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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-05-22 · 21 (22.5.1896) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
21 (22.5.1896)
Date
1896-05-22
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 21 Dr. Vloch's Wochenschrift Seite 427 „Diese Frage beantwortete ich mit einem entschiedenen und bestimmten Nein!" — Allgemeine Verblüffung. — Wladislaw wankt und greift sich ntit beiden Händen an den Schläfen. — Triumphirend wirft Stanislaw mit erhobener Stinnne ein „Feigheit" dazwischen, welches aber Blum ganz gleichgiltig läßt. — „Ich hatte nicht gedacht", bemerkte er in ruhigem Tone, „daß meine selbstverständliche Antwort eine solche Wirkung Hervorbringen werde, und will es versuchen, für meinen Entschluß Argumente anzuführen. — Von meiner Wenigkeit muß natürlich abstrahirt werden, da an einem einzigen Individuum nichts gelegen sein kann — so spreche ich denn im Flamen aller anzuwerbenden Glaubensgenossen". „Wir haben dabei sehr viel zu verlieren und nur zu verlieren, ohne Aussicht auf irgend einen, wenn auch nur geringsten Vvrtheil." „Angenommen, ich gehe mit und mit mir noch einige Hundert Jünglinge, und es gelingt, einen Erfolg zu erzielen." — „Was wäre, nun unser Lohn? Ein Fußtritt den Ju d e n, die sich erfrechen, den ,/Anderen" gleichgestellt werden zu wollen". — „Im umgekehrten Falle würde man von „Berrath" sprechen mrd die Schuld den Juden in die Schuhe schieben". — Doch so weit sind wir noch nicht. — Welches Los unser harret, wenn wir den Schergen Gurko's jenseits der Grenze in die Hände fallen, braucht nicht erst erörtert zu werden." „Fängt man uns in unserem Lande, haben wir Gefängniß und nachher die Bitterkeit des Militärdienstes eines „politisch" Afsentirten — zu gewärtigen. — Wenn ich aber z. B. im Gefechte, zürn erwerbsunfähigen Krüppel gemacht werde und es mir gelingt, die heimatliche Scholle zu erreichen, wer soll mich dann erhalten? Zum erstenmale würde man mir vielleicht, in ^Anbetracht meiner „Verdienste" einen Gulden verabreichen, jedoch die Gaben stets vermindern und schließlich mich durch die Hunde aus dem Hofe hetzen. — Es ist, wie Sie sehen, zu viel Risico für eine problematische Gegenleistung. — Ich kann daher ans den angeft'ihrten Gründen meine Glaubensgenossen zur Theiluahme nicht animiren, und somit wird die dritte Frage gegenstandslos." Die Herrschaften wechselten bedeutungsvolle Blicke, während Herr Debowski aus seinen Tschibnk eine mächtige Rauchwolke blies und über die Brille hinweg den jungen Mann aufmerksam betrachtete — „Mein junger Freund!" begann er. „Es ist nun einmal Ihre Art, zu berechnen und zu erwägen, welches keinesfalls zu tadeln ist, da, wenn alle jungen Männer sich zu so vielem Ueberlegen Zeit ließen, gar manche Dummheit unterbliebe. — Allein hier nützt gar nichts mehr. — Die in's Rollen gebrachte Lawine kann nicht mehr aufgehalten werden, und ist nun unsere Aufgabe, dieselbe so zu dirigiren, damit sie dem Feinde möglichst viel, uns aber gar keinen Schaden verursache. — Hiezu benöthigen wir Kräfte, recht viele und gute Kräfte — und wenn es uns gelingt, diese anfzubringen, dann find wir unseres Erfolges sicher. — Haben die Israeliten uns zu diesem Erfolge verholfen, dann ziehen wir mit ihnen gegen die Türken und werden für sie Palästina wieder erobern. Run! Was sagen Sie dazu?" Blum hat nur mühsam ein Helles Auflachen unterdrückt und entgegnete: „Im Namen meiner Glaubensgenossen danke ich für diese grvßmüthigen und gewiß edlen Absichten, doch gestehe ich offen, daß w i r, daß heißt die jüngere Generation nicht mehr für Palästina schwärmen, obwohl wir einer Wallfahrt nach dort nicht abgeneigt wären. — Unter der glorreichen Regierung unseres erhabenen Herrschers fühlen wir uns in unserem Baterlande ganz wohl und haben gar kein Verlangen nach einer Veränderung, obwohl wir noch nicht die volle Gleichberechtigung besitzen. — Tollt vientnt avu; le temps. — Mit der Zeit, hoffen wir, alle bürgerlichen Rechte zu erlangen." Stanislaw' R., der mit einer gewissen Schadenfreude diesem Dialog zugehört hat, nahm nun das Wort: „Ich bitte, Herr Debowski, sich keine vergebliche Mühe zu geben. — Die Juden sind von Natur aus Feiglinge und möchten sich unter die Erde verkriechen, wenn irgendwo ein Schuß fällt. — Wir hoffen auch ohne ihrer Mitwirkung mit den „Moskali" fertig zu werden". — Graf Wladislaw fühlte sich durch diese Aeußerung auf's Tiefste verletzt und als er bemerkte, wie Blum die Farbe wechselte ' und die Zornesader auf seiner Stirne schwoll, sagte er: . „Lieber Stasiv! Thne Niemanden Unrecht. — Kein vernünftig denkender Mensch würde aus der Erklärung unseres Berek etwas Unrichtiges herausfinden. — Jnl Uebrigen ist er der einzige Sohn seines nicht mehr jungen Vaters, dessen Stütze im Alter zil sein er berufen ist, da seine Schwester Sarab noch