wien, am 26. Mai 1396. Das Präsidium des Vereines zur Hebung der Oiewerbe sendet an seine Mitglieder folgende Bekanntmachung: „Verein zur Hebung der Gerverbe in Wien", I., Wipplingerstraße 26. Evllegen! Ans Grund einer freundlichen Einladung seitens der Tirectivn in Budapest hat der Bereins-Vorstand den einstimmigen Beschluß gefaßt, die M i l l e n n i u m s - A n s st e l l n;t g c vrpvrati v zu besuchen. Der Verein wird am Territorium vssiciell begrüßt, mit einem Banket beehrt, ebenso wie ihm tüchtige Fachmänner zur Führung beigestellt werden. Die Kosten dieser Excursion sind sehr minimal. So z. B. kostet die Fahrt per Bahn oder Schiss tour retour 111. Elasse stimmt Wohnung, Verköstigung «Frühstück, Mittag- und Abendmahl in gewühlten und renommirten Hotels», Benützung aller Verkehrsmittel, beliebigen Besuch der Ausstellung und Vergnngunslocale, Versicherungs-Prämie ans 1000 fl. ver Person 15 st. 50 kr., bei II. Elaste 22 sl. 50 kr. per Person. Die Abfahrt von hier erfolgt a m 27. I n n i Rcvrgens. Bis heute haben sich 30 Theilnehmer angemeldet. Vereinsmitglieder oder Gäste, welche -binnen 14 Tagen bei dem Präsidium . des Vereines ihre Betheiligung anmelden, werden von letzterem sodann zu einer Vorbesprechung eingeladen werden. Abzeichen sind in der Vereinskanzlei zu haben. Hochachtungsvoll für die Vereinsleitung Der Schriftführer: Der Präsident: A. K i s ch. S. B r o d. Wien. Anläßlich des 80. Geburtstages des Herrn Moses Feßler wurde Samstag den 16. d. M. vom Vorstände des israelitischen Tempelvereines für den VI. und VII. Bezirk ein Festgottesdienst veranstaltet, bei welchem der Präses der israelitischen Eultusgemeinde Wien, Herr Gustav Simon, der Gesammtvorstand des Tempelvereines, sowie der ganze Vorstand des Humanitäts-Vereines Nachlat Jeschurnn, ferner Borstandsdelegirte der Tempelvereine des II. und IX. Bezirkes anwesend waren. Der Prediger Herr Dr. T a gt i ch t feierte in beredten schwungvollen Worten die Verdienste des Jubilars um den Tempelverein sowohl, als auch um den Humanitärs-

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