Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 21 (22.5.1896)
- Date
- 1896-05-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 21 Dr. B loch's Wochenschrift Seite 423 noch viele Jahre in körperlicher Gesundheit und geistiger Kraft die wohlverdiente Ruhe genießen möge. David Boskowitz, Dr. Philipp Pfeiffer, Gemeiude-Secietcu. Culnis Voisn-ticr. Budapest, 16. Mai. Unter den Besuchern der Millenniums-Ausstellung sah man in den letzten Tagen mich Geßmann, dessen Journal gegen jede Reise nach Budapest nach Kräften eifert. Buczaez, 10. Mai 1896. lieber Veranlassung des Cultnsvvrftandes und des Bürgermeisteramtes fand hier am 29. April d. I. in der großen Synagoge eine Trauerfeier für den Baron Hirsch statt. Die Synagoge war mit Tausenden von Glaubensgenossen überfüllt und hillt der hiesige Rabbiner Herr M. Bcimmer eine Trauerrede, welche einen tiefen Eindruck auf die Anwesenden übte. Sodann vielt der Bürgermeister Herr Bernard Steril ciucn ergreifenden Nachruf, über den Verlust des großen Philantropeu, schilderte dessen große Verdienste um das Judenthum und dessen Wohlthaten in allen Weiltheileu und hob insbesondere die in unserem Lande erwiesenen Wohlthaten, die von ihm gestifteten Schulen, die Heranbildung von Schulkindern za Handwerkern und dessen ausgiebige ll»t rstützungen an verunglückte Städte bei Elementarereignissen hervor. Am Schlüsse sang der Lehrer der „Baron Hirsch-Stiftung", Herr Goliger, mit den Schulkindern einige Psalmen und „El mvle rachmim". Am 3. Mai, 9 Uhr Vormittags, fand die zweite, auf Vera:llassu"g des Wiener Curatoriums anberaumte Trauerandacht in Gegenwart aller Schüler der hiesigen Stifiungsschule und eines zahlreichen distingnirten Publikums und vieler Damen statt. Der Schlllleiter, Herr Joachim Langer, hielt bei diesem Anlasse eine äußerst gediegene Trauerrede. Hierauf executirten die Schulkinder unter Leitung ihres Lehrers Goligcr Trauerpsalmen und ein Waisenknabe verrichtete zum Schlüsse das Kadischgebet. TeiireSvan. In der hiesigen orthodoxen Synagoge wurde am 10. d. M. ein Millenninms-Festgottesdienst veranstaltet, bei welchem der Rabbinatscandidat Michael Duschin s k i aus Preßburg eine Rede in ungarischer Sprache hielt, die auf die Anwesenden, darunter viele Christen, eine hinreißende Wirkung übte. K. T. Lipty-Iljvar, 10. Mai. Heute wurde in der festlich deeorirteu Synagoge anläßlich der Millenniums-Feier eilt Festgottesdienst abgehalten,welchemderObergespanL. Kürty und die Spitzen der Behörden beiwohnten. Herr Rabbiner W. Singer hielt die von Patriotisnrus durchglühte Festrede, die allgemeinen Beifall fand. Auch die hiesige orthodoxe Gemeinde veranstaltete irr ihrem Bethaufe eine würdige Festfeier. Leipnik. Freitag den 1. Mai d. I. beging in geistiger ilttd körperlicher Frische der hiesige Rabbinatsaffeffor Emerich Weiß das Fest der goldenen Hochzeit. Aus diesem Anlässe wurde seitens der Gemeindemitglieder eine Festlichkeit veranstaltet, die zu einer imposanten Kundgebung der Sympathie und tiefen Verehrung Anlaß gab, deren sich das Jubelpaar in allen Kreisen der hiesigen jüdischen Bevölkerung erfreute. Im Namen des Vorstandes der Gemeinde wurde dem Jubelpaar ein Ehrengeschenk überreicht und Herr Rabbiner Tr. H i l l e l feierte in einer längeren Ansprache die edlen Eigenschaften des Jubilars, die ihm die Herzen Aller gewonnen. Dieser dankte gerührt in einer ergreifenden Rede. Voryslaw, 10. Mai. Am 3. Mai l. I. ist in der hiesigen Stistungsschule eine Trauerandacht nach dem gottseligen Baron Moritz H i r s ch abgehalten worden. Der Direktor dieser Schule, Herr E l w e r, hielt dem Verewigten einen tiesergreisenden Nachruf; hieraus ergriff Herr Alexander S ch o r aus Drohobycz das Wort, um die Verdienste des Dahingeschiedenen, sowie den Verlust, den das Judenthum durch den Tod dieses Philantropen erlitten hat, zu schildern. Am Samstag den 9. Mai wurde im Gebethanse des Kranken-Unterstntzungs-Vereines „Bikur Cholem'' gleichfalls eine würdige Trauerandacht abgehalten. J. M. Kolomea. (T r a u u n g.) Dienstag den 26. Mai, lj.A Uhr Mittags, findet die Trauung des Frl. Celine G o l d s ch l a g, Tochter des Fabrikanten Herrn Wolf Goldschlag, mit Herrn Dr. Jacob Blumenthal statt. Neusohl, 10. Mai. Am 7. Mai hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Em Lenke seinen Einzug in Neusohl. Am Bahnhose in Altsohl warteten seiner die Deputation der Cultusgemeinde Neusohl, wie die Deputation der Nachbargemeinde Altsohl. Med. Dr. I. Krieser begrüßte den Rabbiner herzlichst, hieraus hieß ihn