sehr jung und schwächlich ist, daher kamu alt werden dürfte". — Die Gräfin belehrte ihren Sohn, daß auch er der Einzige ist und fort müsse und Wladislaw replieirte, daß hier die Verhältnisse ganz anders liegen — indem er seiner Abstammung dieses Opfer schuldet und die Mutter keinesfalls auf seine Stütze angewiesen sein kann, da ans dem Erträgnisse der Güter alljährlich viele ersparte Taufende bei der Creditanftalt in Lemberg angelegt werden -- u. s. w. Inzwischen gewann Blum feine Fassung wieder und sprach in ruhigem Tone: „Ich bin nicht berufen, hier zu üeurtheilen, wer feige ist, und ist auch hier nicht der Ort über den Begriff von Feigheit zu debattiren. — Die Ehronik erzählt von so mancher Leistung der Juden während der 48er Bewegung, welche gar nicht wie Feigheit aussah — dafür wurde ihnen Einigkeit, Gleichheit itiii> Brüderlichkeit zngesagt, welche sich aber späterhin darauf beschränkte, daß jeder grüne Junge, der sich einbildete, ein Edelmann zu sein, alle Inden, auch die in Ehren ergrauten, zu dutzen beliebt. Es wäre daher besser, unerörtert zu lassen, auf welcher Seite Feigheit ist. Trotz alledem null ich dem Herrn R. beweisen, daß ich wohl kein Ritter, aber doch ohne Furcht und Tadel bin, und werde die Campagne an der Seite des Herrn Grafen mitmachen — dann komme, was da kommen mag." Sofort wurde dem, in einem versteckten Gemach des Hintertraetes arbeitenden Schneider der Auftrag ertheilt, für Blum eine ganz gleiche Uniform wie für Wladyslaw anzusertigen. Alle Anwesenden fielen dem jungen Manne um den Hals, herzten und küßten ihn, nannten in sogar Freund und Bruder, welchen Moment Stanislaw benütze, Blum auch feiner Freundschaft zu versichern. Damit in dieser frohen Erregung kein Mißton platzgreife und der Sohn des Arendarz fortan als zur guten Gesellschaft gehörig betrachtet werde, faßte man den Beschluß seinen Namen zu p v l o n i s i r e n und nannte ihn B o g n m i l Kwiecinski, unter welchem Namen er auch in der „Liste" eingetragen wurde. In den folgenden Tagen wurden Pferde zugeritten, Schieß- und Fechtübungen gemacht und mit allem Eifer die Zurüstung zur Abreise betrieben, welche schon in der nächsten Woche erfolgen müßte, da das im Walde bei Wegrow lagernde Bataillon „Kvfsyniery" (Sensenmänner) des Eommandanten harrte. -(Fortsetzung folgt.) Literatur;. Tr. Samuel Poznanski — Nos« den Samuel hakkohen ihn Chiquitilla nebst den Fragmenten seiner Schriften. Ein Beilrag zur Geschichte 2er Bibetexegese und der hebräischen Sprachwissenschaft im Mittelalter. Leipzig, C. Hinrichssche Buchhandlung, 3895, 8", 199 S. (7 M.). Mil vorliegender Schrift hat sich ein junger Autor auf die vortheithasteste Weise in die jüdische Literatur eingeführt; es ist ein ganz glücklicher Griff, den er mit seiner Erstlingsarbeit gethan, indem er einem wirklichen, allerdings wesentlich von Gelehrt-,i gefühlten Bedürfniß entgegengekoinmen ist und von der schriftstellerischen Thätigkeit eines Mannes, dessen Werken die Ungunst der Zeit gar Übel mitgespielt hat, ein immerhin interessantes Bild gibt. Im elften und zwölften Jahrhundert war es wie ein Schwarm großer G-ister ans die spanische Judenheil niedergegangen. Alle Wissensgebiete wurden befruchtet und nahmen einen ganz merkwürdigen Aufschwung, den größten Gewinn Hot jedoch die hebräische Sprachwissenschast in jener Zeit davongetragen. Damals wurde, wenn man so sagen darf, das Gravitationsgesetz der hebräischen Sprache, die überall ausnahmslos waltende Nothwendigkeit der drei Wnrzelbuchstaben, entdeckt und sichergestellt. Jehuda Chajudsch, der geniale Entdecker des Grundgesetzes der hebräischen Grammatik, concentrirte sich darauf, das Gesetz der drei Wnrzelbuchstaben dort vor Allem nachzuweisen, wo es sich der Wahrnehmung entzogen halte, d h. bei den schwach- und dvppellautigen Zeitwvrten. Auf dieses Fundament baute dann Jonah oder wie er arabisch heißt, Abulwalid Merwan ibn Dschanach, weiter, der größte Sprachforscher des jüdischen Mittelalters, der durch seine hervorragende Bedeutung einen gerechten Anspruch darauf hat, daß man sich den langen Namen wohl merke; denn durch ihn ist die hebräische Grammatik unter Dach und Fach gebracht worden. Beider Schüler und Fortsetzer war Mose ben Samuel hakkohen ibn Chiguitilla oder Gikatilla. Aber seine Schriften sind uns sämmtlich verlorerr gegangen, wir kennen ihn hauptsächlich aus den Citaten, die Abraham, ibn Esra von ihm beibringt, und wissen, daß er ebenso sehr gerühmt, wie von seinem Zeitgenossen Ibn Balam scharf angegriffen wurde; ein Einblick in seine Leistungen und eine Würdigung seiner Bedeutung war jedoch für Alle, die sich nicht gerade sehr eingehend mit der Geschichte der grammatischen Studien befaßten, nicht recht zu gewinnen. Es > unterliegt nun keinem Zweifel, Ibn Chiguitilla war ein Sprachforscher

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