Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 21 (22.5.1896)
- Date
- 1896-05-22
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 426 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 21 Artikel aus Holz — Stühle, Löffel und Geldbüchsen — zum Verkauf in Petticoat Laue fertig zu macheu. Er erhöhte iu dieser Weife fein Einkommen. „Guten Abend, Joschi!", fügte Sugarman. „Guten Abend!", murmelte Jofchi, ohne mit dem Sägen einzuhalten. Jofchi war ein linkischer junger Mann mit einem fommersproffigen, sandfarbigen Gesicht und hatte die Eigenschaft, jeden Augenblick roth zu werden, weil er stets argwöhnte, daß man über ihn spreche. Seine Augen sahen schlau und katzenarttg aus. Eine Schulter war höher als die andere, und wenn er ging, schwankte er hin und her. Sugarman versäumte selten eine Pflicht der Frömmigkeit und war nahe daran, das Gebet beim Anblick von Monstrositäten zu murmeln: „Gelobt seist Du, der die Geschöpfe verändert." Aber er widerstand der Versuchung und sagte laut: „Ich habe Ihnen etwas uützutheileu." Joschi blickte mißtrauisch auf, „Stören Sie mich nicht! Ich Hab' zu thun," fügte er und setzte den Hobel an ein Stnhlbein an. „Mer das ist wichttger als Stühle. Möchten Sie heiraten?" Joschi's Gesicht wurde roth wie eine Päonie. „Machen Sie keine Dummheiten!", sagte er. „Ich meine es ganz ernst. Sie sind vierundzwanzig Jahre alt und sollten jetzt schon eine Frau und vier Kinder haben." „Mer ich brauche keine Frau und vier Kinder," antwortete Joschi. „Natürlich nicht, ich meine auch keine Witwe. Die ich im Auge habe, ist ein Mädchen." „Unsinn! Was für ein Mädchen wird mich haben wollen?", sagte Joschi. „Was für ein Mädchen?! Gott im Himmel, hundert! Ein feiner, starker, gesunder junger Mann wie Sie, der ein so gutes Einkommen hat." (Fortsetzung folgt.) Bogmnil Rwierinski, recte Bert Blum. Reminiseenzen aus dem Polenaufstande 1863. Von Dmuchalski. III. Auf dem Edelhofe zu N.. . ka geht es lebhaft zu. Die kranke Gräfin befindet sich bedeutend besser seit Wladyslaw heimgekehrt ist und ihr Zustand bessert sich mit jedem Tage. Herr Debowski empfängt täglich unter Couvert die neueste Ausgabe der Zeittmg vom „Rzad narodowy," wo stets Berichte über stattgehabte Scharmützel enthalten sind. Bei der Tafel, an der auch die Gräfin theilnehmen kann, liest Herr Debowski die Rapporte der Anführer der versammelten Gesellschaft vor, welche, wenn diese günsttg lauten, sich der Freude nicht enthalten kann und in Thränen ausbricht, wenn eine Niederlage gemeldet wird. Am dritten Tage nach der Heimkehr des jungen Grafen: langte dessen Freund Stanislaw R. an, der wegen Besorgung einiger Sachen noch in Wien bleiben mußte. Derselbe wurde von der Gesellschaft herzlich begrüßt, und als sein Gepäck hereingettagen und von der Emballage befreit wird, kommen zwei schwere Pallasche und ebensoviel Revolver nebst Munitions-Packeten zum Vorschein. Beim Anblick dieses Arsenals en miniature, fällt die Gräfin in Ohnmacht, erholt sich aber bald und versucht es nochmals, ihren Sohn von der Theilnahme am Aufstande abzubringen, jedoch vergebens. „Die vor jeder Kirche aufgeftellten großen Holzkreuze mahnen au die heilige Pflicht der Rache," meinte Wladyslaw. „Die Querhölzer an denselben scheinen sich wie erhobene Arme 'gen Himmel zu strecken und energisch Wiedervergellmrg für das unschuldig vergossene Blut zu fordern." Es ist daher heiligste Pflicht jedes wehrfähigen Polen, sich der Bewegung anzuschließen und obwohl ein Erfolg kaum zu erwarten ist, müssen wir uns doch ein ganzes Jahr halten, dann werden wir als stteitbare Macht bettachtet und Napoleon wird uns zu Hilfe kommen, wie er versprochen." — „Wladzio hat Recht", bemerkte Herr Debowski, „er spricht wie ein richtiger polnischer Edelmann." Da mischte sich auch Herr Feliksiewicz ins Gespräch und meinte: „Der Erfolg wäre sicher, wenn wir nicht auf uns selbst angewiesen wären." „Der ruthenische Bauer wird kaum zur Theilnahme zu bewegen sein, aber die Juden, die sind uns doch zu Dank verpflichtet uird werden unserem Rufe sofort Folge leisten, und wo Juden sind, da wird Gott helfen, es ist doch sein auserwähltes Volk. Mit welcher Andacht spricht jetzt jeder Pole den Namen des Warschauer Rabbiners Berek Meisels aus; die Damen verehren ihn wie einen Heiligen für sein mannhaftes Auftreten gegen den Großfürsten, der ihm