Rabbiner-Stellvertreter ans Altsohl Herr Neufeld in hebräischer Ansprache willkommen. Vom Bahnhose fuhr der Zug in 50 Wagen zum Tempel. Spalier bildeten vor demselben die Comitats-Hajduken. Herr Dr. Lenke hielt eine Antrittsrede, die allgemeinen Beifall erntete. Anwesend waren die Spitzen der Eouütats- und Municipal-Behörden, der Richterstand, die evangelische Geistlichkeit, das . Ossicierscorps, wie mehrere Professoren des katholischen Gymnasiums rc. Nen Sandee. Bei der Trauerfeier für Baron Hirsch hielt Herr Schulleiter I. Goldstanb die Gedenkrede. Rohatyn, 12. Mai 1896. Am 30. April l. I. wurde hierin der schwarzbeslaggten Synagoge eine Tranerandacht für den verewigten edlen Philantropen Baron Moritz von H i r s ch abgehalten. — Rabbiner Herr L e w i n feierte in einer formvollendeten, ergreifenden Gedenkrede, die auf die Anwesenden einen erschütternden Eindruck machte, die leuchtenden Verdienste des Verewigten und den unersetzlichen Verlust, den das Judenthum durch seinen frühzeitigen Tod erlitt. A. M. Tarnopol, 12. Mai 1896. Der Eultnsrath der Tarnopvler israelitischen Gemeinde veranstaltete am 10. d. M. im Tempel der israelitischen Hauptschule eine Trauerairdacht für beit verblichenen Philantropen Baron Moritz H i r s ch. Der Direktor der Perl'schen Lehranstalt, B\ Ehrwürden Rabbiner Tr. Simon Dankowicz, hielt die Gedenkrede, die aus die Anwesenden eine solch' erschütternde Wirkung übte, daß kein 'Auge thränenleer blieb. U. Trenesön-Baan. Die Millenniums-Feier, welche das ganze Reich der Stefanskrone in Festlichkeit hüllt, hat auch in unserer Stadt ihren würdigen Ausdruck gefunden. Anstalten, Corporntionen :c. haben das Möglichste aufgeboten. die seltene Feier je imposanter zu gestalten. Sonntag der 10. d. M. war für den Dankgottesdienst der einzelnen Consessionen bestimmt. Wie zumeist, so ging auch lier die ganze Jn'.elligenz der anderen Bekenntnisse, mit den Spitzen der Behörden aus der Kirche in die festlich decorirte, mit Nationalfahnen und Wappen geschmückte Synagoge, welche von Andächtigen dichtgedrängt war. Nach den feierlich intonirten Psalmen und dem von der in nationaler Tracht gekleideten Schuljugend angestimmten Hymnus betrat der Bezirksrabbiner Mor. Reich die Kanzel, um in gewohnter Eloquenz, in kernigem Ungarisch, die Bedeutung des Tages zu würdigen. _ Feuilleton. Rinder des Ghetto. (Roman von I. Zangwill.) (Warfiimuf »erboten ) Palästina, Jerusalem, der Jordan, „das heilige Land" waren für sie Zauberworte, der 'Anblick einer Münze, welche aus einer der Eolonien Palästinas geprägt war, füllte ihre Augen mit Thränen; im Tode verlangten sie keine höhere Gnade, als daß eine Handvoll Erde aus dem heiligen Lande über ihr Grab gestreut werde. Gedaljah, der Grünzeughändler, war jedoch nicht Einer von denen, die hochsliegende Hoffnungen nährten. Er setzte seinen Plan klar, ohne hochtrabendes Gefasel auseinander. Man müsse das Judenthum wieder ausbauen tvie die Koralle ihre Riffe baut — nicht wie es im Gebete heißt: „rasch und in unseren Tagen." Tie Anderen hatten mehr erwartet und waren enttäuscht. Einige prvtestirten gegen „kleinliche Maßnahmen"; sie waren gleich Melchisedek Pinkas für hohe Heldenthaten. Joses Strelitzki, der Student und Cigarrenagent, sprang aus und ries leidenschaftlich: „Ueberall stöhnt Israel und weint — müssen wir wirklich immer nur warten, bis unsere Herzen schwach werden und keinen entscheidenden Schlag mehr thnn können? Beinahe zweitausend Jahre sind verstrichen, seit wir über die Asche unseres heiligen Tempels Hinausgetrieben wurden in das Exil und die Ketten heidnischer Sieger hinter uns herklirrten. Seit beinahe zweitausend Jahren verweilen wir aus fremden Boden, den anderen Nationen zum Gespött, werden wir hinausgejagt ans jeder ehrlichen Beschäftigung und verfolgt, weil wir uns den unehrlichen Berufen, die man uns auszwang, znwendeten; angespieen und unter die Füße getreten, tränken wir die Bücher der Geschichte mit unserem Blut und erhellen sie mit dem düsteren Feuerschein der Scheiterhaufen, die unsere Märtyrer wendig bestiegen zur Verherrlichung des Ewigen! Wir, die wir vor zwanzig Jahrhunderten eine mächtige 'Nation mit einem Gesetzbuch, einer Constitution und einer Religion waren, welche den Grundstein zur Civilisatioir der Welt legten, wir, die, in Purpur und Linnen gekleidet, vor de.r Thoren großer Städte zu Gerichte saßen, sind jetzt der Spielball von Völkern, die damals als Wilde in Wolfs- und Bärenhaut gehüllt, durch Wald und Moor . schweiften. Jetzt steigt im Osten wieder ein Stern der Hoffnung