befahl,, die Synagogen zu schließen, weil die Unserigen sich dort zum Gebete versammeln, seitdem die polnischen Kirchen draußen im Reiche geschlossen wurden. Ich bin überzeugt, daß viele israelitische Jünglinge für die heilige Sache gewonnen werden können, wenn sie hiezu aufgesordert werden." Graf Wladyslaw warf feinein Freunde R. eilten bedeutungsvollen Blick zu und bemerkte: „Auch wir haben hier in nächster Nähe einen Berek, der, wie ich glaube, unserer Sache unschätzbare Dienste leisten könnte. Es ist dies der Sohn unseres Moszko, ein braver, ehrlicher Junge, wie er selten zu finden ist, dem ich mein vollstes Vertrauen zu schenken bereit bin." „Aber Wladzio", warf Stanislaw erregt ein, „gib doch Ruhe mit diesem Juden! Er ist ein Feigling wie alle seine Stammesgenossen und unsere heilige Sache wäre von vornherein verloren, wenn wir Juden in unseren Reihen hätten." „Bitte sehr," sagte Herr Feliksiewicz ironisch, „ich denke über die Juden anders und habe vollen Grund dazu. Meinen: Factotum Szloma zum Beispiel kain: kaum Jemand an die Seite gestellt werden, der ihm an Treue und Verläßlichkeit gleichgestellt werden kann. Heute noch beauftrage ich ihn, in dieser Richtung , zu agitiren und Sie werden sehen, welche Erfolge er erzielen wird" — darauf wußte R. nichts zu entgegnen — Herr Debowski meinte, man möge vorerst einige vertrauenswürdige Israeliten befragen, wie sie über die Sache denken, bevor man eure Action eiuleitet, mit welchem Anttage die ganze Gesellschaft einverstanden war. Graf Wladislaw machte den Vorschlag, man möge seinen Freund, den Mediciner Blum, der ein sehr intelligenter junger Mann ist, und einen gewissen Einfluß auf die Cvmmilitonen üben kann, nach Hause berufen und seiner: Rath einholen. — Sogleich wurde eir: Telegramm arr Blurrr aufgesetzt ur:d durch eurer: reitenden Boten nach der Stadt zur Aufgabe geschickt und 3 Tage später, traf Berl Blum in N. . . ka ein. — Kaurrr hatte dieser den äußeren Menschen „salonfähig" gemacht, begab er sich in den Edelhvf, wo er sehnsuchtsvoll errvartet wurde. — Nach freundlicher Begrüßung nahm Herr Debowski als Senior der Gesellschaft das Wort und fragte den jungen Mann ohne alle Umschweife, rvie er über die Bewegung denke, ob er daran theilnehmen will und ob. er eine Anzahl feiner Glaubensgenossen zur Theilnahme anirrriren kann. — „Herr! Sie ftagen zu viel auf einmal, jedoch will ich mich bestreben, jede Frage gewissenhaft zu beantworten, bitte aber nicht ungehalten zu sein, wenn ineine Ansicht eine andere als die allgemeine sein sollte. — Mir will es scheinen, als ob die Bewegung, respective die Veranlassung hiezu, wohl gerechtfertigt, der Erfolg aber sehr zu bezweifeln ist. — Sie gestatten, daß ich diesen Kampf den einer Hauskatze mit einem Löwen vergleiche. — Ich zweifle nicht, daß die sich sammelnden Schaaren, mit Begeisterung und Todesverachtung kämpfen werden, kann aber nicht so optimistisch sein, um zu glauben, daß diese in: Stande sein wird, einer wohl organisirten und vorzüglich disciplinirten Armee, auf die Dauer Stand zu halte::". — „Wohl haben Sie Recht" meinte Debowski: „Bitte aber nicht zu vergessen, daß Napoleon uns zu Hilfe kommt, wenn wir uns ein Jahrlang halten, wvdann wir nicht mehr als „Rebellen", sondern als reguläre stteitbare Macht bettachtet werden". — „Beides erlaube ich mir zu bezweifeln. Mit Rücksicht aus die großen, unüberwindlichen Schwierigkeiten, hinsichtlich der Bewaffnung, Verpflegung und Unterkunft, sowie auf die Verschiedenheit der Elemente, ist der Glaube an eine Ausdauer während eines ganzen Jahres sehr gewagt. — Wenn aber auch diese Unmöglichkeit, möglich gemacht werden sollte, ist die Hoffnung auf die Hilfe des Franzosenkaisers eine Chimäre. Sollte Er diese zugesagt haben, so hat Er ohne Zweifel irgend eine Absicht — aber keinesfalls die, der Aufständischen wegen sich in einen Conflict von unabsehbarer Tragweite zu verwickeln. — Der „Zug".des ersten Napoleon nach Moskau ist in der Geschichte mit blutiger Schrift verzeichnet — und erscheint zu einer Wiederholung sehr wenig verlockend." „Junger Mann!", sagte Herr Debowski, „Sie sprechen nach Ihrer Art" — klug berechnet, reiflich erwogen. — Ueberlassen Sie diese Angelegenheit ganz getrost wem Andern und haben Sie die Güte, zur Beantwortung uieiner zweiten Frage zu schreiten! Wollen Sie an der Campagne theilnehmen?" —